Österliches Triduum – Karfreitag – Leiden des Herrn
Eigenfeier
Texte aus dem Messbuch „Sulla Tua Parola“, März-April 2021
In der Liturgie des Karfreitags betrachten wir das Geheimnis des Todes Christi und verehren das Kreuz. Die Feier des Karfreitags gliedert sich in drei Teile: Wortgottesdienst, Kreuzverehrung, Eucharistische Kommunion. Nach uralter Tradition verkündet die Kirche feierlich das Evangelium nach Johannes. Jesus hat durch sein Opfer das größte Unrecht in die größte Liebe verwandelt.
Wenn wir das Kreuz verehren, Jesus betrachten und unseren Blick auf sein verklärt-verwandeltes Antlitz richten, denken wir an die Liebe, die er zu uns allen hatte.
Leider können wir wegen der Pandemie während der Kreuzverehrung den Gekreuzigten nicht als Zeichen der Zuneigung und Verbundenheit mit ihm küssen, aber nichts hindert uns daran, uns etwas Zeit zu nehmen, um den Blick zu Ihm zu erheben: Sprechen wir mit ihm über unsere Sorgen und unsere Freuden, unsere Hoffnungen und unsere Enttäuschungen, unsere Fehler und unsere Erfolge. Die Botschaft des Karfreitags lautet genau dies: Wir dürfen nicht verzweifeln … auf jeden Tod folgt immer die Auferstehung. Der Tod siegt nicht. Nach dem Sturm gibt es immer einen Regenbogen.
ERSTE LESUNG
Aus dem Buch des Propheten Jesaja (Jes 52,13 – 53,12)
Siehe, mein Knecht wird Erfolg haben, er wird sich erheben, er wird hoch und erhaben sein. Wie sich viele über ihn entsetzten – so entstellt war sein Aussehen, er sah nicht mehr aus wie ein Mensch, seine Gestalt war nicht mehr die eines Menschen –, so werden viele Völker über ihn staunen und Könige werden vor ihm ihren Mund schließen. Denn was man ihnen noch nie erzählt hat, werden sie sehen, und was sie niemals hörten, werden sie nun erfahren. Wer hat geglaubt, was wir gehört haben? Der Arm des Herrn, wem wurde er offenbar? Vor den Augen des Herrn wuchs er auf wie ein junger Trieb, wie ein Wurzelstock aus dürrem Boden. Er hatte keine schöne und edle Gestalt, sodass wir ihn anschauen mochten. Er sah nicht so aus, dass wir Gefallen fanden an ihm. Er wurde verachtet und von den Menschen gemieden, ein Mann voller Schmerzen, mit Krankheit vertraut. Wie einer, vor dem man das Gesicht verhüllt, war er verachtet; wir schätzten ihn nicht. Aber er hat unsere Krankheiten getragen und unsere Schmerzen auf sich geladen. Wir meinten, er sei von Gott geschlagen, von ihm getroffen und gebeugt. Doch er wurde durchbohrt wegen unserer Verbrechen, wegen unserer Sünden zermalmt. Zu unserem Heil lag die Züchtigung auf ihm, durch seine Wunden sind wir geheilt. Wir hatten uns alle verirrt wie Schafe, jeder ging für sich seinen Weg. Doch der Herr ließ auf ihn treffen die Schuld von uns allen. Er wurde misshandelt und niedergedrückt, aber er tat seinen Mund nicht auf. Wie ein Lamm, das man zum Schlachten führt, und wie ein Schaf angesichts seiner Scherer, so tat auch er seinen Mund nicht auf. Durch Haft und Gericht wurde er dahingerafft, doch wen kümmerte sein Geschick? Ja, er wurde aus dem Land der Lebenden entfernt und wegen der Verbrechen meines Volkes zu Tode getroffen. Bei den Frevlern gab man ihm sein Grab, bei den Reichen seine Ruhestätte, obwohl er kein Unrecht getan hat und kein trügerisches Wort in seinem Mund war. Doch der Herr hatte Gefallen an dem von Krankheit zermalmten Knecht. Wenn du, Herr, sein Leben als Schuldopfer einsetzt, wird er Nachkommen sehen und lange leben. Was dem Herrn gefällt, wird durch seine Hand gelingen. Nachdem er so vieles ertrug, erblickt er das Licht. Er sättigt sich an Erkenntnis. Mein Knecht, der Gerechte, macht die Vielen gerecht; er lädt ihre Schuld auf sich. Deshalb gebe ich ihm seinen Anteil unter den Großen, und mit den Mächtigen teilt er die Beute, weil er sein Leben dem Tod preisgab und sich unter die Verbrecher rechnen ließ. Denn er trug die Sünden von vielen und trat für die Schuldigen ein. – Wort des Herrn.
Kommentar zur ersten Lesung
„Nachdem er so vieles ertrug, erblickt er das Licht. Er sättigt sich an Erkenntnis. Mein Knecht, der Gerechte, macht die Vielen gerecht; er lädt ihre Schuld auf sich“: Das Wort des Propheten Jesaja erfüllt sich vollständig in Christus, in seinem Leiden, seinem Tod, seinem Hinabsteigen in das Reich der Toten und seiner Auferstehung. Aber auch der Christ, der treue Jünger, erfreut sich an seinen Wohltaten; ja, sogar der ungerechte Jünger (wie wir alle) kann in ihm nicht nur Hoffnung, sondern echtes Vertrauen auf die Erlösung finden. Nun steht keine Sünde mehr unter der Macht des Teufels, sondern ihre verderbte Natur als Sünde wurde durch den Einzigen wiederhergestellt, der ohne Sünde war. Es ist die Rede von einer inneren, tiefen, überwältigenden, bis ins Mark gehenden Qual: Genau das hat unser Herr Jesus Christus zu unserem Heil durchlebt und auf sich genommen. Das Heil, ebenso wie die Rechtfertigung und die Verherrlichung, kommt also nicht von uns, sondern von Gott. Für uns Menschen, die wir in der Sünde versunken sind, ist die Lage wirklich paradox: Wir versuchen, uns mit all unseren Kräften zu retten, die wir für persönlich, berechtigt und erkämpft halten, obwohl alles viel „einfacher“ wäre, wenn wir akzeptierten, uns von Gott retten zu lassen.
ZWEITE LESUNG
Aus dem Brief an die Hebräer (Hebr 4,14-16; 5,7-9)
Brüder, da wir einen erhabenen Hohenpriester haben, der die Himmel durchschritten hat, Jesus, den Sohn Gottes, lasst uns am Bekenntnis des Glaubens festhalten! Wir haben ja nicht einen Hohenpriester, der nicht mitfühlen könnte mit unseren Schwächen, sondern einen, der in allem wie wir versucht worden ist, aber nicht gesündigt hat. Lasst uns also voll Zuversicht hinzutreten zum Thron der Gnade, damit wir Erbarmen empfangen und Gnade finden und so Hilfe erlangen zur rechten Zeit. [Christus] hat in den Tagen seines irdischen Lebens mit lautem Schreien und unter Tränen Gebete und Bitten vor den gebracht, der ihn aus dem Tod retten konnte, und er ist erhört worden aufgrund seiner Gottesfurcht. Obwohl er der Sohn war, hat er durch das, was er gelitten hat, den Gehorsam gelernt; zur Vollendung gelangt, ist er für alle, die ihm gehorchen, der Urheber des ewigen Heils geworden. – Wort des Herrn.
Kommentar zur zweiten Lesung
„Obwohl er der Sohn war, hat er durch das, was er gelitten hat, den Gehorsam gelernt; zur Vollendung gelangt, ist er für alle, die ihm gehorchen, der Urheber des ewigen Heils geworden.“ Die besten geistlichen Lehrer betonen, dass unter den drei Gelübden, die die Gottgeweihten Gott versprechen – Armut, Keuschheit und Gehorsam –, der Gehorsam sowohl geistlich als auch menschlich die anspruchsvollste Verpflichtung ist; Armut und Keuschheit wären eine Folge davon. So hat jemand, mit poetischem und zugleich sehr konkretem Bezug auf die Ehe, wunderbare Seiten über den Aspekt des Gehorsams in diesem Sakrament geschrieben. Gehorsam ist göttlich. Sich mit Kompromissen und halben Entscheidungen zufriedenzugeben, immer und ausschließlich recht haben zu wollen, sich nicht in den Dienst zu stellen – all das ist menschlich. Im Brief an die Hebräer wird ausdrücklich gesagt, dass auch Jesus Christus, wahrer Mensch und wahrer Gott, den Gehorsam gelernt hat: Es scheint also, dass auch für ihn dieser Weg eine Entwicklung war. Keine Errungenschaft, die ein für alle Mal erworben wird, sondern Frucht einer Haltung des Hörens und der Geduld (vom Verb „leiden“). Christus Jesus ist im Gehorsam vollendet worden; und richten wir unser Leben auf den Gehorsam gegenüber dem Vater aus?
EVANGELIUM DES TAGES
(Hinweise für die dialogische Lesung: ✠ = Jesus; C = Chronist; D = Jünger und Freunde; F = Menge; A = Andere Personen).
Leiden unseres Herrn Jesus Christus nach Johannes
Sie nahmen Jesus fest und fesselten ihn
C In jener Zeit ging Jesus mit seinen Jüngern hinaus auf die andere Seite des Baches Kidron. Dort war ein Garten, in den er mit seinen Jüngern hineinging. Auch Judas, der ihn auslieferte, kannte den Ort, weil Jesus dort oft mit seinen Jüngern zusammengekommen war. Judas holte die Soldaten sowie die Gerichtsdiener der Hohepriester und der Pharisäer und kam dorthin mit Fackeln, Laternen und Waffen. Jesus, der alles wusste, was mit ihm geschehen sollte, ging hinaus und sagte zu ihnen: ✠ „Wen sucht ihr?“ C Sie antworteten ihm: F „Jesus von Nazaret.“ C Er sagte zu ihnen: ✠ „Ich bin es.“ C Auch Judas, der ihn auslieferte, stand bei ihnen. Als er zu ihnen sagte: „Ich bin es“, wichen sie zurück und stürzten zu Boden. Er fragte sie noch einmal: ✠ „Wen sucht ihr?“ C Sie sagten: F „Jesus von Nazaret.“ C Jesus antwortete: ✠ „Ich habe euch gesagt, dass ich es bin. Wenn ihr also mich sucht, dann lasst diese gehen!“ C So sollte sich das Wort erfüllen, das er gesagt hatte: „Ich habe keinen von denen verloren, die du mir gegeben hast.“ Simon Petrus, der ein Schwert bei sich hatte, zog es, traf damit den Diener des Hohenpriesters und hieb ihm das rechte Ohr ab. Der Name des Dieners war Malchus. Da sagte Jesus zu Petrus: ✠ „Steck das Schwert in die Scheide! Der Kelch, den mir der Vater gegeben hat – soll ich ihn nicht trinken?“
Man führte ihn zuerst zu Hannas
C Die Soldaten mit ihrem Hauptmann und die Gerichtsdiener der Juden nahmen Jesus fest, fesselten ihn und führten ihn zuerst zu Hannas; dieser war nämlich der Schwiegervater des Kajaphas, der in jenem Jahr Hohepriester war. Kajaphas aber war es, der den Juden den Rat gegeben hatte: „Es ist besser, wenn ein einziger Mensch für das Volk stirbt.“ Simon Petrus folgte Jesus zusammen mit einem anderen Jünger. Dieser Jünger war mit dem Hohenpriester bekannt und ging mit Jesus in den Hof des Hohenpriesters. Petrus aber blieb draußen am Tor stehen. Da kam der andere Jünger, der Bekannte des Hohenpriesters, hinaus, sprach mit der Pförtnerin und führte Petrus hinein. Die Pförtnerin sagte zu Petrus: A „Bist nicht auch du einer von den Jüngern dieses Menschen?“ C Er sagte: D „Ich bin es nicht.“ C Unterdessen hatten die Diener und die Gerichtsdiener ein Kohlenfeuer angezündet, weil es kalt war, und wärmten sich. Auch Petrus stand bei ihnen und wärmte sich. Der Hohepriester befragte Jesus über seine Jünger und über seine Lehre. Jesus antwortete ihm: ✠ „Ich habe offen vor aller Welt gesprochen. Ich habe immer in der Synagoge und im Tempel gelehrt, wo alle Juden zusammenkommen. Nichts habe ich im Geheimen gesagt. Warum fragst du mich? Frag doch die, die mich gehört haben, was ich zu ihnen gesagt habe; sie wissen, was ich gesagt habe.“ C Auf diese Worte hin schlug einer der Gerichtsdiener, der dabeistand, Jesus ins Gesicht und sagte: A „Redest du so mit dem Hohenpriester?“ C Jesus entgegnete ihm: ✠ „Wenn es nicht recht war, was ich gesagt habe, dann weise es nach; wenn es aber recht war, warum schlägst du mich?“ C Danach schickte ihn Hannas gefesselt zum Hohenpriester Kajaphas.
Bist nicht auch du einer von seinen Jüngern? Ich bin es nicht!
C Simon Petrus stand dort und wärmte sich. Sie sagten zu ihm: A „Bist nicht auch du einer seiner Jünger?“ C Er leugnete und sagte: D „Ich bin es nicht.“ C Einer von den Dienern des Hohenpriesters, ein Verwandter dessen, dem Petrus das Ohr abgehauen hatte, sagte: A „Habe ich dich nicht im Garten bei ihm gesehen?“ C Wieder leugnete Petrus, und gleich darauf krähte ein Hahn.
Mein Königtum ist nicht von dieser Welt
C Darauf führten sie Jesus vom Haus des Kajaphas zum Prätorium. Es war früh am Morgen. Sie selbst gingen nicht in das Prätorium hinein, um nicht unrein zu werden, sondern das Paschamahl essen zu können. Deshalb kam Pilatus zu ihnen heraus und fragte: A „Welche Anklage erhebt ihr gegen diesen Menschen?“ C Sie antworteten ihm: F „Wenn er kein Übeltäter wäre, hätten wir ihn dir nicht ausgeliefert.“ C Da sagte Pilatus zu ihnen: A „Nehmt ihr ihn doch und richtet ihn nach eurem Gesetz!“ C Die Juden antworteten ihm: F „Uns ist es nicht gestattet, jemanden hinzurichten.“ C So sollte sich das Wort Jesu erfüllen, mit dem er angedeutet hatte, welchen Tod er sterben werde. Pilatus ging wieder in das Prätorium hinein, ließ Jesus rufen und fragte ihn: A „Bist du der König der Juden?“ C Jesus antwortete: ✠ „Sagst du das von dir aus oder haben es dir andere über mich gesagt?“ C Pilatus entgegnete: A „Bin ich etwa ein Jude? Dein Volk und die Hohepriester haben dich an mich ausgeliefert. Was hast du getan?“ C Jesus antwortete: ✠ „Mein Königtum ist nicht von dieser Welt. Wenn mein Königtum von dieser Welt wäre, würden meine Leute kämpfen, damit ich den Juden nicht ausgeliefert würde. Aber mein Königtum ist nicht von hier.“ C Pilatus sagte zu ihm: A „Also bist du doch ein König?“ C Jesus antwortete: ✠ „Du sagst es: Ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme.“ C Pilatus sagte zu ihm: A „Was ist Wahrheit?“ C Nachdem er das gesagt hatte, ging er wieder zu den Juden hinaus und sagte zu ihnen: A „Ich finde keine Schuld an ihm. Ihr seid gewohnt, dass ich euch zum Paschafest einen freilasse. Wollt ihr also, dass ich euch den König der Juden freilasse?“ C Da schrien sie wieder: F „Nicht diesen, sondern Barabbas!“ C Barabbas aber war ein Verbrecher.
Sei gegrüßt, König der Juden!
C Darauf ließ Pilatus Jesus geißeln. Die Soldaten flochten einen Kranz aus Dornen; den setzten sie ihm auf und legten ihm einen purpurroten Mantel um. Sie traten an ihn heran und sagten: F „Sei gegrüßt, König der Juden!“ C Und sie schlugen ihm ins Gesicht. Pilatus ging wieder hinaus und sagte zu ihnen: A „Seht, ich bringe ihn zu euch heraus; ihr sollt wissen, dass ich keine Schuld an ihm finde.“ C Jesus kam heraus; er trug die Dornenkrone und den purpurroten Mantel. Pilatus sagte zu ihnen: A „Seht, da ist der Mensch!“ C Als die Hohepriester und ihre Diener ihn sahen, schrien sie: F „Kreuzige ihn, kreuzige ihn!“ C Pilatus sagte zu ihnen: A „Nehmt ihr ihn und kreuzigt ihn! Denn ich finde keine Schuld an ihm.“ C Die Juden entgegneten ihm: F „Wir haben ein Gesetz, und nach diesem Gesetz muss er sterben, weil er sich zum Sohn Gottes gemacht hat.“ C Als Pilatus diese Worte hörte, fürchtete er sich noch mehr. Er ging wieder in das Prätorium hinein und fragte Jesus: A „Woher stammst du?“ C Jesus aber gab ihm keine Antwort. Da sagte Pilatus zu ihm: A „Du sprichst nicht mit mir? Weißt du nicht, dass ich Macht habe, dich freizulassen, und Macht, dich zu kreuzigen?“ C Jesus antwortete ihm: ✠ „Du hättest keine Macht über mich, wenn sie dir nicht von oben gegeben wäre. Darum hat der, der mich dir ausgeliefert hat, eine größere Sünde.“
Weg! Weg! Kreuzige ihn!
C Daraufhin wollte Pilatus ihn freilassen. Aber die Juden schrien: F „Wenn du ihn freilässt, bist du kein Freund des Kaisers. Jeder, der sich als König ausgibt, lehnt sich gegen den Kaiser auf.“ C Auf diese Worte hin ließ Pilatus Jesus herausführen und setzte sich auf den Richterstuhl an dem Platz, der Steinpflaster, auf Hebräisch Gabbata, heißt. Es war der Rüsttag des Paschafestes, ungefähr um die sechste Stunde. Pilatus sagte zu den Juden: A „Seht, euer König!“ C Die Juden aber schrien: F „Weg! Weg! Kreuzige ihn!“ C Pilatus sagte zu ihnen: A „Euren König soll ich kreuzigen?“ C Die Hohepriester antworteten: F „Wir haben keinen König außer dem Kaiser.“ C Da lieferte er ihnen Jesus aus, damit er gekreuzigt würde.
Sie kreuzigten ihn und mit ihm zwei andere
C Sie übernahmen Jesus. Er trug selbst sein Kreuz und ging hinaus zur sogenannten Schädelhöhe, die auf Hebräisch Golgota heißt. Dort kreuzigten sie ihn und mit ihm zwei andere, auf jeder Seite einen, in der Mitte Jesus. Pilatus ließ auch ein Schild anfertigen und oben am Kreuz befestigen; die Inschrift lautete: „Jesus von Nazaret, der König der Juden“. Viele Juden lasen diese Inschrift, weil der Ort, an dem Jesus gekreuzigt wurde, nahe bei der Stadt lag. Sie war in hebräischer, lateinischer und griechischer Sprache abgefasst. Die Hohepriester der Juden sagten zu Pilatus: F „Schreib nicht: ‚Der König der Juden‘, sondern dass er gesagt hat: ‚Ich bin der König der Juden‘.“ C Pilatus antwortete: A „Was ich geschrieben habe, habe ich geschrieben.“
Sie verteilten meine Kleider unter sich
C Nachdem die Soldaten Jesus gekreuzigt hatten, nahmen sie seine Kleider und machten vier Teile daraus, für jeden Soldaten einen Teil, und dazu das Untergewand. Dieses Gewand war aber ohne Naht, von oben ganz durchgewebt. Deshalb sagten sie zueinander: „Wir wollen es nicht zerteilen, sondern darum losen, wem es gehören soll.“ So sollte sich die Schrift erfüllen: „Sie verteilten meine Kleider unter sich und warfen das Los um mein Gewand.“ Dies taten die Soldaten.
Siehe, dein Sohn! Siehe, deine Mutter!
C Bei dem Kreuz Jesu standen seine Mutter, die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Klopas, und Maria von Magdala. Als Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er liebte, sagte er zu seiner Mutter: ✠ „Frau, siehe, dein Sohn!“ C Dann sagte er zu dem Jünger: ✠ „Siehe, deine Mutter!“ C Und von jener Stunde an nahm sie der Jünger zu sich. Danach, als Jesus wusste, dass nun alles vollbracht war, sagte er, damit sich die Schrift erfüllte: ✠ „Mich dürstet.“ C Ein Gefäß mit Essig stand da. Sie steckten einen Schwamm mit Essig auf einen Ysopzweig und hielten ihn an seinen Mund. Als Jesus von dem Essig genommen hatte, sprach er: ✠ „Es ist vollbracht!“ C Dann neigte er das Haupt und übergab den Geist.
(Hier kniet man nieder und hält kurz inne)
Und sogleich floss Blut und Wasser heraus
C Es war der Rüsttag, und die Juden baten Pilatus, man möge den Gekreuzigten die Beine zerschlagen und die Leichen dann abnehmen; denn dieser Sabbat war ein großer Feiertag. Also kamen die Soldaten und zerschlugen dem ersten die Beine, dann dem anderen, der mit Jesus gekreuzigt worden war. Als sie aber zu Jesus kamen und sahen, dass er schon tot war, zerschlugen sie ihm die Beine nicht, sondern einer der Soldaten stieß mit der Lanze in seine Seite, und sogleich floss Blut und Wasser heraus. Und der es gesehen hat, hat es bezeugt, und sein Zeugnis ist wahr. Und er weiß, dass er Wahres berichtet, damit auch ihr glaubt. Denn das ist geschehen, damit sich das Schriftwort erfüllte: „Man soll an ihm kein Gebein zerbrechen.“ Und ein anderes Schriftwort sagt: „Sie werden auf den schauen, den sie durchbohrt haben.“
Sie nahmen den Leichnam Jesu und hüllten ihn zusammen mit wohlriechenden Kräutern in Tücher
C Danach kam Josef aus Arimathäa, der ein Jünger Jesu war, aber aus Furcht vor den Juden nur heimlich, und bat Pilatus, den Leichnam Jesu abnehmen zu dürfen. Pilatus erlaubte es. Also kam er und nahm den Leichnam ab. Es kam auch Nikodemus, der früher einmal Jesus bei Nacht aufgesucht hatte, und brachte etwa hundert Pfund Myrrhe gemischt mit Aloe. Sie nahmen den Leichnam Jesu und umwickelten ihn mit Leinenbinden, zusammen mit den wohlriechenden Kräutern, wie es beim jüdischen Begräbnis Sitte ist. An dem Ort, wo man ihn gekreuzigt hatte, war ein Garten, und in dem Garten war ein neues Grab, in dem noch niemand bestattet worden war. Wegen des Rüsttages der Juden und weil das Grab in der Nähe lag, setzten sie Jesus dort bei. – Evangelium unseres Herrn.
Kommentar zum Evangelium des Tages
„Du sagst es: Ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme.“ Der Statthalter Pilatus erhält Gelegenheit zu einem Vier-Augen-Gespräch mit dem Herrn Jesus, dem König der Könige, und geht daraus erbärmlich hervor: Er wäscht seine Hände in dem unschuldigen Blut, das vergossen wird. Und doch waren ihm zahlreiche Hinweise gegeben worden, um endlich mutig Stellung zu beziehen und den zu verteidigen, an dem keinerlei Schuld zu finden war. Jesus bekennt sich ihm gegenüber als König, aber nicht im Gegensatz zu der Macht, die Pilatus verteidigen muss: der Macht des Imperiums und der vergänglichen Herrlichkeit des Kaisers. Jesus ist nicht der Herrscher über höfische Intrigen, aus Sympathie gewährte Vorrechte und Karrieren, die man sich durch Ellbogen und auf Kosten anderer erkämpft; Jesus ist der König der Wahrheit und herrscht vom Kreuz aus. Mehr noch: Der Herr ruft keine Truppen bewaffneter Engelschöre zu seiner Verteidigung herbei; auf die Handlung des Petrus, der das Schwert zieht, um Malchus das Ohr abzuschlagen, antwortet Jesus mit seinem letzten Wunder körperlicher Heilung. Jesus ist nicht wie jene Befehlshaber, die das Bataillon ins Verderben schicken, während sie selbst in Sicherheit bleiben. Jesus ist Zeuge (= Märtyrer) für seine „Armee“.

