Texte aus dem Messbuch „Auf dein Wort“ Januar-Februar 2022
Erscheinung des Herrn (H)
eigene Texte
ERSTE LESUNG
Aus dem Buch des Propheten Jesaja (Jes 60,1-6)
Steh auf, werde licht, denn dein Licht kommt und die Herrlichkeit des Herrn geht leuchtend über dir auf. Denn siehe, Finsternis bedeckt die Erde und Dunkel die Völker, doch über dir geht leuchtend der Herr auf, seine Herrlichkeit erscheint über dir. Völker wandern zu deinem Licht und Könige zu deinem strahlenden Glanz. Erhebe deine Augen ringsum und sieh: Sie alle versammeln sich, kommen zu dir. Deine Söhne kommen von fern, deine Töchter werden auf der Hüfte sicher getragen. Da wirst du schauen und strahlen, dein Herz wird beben und sich weiten. Denn der Reichtum des Meeres wendet sich dir zu, die Schätze der Völker kommen zu dir. Eine Menge von Kamelen bedeckt dich, Jungkamele von Midian und Efa. Alle kommen von Saba, Gold und Weihrauch bringen sie und verkünden die Ruhmestaten des Herrn. - Wort des lebendigen Gottes.
Kommentar zur ersten Lesung
Jesaja hat einen offenen Blick auf die Welt, so umfassend und universal, dass er in dieser Hinsicht alle anderen Propheten des Alten Testaments überragt. Die Vorstellung aller war, dass Israel groß sei, weil es von Gott erwählt wurde, damit dort der Messias und der König, der Herrscher der Welt, geboren werde. Dabei blieb man stehen und verfiel bisweilen sogar in ein narzisstisches Gefühl der Selbstüberhöhung: Wenn der Messias aus dem Volk Israel geboren wird, bedeutet das zweifellos, dass wir besser sind als die anderen Völker. So ist es nicht. Die Völker ziehen zwar nach Jerusalem, wo der einzige wahre Gott angebetet wird, doch diese Herrlichkeit ist nur ein Hinweis, eine Ankündigung, ein Verweis auf das wahre Licht, das keine Stadt ist, sondern derjenige, der kommen wird: Jesus Christus, wahrer Gott und wahrer Mensch. Tatsächlich wird die Stadt aus Backsteinen von den römischen Heeren zerstört werden, doch der Leib Christi, die Kirche, wird niemals zerstört werden. Dieser Abschnitt wurde für das Fest der Erscheinung des Herrn ausgewählt, weil die Großen, die von fern kommen, Gold und Weihrauch als Geschenke mitbringen. Eines Tages wird es tatsächlich geschehen, dass solche Gaben gebracht werden - nicht, um sie in der Pracht eines Königspalastes niederzulegen, sondern zu den Füßen eines Kindes.
ZWEITE LESUNG
Aus dem Brief des Apostels Paulus an die Epheser (Eph 3,2-3a.5-6)
Brüder, ihr habt doch wohl gehört, dass mir die Gnade Gottes für euch anvertraut wurde. Durch eine Offenbarung wurde mir das Geheimnis kundgetan. Den Menschen früherer Generationen wurde es nicht kundgetan, den jetzigen Generationen aber wurde es durch den Geist seinen heiligen Aposteln und Propheten offenbart: dass nämlich die Heiden Miterben sind, zu demselben Leib gehören und mit teilhaben an der Verheißung in Christus Jesus durch das Evangelium. - Wort des lebendigen Gottes.
Kommentar zur zweiten Lesung
Der heilige Paulus ist der Apostel, den Jesus zu den Heiden sendet, um zu verkünden, dass es im Reich Gottes keine Vorrechte aufgrund von Herkunft oder Kultur gibt, als wäre eine Tradition besser als eine andere: Alle sind gleich und alle dazu berufen, in der Kirche Teil des einzigen Volkes Gottes zu sein (die eine und einzige Kirche), ganz gleich, ob sie aus dem Heidentum oder dem Judentum stammen, ob ihre Großeltern Stammeskulten anhingen oder ob sie Kinder von Rabbinern sind. Dieser Aufruf sollte uns nicht einfach oder selbstverständlich erscheinen: In der Urkirche bestand die größte Anstrengung gerade darin, die Mauer niederzureißen, die Israeliten und Heiden trennte. Die Heiden antworteten dank Paulus auf wunderbare Weise und wurden zu Tausenden Christen, begeistert davon, von Gott geliebt zu sein und den Retter der Welt kennenzulernen, bis hin dazu, ihr Leben für ihn hinzugeben (man denke an die außergewöhnliche Geschichte der römischen Märtyrer). Diesen Schwung bräuchten wir auch heute: den Wunsch, dass alle, welcher Herkunft oder Kultur sie auch angehören, sich taufen lassen und sich Jesus, dem König aller Könige, dem Herrn und Retter, ganz hingeben.
EVANGELIUM DES TAGES
Aus dem Evangelium nach Matthäus (Mt 2,1-12)
Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Betlehem in Judäa geboren worden war, kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem und fragten: „Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen.“ Als König Herodes das hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem. Er ließ alle Hohepriester und Schriftgelehrten des Volkes zusammenkommen und erkundigte sich bei ihnen, wo der Christus geboren werden solle. Sie antworteten ihm: „In Betlehem in Judäa; denn so steht es geschrieben bei dem Propheten: ‚Du, Betlehem im Gebiet von Juda, bist keineswegs die unbedeutendste unter den führenden Städten von Juda; denn aus dir wird ein Fürst hervorgehen, der Hirt meines Volkes Israel.‘“ Daraufhin rief Herodes die Sterndeuter heimlich zu sich und ließ sich von ihnen genau sagen, wann der Stern erschienen war. Dann schickte er sie nach Betlehem und sagte: „Geht und forscht sorgfältig nach dem Kind! Und wenn ihr es gefunden habt, berichtet mir, damit auch ich hingehe und ihm huldige.“ Nach diesen Worten des Königs machten sie sich auf den Weg. Und siehe, der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen. Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr großer Freude erfüllt. Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten ihm. Dann öffneten sie ihre Schätze und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar. Weil ihnen aber im Traum geboten wurde, nicht zu Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einem anderen Weg heim in ihr Land. - Evangelium unseres Herrn Jesus Christus.
Kommentar zum Evangelium des Tages
Drei Männer, reich, mächtig, weise und auf der Suche nach der Wahrheit, erkennen beim Studium und bei der Beobachtung der Zeichen der Natur und des Himmels, dass auf der Erde etwas Großes geschieht. Prophezeiungen und Ankündigungen lassen sie glauben, dass irgendwo ein König geboren wurde, kein gewöhnlicher, nicht wie alle anderen. Sie brechen von weit voneinander entfernten Orten auf, ohne den Weg genau zu kennen, und folgen den Zeichen des Himmels und der Sterne. Unterwegs begegnen sie einander, erkennen, dass sie dasselbe Ziel haben, und schließen sich zusammen. An diesen weisen Männern fällt ihre große Demut auf: Sie hören auf die Stimme des Herzens, die ihnen von der Ankunft eines Größeren als sie selbst erzählt, und machen sich auf den Weg. Ihr Mut fällt auf: Sie wissen nicht, wie die Reise sein wird und welches Ziel sie erwartet, doch aus Liebe zur Wahrheit stellen sie sich allen Gefahren. Ihr Glaube fällt auf: Sie finden ein Kind in den Armen seiner Mutter, ganz schlicht und ohne jedes besondere Zeichen, und glauben sofort, weil der Stern nicht lügen kann: Er ist der König. Und sie knien nieder und beten ihn an. Ihre Großzügigkeit fällt auf: Ohne etwas als Gegenleistung zu verlangen, schenken sie, was sie mitgebracht haben - alles kostbare und seltene Dinge. Schließlich fällt der Rückweg auf: Es ist ein anderer Weg. Sie sind Jesus begegnet, und alles, wirklich alles, hat sich verändert.

