Texte aus dem Messbuch „Auf dein Wort“ Juli-August 2024
17. Sonntag im Jahreskreis (B)
1. Woche des Psalters
ERSTE LESUNG
Aus dem zweiten Buch der Könige (2 Kön 4,42-44)
In jenen Tagen kam ein Mann von Baal-Schalischa und brachte dem Gottesmann Erstlingsbrot: zwanzig Gerstenbrote und frisches Getreide in seinem Beutel. Elischa sagte: „Gib es den Leuten zu essen!“ Doch sein Diener sagte: „Wie soll ich das hundert Leuten vorsetzen?“ Er aber sagte: „Gib es den Leuten zu essen! Denn so spricht der Herr: Man wird essen und noch übrig lassen.“ Nun setzte er es ihnen vor; und sie aßen und ließen noch übrig, wie der Herr gesagt hatte. – Wort des lebendigen Gottes.
Kommentar zur ersten Lesung
Der vorgelegte Abschnitt gehört zu den „Blütenlese“-Erzählungen über den Propheten Elischa, der als „Gottesmann“ bezeichnet wird, ganz zu Gottes Verfügung steht und durch den der Herr selbst wirkt, indem er das Wort ergehen lässt und Wunder vollbringt. In diesem Fall bringt ein Mann aus Baal-Schalischa Elischa Erstlingsbrot dar, also eine Gabe, die dem Herrn vorbehalten war. Elischa behält die Gabe nicht für sich, sondern stellt sie den Menschen zur Verfügung und lässt sie an die Bevölkerung verteilen. Der Text weist auf das Missverhältnis zwischen den menschlichen Mitteln und dem erreichten Ziel hin, also zwischen den zwanzig dargebrachten Broten und den hundert gesättigten Männern. Diese Nahrung, Frucht menschlicher Arbeit und göttlichen Segens, vermehrt sich so sehr, dass sie ausreicht, alle satt zu machen. Die Zeit, in der Elischa lebt, ist vom religiösen Synkretismus geprägt; deshalb wandten sich die Israeliten häufig an Baal, den Gott des Regens, damit er die Felder fruchtbar mache. Das Brotwunder zeigt, dass der Herr, der wahre und fürsorgende Gott, dem Volk Wasser, Brot, Öl, Wein und jede andere Gabe im Überfluss schenkt.
ZWEITE LESUNG
Aus dem Brief des Apostels Paulus an die Epheser (Eph 4,1-6)
Brüder und Schwestern, ich, der ich um des Herrn willen im Gefängnis bin, ermahne euch: Führt ein Leben, das des Rufes würdig ist, der an euch erging, in aller Demut, Sanftmut und Geduld. Ertragt einander in Liebe und bemüht euch, die Einheit des Geistes zu wahren durch das Band des Friedens! Ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid zu einer Hoffnung in eurer Berufung: ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater aller, der über allem und durch alles und in allem ist. – Wort des lebendigen Gottes.
Kommentar zur zweiten Lesung
Aus dem Gefängnis ermahnt der Apostel Paulus seine Gläubigen eindringlich, entsprechend der Berufung Gottes zu leben, durch die sie in die kirchliche Gemeinschaft aufgenommen wurden. Die Verse sind großartig, denn das christliche Leben wird durch die trinitarische Liebe geschaffen. Zu Beginn werden einige Tugenden genannt, darunter die Demut; ohne sie ist es unmöglich, zur vollkommenen Einheit mit Gott zu gelangen. Was Paulus von seinen Christen erwartet, ist keine fromme Utopie, denn auf menschlicher Ebene geht es darum, jene Einheit zu bewahren und aufrechtzuerhalten, die der Heilige Geist ständig inmitten der christlichen Gemeinschaft wirkt, die durch die „Kette“ des Friedens verbunden ist. Zweitens zählt der Apostel auf, was die Christen zusammenhält. Der kirchliche Leib erhält seine Einheit weder durch die bloße Aneinanderreihung seiner Glieder noch durch gegenseitige Liebe, sondern durch die Teilhabe aller an einer einzigen Wirklichkeit. Siebenmal wiederholt Paulus „ein“, und am Ende der aus sieben Gliedern bestehenden Kette konnte nur der himmlische Vater stehen. Obwohl er über allen steht, bedient er sich jedes Einzelnen, um sich zu offenbaren, und entzieht niemandem seine liebevolle Gegenwart.
EVANGELIUM DES TAGES
Aus dem Evangelium nach Johannes (Joh 6,1-15)
In jener Zeit ging Jesus an das andere Ufer des Sees von Galiläa, der auch See von Tiberias heißt. Eine große Menschenmenge folgte ihm, weil sie die Zeichen sahen, die er an den Kranken tat. Jesus stieg auf den Berg und setzte sich dort mit seinen Jüngern nieder. Das Pascha, das Fest der Juden, war nahe. Als Jesus aufblickte und sah, dass so viele Menschen zu ihm kamen, sagte er zu Philippus: „Wo sollen wir Brot kaufen, damit diese Leute zu essen haben?“ Das sagte er, um ihn auf die Probe zu stellen; denn er selbst wusste, was er tun wollte. Philippus antwortete ihm: „Brot für zweihundert Denare reicht nicht aus, wenn jeder von ihnen auch nur ein kleines Stück bekommen soll.“ Einer seiner Jünger, Andreas, der Bruder des Simon Petrus, sagte zu ihm: „Hier ist ein kleiner Junge, der fünf Gerstenbrote und zwei Fische hat; doch was ist das für so viele?“ Jesus sagte: „Lasst die Leute sich setzen!“ Am Ort gab es nämlich reichlich Gras. Da setzten sie sich; es waren etwa fünftausend Männer. Dann nahm Jesus die Brote, sprach das Dankgebet und teilte sie an die Leute aus, die sich gesetzt hatten; ebenso machte er es mit den Fischen, so viel sie wollten. Als die Menschen satt waren, sagte er zu seinen Jüngern: „Sammelt die übrig gebliebenen Brotstücke, damit nichts verdirbt!“ Sie sammelten und füllten zwölf Körbe mit den Stücken der fünf Gerstenbrote, die beim Essen übrig geblieben waren. Als die Menschen das Zeichen sahen, das er getan hatte, sagten sie: „Das ist wirklich der Prophet, der in die Welt kommen soll.“ Da erkannte Jesus, dass sie kommen würden, um ihn zum König zu machen. Deshalb zog er sich wieder auf den Berg zurück, er allein. – Evangelium unseres Herrn Jesus Christus.
Kommentar zum Evangelium des Tages
Auf grüner Wiese liegend, werden fünftausend Männer durch die Großzügigkeit Jesu satt. Nicht die Menschen bitten um Nahrung, und der Abschnitt ist nicht als Hilfsaktion zu lesen. Jesus sieht, wie diese Menschen kommen, und weiß bereits, was er tun will. Die Jünger wissen nicht, wie sie die Situation bewältigen sollen, und erfahren die Begrenztheit menschlicher Mittel. Daraus erwächst das Staunen über die Größe und den Überfluss göttlicher Macht. Jesus verhält sich wie ein Hausherr, der Gäste empfängt, es ihnen behaglich macht und der Tafel vorsteht. Das Vorhaben gelingt vollkommen, wie die große Zahl der Essenden und die Fülle der übrig gebliebenen Nahrung zeigen. Nichts ist erstaunlicher und zugleich einfacher und freudiger. Christus offenbart sich als der wahre Hirte, der sich um das Leben aller kümmert, um aus der Menge eine große Gemeinschaft zu machen, die zu herzlicher Freundschaft und brüderlicher Verbundenheit fähig ist. Das Mahl der vielen ist dafür das Zeichen. Alles geht von Jesus und letztlich von Gott aus, dem Dank gesagt wird. Die Handlung scheint zunächst abgeschlossen, weil alle satt geworden sind; doch sie ist so reich an Inhalt, dass sie als offene Möglichkeit für Vertiefungen und weitere Entwicklungen bestehen bleibt. Wird er der Prophet sein, wie Mose es gewesen war, oder stehen wir vor etwas völlig anderem?


