Texte aus dem Messbuch „Auf dein Wort“ März-April 2023
Österliches Triduum – Karfreitag „Leiden des Herrn“
Eigenlesung
ERSTE LESUNG
Aus dem Buch des Propheten Jesaja (Jes 52,13 – 53,12)
Siehe, mein Knecht wird Erfolg haben, er wird sich erheben, er wird hochsteigen und sehr erhaben sein. Wie sich viele über ihn entsetzten – so entstellt sah er aus, nicht mehr wie ein Mensch, seine Gestalt war nicht mehr die der Menschen –, so wird er viele Völker in Staunen versetzen; Könige werden vor ihm ihren Mund verschließen. Denn was man ihnen noch nie erzählt hat, werden sie sehen, und was sie nie gehört haben, werden sie bedenken. Wer hat geglaubt, was wir gehört haben? Der Arm des Herrn, wem wurde er offenbar? Vor seinen Augen wuchs er auf wie ein junger Spross, wie ein Wurzeltrieb aus trockenem Boden. Er hatte keine schöne und edle Gestalt, sodass wir ihn anschauen mochten. Er sah nicht so aus, dass wir Gefallen fanden an ihm. Er wurde verachtet und von den Menschen gemieden, ein Mann voller Schmerzen, mit Krankheit vertraut. Wie einer, vor dem man das Gesicht verhüllt, war er verachtet; wir schätzten ihn nicht. Aber er hat unsere Krankheiten getragen und unsere Schmerzen auf sich geladen. Wir meinten, er sei von Gott geschlagen, von ihm getroffen und gebeugt. Doch er wurde durchbohrt wegen unserer Verbrechen, wegen unserer Sünden zermalmt. Zu unserem Heil lag die Züchtigung auf ihm, durch seine Wunden sind wir geheilt. Wir hatten uns alle verirrt wie Schafe, jeder ging für sich seinen Weg. Doch der Herr ließ auf ihn treffen die Schuld von uns allen. Er wurde misshandelt und niedergedrückt, aber er tat seinen Mund nicht auf. Wie ein Lamm, das man zum Schlachten führt, und wie ein Schaf angesichts seiner Scherer, so tat auch er seinen Mund nicht auf. Durch Haft und Gericht wurde er dahingerafft, doch wen kümmerte sein Geschick? Er wurde vom Land der Lebenden abgeschnitten und wegen der Verbrechen meines Volkes zu Tode getroffen. Bei den Frevlern gab man ihm sein Grab, bei den Reichen seine Ruhestätte, obwohl er kein Unrecht getan hat und kein trügerisches Wort in seinem Mund war. Doch der Herr hatte Gefallen an dem von Krankheit Zermalmten. Wenn du, o Herr, sein Leben als Schuldopfer einsetzt, wird er Nachkommen sehen und lange leben. Was dem Herrn gefällt, wird durch seine Hand gelingen. Nachdem er vieles ertrug, erblickt er das Licht. Er sättigt sich an Erkenntnis. Mein Knecht, der Gerechte, macht die Vielen gerecht; er lädt ihre Schuld auf sich. Deshalb gebe ich ihm seinen Anteil unter den Großen, und mit den Mächtigen teilt er die Beute, weil er sein Leben dem Tod preisgab und sich unter die Verbrecher rechnen ließ. Denn er trug die Sünden von vielen und trat für die Schuldigen ein. – Wort des lebendigen Gottes.
Kommentar zur ersten Lesung
Neben den Orakeln, die den Text einleiten und abschließen, spricht über den leidenden Knecht die Gemeinschaft, deren Stimme der Prophet wird. Sie bekennt das völlige Unverständnis, in dem sich das Leiden des Knechtes vollzogen hat, doch dieser schweigt. Er zieht die Aufmerksamkeit weder durch die Schönheit seines Aussehens noch durch den Glanz seiner Lehre auf sich: „Mit Krankheit vertraut“. Schweigend in Erniedrigung, Unterdrückung und Todesurteil bis hin zu einem ehrlosen Begräbnis. Erst als sein Sühneopfer vollbracht ist, versteht die durch dieses Opfer gereinigte Gemeinschaft den unfassbaren Plan Gottes. Die Strafe als reinigendes Leiden setzt Schuld voraus; doch hier wird zum ersten Mal offen etwas anderes gezeigt: das Geheimnis des „stellvertretenden Leidens“. Die Sünde ist unsere Sünde (wir erkennen uns ohne Mühe im „Wir“ des Textes wieder), aber nicht wir leiden, um sie zu sühnen, sondern der unschuldige Knecht. Dies ist der Wille Gottes, der sich im Knecht erfüllt. Es ist die göttliche Gerechtigkeit, die den Namen „Barmherzigkeit“ annimmt. Es ist die Verheißung von Licht und Verherrlichung nach Finsternis und Erniedrigung.
ZWEITE LESUNG
Aus dem Hebräerbrief (Hebr 4,14-16; 5,7-9)
Brüder, da wir nun einen erhabenen Hohenpriester haben, der die Himmel durchschritten hat, Jesus, den Sohn Gottes, lasst uns an dem Bekenntnis festhalten. Wir haben ja nicht einen Hohenpriester, der nicht mitfühlen könnte mit unseren Schwächen, sondern einen, der in allem wie wir versucht worden ist, aber nicht gesündigt hat. Lasst uns also voll Zuversicht hinzutreten zum Thron der Gnade, damit wir Erbarmen und Gnade finden und so Hilfe erlangen zur rechten Zeit. [Christus] hat in den Tagen seines irdischen Lebens mit lautem Schreien und unter Tränen Gebete und Bitten vor den gebracht, der ihn aus dem Tod retten konnte, und er ist erhört worden aufgrund seiner Gottesfurcht. Obwohl er der Sohn war, hat er durch das, was er gelitten hat, den Gehorsam gelernt; zur Vollendung gelangt, ist er für alle, die ihm gehorchen, der Urheber des ewigen Heils geworden. – Wort des lebendigen Gottes.
Kommentar zur zweiten Lesung
Die Perikope, ein zentraler Abschnitt des Hebräerbriefs, lädt uns ein, den unendlichen Wert des Opfers Christi zu betrachten, das er als großer Hoherpriester vollbringt und das er selbst als das wahre, reine und heilige Opfer ist. So tritt die Gestalt Christi in ihrer ganzen Majestät hervor. Das entfernt ihn jedoch nicht in eine unzugängliche Sphäre. Im Gegenteil: Gerade weil er unsere Prüfungen in allem geteilt hat, kann er mit unserer Schwäche mitfühlen. Er ist uns nahegekommen, damit wir uns voll Vertrauen dem Vater nähern können. Gott des Erbarmens und der Gnade, der uns in jeder Bedrängnis die notwendige Hilfe schenkt, damit jede Prüfung zu einem Ort wird, an dem seine weise Vorsehung in höchstem Maß erstrahlt. Christi leidvolle Zustimmung zum Plan des Vaters erlangt so eine Erhörung, die unsere Horizonte unendlich übersteigt: Sein kindlicher Gehorsam, der ihn dazu führte, sich selbst dem Tod zu übergeben, machte ihn zum „Urheber des ewigen Heils“ für alle, die seinem Wort gehorchen. So wird er zu jener unzählbaren Nachkommenschaft, die dem Knecht JHWHs verheißen ist: zu einer neuen Schar von Kindern Gottes, die aus dem Blut Christi wiedergeboren sind.
EVANGELIUM DES TAGES
Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes (Joh 18,1 – 19,42)
(Hinweise für die dialogische Lesung: ✠ = Jesus; C = Chronist; D = Jünger und Freunde; F = Menge; A = Andere Personen).
C Das Leiden unseres Herrn Jesus Christus nach Johannes
Sie nahmen Jesus fest und fesselten ihn
C In jener Zeit ging Jesus mit seinen Jüngern auf die andere Seite des Baches Kidron. Dort war ein Garten; in den ging er mit seinen Jüngern hinein. Auch Judas, der ihn auslieferte, kannte den Ort, weil Jesus dort oft mit seinen Jüngern zusammengekommen war. Judas holte die Soldaten und die von den Hohenpriestern und Pharisäern ausgerüsteten Gerichtsdiener und kam dorthin; sie trugen Fackeln, Laternen und Waffen. Jesus, der alles wusste, was über ihn kommen sollte, ging hinaus und fragte sie: ✠ „Wen sucht ihr?“ C Sie antworteten ihm: F „Jesus von Nazaret.“ C Er sagte zu ihnen: ✠ „Ich bin es.“ C Auch Judas, der ihn auslieferte, stand bei ihnen. Als er zu ihnen sagte: „Ich bin es“, wichen sie zurück und stürzten zu Boden. Er fragte sie noch einmal: ✠ „Wen sucht ihr?“ C Sie sagten: F „Jesus von Nazaret.“ C Jesus antwortete: ✠ „Ich habe euch gesagt, dass ich es bin. Wenn ihr also mich sucht, dann lasst diese gehen!“ C So sollte sich das Wort erfüllen, das er gesagt hatte: „Ich habe keinen von denen verloren, die du mir gegeben hast.“ Simon Petrus, der ein Schwert bei sich hatte, zog es, schlug nach dem Diener des Hohenpriesters und hieb ihm das rechte Ohr ab. Der Diener hieß Malchus. Da sagte Jesus zu Petrus: ✠ „Steck das Schwert in die Scheide! Der Kelch, den mir der Vater gegeben hat - soll ich ihn nicht trinken?“
Man führte ihn zuerst zu Hannas
C Die Soldaten, der Hauptmann und die Gerichtsdiener der Juden nahmen Jesus fest, fesselten ihn und führten ihn zuerst zu Hannas; dieser war nämlich der Schwiegervater des Kajaphas, der in jenem Jahr Hoherpriester war. Kajaphas war es, der den Juden den Rat gegeben hatte: „Es ist besser, wenn ein einziger Mensch für das Volk stirbt.“ Simon Petrus und ein anderer Jünger folgten Jesus. Dieser Jünger war mit dem Hohenpriester bekannt und ging mit Jesus in den Hof des Hohenpriesters. Petrus aber blieb draußen am Tor stehen. Da kam der andere Jünger, der Bekannte des Hohenpriesters, heraus, sprach mit der Pförtnerin und führte Petrus hinein. Die Pförtnerin sagte zu Petrus: A „Bist nicht auch du einer von den Jüngern dieses Menschen?“ C Er antwortete: D „Ich bin es nicht.“ C Inzwischen hatten die Diener und die Gerichtsdiener ein Kohlenfeuer angezündet, weil es kalt war, und wärmten sich. Auch Petrus stand bei ihnen und wärmte sich. Der Hohepriester befragte Jesus über seine Jünger und über seine Lehre. Jesus antwortete ihm: ✠ „Ich habe offen vor aller Welt gesprochen. Ich habe immer in der Synagoge und im Tempel gelehrt, wo alle Juden zusammenkommen. Nichts habe ich im Geheimen gesagt. Warum fragst du mich? Frag doch die, die gehört haben, was ich zu ihnen gesagt habe; sie wissen, was ich geredet habe.“ C Auf diese Antwort hin schlug einer der Gerichtsdiener, der dabeistand, Jesus ins Gesicht und sagte: A „Redest du so mit dem Hohenpriester?“ C Jesus entgegnete ihm: ✠ „Wenn es nicht recht war, was ich gesagt habe, dann weise nach, was daran nicht recht war; wenn es aber recht war, warum schlägst du mich?“ C Danach schickte ihn Hannas gefesselt zum Hohenpriester Kajaphas.
Bist nicht auch du einer seiner Jünger? Ich bin es nicht!
C Simon Petrus stand am Feuer und wärmte sich. Sie sagten zu ihm: A „Bist nicht auch du einer seiner Jünger?“ C Er leugnete und sagte: D „Ich bin es nicht.“ C Einer von den Dienern des Hohenpriesters, ein Verwandter dessen, dem Petrus das Ohr abgeschlagen hatte, sagte: A „Habe ich dich nicht im Garten bei ihm gesehen?“ C Wieder leugnete Petrus und sogleich krähte der Hahn.
Mein Reich ist nicht von dieser Welt
C Von Kajaphas brachten sie Jesus zum Prätorium. Es war früh am Morgen. Sie selbst gingen nicht in das Gebäude hinein, um nicht unrein zu werden, sondern das Paschamahl essen zu können. Deshalb kam Pilatus zu ihnen heraus und fragte: A „Welche Anklage erhebt ihr gegen diesen Menschen?“ C Sie antworteten ihm: F „Wenn er kein Übeltäter wäre, hätten wir ihn dir nicht ausgeliefert.“ C Pilatus sagte zu ihnen: A „Nehmt ihr ihn doch und richtet ihn nach eurem Gesetz!“ C Die Juden antworteten ihm: F „Uns ist es nicht gestattet, jemanden hinzurichten.“ C So sollte sich das Wort Jesu erfüllen, mit dem er angedeutet hatte, welchen Tod er sterben sollte. Pilatus ging wieder in das Prätorium hinein, ließ Jesus rufen und fragte ihn: A „Bist du der König der Juden?“ C Jesus antwortete: ✠ „Sagst du das von dir aus oder haben es dir andere über mich gesagt?“ C Pilatus entgegnete: A „Bin ich etwa ein Jude? Dein eigenes Volk und die Hohenpriester haben dich mir ausgeliefert. Was hast du getan?“ C Jesus antwortete: ✠ „Mein Königtum ist nicht von dieser Welt. Wenn mein Königtum von dieser Welt wäre, würden meine Leute kämpfen, damit ich den Juden nicht ausgeliefert würde. Aber mein Königtum ist nicht von hier.“ C Pilatus sagte zu ihm: A „Also bist du doch ein König?“ C Jesus antwortete: ✠ „Du sagst es, ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme.“ C Pilatus sagte zu ihm: A „Was ist Wahrheit?“ C Nach diesen Worten ging er wieder zu den Juden hinaus und sagte zu ihnen: A „Ich finde keinen Grund, ihn zu verurteilen. Ihr habt die Gewohnheit, dass ich euch zum Paschafest einen Gefangenen freilasse. Wollt ihr also, dass ich euch den König der Juden freilasse?“ C Da schrien sie wieder: F „Nicht diesen, sondern Barabbas!“ C Barabbas aber war ein Straßenräuber.
Sei gegrüßt, König der Juden!
C Darauf ließ Pilatus Jesus geißeln. Die Soldaten flochten einen Kranz aus Dornen; den setzten sie ihm auf und legten ihm einen purpurroten Mantel um. Sie traten an ihn heran und sagten: F „Sei gegrüßt, König der Juden!“ C Und sie schlugen ihm ins Gesicht. Pilatus ging wieder hinaus und sagte zu ihnen: A „Seht, ich bringe ihn zu euch heraus; ihr sollt wissen, dass ich keinen Grund finde, ihn zu verurteilen.“ C Jesus kam heraus; er trug die Dornenkrone und den purpurroten Mantel. Pilatus sagte zu ihnen: A „Seht, da ist der Mensch!“ C Als die Hohenpriester und ihre Leute ihn sahen, schrien sie: F „Kreuzige ihn, kreuzige ihn!“ C Pilatus sagte zu ihnen: A „Nehmt ihr ihn und kreuzigt ihn! Denn ich finde keinen Grund, ihn zu verurteilen.“ C Die Juden entgegneten ihm: F „Wir haben ein Gesetz, und nach diesem Gesetz muss er sterben, weil er sich zum Sohn Gottes gemacht hat.“ C Als Pilatus diese Worte hörte, fürchtete er sich noch mehr. Er ging wieder in das Prätorium hinein und fragte Jesus: A „Woher bist du?“ C Jesus aber gab ihm keine Antwort. Da sagte Pilatus zu ihm: A „Du sprichst nicht mit mir? Weißt du nicht, dass ich Macht habe, dich freizulassen, und Macht, dich zu kreuzigen?“ C Jesus antwortete ihm: ✠ „Du hättest keine Macht über mich, wenn sie dir nicht von oben gegeben wäre. Deshalb liegt größere Schuld bei dem, der mich dir ausgeliefert hat.“
Weg mit ihm, weg mit ihm! Kreuzige ihn!
C Von da an versuchte Pilatus, ihn freizulassen. Aber die Juden schrien: F „Wenn du diesen freilässt, bist du kein Freund des Kaisers; jeder, der sich selbst zum König macht, lehnt sich gegen den Kaiser auf.“ C Auf diese Worte hin ließ Pilatus Jesus herausführen und setzte sich auf den Richterstuhl an dem Platz, der Lithostrotos, auf Hebräisch Gabbata, heißt. Es war der Rüsttag des Paschafestes, ungefähr um die sechste Stunde. Pilatus sagte zu den Juden: A „Seht, euer König!“ C Sie aber schrien: F „Weg mit ihm, weg mit ihm! Kreuzige ihn!“ C Pilatus sagte zu ihnen: A „Euren König soll ich kreuzigen?“ C Die Hohenpriester antworteten: F „Wir haben keinen König außer dem Kaiser.“ C Da lieferte er ihnen Jesus aus, damit er gekreuzigt würde.
Sie kreuzigten ihn und mit ihm zwei andere
C Sie übernahmen Jesus. Er trug selbst das Kreuz und ging hinaus zur sogenannten Schädelhöhe, die auf Hebräisch Golgota heißt. Dort kreuzigten sie ihn und mit ihm zwei andere, auf jeder Seite einen, in der Mitte Jesus. Pilatus ließ auch ein Schild anfertigen und oben am Kreuz anbringen. Die Aufschrift lautete: „Jesus von Nazaret, der König der Juden.“ Dieses Schild lasen viele Juden, weil der Platz, wo Jesus gekreuzigt wurde, nahe bei der Stadt lag. Die Aufschrift war hebräisch, lateinisch und griechisch abgefasst. Die Hohenpriester der Juden sagten zu Pilatus: F „Schreib nicht: ‚Der König der Juden‘, sondern dass er gesagt hat: ‚Ich bin der König der Juden‘.“ C Pilatus antwortete: A „Was ich geschrieben habe, habe ich geschrieben.“
Sie verteilten meine Kleider unter sich
C Nachdem die Soldaten Jesus gekreuzigt hatten, nahmen sie seine Kleider und machten vier Teile daraus, für jeden Soldaten einen Teil, und dazu das Untergewand. Dieses Untergewand war ohne Naht von oben ganz durchgewebt. Deshalb sagten sie zueinander: „Wir wollen es nicht zerteilen, sondern darum losen, wem es gehören soll.“ So sollte sich das Schriftwort erfüllen: „Sie verteilten meine Kleider unter sich und warfen das Los um mein Gewand.“ Dies taten die Soldaten.
Siehe, dein Sohn! Siehe, deine Mutter!
C Bei dem Kreuz Jesu standen seine Mutter, die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Klopas, und Maria von Magdala. Als Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er liebte, sagte er zu seiner Mutter: ✠ „Frau, siehe, dein Sohn!“ C Dann sagte er zu dem Jünger: ✠ „Siehe, deine Mutter!“ C Und von jener Stunde an nahm sie der Jünger zu sich. Danach, als Jesus wusste, dass nun alles vollbracht war, sagte er, damit sich die Schrift erfüllte: ✠ „Mich dürstet.“ C Ein Gefäß mit Essig stand da. Sie steckten einen Schwamm mit Essig auf einen Ysopzweig und hielten ihn an seinen Mund. Als Jesus von dem Essig genommen hatte, sprach er: ✠ „Es ist vollbracht!“ C Und er neigte das Haupt und übergab den Geist.
(Hier kniet man nieder und hält kurz inne)
Sogleich floss Blut und Wasser heraus
C Es war Rüsttag, und die Juden baten Pilatus, die Beine der Gekreuzigten abschlagen und die Leichname wegschaffen zu lassen, damit sie am Sabbat nicht am Kreuz blieben; denn dieser Sabbat war ein großer Festtag. Also kamen die Soldaten und schlugen dem ersten die Beine ab, dann dem andern, der mit ihm gekreuzigt worden war. Als sie aber zu Jesus kamen und sahen, dass er schon tot war, schlugen sie ihm die Beine nicht ab, sondern einer der Soldaten stieß mit der Lanze in seine Seite und sogleich floss Blut und Wasser heraus. Und der, der es gesehen hat, hat es bezeugt, und sein Zeugnis ist wahr. Und er weiß, dass er Wahres berichtet, damit auch ihr glaubt. Denn das ist geschehen, damit sich das Schriftwort erfüllte: „Man soll an ihm kein Gebein zerbrechen.“ Und ein anderes Schriftwort sagt: „Sie werden auf den blicken, den sie durchbohrt haben.“
Sie nahmen den Leichnam Jesu und hüllten ihn zusammen mit den wohlriechenden Salben in Leinentücher
C Danach kam Josef aus Arimathäa, der ein Jünger Jesu war, aber heimlich, aus Furcht vor den Juden, und bat Pilatus, den Leichnam Jesu abnehmen zu dürfen. Pilatus erlaubte es. Also kam er und nahm den Leichnam Jesu ab. Es kam auch Nikodemus, der früher einmal Jesus bei Nacht aufgesucht hatte, und brachte etwa dreißig Kilogramm einer Mischung aus Myrrhe und Aloe. Sie nahmen den Leichnam Jesu und banden ihn mit Leinenbinden ein, zusammen mit den wohlriechenden Salben, wie es bei den Juden Sitte ist, einen Toten zu bestatten. An dem Ort, wo man ihn gekreuzigt hatte, war ein Garten und in dem Garten ein neues Grab, in dem noch niemand bestattet worden war. Wegen des Rüsttages der Juden und weil das Grab in der Nähe lag, setzten sie Jesus dort bei. – Evangelium unseres Herrn.
Kommentar zum Evangelium des Tages
Wenn wir Jesus heute am Kreuz betrachten, könnten wir einen in unserem Leben sehr verbreiteten Ausdruck gebrauchen: „Warum hast du dir das nur angetan?“ Dieses Risiko oder scheinbare Scheitern ist jedoch der Ort, an dem wir Jesus begegnen, der auch für uns gekreuzigt wurde. Er erfüllt auch jene dunklen Winkel, in denen wir oft lange Zeit unseres Lebens verbringen. Es sind die düsteren Ecken mancher Familien, mancher Krankheiten, mancher Lebensgeschichten und mancher Umstände. Jesus hat eine radikale Veränderung bewirkt. Was früher wie ein Scheitern erschien, ist heute, an diesem Karfreitag, zum Ort seiner Gegenwart geworden. Wenn man den Mut findet, nicht davonzulaufen und sich der Mühe dieses Augenblicks, dieser Umstände nicht zu entziehen, kann man siegen, so wie Jesus den Tod besiegt hat. Doch der Sieg führt immer durch die Niedergeschlagenheit der Niederlage. Manchmal vermeiden wir aus Angst vor dem Verlieren sogar zu leben. Jesus lehrt uns, den Mut zum Verlieren zu haben, aber auf seine Weise: im Vertrauen, indem wir es wagen, uns ganz in die Hände eines Vaters zu geben, auch wenn wir ihn in diesem Augenblick fern empfinden. Wir können es machen wie Jesus, der seine Abwesenheit spürt und dennoch sagt: „In deine Hände, Vater, übergebe ich meinen Geist.“


