Darstellung des Herrn (Fest)
Eigene Stundenliturgie
Texte aus dem Messalino „Sulla Tua Parola“, Januar-Februar 2021.
Vierzig Tage nach dem Hochfest der Geburt des Herrn feiert die Kirche den Tag, an dem Maria und Josef Jesus in den Tempel bringen.
Mit diesem Ritus unterwirft sich der Herr den Vorschriften des alten Gesetzes, doch in Wirklichkeit kommt er seinem Volk entgegen, das ihn im Glauben erwartet.
Vom Heiligen Geist geführt und erleuchtet, erkennen die heiligen Greise Simeon und Anna den Herrn und legen ihm voller Freude Zeugnis ab.
Auch wir, vom Heiligen Geist zur Eucharistiefeier versammelt, gehen Christus im Haus Gottes entgegen. Dort werden wir ihn finden und erkennen, wenn wir das Brot brechen, während wir erwarten, dass er kommt und sich in seiner Herrlichkeit offenbart.
ERSTE LESUNG
Aus dem Buch des Propheten Maleachi (Mal 3,1-4)
So spricht Gott, der Herr: „Siehe, ich sende meinen Boten; er soll den Weg vor mir bahnen. Dann kommt plötzlich zu seinem Tempel der Herr, den ihr sucht, und der Bote des Bundes, den ihr herbeisehnt - siehe, er kommt!, spricht der Herr der Heerscharen. Doch wer erträgt den Tag seines Kommens? Wer kann bestehen, wenn er erscheint? Denn er ist wie das Feuer im Schmelzofen und wie die Lauge der Wäscher. Er setzt sich, um das Silber zu schmelzen und zu reinigen: Er reinigt die Söhne Levis, er läutert sie wie Gold und Silber. Dann werden sie dem Herrn die richtigen Opfer darbringen. Dann wird das Opfer Judas und Jerusalems dem Herrn gefallen wie in den Tagen der Vorzeit, wie in längst vergangenen Jahren.“
Kommentar zur ersten Lesung
„Dann wird das Opfer Judas und Jerusalems dem Herrn gefallen wie in den Tagen der Vorzeit, wie in längst vergangenen Jahren“ - mit diesen Worten endet die erste Lesung. Juda und Jerusalem sind Vorausbild und Symbol der ganzen von Gott geliebten Menschheit. Das Opfer, das sie dem Herrn darbringen, besteht nicht in erster Linie aus materiellen Dingen, Tieren oder Geld; in den Psalmen und den Büchern der Propheten finden wir oft den Aufruf, sich selbst als Gott wohlgefällige Gabe darzubringen, statt nur äußerliche Opfer zu bringen. In Wirklichkeit kann nur Jesus Christus ein Opfer darbringen, das Gott wirklich gefällt: Er kommt vom Vater, und seine Darstellung im Tempel, sein Opfer, ist nichts anderes als die Rückkehr zu Gott, begleitet von der ganzen Menschheit. Er hat den Plan des Vaters angenommen, der die Menschwerdung und das Ostergeheimnis umfasste, um all jene zu retten, die in der Menschheit bereit sind, dieses großartige Vorhaben in ihr Fleisch und ihr Leben eindringen zu lassen. Während der Lesung ist von Reinigung und Läuterung die Rede, die jeder Mensch braucht, um Gott so wenig unwürdig wie möglich zu antworten. Bringen wir uns Gott dar, in welcher Situation wir uns auch befinden: Unsere Gabe wird ihm gefallen.
Oder
Aus dem Brief an die Hebräer (Hebr 2,14-18)
Da nun die Kinder von Fleisch und Blut sind, hat auch er in gleicher Weise daran Anteil genommen, um durch den Tod den zu entmachten, der die Gewalt über den Tod hat, nämlich den Teufel, und um die zu befreien, die durch Todesfurcht ihr ganzes Leben lang der Knechtschaft verfallen waren. Denn er nimmt sich keineswegs der Engel an, sondern der Nachkommen Abrahams nimmt er sich an. Daher musste er in allem den Brüdern gleich sein, um ein barmherziger und treuer Hohepriester vor Gott zu sein und die Sünden des Volkes zu sühnen. Denn da er selbst auf die Probe gestellt wurde und gelitten hat, kann er denen helfen, die geprüft werden.
Kommentar
„Denn da er selbst auf die Probe gestellt wurde und persönlich gelitten hat, kann er denen helfen, die geprüft werden.“ Dieser Abschnitt aus dem Brief an die Hebräer beantwortet einige Fragen: Welchen Sinn hat das Leiden der Menschheit? Was bedeutet die Entscheidung Jesu, sich für einen Tod am Kreuz in die Hände der Menschen zu geben? Die Lesung sagt uns zunächst, dass Christus nun in der Lage ist, denen „zu helfen“, die leiden. Das Ostergeheimnis besteht außerdem nicht nur aus dem Kreuz, sondern auch aus einer endlosen Hingabe in der Eucharistie. Der Horizont des von Jesus gewirkten Heils reicht von der Todesangst in Getsemani, wo er sein „Ja“ zum Vater vollkommen spricht, über die blutige Passion und den Tod am Kreuz bis zur Auferstehung mit der Gabe des Heiligen Geistes. Erst in diesem gesamten Zusammenhang sehen wir Jesus nicht nur als Leidenden, sondern als Sieger in und über das Leiden. Dann wird deutlich, dass nicht das Leiden als solches uns rettet und Gott näherbringt, sondern die Liebe. Jene grenzenlose Liebe, die Jesus in den Tagen gezeigt hat, in denen sich seine Passion vollendete; dieselbe Liebe, in die auch wir uns dank der Gabe Christi einfügen können. Das Leiden findet seinen Sinn nämlich in der Liebe.
EVANGELIUM DES TAGES
Aus dem Evangelium nach Lukas (Lk 2,22-40)
[Als die Tage der im Gesetz des Mose vorgeschriebenen Reinigung vorüber waren, brachten Maria und Josef das Kind nach Jerusalem hinauf, um es dem Herrn darzustellen - wie im Gesetz des Herrn geschrieben steht: „Jede männliche Erstgeburt soll dem Herrn geheiligt werden“ - und um ein Paar Turteltauben oder zwei junge Tauben als Opfer darzubringen, wie es im Gesetz des Herrn vorgeschrieben ist. In Jerusalem lebte damals ein Mann namens Simeon. Er war gerecht und fromm und wartete auf den Trost Israels, und der Heilige Geist ruhte auf ihm. Vom Heiligen Geist war ihm offenbart worden, er werde den Tod nicht schauen, ehe er den Christus des Herrn gesehen habe. Er wurde vom Geist in den Tempel geführt; und als die Eltern Jesus hereinbrachten, um zu erfüllen, was nach dem Gesetz üblich war, nahm Simeon das Kind in seine Arme und pries Gott mit den Worten: „Nun lässt du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden. Denn meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast: ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und eine Herrlichkeit für dein Volk Israel.“] Sein Vater und seine Mutter staunten über die Worte, die über ihn gesagt wurden. Simeon segnete sie und sagte zu Maria, seiner Mutter: „Siehe, dieser ist dazu bestimmt, dass in Israel viele zu Fall kommen und viele aufgerichtet werden, und er wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird - und deine Seele wird ein Schwert durchdringen. So sollen die Gedanken vieler Herzen offenbar werden.“ Damals lebte auch eine Prophetin namens Hanna, die Tochter Penuëls, aus dem Stamm Ascher. Sie war hochbetagt. Nach ihrer Jungfrauenzeit hatte sie sieben Jahre mit ihrem Mann gelebt und war dann Witwe geworden. Sie war nun vierundachtzig Jahre alt. Sie hielt sich ständig im Tempel auf und diente Gott Tag und Nacht mit Fasten und Beten. Zu derselben Stunde trat sie hinzu, pries Gott und sprach über das Kind zu allen, die auf die Erlösung Jerusalems warteten. Als seine Eltern alles getan hatten, was das Gesetz des Herrn vorschrieb, kehrten sie nach Galiläa in ihre Stadt Nazaret zurück. Das Kind wuchs heran und wurde kräftig; Gott erfüllte es mit Weisheit, und seine Gnade ruhte auf ihm.
Kommentar zum Evangelium des Tages
„Vom Heiligen Geist war ihm [Simeon] offenbart worden, er werde den Tod nicht schauen, ehe er den Christus des Herrn gesehen habe.“ In diesen Zeilen des heutigen Evangeliums begegnen uns zwei Personen der Dreifaltigkeit, die sich im Leben eines Menschen offenbaren: Jesus, der Christus, der Messias, wird Simeon vom Heiligen Geist verheißen. Wir können uns fragen, ob es sich dabei nur um ein persönliches Privileg Simeons handelt oder um eine Gabe für jeden Christen. Ich glaube wirklich, dass es jedem Jünger Christi, des Herrn, möglich ist, Jesus vor seinem Hinübergang in den Himmel zu sehen. Vor allem in jedem Bruder und jeder Schwester, denen wir begegnen, vorausgesetzt, dass wir einen klaren und reinen Blick bewahren; nicht egoistisch, sondern fähig, die Gabe zu sehen, die im anderen gegenwärtig ist. Die heilige Sonntagsmesse (oder die tägliche Messe) ist die geistliche Nahrung, die uns Jesus begegnen und ihn sehen lässt. Auch die Beichte, mindestens einmal im Monat, kann uns stärken und uns die Kraft schenken, trotz unserer Sünden neu aufzubrechen. Die Sünde hingegen erschwert gerade die Begegnung mit Christus und die Sicht auf ihn. Die eigentliche Frage liegt in uns selbst: in unserer Bereitschaft, uns selbst, unseren Blick und unser Herz zu verändern, damit wir dem Herrn erlauben, vor den Augen unseres Herzens zu „erscheinen“.

