Texte aus dem Messbuch „Auf dein Wort“ Januar-Februar 2024
Erscheinung des Herrn (H)
eigene
ERSTE LESUNG
Aus dem Buch des Propheten Jesaja (Jes 60,1-6)
Steh auf, werde licht, denn dein Licht kommt und die Herrlichkeit des Herrn geht strahlend über dir auf. Denn siehe, Finsternis bedeckt die Erde und Dunkel die Völker, doch über dir geht leuchtend der Herr auf, seine Herrlichkeit erscheint über dir. Völker wandern zu deinem Licht und Könige zu deinem strahlenden Glanz. Hebe deine Augen ringsum und sieh: Sie alle versammeln sich, kommen zu dir. Deine Söhne kommen von fern, deine Töchter werden auf der Hüfte getragen. Da wirst du schauen und strahlen, dein Herz wird beben und sich weiten, denn der Reichtum des Meeres wendet sich dir zu, die Schätze der Völker kommen zu dir. Eine Menge von Kamelen bedeckt dich, Dromedare aus Midian und Efa. Alle kommen von Saba, bringen Weihrauch und Gold und verkünden die Ruhmestaten des Herrn. – Wort des lebendigen Gottes.
Kommentar zur ersten Lesung
Die tröstenden Worte des Propheten begleiten jene, die nach Jahren des Exils in Babylon nach Jerusalem, in die geliebte Stadt, zurückkehren. Doch wie immer bei Jesaja weitet sich der Blick, und er sieht auch Menschen, die nicht zum Volk Israel gehören und nach Jerusalem ziehen, weil dort das Licht ist, während alles andere Finsternis bleibt. „Gott ist Licht, und keine Finsternis ist in ihm“ (1 Joh 1,5). Das ist keine Metapher: Tatsächlich ist alles, was nicht in Gott ist, dunkel und finster. Doch der Mensch kann nicht in der Finsternis bleiben; er muss die Dinge sehen, um sie zu erkennen, zu besitzen, sich an ihnen zu erfreuen und somit zu leben. Die alte Weissagung sieht daher alle Völker nach der Quelle des Seins und der Existenz suchen, nach Gott, und nach Jerusalem ziehen. Der Glanz wird schließlich ganz in Gott eingeschlossen sein, der Fleisch wird und gegenwärtig ist, nicht mehr im Tempel aus Ziegeln, sondern in den Armen der allerseligsten Maria: als Mensch für uns, als anbetungswürdiges Kind. An die große Szene mit den Kamelen und all jenen, die Gold und Weihrauch bringen, tritt die bescheidene, aber innige häusliche Anbetung der Weisen, die im Kind Jesus endlich Gott von Angesicht zu Angesicht sehen können.
ZWEITE LESUNG
Aus dem Brief des Apostels Paulus an die Epheser (Eph 3,2-3a.5-6)
Brüder und Schwestern, ihr habt doch gehört, welches Amt mir durch die Gnade Gottes für euch übertragen wurde: Durch eine Offenbarung wurde mir das Geheimnis bekannt gemacht. Den Menschen früherer Generationen wurde es nicht bekannt gemacht, wie es jetzt seinen heiligen Aposteln und Propheten durch den Geist offenbart worden ist: dass nämlich die Heiden in Christus Jesus Miterben sind, dem gleichen Leib angehören und an derselben Verheißung teilhaben durch das Evangelium. – Wort des lebendigen Gottes.
Kommentar zur zweiten Lesung
Es gibt ein Davor und ein Danach, einen Wendepunkt, der die Geschichte der Menschheit in zwei Teile teilt: das Kommen Gottes auf die Erde; nicht sein Bild, nicht eine Projektion von ihm, nicht ein besonders inspirierter Mensch, nicht „etwas“ von ihm, sondern er selbst, persönlich. Vor der Menschwerdung konnte niemand sagen, am gleichen göttlichen Erbe teilzuhaben, also „denselben Leib mit Gott“ zu bilden. Nun aber ist dies durch das Kommen Christi möglich. Gott ist nicht gekommen, um bewundert zu werden, sondern um ein Fleisch mit uns zu sein, ein Leben mit uns zu teilen. Er führt uns zu einem so hohen Punkt der Existenz, dass wir sagen können, wir seien diejenigen, die die Welt aufrechterhalten; freilich mit Christus und in Christus, denn wir sind armselige Geschöpfe, irdene Gefäße, die die Gnade erfüllt. Wir dürfen uns gewiss nicht selbst erhöhen, sondern müssen vielmehr in die Anbetung versinken, wie die Weisen. Doch genau darin liegt das Schöne: Wir „ertragen“ es, hier unten zu leben, gerade weil wir die Gabe aller Gaben empfangen. Im christlichen Zeitalter gibt es kein „Danach“, es kann keines geben, weil es als das letzte bis zum Ende der Zeiten dauern wird. Die Erscheinung des Herrn offenbart das Geheimnis: Gott mit uns.
EVANGELIUM DES TAGES
Aus dem Evangelium nach Matthäus (Mt 2,1-12)
Als Jesus in Betlehem in Judäa zur Zeit des Königs Herodes geboren worden war, siehe, da kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem und fragten: „Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen.“ Als König Herodes das hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem. Er ließ alle Hohepriester und Schriftgelehrten des Volkes zusammenkommen und erkundigte sich bei ihnen, wo der Christus geboren werden solle. Sie antworteten ihm: „In Betlehem in Judäa; denn so steht es geschrieben bei dem Propheten: ,Du, Betlehem im Gebiet von Juda, bist keineswegs die unbedeutendste unter den führenden Städten von Juda; denn aus dir wird ein Fürst hervorgehen, der Hirt meines Volkes Israel.‘“ Danach rief Herodes die Sterndeuter heimlich zu sich und ließ sich von ihnen genau sagen, wann der Stern erschienen war. Dann schickte er sie nach Betlehem und sagte: „Geht und forscht sorgfältig nach dem Kind! Und wenn ihr es gefunden habt, berichtet mir, damit auch ich hingehe und ihm huldige.“ Nach diesen Worten des Königs machten sie sich auf den Weg. Und siehe, der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen. Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr großer Freude erfüllt. Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten ihm. Dann holten sie ihre Schätze hervor und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar. Weil ihnen aber im Traum geboten wurde, nicht zu Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einem anderen Weg heim in ihr Land. – Evangelium unseres Herrn Jesus Christus.
Kommentar zum Evangelium des Tages
Herodes saß ruhig in seinem Palast, erstickt in Luxus und Macht, in sich selbst verschlossen und nur darauf bedacht, über die Menschen zu herrschen. Er war ein grausamer und blutrünstiger König. Ganz anders ist die Welt der drei Weisen, die zwar Heiden waren und nicht zum Volk Gottes gehörten. Sie waren reinen Herzens und stellten sich dem Unbekannten, indem sie eine lange und gefährliche Reise auf sich nahmen, nur weil sie ahnten, dass in einem fernen Land etwas Großes geschehen war. Die Weisen waren frei von sich selbst, und als sie das Kind sahen, fielen sie nieder und huldigten ihm. In ihnen nehmen all jene demütigen Menschen reinen Herzens Gestalt an, die Gott aufrichtig suchen und ihn finden. „Selig, die rein sind im Herzen; denn sie werden Gott schauen“ … Die Weisen sahen ihn, und ihr Herz frohlockte vor Freude. Die Weisen Israels wussten, dass der Messias in Betlehem geboren werden würde, doch sie zogen sich selbst der Wahrheit vor. Sie suchten ihn überhaupt nicht. Wenn man Christus annimmt, ist unser Herz in Frieden; wenn man ihn verbannt, besteht er nicht darauf zu bleiben, sondern geht fort. Der Schriftsteller Domenico Giuliotti schreibt: „Er geht sogar weiter fort als jede mögliche Ferne, die ihm durch unsere Verbannung auferlegt wird. Doch seine Abwesenheit bleibt; Er ist sozusagen noch in der Strafe gegenwärtig, die aus dieser Abwesenheit hervorgeht.“


