„Die Freuden und Hoffnungen, die Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und aller Leidenden, sind auch die Freuden und Hoffnungen, die Trauer und Angst der Jünger Christi, und nichts wahrhaft Menschliches findet nicht seinen Widerhall in ihrem Herzen“: Diese so aktuellen Worte scheinen von Papst Franziskus gesprochen zu sein, doch sie stammen aus einer Zeit vor mehr als fünfzig Jahren. Sie bilden den Beginn der pastoralen Konstitution Gaudium et Spes, die am 7. Dezember 1965 vom Zweiten Vatikanischen Konzil am Vorabend seines feierlichen Abschlusses verabschiedet wurde.
In diesen wenigen Worten findet sich der gesamte Weg des Konzils, seine Entwicklung und die umfassende Bedeutung der weitreichenden Erneuerung, die es angestoßen hatte. Vor allem aber zeigt sich darin das Bild einer „neuen“ Kirche, die erklärte, bereit zu sein, die Fäden des Dialogs mit der heutigen Welt wieder aufzunehmen. Bereit, ja, in der Welt gegenwärtig zu sein, unter den Menschen, unter allen Menschen.

Noch nie zuvor hatte sich ein ökumenisches Konzil so offen mit den alltäglichen Problemen der Menschheit auseinandergesetzt und sich als „wirklich und zutiefst solidarisch“ mit der Menschheit und ihrer Geschichte erklärt.
Der zweite Teil der Konstitution ist der Ehe und der Familie, der Kultur sowie den großen sozialen und politischen Themen wie dem Hunger in der Welt, der politischen Verantwortung der Gläubigen und dem Krieg gewidmet - Themen, die bis dahin am Rand der Reflexion der Kirche geblieben waren.
Die Gaudium et Spes hat nach dem Ende des Konzilsgeschehens ihren Weg in der Geschichte der Menschheit begonnen, und die Worte wurden in Taten umgesetzt. Darin liegt die Aktualität jener Worte: „Die Freuden und Hoffnungen, die Trauer und Angst“, die auch zu unserer heutigen Zeit sprechen können.
Das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) hat insgesamt 16 Dokumente hervorgebracht: 4 Konstitutionen, 9 Dekrete und 3 Erklärungen.
Das nächste von Papst Franziskus ausgerufene Jubiläum wird 2025 stattfinden und das Thema Hoffnung haben („Pilger der Hoffnung“ lautet der Titel).
Auf Wunsch des Heiligen Vaters beginnt in diesem Jahr die Vorbereitung auf dieses große Ereignis der Kirche, und das Jahr 2023 wird der Wiederentdeckung der grundlegenden Themen der vier Konstitutionen des Zweiten Vatikanischen Konzils gewidmet sein.
Das Dikasterium für die Evangelisierung hat in Zusammenarbeit mit dem Verlag Shalom 34 kurze Hilfsmittel erstellt, die von Experten in einer für alle verständlichen Sprache verfasst wurden, damit alle, die das Konzilsgeschehen nicht eingehend kennen, seine Lehre entdecken können.
Zehn Bände dieses hochwertigen Werks sind der vertieften Auseinandersetzung mit der Gaudium et Spes gewidmet.

