Texte aus dem Messbuch „Auf dein Wort“ März-April 2024
Verkündigung des Herrn (H)
eigene Texte
ERSTE LESUNG
Aus dem Buch des Propheten Jesaja (Jes 7,10-14; 8,10c)
In jenen Tagen sprach der Herr zu Ahas: „Erbitte dir ein Zeichen vom Herrn, deinem Gott, aus der Tiefe der Unterwelt oder aus der Höhe.“ Doch Ahas antwortete: „Ich werde um nichts bitten und den Herrn nicht versuchen.“ Da sagte Jesaja: „Hört her, Haus David! Ist es euch nicht genug, Menschen zu belasten, dass ihr nun auch meinen Gott belasten wollt? Darum wird der Herr selbst euch ein Zeichen geben: Siehe, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, sie wird einen Sohn gebären und wird ihm den Namen Immanuel geben, denn Gott ist mit uns.“ - Wort des lebendigen Gottes.
Gedanken zur ersten Lesung
Wir befinden uns in einem Kriegskontext. Ahas ist König von Juda und kämpft gegen Eindringlinge. Gott sagt dem König Ahas durch den Propheten Jesaja, er solle keine Angst haben, denn er werde sie beschützen, und als Garantie dafür ist er sogar bereit, ihm ein sicheres Zeichen zu geben. Das Zeichen ist Beweis und Garantie, es ermutigt und tröstet. Unerwartet weigert sich der König, sich auf eine göttliche Zusicherung zu stützen, als wollte er sagen: „Wenn Gott will, wird er eingreifen, aber ich brauche keine Zeichen, denn ich kann den Krieg auch allein gewinnen.“ Tatsächlich verbündete er sich später mit den Assyrern und öffnete damit dem Untergang des Reiches Juda die Türen … Doch der Herr wollte trotzdem ein Zeichen geben, das die historische Perspektive jenes Augenblicks weit übertraf. Gott greift auch dann ein, wenn der Mensch ihn ablehnt. Die Sturheit des Königs Ahas erschüttert uns, aber König Herodes verhielt sich zur Zeit der Geburt Jesu nicht anders. Es stimmt, dass die Welt in der Hand des Bösen liegt (1 Joh 5,19), aber ebenso wahr ist, dass Gott ständig eingreift, um den Weg des Menschen zu lenken. Gott herrscht, und es sind die Demütigen, die ihn aufnehmen und sich von ihm führen lassen.
ZWEITE LESUNG
Aus dem Brief an die Hebräer (Hebr 10,4-10)
Brüder, unmöglich kann das Blut von Stieren und Böcken Sünden hinwegnehmen. Darum spricht Christus bei seinem Eintritt in die Welt: „Schlacht- und Speiseopfer hast du nicht gefordert, doch einen Leib hast du mir bereitet. An Brand- und Sündopfern hattest du kein Gefallen. Da sagte ich: Siehe, ich komme - denn von mir steht es im Buch geschrieben -, um deinen Willen, mein Gott, zu tun.“ Zuerst sagt er: „Schlacht- und Speiseopfer, Brand- und Sündopfer hast du nicht gefordert und daran hattest du kein Gefallen“, obwohl sie nach dem Gesetz dargebracht werden; dann sagt er: „Siehe, ich komme, um deinen Willen zu tun.“ So hebt er das erste Opfer auf, um das zweite einzusetzen. Aufgrund dieses Willens sind wir durch die Hingabe des Leibes Jesu Christi geheiligt - ein für alle Mal. - Wort des lebendigen Gottes.
Gedanken zur zweiten Lesung
Das gesamte Alte Testament bereitet das Kommen der zweiten Person der Allerheiligsten Dreifaltigkeit in die Welt vor: die Menschwerdung Jesu Christi. Die alten Tieropfer mit dem herabströmenden Blut, die die Vergebung der Sünden bedeuteten, verwirklichen sich nun in einer menschlichen Person, in Jesus, der im Schoß der Jungfrau Maria empfangen wird, und zwar auf erhabene Weise, weil er Gott ist. Gott wird Leib - etwas, das die religiöse Philosophie für unzulässig hält, weil sie in Gott keine Unvollkommenheiten zulässt. Doch Gott stellt unser Denken auf den Kopf, denn die Liebe hat keine Logik oder, besser gesagt, sie hat eine ganz eigene Logik: die Logik der Selbsthingabe, des Lebens im anderen und aus der Kraft des anderen. Gott nimmt einen Leib an, und dies hält die Zeit an, denn bis zum Ende der Welt kann es kein wichtigeres Ereignis geben. Von diesem Augenblick an haben alle Menschen aller Zeiten mit jenem Leib zu tun: Sie lieben und verehren ihn oder weisen ihn unaufhörlich zurück. Doch man gelangt nicht zur Seligkeit Gottes, wenn man vom menschlichen Leib Gottes, von Jesus, dem Gehorsamen, absieht, der sein Kommen in die Welt für mich, für dich, für alle lebt.
EVANGELIUM DES TAGES
Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas (Lk 1,26-38)
In jener Zeit wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret zu einer Jungfrau gesandt. Sie war mit einem Mann aus dem Haus David namens Josef verlobt. Der Name der Jungfrau war Maria. Der Engel trat bei ihr ein und sagte: „Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir.“ Sie erschrak über die Anrede und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe. Da sagte der Engel zu ihr: „Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast Gnade bei Gott gefunden. Siehe, du wirst empfangen und einen Sohn gebären und du sollst ihm den Namen Jesus geben. Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben. Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen und seine Herrschaft wird kein Ende haben.“ Maria sagte zu dem Engel: „Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?“ Der Engel antwortete ihr: „Der Heilige Geist wird über dich kommen und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden. Siehe, auch Elisabet, deine Verwandte, hat in ihrem Alter einen Sohn empfangen; obwohl sie als unfruchtbar galt, ist sie jetzt schon im sechsten Monat. Denn für Gott ist nichts unmöglich.“ Da sagte Maria: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe nach deinem Wort.“ Danach verließ sie der Engel. - Evangelium unseres Herrn Jesus Christus.
Gedanken zum Evangelium des Tages
Das Kommen des Messias in die Welt wurde erwartet; es war keine völlige Überraschung. Es gab die Prophezeiungen Daniels, man hatte die Zeiten berechnet, und sogar die heidnischen Weisen hatten eine gewisse Ahnung davon. Doch niemand erwartete, dass dieser Messias selbst Gott sein würde, dass also die göttliche Natur des Wortes die menschliche Natur annehmen würde. Um uns die Tore des Himmels zu öffnen und uns zum ewigen Leben zu erheben, musste Gott hinabsteigen. „Gott ist Mensch geworden, damit der Mensch Gott werde“, schreibt der alte Kirchenvater Hippolyt von Rom. Wir könnten nicht zu Gott gelangen, wenn er nicht zu uns hinabgestiegen wäre - auf die unvorstellbarste Weise: indem er in den jungfräulichen Schoß der heiligsten Maria eintrat und alle Phasen des menschlichen Lebens durchlebte. Gott will die Rettung aller, und deshalb nimmt er alle Prüfungen und Erniedrigungen auf sich und verbindet seine bevorzugte Schöpfung, die Jungfrau Maria, in allem mit sich. Er beginnt, indem er so klein wird, dass er ein Embryo ist (ja, tatsächlich) - aus wenigen Zellen. Die heilige Teresa vom Kinde Jesus war von diesem Geheimnis überwältigt und sagte, sie liebe es, Jesus in seiner Majestät anzubeten, noch mehr aber, wenn sie ihn als ein ein Millimeter großes Geschöpf im Schoß der Jungfrau betrachtete: In diesem embryonalen Kind war der ganze Gott eingeschlossen …


