Andachten vom 19. bis 25. Juli 2021
«Wen suchst du?», fragt Jesus Maria Magdalena. Es ist die wesentliche Frage, die Jesus jedem stellt, der sein Jünger sein möchte: «Wen suchst du?», fragt Jesus auch uns.
Zu suchen ist die besondere Bedingung des Jüngers. «Was sucht ihr?»: Das sind die ersten Worte, die Jesus nach dem vierten Evangelium spricht. Drei Jahre später im Garten wieder dieselbe Frage: «Wen suchst du?». Pater Ermes Ronchi betont: «Mit dieser Frage legt Jesus seine heiligen Hände in das tiefe und lebendige Gewebe des Menschen, das der Wunsch ist: Was wünscht ihr euch wirklich? Was ist euer stärkster Wunsch? Worte, die „wie eine Hand sind, die deine Eingeweide ergreift und dich gebären lässt“ (A. Merini): Jesus, Meister des Verlangens, Exeget und Deuter des Herzens, fragt jeden: Welcher Hunger hält dein Leben lebendig? Welchem Traum folgst du?». In diesen Tagen denken wir darüber nach und versuchen, eine Antwort zu geben, indem wir auf das strahlende Beispiel der Heiligen blicken, an die wir in dieser Woche erinnern.

DONNERSTAG, 22. JULI
Die heilige Maria Magdalena
Die Kirche feiert heute die heilige Maria Magdalena. Der Herr Jesus heilt sie, und indem sie ihm folgt, dient sie ihm mit großer Zuneigung (Lk 8,3). Als die Jünger schließlich fliehen, steht Maria Magdalena dort beim Kreuz des Herrn, zusammen mit Maria, Johannes und einigen Frauen (Joh 19,25). Am Ostertag erscheint Jesus ihr: Zu der weinenden Frau, die das leere Grab und den weggewälzten großen Stein gesehen hat, spricht der Herr sie einfach bei ihrem Namen an: «Maria!» und vertraut ihr die Verkündigung des großen Geheimnisses an: «Geh und sag meinen Brüdern: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott» (vgl. Mk 16,9; Joh 20,11-18). Der Orden der Prediger nahm sie in die Reihe seiner Schutzpatrone auf. Papst Franziskus erhob ihren Gedenktag zum Fest und nannte sie «Apostelin der Apostel».
Zur Vertiefung:
• Sulla Tua Parola – (Messalino Juli-August 2021)
• Mit lebendigem Wasser. Tägliche Stundenliturgie – (Juli-August)

FREITAG, 23. JULI
Die heilige Brigida
Als schwedische Prinzessin wurde sie im Alter von 14 Jahren von ihrem Vater dem jungen Ulf, dem Sohn des Statthalters, zur Frau bestimmt. Brigitta hätte sich gern Gott geweiht, doch sie erkannte im Willen ihres Vaters den Willen Gottes und stimmte zu. Ihr Mann erwies sich als sanftmütig und bestrebt, ein Leben nach dem Evangelium zu führen. Als vorbildliche Eheleute und Eltern von acht Kindern wurden beide franziskanische Terziaren. Als Brigitta 1344 Witwe wurde, begann der zweite Abschnitt ihres Lebens mit mystischen Erfahrungen, Gebet, Buße, Werken der Nächstenliebe und zahlreichen Pilgerreisen: nach Assisi, Mailand, Jerusalem und Rom, wo sie 1373 starb. Aus dem von ihr gegründeten Kloster von Vadstena ging die Kongregation der als „Brigittinnen“ bezeichneten Ordensschwestern hervor. 1999 wurde die heilige Brigitta zur Mitpatronin Europas erklärt.
„Seht die Liebe eures Gottes - sagte die heilige Brigitta über das Leiden Jesu -; er würde, wenn er könnte, für jeden von euch noch einmal das erleiden, was er für alle Menschen erlitten hat. Gern würde er allein euch um den Preis seines Leidens erlösen. Wird eure Liebe auf eine solche Liebe etwa nicht antworten?“ Vertiefen wir unsere Kenntnis ihres außergewöhnlichen Lebens und rufen wir ihre Fürsprache an: Die heilige Brigitta möge uns lehren, unser Leben zu führen und unermüdlich Jesus zu suchen.
Zur Vertiefung:
• Fünfzehn Gebete der heiligen Brigitta

SAMSTAG, 24. JULI
Der heilige Charbel Makhluf
Youssef Makhluf wurde 1828 in einem Dorf im Libanon geboren. Nachdem er im Alter von drei Jahren seinen Vater verloren hatte, kam er unter die Obhut seines väterlichen Onkels. Seine frühe Berufung zum monastischen Leben wurde von seinem Onkel lange behindert. Schließlich trat er 1851 als Novize in den Libanesischen Maronitischen Orden ein und nahm zu Ehren eines antiochenischen Märtyrers den Namen Charbel an. In der Einsiedelei von Annaya zeichnete er sich durch Eifer und Einfachheit aus und nahm aus Gehorsam auch die größten Unverständnisse und schwersten Mühen auf sich. Am Weihnachtstag 1898 erlitt er während der Messe einen Schlaganfall und verbrachte acht Tage im Todeskampf, wobei er bis zu seinem Tod die wunderschönen Gebete des syrisch-maronitischen Ritus wiederholte. Von Anfang an mehrten sich an seinem Grab Wunder und außergewöhnliche Zeichen.
Der heilige Charbel hat auf die Frage Jesu geantwortet: «Wen suchst du?». Und gerade «den Sinn eines so verborgenen und zurückgezogenen Lebens versteht man in der Ganzheit seiner Vollendung. Es ist eine Würdigung seines demütigen Lebens und des Lebens so vieler Christen, die in der Einfachheit ihrer Berufung ihre ganze Existenz Gott dargebracht und ihn so als den einzigen Schatz „in die Welt eingeführt“ haben, der ein Erbe der Herrlichkeit bereithält» (Don Filippo Belli, Einführung in das Buch „Der heilige Charbel. Gott allein genügt für das Leben“).
Zur Vertiefung:
• Heiliger Charbel. Gott allein genügt für das Leben
• Gebete zum heiligen Charbel

SONNTAG, 25. JULI
Der heilige Apostel Jakobus
Jakobus wird „der Ältere“ genannt, um ihn vom gleichnamigen Apostel Jakobus, dem Sohn des Alphäus, zu unterscheiden. Er und sein Bruder Johannes sind die Söhne des Zebedäus, eines Fischers in Betsaida am See von Tiberias. Zusammen mit Petrus waren sie Zeugen der Verklärung, der Auferweckung der Tochter des Jaïrus und der Nacht in Getsemani. Jakobus ist der erste Apostel, der als Märtyrer starb: «Der König Herodes ließ einige Mitglieder der Kirche verfolgen. Er ließ Jakobus, den Bruder des Johannes, mit dem Schwert hinrichten» (Apg 12,1-2). Ab dem 9. Jahrhundert verbreitete sich in Compostela auf der Iberischen Halbinsel, die den Arabern unterstand, eine außergewöhnliche Verehrung: Jakobus wurde als Verteidiger des Glaubens und der Freiheit angerufen. Das berühmte ihm gewidmete Heiligtum ist einer der wichtigsten Pilgerwege, die im Laufe der Jahrhunderte die christliche Identität Europas geprägt haben.
Zur Vertiefung:
• Sulla Tua Parola – (Messalino Juli-August 2021)
Papst Franziskus sagt: «In dem Augenblick, in dem unsere Unruhe auf Jesus trifft, beginnt dort das Leben der Gnade, das Leben in Fülle, das Leben des christlichen Weges». Möge jeder von uns seine Mitte wiederentdecken: Jesus, den sicheren Ankunftsort, nachdem wir so lange gesucht haben.
Gute Reise!
