Texte aus dem Messbuch „Auf dein Wort“ Juli-August 2022
14. Sonntag im Jahreskreis (C)
2. Woche im Psalterium
ERSTE LESUNG
Aus dem Buch des Propheten Jesaja (Jes 66,10-14c)
Freut euch mit Jerusalem! Jubelt in der Stadt, alle, die ihr sie liebt! Frohlockt mit ihr, alle, die um sie trauerten! Trinkt euch satt an ihrer tröstenden Brust, trinkt und labt euch an ihrem reichen Segen! Denn so spricht der Herr: Seht her, ich leite den Frieden zu ihr wie einen Strom und den Reichtum der Völker wie einen überflutenden Bach. Ihre Kinder wird man auf den Armen tragen und auf den Knien sie liebkosen. Wie eine Mutter ihren Sohn tröstet, so tröste ich euch; in Jerusalem findet ihr Trost. Wenn ihr das seht, wird euer Herz sich freuen, und euer Leib wird sprossen wie frisches Gras. Dann offenbart sich die Hand des Herrn an seinen Knechten. – Wort des lebendigen Gottes.
Kommentar zur ersten Lesung
Wenn wir auf die Geschichte Israels blicken, kommt die Freude aus einer Wiedergeburt, die mit der Rückkehr des Volkes Gottes in sein Land, nach Jerusalem, zusammenfällt. Das babylonische Exil ist beendet und das Leben blüht neu auf. Gott ist eine fürsorgliche Mutter. Mehr noch: Er ist die fürsorglichste aller Mütter, denn er sorgt sich darum, seine Kinder zu trösten und ihnen ihre Würde zurückzugeben. Gerade als Israel unter den anderen Völkern Scham und Unehre erfahren hatte, eröffnet Gott neue Perspektiven und neue Pläne zur Wiederherstellung. Der Höchste sorgt sich um uns wie ein Elternteil: Es gibt keinen Bereich unseres Lebens, unserer Beziehungen und unserer Tätigkeiten, der ihm nicht wichtig wäre. Vor allem liegt ihm unser ewiges Glück am Herzen; doch dieses Glück wird vor allem in der Gegenwart vorbereitet. Deshalb schenkt er uns mit fürsorglichem und barmherzigem Herzen alle Mittel der Gnade, damit wir bis zur Fülle des Lebens in Christus wachsen können. Erkenne, was du empfangen hast: Nur so kann die Hoffnung aufblühen, die dem Leben eine neue Richtung gibt.
ZWEITE LESUNG
Aus dem Brief des Apostels Paulus an die Galater (Gal 6,14-18)
Brüder und Schwestern, ich aber will mich einzig und allein des Kreuzes Jesu Christi, unseres Herrn, rühmen, durch das mir die Welt gekreuzigt ist und ich der Welt. Denn es kommt nicht darauf an, beschnitten oder unbeschnitten zu sein, sondern darauf, neue Schöpfung zu sein. Friede und Erbarmen komme über alle, die sich von diesem Grundsatz leiten lassen, und über das Israel Gottes. In Zukunft soll mir niemand mehr Schwierigkeiten bereiten. Denn ich trage die Zeichen Jesu an meinem Leib. Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus sei mit eurem Geist, Brüder und Schwestern! Amen. – Wort des lebendigen Gottes.
Kommentar zur zweiten Lesung
Worauf es für den heiligen Paulus ankommt, ist, eine neue Schöpfung zu sein. Eine neue Schöpfung ist, wer anerkennt, alles von Gott empfangen zu haben; wer den Vorrang von Gottes Wirken anerkennt; wer anerkennt, dass die Logik seines Handelns nicht die des Erfolgs ist und nicht die des Sich-Durchsetzens, vielleicht sogar mit lauter Stimme, sondern im Gegenteil die Logik des Kreuzes, der Hingabe des eigenen Lebens. Das bedeutet, die Zeichen des Herrn am eigenen Leib zu tragen! Zwar gibt es in der Geschichte der christlichen Heiligkeit Menschen, die die Zeichen des Leidens Christi in ihrem Fleisch getragen haben, doch das Leiden Jesu am eigenen Leib zu tragen, ist nicht nur einigen vorbehalten: Wir alle Christen sind durch das Geheimnis der Teilhabe am Leiden, am Tod und an der Auferstehung des Sohnes dank der Taufe in dieses grundlegende Ereignis unseres Heils eingefügt. Daher ist jedes Leiden, jede Krankheit, jedes Ereignis, das uns an unsere Armut und unsere Geschöpflichkeit erinnert - wenn es in Einheit mit dem Herrn gelebt wird - ein echter Weg, sich mit den Schmerzen des Erlösers zu verbinden und auch wir das Leiden Christi an unserem Leib zu tragen.
EVANGELIUM DES TAGES
Aus dem Evangelium nach Lukas (Lk 10,1-12.17-20)
In jener Zeit suchte der Herr zweiundsiebzig andere aus und sandte sie zu zweit vor sich her in alle Städte und Ortschaften, in die er selbst gehen wollte. Er sagte zu ihnen: „Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden! Geht! Siehe, ich sende euch wie Lämmer mitten unter die Wölfe. Nehmt keinen Geldbeutel mit, keine Vorratstasche und keine Schuhe! Grüßt niemand unterwegs! Wenn ihr in ein Haus kommt, so sagt als Erstes: Frieden diesem Haus! Und wenn dort ein Sohn des Friedens wohnt, wird euer Friede auf ihm ruhen; andernfalls wird der Friede zu euch zurückkehren. Bleibt in diesem Haus, esst und trinkt, was man euch anbietet; denn wer arbeitet, ist seines Lohnes wert. Zieht nicht von einem Haus in ein anderes! Wenn ihr in eine Stadt kommt und man euch aufnimmt, so esst, was man euch vorsetzt. Heilt die Kranken, die dort sind, und sagt ihnen: Das Reich Gottes ist euch nahe. Wenn ihr aber in eine Stadt kommt, in der man euch nicht aufnimmt, dann geht auf die Straße hinaus und ruft: Auch den Staub eurer Stadt, der an unseren Füßen klebt, lassen wir euch zurück; doch das sollt ihr wissen: Das Reich Gottes ist euch nahe. Ich sage euch: Sodom wird es an jenem Tag erträglicher ergehen als dieser Stadt.“ Die zweiundsiebzig kehrten zurück und sagten voll Freude: „Herr, sogar die Dämonen gehorchen uns, wenn wir deinen Namen aussprechen.“ Da sagte er zu ihnen: „Ich sah den Satan wie einen Blitz aus dem Himmel fallen. Siehe, ich habe euch die Vollmacht gegeben, auf Schlangen und Skorpione zu treten und die ganze Macht des Feindes zu überwinden. Nichts wird euch schaden können. Doch freut euch nicht darüber, dass euch die Geister gehorchen, sondern freut euch darüber, dass eure Namen im Himmel verzeichnet sind.“ – Evangelium unseres Herrn Jesus Christus.
Kommentar zum Evangelium des Tages
Auf seinem Weg nach Jerusalem nimmt Jesus weitere zweiundsiebzig Jünger in seinen Dienst und sendet sie vor sich her. Ihre Aufgabe ist es, zu verkünden, dass das Reich Gottes nahe ist. Die Jünger, also all jene, die zu jeder Zeit auf den Ruf des Herrn antworten, haben die Aufgabe, seine Liebe klar und unverfälscht zu verkünden, die für alle, die an ihn glauben, Heil bedeutet. Angesichts der Größe des Feldes, in dem gearbeitet werden muss, und der Menge der Ernte könnte man von Mutlosigkeit erfasst werden. Der unstillbare Durst der Menschheit nach ewigem Leben kann eine Frage aufwerfen: Was kann eine kleine Gruppe armer und unbewaffneter Boten ausrichten? Und doch liegt genau darin das Wunder: Der Inhalt der Botschaft ist so kraftvoll, dass er das Schicksal der Geschichte und der Menschen, die sie annehmen, verändern kann. Er hängt nicht von demjenigen ab, der ihn verkündet. Deshalb hat Jesus keine Angst, seinen Freunden die Frohe Botschaft anzuvertrauen, überzeugt davon, dass sie diese Botschaft trotz ihrer Armut und ihres Elends wirksam weitergeben werden. Um auf dem Feld des Herrn zu arbeiten, braucht man keine besonderen Titel oder Fähigkeiten. Bitten wir um die Gnade, Jünger zu sein, damit Gott in uns wohnt und andere ihm durch uns begegnen können.

