Wer weiß, ob sich Don Dolindo diese Frage jemals gestellt hat - er, der das Leid sogar in seinem Namen trug, als würde dieser fast schon seine helle und schmerzhafte Lebensgeschichte vorzeichnen: „Ich wurde Dolindo genannt, was Schmerz bedeutet“, schreibt er.
Früher oder später stoßen wir alle auf das Leid, denn es ist eine Wirklichkeit des Lebens, die uns unmittelbar treffen oder unsere Angehörigen betreffen kann und die uns dennoch jedes Mal Fragen stellt, weil niemand das Leid will und es angesichts jedes Leids menschlich und verständlich ist, sich zu fragen: „Warum gerade ich?“.
Don Dolindo lehrt uns durch sein Leben eine neue Antwort auf das Leid: eine Antwort vertrauensvoller Hingabe und sicherer Hoffnung, denn am Ende - vergessen wir das nie - sind wir für das Paradies geschaffen, für die endlose Freude!
Märtyrer im Herzen, nicht im Blut
Don Dolindo, ein neapolitanischer Priester, wird am 6. Oktober 1882 in der parthenopäischen Stadt geboren und lernt das Leid schon sehr früh kennen: Im Alter von gerade einmal 11 Monaten wird er am Handrücken operiert, später folgt ein weiterer Eingriff wegen eines Tumors unter der Wange. In seiner Familie leiden sie Hunger und Not. Als sich seine Eltern trennen, wird Dolindo an der Apostolischen Schule der Missionspriester in der Via Vergini angemeldet. 1903 bittet er darum, als Missionar nach China gehen zu dürfen, doch der Visitator des Ordens antwortet ihm: „Gott schenkt Ihnen diesen Wunsch, um Sie auf die Leiden und das Apostolat vorzubereiten. Sie werden Märtyrer sein, aber im Herzen, nicht im Blut.“

Und so war es auch: 1905 zum Priester geweiht, führt er ein Leben voller schmerzlicher Ereignisse, doch aus seinem tiefen Glauben schöpft er die Kraft, alles zu ertragen, ohne sich aufzulehnen; er betrachtet jedes Geschehen im Licht Gottes und seiner fürsorgenden Liebe und begreift, dass der Herr ihn formt, um ihn auf alle Hindernisse vorzubereiten, die er überwinden musste.
Es ist nämlich der 3. September 1907, als er von Pater Volpe gerufen wird, um ein Urteil über eine junge Frau namens Serafina abzugeben, die offenbar seherische Fähigkeiten besaß. Sein Bericht über den Fall wird vom Visitator falsch ausgelegt, und er wird von der Feier der Messe suspendiert. Von da an folgen Jahre der Demütigungen, Qualen und erneuten Missverständnisse, bis Don Dolindo am 17. Juli 1937 endgültig rehabilitiert wird und sein Wirken in Neapel in der Kirche San Giuseppe dei Nudi fortsetzt, wo er am 19. November 1970 stirbt. Sein ganzes Leben lang war er ein Märtyrer des Herzens.

Jesus, kümmere du dich darum
Wie nimmt man die Last all dieser Demütigung, dieses tiefen Unrechts an? Wie erträgt man all das, wogegen man sich menschlicherweise auflehnen würde? Don Dolindo würde vielleicht mit einem einzigen Satz antworten, mit seinem Satz, ganz schlicht und doch von unermesslicher Größe: «Jesus, kümmere du dich darum!».
Es ist ein revolutionärer Satz, ein Satz, der ungeheuren Mut in sich birgt: den Mut der Sanftmut und der Hingabe; den Mut eines Glaubens, der alles überwindet und die Kraft gibt, alles zu überwinden.
Lernen wir also von Don Dolindo, einem Kenner des Leidens, den Sinn des Schmerzes kennen und lernen wir, auf diesen unerwünschten Weggefährten so zu antworten, wie er antwortete: «Jesus, kümmere du dich darum», im Wissen, dass – wie er schrieb – das Unverständnis «das Mittel ist, damit wir uns nicht an die Geschöpfe hängen … und den Schöpfer finden».



