Texte aus dem Messbuch „Auf dein Wort“ März-April
Österliches Triduum – Karfreitag «Leiden des Herrn»
eigene Texte
ERSTE LESUNG
Aus dem Buch des Propheten Jesaja (Jes 52,13 – 53,12)
Siehe, mein Knecht wird Erfolg haben, er wird sich erheben und hoch erhaben sein. Viele haben sich über ihn entsetzt – so entstellt sah er aus, nicht mehr wie ein Mensch, seine Gestalt war nicht mehr die eines Menschen –,
so wird er viele Völker in Staunen versetzen; Könige werden vor ihm ihren Mund verschließen. Denn was man ihnen noch nie erzählt hat, werden sie sehen, und was sie nie gehört haben, werden sie verstehen. Wer hat geglaubt, was wir gehört haben? Der Arm des Herrn – wem wurde er offenbar? Vor seinen Augen wuchs er auf wie ein junger Trieb, wie ein Wurzelspross aus trockenem Boden. Er hatte keine schöne und edle Gestalt, sodass wir ihn anschauen mochten. Er sah nicht so aus, dass wir Gefallen fanden an ihm. Er wurde verachtet und von den Menschen gemieden, ein Mann voller Schmerzen, mit Krankheit vertraut. Wie einer, vor dem man das Gesicht verhüllt, war er verachtet; wir schätzten ihn nicht. Aber er hat unsere Krankheiten getragen und unsere Schmerzen auf sich geladen. Wir meinten, er sei von Gott geschlagen, von ihm getroffen und gebeugt. Doch er wurde durchbohrt wegen unserer Vergehen, wegen unserer Sünden zermalmt. Zu unserem Heil lag die Züchtigung auf ihm, durch seine Wunden sind wir geheilt. Wir hatten uns alle verirrt wie Schafe, jeder ging für sich seinen Weg. Doch der Herr ließ auf ihn treffen die Schuld von uns allen. Er wurde bedrängt und misshandelt, aber er tat seinen Mund nicht auf. Wie ein Lamm, das man zum Schlachten führt, und wie ein Schaf angesichts seiner Scherer, so tat auch er seinen Mund nicht auf. Durch Haft und Gericht wurde er dahingerafft, doch wen kümmerte sein Geschick? Er wurde vom Land der Lebenden abgeschnitten und wegen der Verbrechen meines Volkes zu Tode getroffen. Bei den Ruchlosen gab man ihm sein Grab, bei den Verbrechern seine Ruhestätte, obwohl er niemanden geschädigt und kein Unrecht begangen hatte. Doch der Herr fand Gefallen an dem von Krankheit Zermalmten. Wenn er sein Leben als Schuldopfer einsetzt, wird er Nachkommen sehen und lange leben. Was dem Herrn gefällt, wird durch seine Hand gelingen. Nachdem er so viel gelitten hat, erblickt er das Licht. Er sättigt sich an Erkenntnis. Mein Knecht, der Gerechte, macht die Vielen gerecht; er lädt ihre Schuld auf sich. Deshalb gebe ich ihm seinen Anteil unter den Großen, und mit den Mächtigen teilt er die Beute, weil er sein Leben dem Tod preisgab und sich unter die Abtrünnigen rechnen ließ. Er hob die Sünden der Vielen auf und trat für die Schuldigen ein. – Wort des Herrn.
Auslegung zur ersten Lesung
Das vierte Lied vom Knecht des Herrn bildet den Abschluss der Reihe von Texten des Propheten Jesaja über diese geheimnisvolle Gestalt, in der wir den Herrn Jesus sechshundert Jahre vor seinem Kommen auf die Erde angekündigt und dargestellt gesehen haben. Das vierte Lied schildert eindrucksvoll die Szenen des Leidens und gibt ihnen eine entscheidende, vollkommene theologische und geistliche Deutung. Der Knecht Jahwes wird nicht wegen eigener Schuld zerschmettert, sondern wegen «unserer Vergehen». Wer hätte die Leiden eines Menschen mit den Schuld aller anderen in Verbindung bringen können, wenn nicht das Wort Gottes? Welche Beziehung kann zwischen einer heute begangenen Sünde von mir und dem Tod Jesu am Kreuz bestehen, der sich vor so vielen Jahrhunderten ereignet hat? Welche Verbindung kann eine geistliche Sünde, die in meinen Gedanken in mir vollzogen wird, von der niemand etwas bemerkt, mit dem Leiden Christi haben? Der entscheidende Satz steht im heutigen Abschnitt: «Durch seine Wunden sind wir geheilt». Viel gibt es nicht zu verstehen: Das ist eine Tatsache, eine Glaubenswahrheit. Seine schmerzhaften Wunden stehen in unmittelbarer Beziehung zu meiner geistlichen Heilung.
ZWEITE LESUNG
Aus dem Hebräerbrief (Hebr 4,14-16; 5,7-9)
Brüder, da wir nun einen erhabenen Hohenpriester haben, der die Himmel durchschritten hat, Jesus, den Sohn Gottes, lasst uns an dem Bekenntnis festhalten. Wir haben ja nicht einen Hohenpriester, der nicht mitfühlen könnte mit unseren Schwächen, sondern einen, der in allem wie wir versucht worden ist, aber nicht gesündigt hat. Lasst uns also voll Zuversicht hinzutreten zum Thron der Gnade, damit wir Erbarmen empfangen und Gnade finden und so Hilfe erlangen zur rechten Zeit. [Christus] hat in den Tagen seines irdischen Lebens mit lautem Schreien und unter Tränen Gebete und Bitten vor den gebracht, der ihn aus dem Tod retten konnte, und er ist erhört worden aufgrund seiner Frömmigkeit. Obwohl er der Sohn war, hat er durch das, was er gelitten hat, den Gehorsam gelernt; zur Vollendung gelangt, ist er für alle, die ihm gehorchen, der Urheber des ewigen Heils geworden. –
Wort des Herrn.
Auslegung zur zweiten Lesung
Im Evangelium wird nur einmal vom schweren Leiden des Herrn im Getsemani gesprochen, als er die Sünde der Menschen auf sich nahm. Der Hebräerbrief weitet diesen Augenblick auf alle «Tage seines irdischen Lebens» aus; er sagt uns nämlich, dass Jesus während seines ganzen Lebens Gebete und Bitten «mit lautem Schreien und unter Tränen» darbrachte. Sobald Gott Mensch geworden ist, spürt er das Gewicht der Sünde, und von Anfang an beginnt sein Leidenszustand: Getsemani ist nur dessen Höhepunkt, der letzte Augenblick. Im Allgemeinen denken wir wenig darüber nach, was wir den Herrn gekostet haben: Jeder Akt seines irdischen Lebens bedeutete jedoch, unsere Last auf sich zu nehmen. Betrachten wir dies heute in der inneren Anbetung. Die gesamte Dreifaltigkeit nimmt am Erlösungswerk teil: der Vater im Schmerz des Sohnes, der Sohn im Gehorsam gegenüber dem Vater, der Geist in der Übermittlung der ganzen göttlichen Liebe an diesen Akt des Todes und der Auferstehung. Und wenn der Gehorsam der Weg der Erlösung war, ergibt sich daraus der abschließende Satz und seine Logik: Wenn Jesus durch den Gehorsam vollendet wurde, dann werden auch wir vollkommen, indem wir Jesus gehorchen.
EVANGELIUM DES TAGES
(Hinweise für die dialogische Lesung: ✠ = Jesus; C = Erzähler; D = Jünger und Freunde; F = Menge; A = Andere Personen).
Das Leiden unseres Herrn Jesus Christus nach Johannes (Joh 18,1-19,42)
Sie nahmen Jesus fest und fesselten ihn
C In jener Zeit ging Jesus mit seinen Jüngern hinaus auf die andere Seite des Baches Kidron. Dort war ein Garten; in den ging er mit seinen Jüngern hinein. Auch Judas, der ihn auslieferte, kannte den Ort, weil Jesus dort oft mit seinen Jüngern zusammengekommen war. Judas holte die Soldaten sowie die Gerichtsdiener der Hohenpriester und der Pharisäer, und sie kamen dorthin mit Fackeln, Laternen und Waffen. Jesus, der alles wusste, was ihm bevorstand, ging hinaus und fragte sie: ✠ «Wen sucht ihr?». C Sie antworteten ihm: F«Jesus von Nazaret». C Er sagte zu ihnen: ✠ «Ich bin es». C Auch Judas, der ihn auslieferte, stand bei ihnen. Als er zu ihnen sagte: «Ich bin es», wichen sie zurück und stürzten zu Boden. Er fragte sie noch einmal: ✠ «Wen sucht ihr?». C Sie sagten: F «Jesus von Nazaret». C Jesus antwortete:✠ «Ich habe euch gesagt, dass ich es bin. Wenn ihr also mich sucht, dann lasst diese gehen!», C damit sich das Wort erfüllte, das er gesagt hatte: «Ich habe keinen von denen verloren, die du mir gegeben hast». Simon Petrus, der ein Schwert bei sich hatte, zog es, schlug nach dem Diener des Hohenpriesters und hieb ihm das rechte Ohr ab. Der Diener hieß Malchus. Da sagte Jesus zu Petrus: ✠ «Steck das Schwert in die Scheide! Der Kelch, den mir der Vater gegeben hat - soll ich ihn nicht trinken?».
Zuerst führten sie ihn zu Hannas
C Die Soldaten, der Hauptmann und die Gerichtsdiener der Juden nahmen Jesus fest, fesselten ihn und führten ihn zuerst zu Hannas; dieser war nämlich der Schwiegervater des Kajaphas, der in jenem Jahr Hoherpriester war. Kajaphas aber war es, der den Juden den Rat gegeben hatte: «Es ist besser, dass ein einziger Mensch für das Volk stirbt». Simon Petrus folgte Jesus zusammen mit einem anderen Jünger. Dieser Jünger war mit dem Hohenpriester bekannt und ging mit Jesus in den Hof des Hohenpriesters. Petrus blieb draußen am Tor stehen. Da kam der andere Jünger, der Bekannte des Hohenpriesters, heraus, sprach mit der Pförtnerin und führte Petrus hinein. Die Pförtnerin sagte zu Petrus: A «Bist nicht auch du einer von den Jüngern dieses Menschen?». C Er antwortete: D «Ich bin es nicht». CWährenddessen hatten die Diener und die Gerichtsdiener ein Kohlenfeuer angezündet, weil es kalt war, und wärmten sich. Auch Petrus stand bei ihnen und wärmte sich. Der Hohepriester befragte Jesus über seine Jünger und über seine Lehre. Jesus antwortete ihm: ✠ «Ich habe offen vor aller Welt gesprochen. Ich habe immer in der Synagoge und im Tempel gelehrt, wo alle Juden zusammenkommen. Nichts habe ich im Geheimen gesprochen. Warum fragst du mich? Frag doch die, die mich gehört haben, was ich zu ihnen gesagt habe; sie wissen, was ich gesagt habe». C Auf diese Antwort hin schlug einer von den Gerichtsdienern, der dabeistand, Jesus ins Gesicht und sagte: A «Redest du so mit dem Hohenpriester?». C Jesus antwortete ihm: ✠ «Wenn es nicht recht war, was ich gesagt habe, dann weise es nach; wenn es aber recht war, warum schlägst du mich?». C Darauf schickte ihn Hannas gefesselt zum Hohenpriester Kajaphas.
Bist nicht auch du einer von seinen Jüngern? Ich bin es nicht!
C Simon Petrus stand dort und wärmte sich. Da sagten sie zu ihm: A «Bist nicht auch du einer von seinen Jüngern?». C Er leugnete und sagte: D «Ich bin es nicht». C Einer von den Dienern des Hohenpriesters, ein Verwandter dessen, dem Petrus das Ohr abgehauen hatte, sagte: A «Habe ich dich nicht im Garten bei ihm gesehen?». C Wieder leugnete Petrus, und gleich darauf krähte der Hahn.
Mein Königtum ist nicht von dieser Welt
C Darauf führten sie Jesus vom Haus des Kajaphas zum Prätorium. Es war früh am Morgen. Sie selbst gingen nicht in das Gebäude hinein, um nicht unrein zu werden, sondern das Pascha-Mahl essen zu können. Deshalb kam Pilatus zu ihnen heraus und fragte: A «Welche Anklage erhebt ihr gegen diesen Menschen?». C Sie antworteten ihm: F «Wenn er kein Übeltäter wäre, hätten wir ihn dir nicht ausgeliefert». C Pilatus sagte zu ihnen: A «Nehmt ihr ihn doch und richtet ihn nach eurem Gesetz!». C Die Juden antworteten ihm: F «Uns ist es nicht gestattet, jemanden hinzurichten». C So sollte sich das Wort Jesu erfüllen, mit dem er angedeutet hatte, welchen Tod er sterben werde. Pilatus ging wieder in das Prätorium hinein, ließ Jesus rufen und fragte ihn: A «Bist du der König der Juden?». C Jesus antwortete: ✠ «Sagst du das von dir aus, oder haben es dir andere über mich gesagt?». C Pilatus entgegnete: A «Bin ich denn ein Jude? Dein eigenes Volk und die Hohenpriester haben dich an mich ausgeliefert. Was hast du getan?». C Jesus antwortete: ✠ «Mein Königtum ist nicht von dieser Welt. Wenn mein Königtum von dieser Welt wäre, würden meine Diener kämpfen, damit ich den Juden nicht ausgeliefert würde. Aber mein Königtum ist nicht von hier». C Pilatus sagte zu ihm: A «Also bist du doch ein König?». C Jesus antwortete: ✠ «Du sagst es, ich bin ein König. Dazu bin ich geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme». C Pilatus sagte zu ihm: A «Was ist Wahrheit?». C Nachdem er das gesagt hatte, ging er wieder zu den Juden hinaus und sagte zu ihnen: A «Ich finde keinen Grund, ihn zu verurteilen. Ihr habt die Gewohnheit, dass ich euch zum Paschafest einen Gefangenen freilasse. Wollt ihr also, dass ich euch den König der Juden freilasse?». C Da schrien sie wieder: F «Nicht diesen, sondern Barabbas!». C Barabbas aber war ein Räuber.
Sei gegrüßt, König der Juden!
C Darauf ließ Pilatus Jesus geißeln. Die Soldaten flochten einen Kranz aus Dornen; den setzten sie ihm auf und legten ihm einen purpurroten Mantel um. Sie traten an ihn heran und sagten: F «Sei gegrüßt, König der Juden!». C Und sie schlugen ihm ins Gesicht. Pilatus ging wieder hinaus und sagte zu ihnen: A «Seht, ich bringe ihn zu euch heraus; ihr sollt wissen, dass ich keinen Grund finde, ihn zu verurteilen». C Jesus kam heraus; er trug die Dornenkrone und den purpurroten Mantel. Pilatus sagte zu ihnen: A «Seht, da ist der Mensch!». C Als die Hohenpriester und ihre Diener ihn sahen, schrien sie: F «Kreuzige ihn, kreuzige ihn!». C Pilatus sagte zu ihnen: A «Nehmt ihr ihn und kreuzigt ihn! Denn ich finde keinen Grund, ihn zu verurteilen». C Die Juden entgegneten ihm: F «Wir haben ein Gesetz, und nach diesem Gesetz muss er sterben, weil er sich zum Sohn Gottes gemacht hat». C Als Pilatus das hörte, fürchtete er sich noch mehr. Er ging wieder in das Prätorium hinein und fragte Jesus: A «Woher stammst du?». C Jesus aber gab ihm keine Antwort. Da sagte Pilatus zu ihm: A «Redest du nicht mit mir? Weißt du nicht, dass ich Macht habe, dich freizulassen, und Macht, dich zu kreuzigen?». C Jesus antwortete ihm: ✠ «Du hättest keine Macht über mich, wenn es dir nicht von oben gegeben wäre. Deshalb liegt größere Schuld bei dem, der mich dir ausgeliefert hat».
Weg mit ihm, weg mit ihm, kreuzige ihn!
C Daraufhin wollte Pilatus ihn freilassen. Aber die Juden schrien: F «Wenn du diesen freilässt, bist du kein Freund des Kaisers; jeder, der sich als König ausgibt, lehnt sich gegen den Kaiser auf». C Auf diese Worte hin ließ Pilatus Jesus herausführen; er setzte sich auf den Richterstuhl an dem Platz, der Hebräisch Gabbata, auf Griechisch Lithostrotos heißt. Es war der Rüsttag des Paschafestes, ungefähr um die sechste Stunde. Pilatus sagte zu den Juden: A «Seht, euer König!». C Sie aber schrien: F «Weg mit ihm, weg mit ihm, kreuzige ihn!». C Pilatus sagte zu ihnen: A «Euren König soll ich kreuzigen?».C Die Hohenpriester antworteten: F «Wir haben keinen König außer dem Kaiser». C Da lieferte er ihnen Jesus aus, damit er gekreuzigt würde.
Sie kreuzigten ihn und mit ihm zwei andere
C Die Soldaten übernahmen Jesus. Er trug selbst das Kreuz und ging hinaus zur sogenannten Schädelhöhe, die auf Hebräisch Golgota heißt. Dort kreuzigten sie ihn und mit ihm zwei andere, auf jeder Seite einen, in der Mitte Jesus. Pilatus ließ auch ein Schild anfertigen und oben am Kreuz anbringen. Die Aufschrift lautete: «Jesus von Nazaret, der König der Juden». Dieses Schild lasen viele Juden, weil der Platz, an dem Jesus gekreuzigt wurde, nahe bei der Stadt lag. Die Aufschrift war hebräisch, lateinisch und griechisch abgefasst. Die Hohenpriester der Juden sagten zu Pilatus: F «Schreib nicht: “Der König der Juden”, sondern dass er gesagt hat: “Ich bin der König der Juden”». C Pilatus antwortete: A «Was ich geschrieben habe, habe ich geschrieben».
Sie verteilten unter sich meine Kleider
C Nachdem die Soldaten Jesus gekreuzigt hatten, nahmen sie seine Kleider und machten vier Teile daraus, für jeden Soldaten einen Teil, und dazu das Untergewand. Dieses Gewand war aber ohne Naht, von oben ganz durchgewebt. Deshalb sagten sie zueinander: «Wir wollen es nicht zerteilen, sondern darum losen, wem es gehören soll». So sollte sich das Schriftwort erfüllen: «Sie verteilten unter sich meine Kleider und warfen das Los um mein Gewand». Dies taten die Soldaten.
Siehe, dein Sohn! Siehe, deine Mutter!
C Bei dem Kreuz Jesu standen seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Klopas, und Maria von Magdala. Als Jesus die Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er liebte, sagte er zur Mutter: ✠ «Frau, siehe, dein Sohn!». C Dann sagte er zu dem Jünger: ✠ «Siehe, deine Mutter!». C Und von jener Stunde an nahm sie der Jünger zu sich. Danach, als Jesus wusste, dass nun alles vollbracht war, sagte er, damit sich die Schrift erfüllte: ✠ «Mich dürstet». C Ein Gefäß mit Essig stand da. Sie steckten einen Schwamm mit Essig auf einen Ysopzweig und hielten ihn an seinen Mund. Als Jesus den Essig genommen hatte, sagte er: ✠ «Es ist vollbracht!». C Dann neigte er das Haupt und gab seinen Geist auf.
(Hier kniet man nieder und hält eine kurze Pause)
Und sogleich floss Blut und Wasser heraus
C Es war Rüsttag, und die Juden baten Pilatus, die Beine der Gekreuzigten zu brechen und sie dann wegzunehmen, damit die Leichen nicht während des Sabbats am Kreuz blieben; denn dieser Sabbat war ein hoher Feiertag. Also kamen die Soldaten und zerschlugen dem ersten die Beine, dann dem andern, der mit Jesus gekreuzigt worden war. Als sie aber zu Jesus kamen und sahen, dass er schon tot war, zerschlugen sie ihm die Beine nicht, sondern einer der Soldaten stieß mit der Lanze in seine Seite, und sogleich floss Blut und Wasser heraus. Und der es gesehen hat, hat es bezeugt, und sein Zeugnis ist wahr. Und er weiß, dass er Wahres berichtet, damit auch ihr glaubt. Denn das ist geschehen, damit sich das Schriftwort erfüllte: «Man soll an ihm kein Gebein zerbrechen». Und ein anderes Schriftwort sagt: «Sie werden auf den blicken, den sie durchbohrt haben».
Sie nahmen den Leichnam Jesu und hüllten ihn zusammen mit den wohlriechenden Salben in Tücher
C Danach kam Josef aus Arimathäa, der ein Jünger Jesu war, aber aus Furcht vor den Juden nur heimlich, und bat Pilatus, den Leichnam Jesu abnehmen zu dürfen. Pilatus erlaubte es. Also kam er und nahm den Leichnam Jesu ab. Es kam auch Nikodemus, der früher einmal Jesus bei Nacht aufgesucht hatte, und brachte etwa dreißig Kilogramm einer Mischung aus Myrrhe und Aloe. Sie nahmen den Leichnam Jesu und umwickelten ihn mit Leinenbinden, zusammen mit den wohlriechenden Salben, wie es beim jüdischen Begräbnis üblich ist. An dem Ort, wo man ihn gekreuzigt hatte, war ein Garten, und in dem Garten war ein neues Grab, in dem noch niemand bestattet worden war. Wegen des Rüsttages der Juden und weil das Grab ganz in der Nähe lag, setzten sie Jesus dort bei. – Evangelium unseres Herrn.
Auslegung zum Evangelium des Tages
Die Johannespassion ist von den vier Evangelien die feierlichste und genaueste, weil der Apostel bei den Ereignissen anwesend war und als Einziger der Zwölf ihre einzelnen Phasen miterlebt hat. Dem vollkommenen Erzähler zuzuhören, führt uns auf unvergleichliche Weise in das große Ereignis des Todes Jesu ein. Der Evangelist fordert uns auf, alle Ereignisse des Leidens Christi als einen Akt der Liebe zu lesen, als Folge seiner göttlichen Natur, deren Wesen die Liebe und die Selbsthingabe ist. Das ganze Drama liegt in Getsemani: Danach tritt Jesus in das Leiden ein, in dem Wissen, dass daraus alles Gute für die Menschen erwachsen wird, vom Ersten (Adam) bis zum Letzten, der auf der Erde leben wird. Es ist unmöglich, dies zu kommentieren: Wir können uns beim Zuhören nur immer wieder sagen: «All das aus Liebe, nur aus Liebe …». Die Liebe Jesu, während er gegeißelt wird, während er mit Pilatus spricht, während er das Kreuz nimmt, während er zum Kalvarienberg hinaufsteigt, während er ans Kreuz genagelt wird, während er mit der Mutter spricht, während er sich dem Vater übergibt. Alles aus Liebe, nur aus Liebe. Dann werden wir unser ganzes Leben innerhalb dieser Wirklichkeit sehen und erkennen, dass wir völlig von dieser Liebe abhängen und dass wir ohne diese Liebe nicht einmal einen Augenblick lang zu leben vermögen.

