Texte aus dem Messbuch „Auf dein Wort“ März-April 2022
Verkündigung des Herrn (H)
Eigene Texte
ERSTE LESUNG
Aus dem Buch des Propheten Jesaja (Jes 7,10-14; 8,10c)
In jenen Tagen sprach der Herr zu Ahas: „Erbitte dir ein Zeichen vom Herrn, deinem Gott, aus der Tiefe der Unterwelt oder aus der Höhe!“ Ahas antwortete: „Ich werde um nichts bitten und den Herrn nicht auf die Probe stellen.“ Da sagte Jesaja: „Hört her, ihr vom Haus David! Ist es euch nicht genug, Menschen zu ermüden, dass ihr auch noch meinen Gott ermüden wollt? Darum wird euch der Herr selbst ein Zeichen geben: Siehe, die Jungfrau wird empfangen und einen Sohn gebären und wird ihm den Namen Immanuel geben, denn Gott ist mit uns.“ – Wort des lebendigen Gottes.
Kommentar zur ersten Lesung
König Ahas befindet sich in Verzweiflung: Die Stadt Jerusalem ist belagert und steht kurz davor, unter den mächtigen Heeren des Königs von Assyrien zu fallen. Doch Gott ist wie gewohnt bereit einzugreifen und die Truppen zu schlagen, die den heiligen Tempel schänden wollen. Er verlangt vom König einen Akt des Vertrauens, indem er um ein Zeichen bittet, damit alle glauben, dass mit dem Eintreten dieses Zeichens der Sieg gesichert sein wird. Doch zur Überraschung empört sich der König und will dieses Vertrauenszeugnis aus Stolz oder aus Angst nicht geben … Er verschließt sich in sich selbst, als gäbe es nichts mehr zu tun, und bereitet sich auf eine niederschmetternde Niederlage vor. Doch auch wenn der König die Macht des Herrn vergessen will, greift Gott ein, indem er unmittelbar einen Sohn geboren werden lässt, der die Überlebensgarantie für das belagerte Volk ist, und einen Sohn aus der Jungfrau Maria, wenn die Zeit reif ist. Aus einem schmerzvollen historischen Ereignis kündigt Gott ein einzigartiges Geschehen an: Die heilige Jungfrau „bereitet“ sich darauf vor, den Retter Jesus in die Welt zu tragen, wenn sie ihn in Jungfräulichkeit empfängt und für uns gebiert.
ZWEITE LESUNG
Aus dem Brief an die Hebräer (Hebr 10,4-10)
Brüder, unmöglich kann das Blut von Stieren und Böcken Sünden hinwegnehmen. Darum spricht Christus bei seinem Eintritt in die Welt: „Schlacht- und Speiseopfer hast du nicht gefordert, doch einen Leib hast du mir geschaffen. An Brand- und Sündopfern hast du kein Gefallen. Da sagte ich: Siehe, ich komme – so steht es über mich in der Schriftrolle des Buches –, um deinen Willen, o Gott, zu tun.“ Zuerst sagt er: „Schlacht- und Speiseopfer, Brand- und Sündopfer hast du nicht gefordert und daran kein Gefallen gefunden“, obwohl sie nach dem Gesetz dargebracht werden; dann sagt er: „Siehe, ich komme, um deinen Willen zu tun.“ Auf diese Weise hebt er das erste Opfer auf, um das neue einzusetzen. Aufgrund dieses Willens sind wir durch die Opfergabe des Leibes Jesu Christi ein für alle Mal geheiligt. – Wort des lebendigen Gottes.
Kommentar zur zweiten Lesung
Am Hochfest der Verkündigung des Herrn schenkt uns die Liturgie einen Text, in dem die Menschlichkeit Christi hervorgehoben wird, also sein Leib, der wie unser eigener aus Fleisch, Knochen und Muskeln besteht, eben jener Leib, den er von der Jungfrau Maria empfängt. Wenn man die Person Jesu zu sehr vergeistigt, verliert man das Wunder der Göttlichkeit Gottes aus dem Blick, die sich vollständig in einen menschlichen Leib ergießt. Die Jungfrau Maria trägt ihn in ihrem Schoß, spürt, wie er sich in ihr bewegt, wie alle Mütter, streichelt ihn mit ihren eigenen Händen und betet ihn an, indem sie ihn betrachtet. Gerade die Menschlichkeit Christi ist nach Ansicht vieler Kirchenväter der Ursprung der Sünde Luzifers, die ihn in Satan verwandelt: Er weigert sich, Gott anzubeten, nicht so sehr in sich selbst, sondern Gott im menschlichen Leib Christi, da er - der Engel - von höherer Natur ist als der Mensch. „Einen Leib hast du mir geschaffen“, sagt der Brief an die Hebräer. Betrachten wir die Menschlichkeit Jesu, verneigen wir uns wie die heiligste Maria und beten wir den menschlichen Leib Gottes an, in dem „die ganze Fülle der Gottheit“ wohnt (Kol 2,9). Es ist derselbe Leib, der so sehr für uns gelitten hat. Wie könnten wir ihn nicht anbeten?
EVANGELIUM DES TAGES
Aus dem Evangelium nach Lukas (Lk 1,26-38)
In jener Zeit wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret zu einer Jungfrau gesandt. Sie war mit einem Mann aus dem Haus David namens Josef verlobt. Der Name der Jungfrau war Maria. Der Engel trat bei ihr ein und sagte: „Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir.“ Sie erschrak über die Anrede und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe. Da sagte der Engel zu ihr: „Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden. Siehe, du wirst empfangen, einen Sohn gebären und du sollst ihm den Namen Jesus geben. Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben. Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen und seine Herrschaft wird kein Ende haben.“ Maria sagte zu dem Engel: „Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?“ Der Engel antwortete ihr: „Der Heilige Geist wird über dich kommen und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden. Siehe, auch Elisabet, deine Verwandte, hat in ihrem Alter einen Sohn empfangen; obwohl sie als unfruchtbar galt, ist sie jetzt im sechsten Monat. Denn für Gott ist nichts unmöglich.“ Da sagte Maria: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe nach deinem Wort.“ Danach verließ sie der Engel. – Evangelium unseres Herrn Jesus Christus.
Kommentar zum Evangelium des Tages
Beginnen wir am Ende. „Der Engel verließ sie.“ Es scheint ein nutzloser Vers zu sein, aber denken wir ein wenig darüber nach. Alles geschieht plötzlich, innerhalb weniger Minuten: Der Engel kommt, verkündet, die Madonna antwortet. Dann geht der Engel fort. Was geschieht, wenn der himmlische Bote aufbricht? Es geschieht, dass die Jungfrau Maria schwanger ist! Eine halbe Stunde zuvor hatte sie das gewiss nicht erwartet. Die Minute nach der Verkündigung ist diejenige, die den gesamten geistlichen Weg der heiligsten Maria bestimmt. Keine Frau war jemals „Mutter Gottes“ gewesen. Es gab keine Vorbilder, sie konnte sich mit niemandem vergleichen, denn ihre Situation war einzigartig und unwiederholbar. Eine Minute später befindet sich Maria im leuchtenden Ozean der Gottheit und muss zugleich weiterhin die alltäglichen Dinge tun. Alles ist gleich und alles hat sich verändert. Es beginnt jener geheimnisvolle und tiefe, überaus zärtliche und unaussprechliche Dialog zwischen der Madonna und dem göttlichen Kind. Von diesem Augenblick an ist die heiligste Maria die „Theophora“, jene, die Gott trägt, das „geistliche Gefäß“, das den Ewigen enthält. Dass sie eine einfache und arme Hausfrau in den Augen der Welt bleibt, zeigt ihre ganze Größe. Heute betrachten wir die heiligste Maria, voller Staunen und Seligkeit, und freuen uns mit ihr!

