Die Familie ist die „Zelle der Gesellschaft“ – wie oft haben wir diesen Satz schon gehört! Aber haben wir jemals darüber nachgedacht, was er bedeutet? Nehmen wir ihn ernst? Glauben wir daran?
Am 15. Mai wird der Internationale Tag der Familie gefeiert, der 1993 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen ins Leben gerufen wurde. Das ist eine gute Gelegenheit, uns zu fragen, was es heute bedeutet, Familie zu sein.
Heute von Familie zu sprechen bedeutet tatsächlich zu bekräftigen, dass sie etwas Lebenswichtiges, Bedeutendes und Grundlegendes ist. Es bedeutet aber auch anzuerkennen, dass wir vor verschiedenen Herausforderungen stehen, auf die wir mit Hoffnung und Weitsicht antworten müssen. Zwei Fragen sind besonders dringlich und erfordern Antworten: das Problem der demografischen Krise und das Thema der Gleichstellung der Geschlechter, mit dem die Frage der Ungleichheit verbunden ist.

Vertrauen in die Zukunft schaffen
Der Istat-Bericht für das Jahr 2021 verzeichnet den niedrigsten Geburtenstand, der in Italien jemals erreicht wurde. Diese Zahl kann aus mehreren Blickwinkeln betrachtet und erklärt werden: Sie ist das Ergebnis der geringen Zahl an Geburten, aber auch der steigenden durchschnittlichen Lebenserwartung, die zusammen mit dem Geburtenrückgang zur Alterung der Bevölkerung beiträgt.
Was kann man tun, um die Richtung umzukehren und das Vertrauen in die Zukunft wiederzufinden? Es gibt viele Wege: Man kann zum Beispiel die Geburtenrate fördern, also diejenigen finanziell unterstützen, die sich für Kinder entscheiden; man kann der Familie in der Praxis ihre Schlüsselrolle in der Gesellschaft anerkennen, indem man eine Politik vorschlägt, die auf eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf abzielt, verstanden als Unterstützung der Beziehungen zwischen den Familienmitgliedern; man kann eine Kultur des „Lebens“ fördern, indem man die zentrale Bedeutung der Mutterschaft anerkennt und Frauen eine echte Freiheit gewährleistet, Mütter zu sein.

Gemeinsam mit den Frauen, für die Familie
Mehrere von der Generalversammlung der Vereinten Nationen geförderte Studien haben außerdem untersucht, wie die Familie auch die Rechte der Frauen beeinflusst, die in besonderer Weise geschützt werden müssen. Denn zweifellos ist die Familie ein Ort der Liebe und Solidarität, kann aber auch zu einem Raum werden, in dem Menschenrechte verletzt und geschlechtsspezifische Ungleichheiten verfestigt werden.
Um nur einige Beispiele zu nennen: In 19 Ländern weltweit sind Frauen gesetzlich verpflichtet, ihren Ehemännern zu gehorchen; wenn es auch stimmt, dass Frauen zunehmend eine führende Rolle auf dem Arbeitsmarkt einnehmen, ist ebenso unbestreitbar, dass Ehe und Mutterschaft die Erwerbsbeteiligung einschränken.
Die Ursache dieser Ungleichheit liegt darin, dass Frauen sich nach wie vor sehr viel stärker als Männer um die Betreuung der Familie und die Hausarbeit kümmern. Auch in dieser Hinsicht können und müssen Politik und Gesellschaft viel tun: zum Beispiel bezahlten Elternurlaub und staatliche Unterstützung für die Betreuung von Kindern und älteren Menschen gewährleisten, um Familien zu unterstützen.
Die Familie ist tatsächlich die Zelle der Gesellschaft, und die Gesellschaft muss sich dessen wieder bewusst werden, indem sie konkrete Wege der Entwicklung und Unterstützung aufzeigt, damit anerkannt werden kann, «wie schön, wahr und gut es ist, eine Familie zu gründen und heute Familie zu sein; wie unverzichtbar dies für das Leben der Welt und die Zukunft der Menschheit ist» (Papst Franziskus).




