Texte aus dem Messbuch „Auf dein Wort“ Mai-Juni 2023
Heilige Petrus und Paulus, Apostel (Fest)
Eigenfeier
Zur Abendmesse am Vorabend
ERSTE LESUNG
Aus der Apostelgeschichte (Apg 3,1-10)
In jenen Tagen gingen Petrus und Johannes zur Gebetsstunde um die neunte Stunde zum Tempel hinauf. Da wurde ein Mann herbeigetragen, der von Geburt an gelähmt war. Man setzte ihn täglich an das Tor des Tempels, das man die Schöne Pforte nennt, damit er denen, die in den Tempel hineingingen, Almosen erbitte. Als er nun Petrus und Johannes sah, wie sie in den Tempel hineingehen wollten, bat er sie um ein Almosen. Petrus blickte ihn zusammen mit Johannes an und sagte: „Sieh uns an!“ Jener blickte sie an und erwartete, etwas von ihnen zu bekommen. Petrus aber sagte: „Silber und Gold besitze ich nicht. Doch was ich habe, das gebe ich dir: Im Namen Jesu Christi, des Nazoräers, geh umher!“ Und er fasste ihn an der rechten Hand und richtete ihn auf. Sogleich kam Kraft in seine Füße und Knöchel; er sprang auf, konnte stehen und ging umher. Dann ging er mit ihnen in den Tempel, lief und sprang umher und lobte Gott. Das ganze Volk sah ihn umhergehen und Gott loben. Sie erkannten ihn als den, der gewöhnlich an der Schönen Pforte des Tempels saß und bettelte, und waren voller Staunen und Verwunderung über das, was mit ihm geschehen war. - Wort des lebendigen Gottes.
Kommentar zur ersten Lesung
Der arme Gelähmte sitzt an der Schönen Pforte und erwartet nicht, geheilt zu werden; er begnügt sich mit dem Wenigen, das er als Almosen erhalten kann, ein paar Münzen, ein Stück Brot … Er sieht Petrus und Johannes vorbeigehen, die ihm, statt ihm etwas zu geben, um etwas bitten, seine Aufmerksamkeit verlangen: „Sieh uns an!“ Eine seltsame Bitte! Gewöhnlich nimmt derjenige, der ein Almosen gibt, keinen persönlichen oder direkten Kontakt mit dem Armen auf: Er legt ihm ein paar Münzen in die Hand und geht dann weiter, ohne stehen zu bleiben. Petrus dagegen will angesehen werden. Der Apostel verlangt vom Kranken nicht den Glaubensakt, wie es der Herr Jesus gewöhnlich tat („Was soll ich dir tun? Glaubst du, dass ich dies tun kann?“ usw.), sondern sagt ihm einfach, dass der Name Jesu heilende Kraft besitzt. Jesus zu sagen bedeutet, unabhängig von allem, geheilt zu werden. Von jedem körperlichen und seelischen Übel, denn Jesus bedeutet „Retter“. Schämen wir uns also nicht des Namens Jesu! Manchmal sprechen wir von Gott, von Christus, von einer „Gottheit“ oder von „Jemandem Höherem, den es sicherlich gibt“ usw., aber nicht von Jesus. Sein Name aber ist Kraft!
ZWEITE LESUNG
Aus dem Brief des Apostels Paulus an die Galater (Gal 1,11-20)
Brüder, ich erkläre euch: Das Evangelium, das ich verkündet habe, stammt nicht von einem Menschen. Ich habe es ja nicht von einem Menschen übernommen oder gelernt, sondern durch die Offenbarung Jesu Christi empfangen. Ihr habt doch gehört, wie ich früher als überzeugter Jude gelebt habe: Ich verfolgte die Kirche Gottes maßlos und suchte sie zu vernichten. In der Treue zum Judentum übertraf ich die meisten Altersgenossen in meinem Volk und mit welchem Eifer ich mich für die Überlieferungen meiner Väter einsetzte. Als aber Gott, der mich schon im Mutterleib auserwählt und durch seine Gnade berufen hat, mir in seiner Güte seinen Sohn offenbarte, damit ich ihn unter den Heiden verkünde, da zog ich nicht sofort Fleisch und Blut zu Rate; ich ging auch nicht nach Jerusalem hinauf zu denen, die vor mir Apostel waren, sondern zog nach Arabien und kehrte dann wieder nach Damaskus zurück. Danach ging ich nach drei Jahren nach Jerusalem hinauf, um Kephas kennenzulernen, und blieb fünfzehn Tage bei ihm. Von den anderen Aposteln habe ich keinen gesehen, nur Jakobus, den Bruder des Herrn. Was ich euch hier schreibe - Gott weiß, dass ich nicht lüge. - Wort des lebendigen Gottes.
Kommentar zur zweiten Lesung
Der heilige Paulus erzählt in den Schriften des Neuen Testaments mehrmals, was ihm widerfahren ist, wie er sich zu Christus bekehrt hat und von dem ganzen Ereignis des Sturzes vom Pferd, das wir gut kennen. Im Brief an die Galater fügt er hinzu, dass der Herr ihm bei seiner plötzlichen und unumkehrbaren Bekehrung das Evangelium der Gnade offenbarte. Während die anderen Apostel das Evangelium kennen, weil sie die Ereignisse aus dem Leben Jesu persönlich gesehen haben, und berichten, was sie gesehen haben (Johannes wird sagen: was wir gesehen, was wir gehört, was wir berührt haben …), hat Paulus alles durch Offenbarung in sich und spricht nicht von dem, was er mit den Augen gesehen hat, sondern von dem, was er unmittelbar vom Herrn empfangen hat. Sein Evangelium folgt nämlich „nicht einem menschlichen Vorbild“. Er ist von dem, was er empfangen hat, so überzeugt, dass er bereit ist zu sterben und jede Art von Verfolgung zu ertragen, um es zu verteidigen und zu verkünden. Auch wir stehen eher auf der Seite des Paulus als auf der Seite der zwölf Apostel: Wir haben Jesus nie mit eigenen Augen gesehen, aber jeden Tag können wir, wenn wir das Evangelium im Glauben annehmen, seine Worte hören und an ihn glauben.
EVANGELIUM DES TAGES
Aus dem Evangelium nach Johannes (Joh 21,15-19)
[Nachdem er sich seinen Jüngern als der Auferstandene offenbart hatte,] sagte Jesus, als sie gegessen hatten, zu Simon Petrus: „Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als diese?“ Er antwortete ihm: „Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe.“ Jesus sagte zu ihm: „Weide meine Lämmer!“ Zum zweiten Mal fragte er ihn: „Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich?“ Er antwortete ihm: „Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe.“ Jesus sagte zu ihm: „Weide meine Schafe!“ Zum dritten Mal fragte er ihn: „Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich?“ Da wurde Petrus traurig, weil Jesus ihn zum dritten Mal gefragt hatte: „Liebst du mich?“, und er sagte zu ihm: „Herr, du weißt alles; du weißt, dass ich dich liebe.“ Jesus sagte zu ihm: „Weide meine Schafe! Amen, amen, ich sage dir: Als du jünger warst, hast du dich selbst gegürtet und gingst, wohin du wolltest. Wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine Hände ausstrecken und ein anderer wird dich gürten und dich führen, wohin du nicht willst.“ Das sagte Jesus, um anzudeuten, durch welchen Tod er Gott verherrlichen würde. Nach diesen Worten sagte er zu ihm: „Folge mir nach!“ -
Evangelium unseres Herrn Jesus Christus.
Kommentar zum Evangelium des Tages
Bevor er in den Himmel aufsteigt und in eine völlig neue Dimension eintritt, ist Jesus noch bei den Aposteln, isst und spricht mit ihnen und bittet sie als letzte Frage einfach darum, geliebt zu werden. Das stimmt: Dieses Wort gilt besonders Petrus, der durch das Bekenntnis seiner Liebe die dreifache Verleugnung wiedergutmachen muss, aber es ist auch die Frage, die Jesus an jeden von uns richtet. Das Leben in Christus ist eine Frage der Liebe, weil Gott die Liebe ist und wiedergeliebt werden möchte. Welche größere Freude könnte es für Gott selbst geben, als von seinem Geschöpf geliebt zu werden? Wenn das Kind in der Wiege zum ersten Mal seine Mutter anlächelt, schmilzt sie vor Zärtlichkeit und Liebe für ihr Geschöpf dahin. Und meint ihr, Gott tue nicht dasselbe uns gegenüber, kleinen Kindern, wenn wir einen kleinen Akt reiner Liebe vollbringen? Natürlich reicht das Lächeln nicht aus: Es braucht das Leben. Petrus wird mit einem ganz Christus geschenkten Leben und vollkommener Nachfolge antworten. Dieses abschließende „Folge mir nach!“ ist die Einladung zur Liebe und zur vollkommenen Hingabe. Der alte Petrus stirbt nach diesen drei Bekenntnissen endgültig und wird in dem Augenblick neu geboren, in dem er zu Jesus sagt: „Ich liebe dich.“ Auch für uns bedeutet es, dieses Wort mit glühendem Herzen zu sagen und zu leben, neu geboren zu werden.
Zur Messe am Tag
ERSTE LESUNG
Aus der Apostelgeschichte (Apg 12,1-11)
In jener Zeit ließ König Herodes einige aus der Gemeinde verhaften und misshandeln. Jakobus, den Bruder des Johannes, ließ er mit dem Schwert hinrichten. Als er sah, dass es den Juden gefiel, ließ er auch Petrus festnehmen. Das geschah in den Tagen der Ungesäuerten Brote. Er nahm ihn fest und warf ihn ins Gefängnis. Vier Abteilungen von je vier Soldaten bewachten ihn. Nach dem Paschafest wollte er ihn vor das Volk führen lassen. Petrus wurde also im Gefängnis bewacht. Die Gemeinde aber betete inständig für ihn zu Gott. In der Nacht, ehe Herodes ihn vorführen lassen wollte, schlief Petrus, mit zwei Ketten gefesselt, zwischen zwei Soldaten. Vor der Tür aber bewachten Posten den Zugang zum Gefängnis. Plötzlich trat ein Engel des Herrn ein und ein Licht strahlte in den Raum. Er stieß Petrus in die Seite, weckte ihn und sagte: „Schnell, steh auf!“ Da fielen die Ketten von seinen Händen. Der Engel aber sagte zu ihm: „Gürte dich und zieh deine Sandalen an!“ Er tat es. Der Engel sagte zu ihm: „Wirf deinen Mantel um und folge mir!“ Dann ging er hinaus und folgte ihm. Er wusste aber nicht, dass es Wirklichkeit war, was durch den Engel geschah; er meinte vielmehr, eine Vision zu haben. Sie gingen an der ersten und an der zweiten Wache vorbei und kamen zum eisernen Tor, das in die Stadt führt; es öffnete sich ihnen von selbst. Sie traten hinaus und gingen eine Straße entlang. Und auf einmal verließ ihn der Engel. Da kam Petrus zu sich und sagte: „Nun weiß ich wirklich, dass der Herr seinen Engel gesandt und mich der Hand des Herodes entrissen hat und allem, was das Volk der Juden erwartet.“ - Wort des lebendigen Gottes.
Kommentar zur ersten Lesung
Die Haftbedingungen, denen Petrus unterworfen wird, erscheinen uns übertrieben: vier Abteilungen von je vier Soldaten, um ihn ins Gefängnis zu bringen, dann an Händen und Füßen gefesselt, mit zwei Soldaten, die ihn ständig bewachen … als wäre er ein blutrünstiger Terrorist oder ein Attentäter, der das Leben des Kaisers bedroht! Und bei alledem schläft Petrus seelenruhig in der Zelle, als wäre nichts geschehen! Als der Engel ihn weckt, wundert sich der Apostel nicht darüber, dass sich die Türen von selbst öffnen und niemand ihn aufhält; erst am Ende scheint er zu begreifen, dass ihm etwas Großes widerfahren ist. Was können wir aus dieser Begebenheit erkennen? Dass weder Ketten noch Wachen noch irgendeine Art von Gefangenschaft das Evangelium aufhalten kann, denn es ist Gottes Kraft. Ja, die Apostel können auch verschiedene Prüfungen erleiden, wie es Jesus selbst erging, aber das christliche Ereignis hält niemals an; es kann nicht in einem Gefängnis, in der Dunkelheit einer Zelle, zum Stillstand kommen. Für uns gibt es keine Mauern mehr zwischen uns und dem Herrn. „Während die Türen verschlossen waren“, schreibt Kierkegaard, „kam Jesus zu den Jüngern. So müssen die Türen verschlossen sein, aber der Welt verschlossen: Dann kommt Christus.“
ZWEITE LESUNG
Aus dem zweiten Brief des Apostels Paulus an Timotheus (2 Tim 4,6-8.17-18)
Mein Sohn, ich werde nun als Trankopfer dargebracht, und die Zeit meines Aufbruchs ist nahe. Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, den Glauben bewahrt. Schon jetzt liegt für mich der Kranz der Gerechtigkeit bereit, den mir der Herr, der gerechte Richter, an jenem Tag geben wird, aber nicht nur mir, sondern allen, die sein Erscheinen sehnsüchtig erwarten. Der Herr aber stand mir zur Seite und gab mir Kraft, damit durch mich die Verkündigung vollendet wird und alle Völker sie hören; und so wurde ich dem Rachen des Löwen entrissen. Der Herr wird mich allem bösen Treiben entreißen, er wird mich retten und in sein himmlisches Reich führen. Ihm sei die Ehre in alle Ewigkeit. Amen. - Wort des lebendigen Gottes.
Kommentar zur zweiten Lesung
Am Ende seines Lebens dankt der heilige Paulus dem Herrn dafür, dass er die gewaltige Aufgabe vollenden durfte, die ihm anvertraut worden war und jeden hätte erschrecken lassen: das Evangelium ohne jegliche Mittel dem heidnischen Volk zu bringen, von Kleinasien bis nach Rom und vielleicht sogar bis nach Spanien. Er stürzte sich in dieses Unternehmen, ohne auf seine eigenen Fähigkeiten zu vertrauen, sondern allein auf Gott zu bauen und jeden Tag den Glaubensakt an ihn zu erneuern. Nur so konnte der kleine Apostel (Paulus bedeutet auf Lateinisch „klein“) seine Sendung erfüllen, zu der auch der Angriff der Löwen gehörte - bemerkenswert ist der Bezug auf den „Rachen der Löwen“, das heißt auf all die Feinde, die sein Wirken unaufhörlich behinderten - und so den Kranz der Gerechtigkeit, also das Paradies, erlangen. Der Apostel ist voller Vertrauen: Gott wird ihn in den Himmel, in sein Reich, retten. Es ist richtig, von einem Lohn zu sprechen, denn Jesus verkündet im Evangelium das Paradies stets als Belohnung, als „Gewinn“ für die harte Arbeit, wobei er zugleich das unermessliche Missverhältnis zwischen unseren kleinen Taten und der ewigen Herrlichkeit des Reiches Gottes bewahrt.
EVANGELIUM DES TAGES
Aus dem Evangelium nach Matthäus (Mt 16,13-19)
In jener Zeit, als Jesus in das Gebiet von Cäsarea des Philippus kam, fragte er seine Jünger: „Für wen halten die Menschen den Menschensohn?“ Sie sagten: „Die einen für Johannes den Täufer, andere für Elija, wieder andere für Jeremia oder sonst einen Propheten.“ Da sagte er zu ihnen: „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“ Simon Petrus antwortete: „Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes!“ Jesus sagte zu ihm: „Selig bist du, Simon, Sohn des Jona; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel. Ich aber sage dir: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen. Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein.“ - Evangelium unseres Herrn Jesus Christus.
Kommentar zum Evangelium des Tages
Zwei bemerkenswerte Punkte zum Evangelium vom Primat des Petrus. Der erste: Jesus sagt, dass der ewige Vater im Herzen des Petrus gesprochen hat („mein Vater im Himmel [hat es dir offenbart]“). Der Vater schweigt also nicht, sondern spricht im Herzen der Menschen, um die wichtigsten Dinge zu offenbaren, in diesem Fall die Erkenntnis der Identität Christi. Bis zum Ende der Zeiten wird die Aufgabe des Petrus (und damit aller Päpste, die ihm folgen) darin bestehen, allen Menschen mit Autorität zu bestätigen, dass Jesus von Nazaret der Sohn des lebendigen Gottes und somit Gott selbst ist. Der zweite: Es erscheint uns unglaublich, dass Gott die Schlüssel des Himmelreichs in die Hände eines armen Menschen legt, eines Sünders wie wir. Doch gerade deshalb verlangt der Herr von allen einen großen Glaubensakt. Er verlangt von Petrus, an seine eigene Sendung zu glauben, und er verlangt von uns, der Kirche zu vertrauen und alles anzunehmen, was die Kirche uns im Hinblick auf das ewige Heil sagt. Gott spricht in der Kirche, und nur in ihr gibt es die Garantie der Wahrheit und des Lebens. Dies hat der Herr so gewollt, und am heutigen Hochfest sind wir alle dazu aufgerufen, unseren Akt der Zustimmung und des Glaubens zu vollziehen: Für uns ist es dasselbe, an den allmächtigen Gott und an die Kirche zu glauben.


