Texte aus dem Messbuch „Auf dein Wort“ Juli-August 2021
18. Sonntag im Jahreskreis (B)
2. Woche im Psalter
ERSTE LESUNG
Aus dem Buch Exodus (Ex 16,2-4.12-15)
In jenen Tagen murrte die ganze Gemeinde der Israeliten in der Wüste gegen Mose und Aaron. Die Israeliten sagten zu ihnen: „Wären wir doch durch die Hand des Herrn im Land Ägypten gestorben, als wir an den Fleischtöpfen saßen und Brot aßen, so viel wir wollten! Stattdessen habt ihr uns in diese Wüste geführt, um diese ganze Versammlung verhungern zu lassen.“ Da sprach der Herr zu Mose: „Siehe, ich will euch Brot vom Himmel regnen lassen. Das Volk soll hinausgehen und täglich die Tagesration sammeln, damit ich es prüfe, ob es nach meiner Weisung lebt oder nicht. Ich habe das Murren der Israeliten gehört. Sag ihnen: Bei Sonnenuntergang werdet ihr Fleisch zu essen haben, am Morgen werdet ihr satt sein von Brot. Dann werdet ihr erkennen, dass ich der Herr, euer Gott, bin.“ Am Abend kamen die Wachteln und bedeckten das Lager. Am Morgen lag eine Schicht Tau rings um das Lager. Als sich die Tauschicht auflöste, lag auf dem Wüstenboden etwas Feines, Körniges, fein wie Reif auf der Erde. Die Israeliten sahen es und sagten zueinander: „Was ist das?“, denn sie wussten nicht, was es war. Mose sagte zu ihnen: „Das ist das Brot, das der Herr euch zu essen gibt.“ Wort des lebendigen Gottes.
Auslegung zur ersten Lesung
„Amen, amen, ich sage euch: Nicht Mose hat euch das Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel. Denn das Brot, das Gott gibt, kommt vom Himmel herab und gibt der Welt das Leben“ (Joh 6,32-33). Dies ist die authentische Deutung dieser Stelle aus dem Buch Exodus, die Jesus selbst anbietet. Einerseits steht da das Drama Gottes, der von seinem Volk nicht verstanden wird: Durch die Wunder des Herrn wird Freiheit geschenkt, doch stattdessen bricht im Volk aufgrund der Mühen und des fehlenden Fleischtopfes, in den man das Brot tauchen konnte, die Rebellion aus. Es ist die Tragödie derer, die auch heute meinen, Leben bedeute nur, sich mit Essen, Getränken, Geld und Erfolg vollzustopfen: Sie fühlen sich zutiefst so unbedeutend und klein, dass sie ein Podest brauchen, auf das sie sich erheben können, um andere zu beherrschen. Und das ist ein Drama, das mindestens so alt ist wie der Mensch. Geheimnis des göttlichen Erbarmens und Entgegenkommens: das Manna, das unentgeltlich gegeben wird, in Mengen entsprechend dem liturgischen Leben (am Freitag die doppelte Menge, damit die Sabbatruhe möglich ist). Lernen wir zu danken.
ZWEITE LESUNG
Aus dem Brief des Apostels Paulus an die Epheser (Eph 4,17.20-24)
Brüder und Schwestern, ich sage und beschwöre euch im Herrn: Lebt nicht mehr wie die Heiden in ihrem nichtigen Denken! So habt ihr Christus nicht kennengelernt, wenn ihr auf ihn gehört habt und in ihm unterrichtet worden seid, wie es der Wahrheit in Jesus entspricht. Legt den alten Menschen ab, der sich in seinen trügerischen Begierden zugrunde richtet, erneuert euer Denken im Geist eures Sinnes und zieht den neuen Menschen an, der nach dem Bild Gottes geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit. Wort des lebendigen Gottes.
Auslegung zur zweiten Lesung
Wie können wir zunächst in uns selbst den Unterschied zwischen „dem alten Menschen, der sich in seinen trügerischen Begierden zugrunde richtet“ und „dem neuen Menschen, der nach dem Bild Gottes in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit geschaffen ist“, erkennen? Der heilige Paulus bietet ein sehr konkretes und auch heute gültiges Kriterium: Wir sollen uns an unserem Verhalten messen. Es geht nicht um eine einzelne Handlung oder um eine Einkaufsliste, die man sowohl für den Supermarkt als auch für die Beichte erstellt. Das Verhalten besteht vielmehr in der Art, wie wir leben, in konkreten Entscheidungen zugunsten des Guten. Wir dürfen uns nicht damit zufriedengeben, das Böse nicht zu tun, sondern sollen wirklich alles Gute vollbringen, das uns möglich ist. Der alte Mensch verdirbt, verfällt und verwest. Der neue Mensch wächst in der Heiligkeit, indem er Gottes Gabe in sich aufnimmt. Der alte Mensch ist Sklave seiner selbst, der verschiedenen Moden, die aufeinanderfolgen, und des (vermeintlich guten) allgemeinen Denkens. Vor allem aber erliegt er der Täuschung des Lügners, der ihn glauben machen möchte, er wäre ohne Gott glücklicher: ein Gedanke aus den Anfängen (Adam und Eva als Opfer dieses Gedankens), aber auch eine Versuchung unserer Tage. Lassen wir uns mit der wahren Heiligkeit bekleiden und von ihr durchdringen.
EVANGELIUM DES TAGES
Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes (Joh 6,24-35)
In jener Zeit, als die Menge sah, dass Jesus nicht mehr dort war und auch seine Jünger nicht, stiegen sie in die Boote und fuhren nach Kafarnaum, um Jesus zu suchen. Als sie ihn auf der anderen Seite des Sees fanden, fragten sie ihn: „Rabbi, wann bist du hierhergekommen?“ Jesus antwortete ihnen: „Amen, amen, ich sage euch: Ihr sucht mich nicht, weil ihr Zeichen gesehen habt, sondern weil ihr von den Broten gegessen habt und satt geworden seid. Müht euch nicht ab für die Speise, die verdirbt, sondern für die Speise, die für das ewige Leben bleibt und die der Menschensohn euch geben wird. Denn ihn hat Gott, der Vater, mit seinem Siegel beglaubigt.“ Da fragten sie ihn: „Was müssen wir tun, um die Werke Gottes zu vollbringen?“ Jesus antwortete ihnen: „Das ist das Werk Gottes, dass ihr an den glaubt, den er gesandt hat.“ Da sagten sie zu ihm: „Welches Zeichen tust du, damit wir es sehen und dir glauben? Welches Werk vollbringst du? Unsere Väter haben das Manna in der Wüste gegessen, wie es in der Schrift heißt: Er gab ihnen Brot vom Himmel zu essen.“ Jesus antwortete ihnen: „Amen, amen, ich sage euch: Nicht Mose hat euch das Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel. Denn das Brot, das Gott gibt, kommt vom Himmel herab und gibt der Welt das Leben.“ Da baten sie ihn: „Herr, gib uns immer dieses Brot!“ Jesus antwortete ihnen: „Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, wird nie mehr hungern, und wer an mich glaubt, wird nie mehr Durst haben.“ Wort des Herrn.
Auslegung zum Evangelium des Tages
Eine alte und immer neue Frage, heute ebenso gültig wie zur Zeit des Herrn: „Warum bist du gekommen? Was treibt dich, mir zu folgen?“ Dieselbe Frage wurde auch denen gestellt, die zu den ersten Kirchenvätern, in mittelalterliche Klöster oder zu denjenigen kamen, die heute noch das geweihte Leben als für sich gültig erkennen. „Was suchst du?“ Die Verwirklichung deines „Ichs“, dein persönliches Glück, oder dass deine Schritte den Spuren folgen, die der Meister vorgezeichnet hat? Das gilt jedoch nicht nur für das Ordensleben im engeren Sinn. Zum Beispiel: Was ist dein wahres Ziel in deiner Verlobungszeit und in deiner Ehe? Dich selbst zufriedenzustellen oder gemeinsam mit dem Menschen, der dich auf diesem faszinierenden, wunderschönen und zugleich empfindsamen Weg begleitet, Freude zu säen? Suchst du in einem Wutausbruch gegenüber deiner Frau/deinem Mann ein echtes Wachstum auf dem gemeinsamen Weg oder nur ein Ventil? Und was suchst du mit diesem übertriebenen Anschreien deiner Kinder? Was suchst du? In Wirklichkeit wünschen wir uns alle Nahrung (auch geistliche!), Aufmerksamkeit, Trost, Hoffnung und Kraft. All das können uns die Männer und Frauen an unserer Seite schenken, doch sie werden niemals in der Lage sein, unseren Hunger und Durst nach Glück vollständig zu stillen. Nur die Beziehung zu Jesus, dem Brot des Lebens, schenkt uns echtes und dauerhaftes Glück.

