8. März 2022, Frauentag
Jedes Jahr stellt uns dieses Fest vor die Frage nach der „Notwendigkeit“ eines Tages, an dem an sie erinnert, sie gefeiert und gewürdigt wird … Wir wollen uns nicht auf die historischen Fragen der „Emanzipation“ einlassen, die zu diesem Tag geführt haben, sondern einfach einige Überlegungen anstellen. Wir wollen es versuchen.

Edith Stein, eine einzigartige Frau, die die Geschichte des Denkens im 20. Jahrhundert geprägt hat, ist überzeugt, dass die Frau sich beruflich engagieren und verwirklichen kann, indem sie andere Entscheidungen trifft als jene, die sie auf den häuslichen Bereich beschränken. Doch unabhängig davon, welche Entscheidungen sie trifft, bringt die Frau in jeder von ihnen sich selbst zum Ausdruck, das heißt ihre mütterliche Identität. Eine Identität, die zu einem umfassenden Blick auf die Wirklichkeit fähig ist, zu der Fähigkeit, unterschiedliche Elemente zusammenzuführen, und zu unmittelbarer Empathie gegenüber jedem Menschen, dem sie begegnet.
Und weiter: „Im Mittelpunkt der menschlichen Geschichte (…) steht jene Frau, in der die Mutterschaft ihre höchste Verherrlichung und zugleich, als leibliche Mutterschaft verstanden, ihre Überwindung erreicht hat. (…) Um Mensch zu werden, hat Gott gewählt, aus einer menschlichen Mutter geboren zu werden, und in ihr hat er uns das vollkommene Bild der Mutter vor Augen gestellt“ (Edith Stein).
Papst Franziskus stimmt ihr zu: „In Gott wird unsere Menschlichkeit für immer bestehen, und für immer wird Maria die Mutter Gottes sein. Sie ist Frau und Mutter, das ist das Wesentliche. Von ihr, einer Frau, ging das Heil aus, und deshalb gibt es kein Heil ohne die Frau.“
Wer also, wenn nicht Gott selbst, hat die Frau an „ihren“ Platz gestellt: in den Mittelpunkt der Geschichte.
Ein „Mittelpunkt“, den ihr die Zeit genommen hat, den die Frau aber jeden Tag lebt, wenn sie liebt, aufnimmt, unterrichtet, organisiert, unterstützt, bewahrt, schützt, versteht, kämpft, hofft …

Was die Frau außerhalb und innerhalb der Kirche fordert, ist, dass ihre Stimme gehört und ihre Verantwortungsspielräume anerkannt werden. Gewiss wird uns jedes Jahr bewusst, dass der Weg noch lang ist, den es zurückzulegen gilt, aber die Frauen dürfen nicht vergessen, dass sie weiterhin der „Mittelpunkt“ der Geschichte sind und dass auf ihrer Seite jene steht, die den menschgewordenen Gott in ihrem Schoß getragen hat, die wichtigste Apostelin … wichtiger als jeder Apostel …
