„Fürchtet euch nicht: Siehe, ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteilwerden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids ein Retter geboren; er ist der Christus, der Herr“ (Lk 2,10-11).
Heute ist ein Festtag, eine große Freude, denn Jesus wird geboren: Lassen wir zu, dass er in unserem Leben, in unserer Familie, unter unseren Freunden und an unseren Arbeitsplätzen geboren wird … Lassen wir ihn geboren werden, und es wird wahrhaftig große Freude sein.
Betrachten wir dieses Geheimnis großer Freude mit Pfarrer Andrea Vena.
Aus dem Evangelium nach Lukas 2,1.4a.6-7
In jenen Tagen erließ Kaiser Augustus den Befehl, die ganze Welt in Steuerlisten einzutragen. So zog auch Josef von der Stadt Nazaret in Galiläa hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Betlehem heißt. Während sie dort waren, kam für Maria die Zeit ihrer Niederkunft, und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war.
Der Platz für den kommenden Jesus
„Für sie war in der Herberge kein Platz.“ Mit diesen Worten endet der Text des Evangeliums […]. Worte, die im Johannesevangelium widerhallen: „Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf“ (Joh 1,11). Für den, durch den alles erschaffen wurde (Kol 1,16), gibt es keinen Platz […].
Von seiner Geburt an findet Jesus also keinen Raum, wird abgelehnt und hinausgedrängt. Und wenn wir ihm begegnen wollen, müssen wir notwendigerweise durch die Hintertür eintreten! Ausgehend von den Letzten, von den Ausgestoßenen, begegnen wir Gott, denn er handelt nach der einzigen Logik, die er kennt: der Liebe.
Lernen, das „Hier und Jetzt“ anzunehmen
Josef und Maria befinden sich in Nazaret, doch Kaiser Augustus hat die Volkszählung angeordnet: Es handelt sich um eine Maßnahme, um die Kräfte zu erfassen und die Steuern zu berechnen. Josef und Maria sind gezwungen, aufzubrechen, da Josef aus Betlehem, der Stadt Davids, stammt (Mi 5,1). Doch in diesem „Zwang“ verbirgt sich ein Plan; in diesem durch menschliche Berechnungen veranlassten erzwungenen Ortswechsel führt Gott dennoch die Geschichte, denn während die Mächtigen dieser Welt ihre Machenschaften planen und die Menschen als „Zahlen“ betrachten, revolutioniert Gott die Menschheitsgeschichte durch zwei einfache Menschen. Josef und Maria gelangen also an den richtigen Ort, an dem Jesus geboren werden sollte. Wir können Gott daher […] bitten, zu lernen, das „Hier und Jetzt“ des Ortes anzunehmen, an dem wir uns befinden, im Vertrauen darauf, dass jenseits menschlicher Machenschaften und des Gehorsams, den das Leben von uns verlangt, die Geschichte dennoch von Gottes fürsorglicher Hand geführt wird.

Jesus wird weiterhin Geschichte
Es liegt an uns, uns immer wieder von den großen Dingen überraschen zu lassen, die Gott vollbringt: Nur weil Wolken da sind, heißt das nicht, dass die Sonne nicht scheint; sie ist einfach verborgen. Ebenso bedeutet es nicht, dass Gott nicht da ist oder dass die von ihm versprochenen Früchte ausbleiben, nur weil wir seine Gegenwart in unserem Leben nicht spüren: Wir müssen nur unseren Blick und unser Herz weit öffnen!
[…] Wie Gott in Jesus Mensch geworden ist, so wird er weiterhin Geschichte und Ereignis in jedem Augenblick meines Lebens; jedoch nicht nach meinen Erwartungen, sondern nach seinen Plänen. Bin ich fähig, das Kind von Betlehem zu betrachten, um es anschließend in den kleinen Dingen des Alltags gegenwärtig zu erkennen? Bin ich fähig, die „Paläste der Welt“ zu verlassen, wie es die Weisen getan haben? Sie legen zunächst einen äußeren Weg zurück und sind dann, als sie nach Jerusalem gelangen, gezwungen, ihre Sichtweise zu ändern. Sie beginnen einen inneren Weg, der ihr Leben verändert, denn der König, den sie sich vorgestellt hatten, war ganz anders (Mt 2,11). Bin ich also bereit, meine Positionen und meine Rollen aufzugeben und im Gehorsam aufzubrechen, um mich wieder auf den Weg zu machen – im Stil des Kindes von Betlehem? Pflege ich diese innere Freiheit?
Dieser Text stammt aus dem Buch von Pfarrer Andrea Vena, Jesus mit dem Blick Marias betrachten, einer unserer neuesten verlegerischen Neuerscheinungen.

Allen und jedem Einzelnen ein friedvolles und heiliges Weihnachtsfest,
Verlag Shalom

