Texte aus dem Messbuch „Auf dein Wort“ März-April 2022
Palmsonntag: Passion des Herrn (C)
2. Woche im Psalter
ERSTE LESUNG
Aus dem Buch des Propheten Jesaja (Jes 50,4-7)
Gott, der Herr, gab mir die Zunge eines Jüngers, damit ich den Müden mit einem Wort zu stärken weiß. Jeden Morgen weckt er mein Ohr, damit ich höre, wie Jünger hören. Gott, der Herr, hat mir das Ohr geöffnet. Ich aber habe mich nicht gewehrt und bin nicht zurückgewichen. Ich hielt meinen Rücken denen hin, die mich schlugen, und denen, die mir den Bart ausrissen, meine Wangen. Mein Gesicht verbarg ich nicht vor Schmähungen und Speichel. Und Gott, der Herr, wird mir helfen; darum werde ich nicht in Schande enden. Deshalb mache ich mein Gesicht hart wie einen Kiesel; ich weiß, dass ich nicht in Schande gerate. – Wort des lebendigen Gottes.
Kommentar zur ersten Lesung
Die berühmten „Lieder vom Gottesknecht“ im Buch des Propheten Jesaja beschreiben eine geheimnisvolle Gestalt, die bei der Deutung der Ereignisse dem Herrn Jesus in seiner Passion ähnelt. In dieser Passage kann der Knecht des Herrn tief im Inneren hören und den Menschen, die jede Hoffnung verloren haben (den Mutlosen), ein treffendes Wort sagen. In der Stunde der Not brauchen wir einen Menschen, auf den wir uns sicher verlassen können, einen Mann Gottes, der in unmittelbarem Kontakt mit der Wahrheit steht und offen spricht, ohne Angst zu haben. So ist der wahre Knecht des Herrn, der nicht „in Schande endet“, selbst dann nicht, wenn ihm sein offenes Wort jede Art von Verfolgung und heftige Reaktionen einbringt. In den Prophezeiungen Jesajas erkennen wir die wahre Gestalt Jesu: Er beherrscht die Situation vollkommen, begegnet den Prüfungen mit Ruhe und übermenschlicher Würde, weiß, dass er den Willen des Vaters erfüllt und in vollkommener Gemeinschaft mit ihm lebt. Das genügt ihm: Folter und Schmähungen bringen ihn nicht zum Zurückweichen, weil Gott wirklich mit ihm ist und ihm beisteht. So möge es auch für jeden Christen in der Stunde der Prüfung sein.
ZWEITE LESUNG
Aus dem Brief des heiligen Apostels Paulus an die Philipper (Phil 2,6-11)
Christus Jesus war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, Gott gleich zu sein, sondern entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. Sein Leben war das eines Menschen; er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz. Darum hat ihn Gott über alle erhöht und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen, damit vor dem Namen Jesu jedes Knie sich beugt im Himmel, auf der Erde und unter der Erde und jede Zunge bekennt: «Jesus Christus ist der Herr!» zur Ehre Gottes, des Vaters. – Wort des lebendigen Gottes.
Kommentar zur zweiten Lesung
Der Lobgesang des heiligen Paulus lässt uns den Sinn der Passion des Herrn verstehen. Mit wenigen Worten vermittelt der Verfasser den gesamten göttlichen Plan: Gott steigt auf dem Weg der Demut hinab, bis er in Christus ein schwacher und leidensfähiger Mensch wird und bis zum Äußersten hinabsteigt. Aus dem Allmächtigen wird er ohnmächtig, aus dem Unsterblichen sterblich, aus dem Reichen arm. Aus seiner Stellung (als zweite Person der allerheiligsten Dreifaltigkeit) kann er nur hinabsteigen, und auf diese Weise zeigt Gott allen, worin der Weg der wahren Liebe besteht: sich leer zu machen („er entäußerte sich“), um dann von der Liebe des Vaters erfüllt zu werden, der die Menschen rechtfertigt und ihnen vergibt. Doch gerade als er am tiefsten Punkt angelangt ist, wird alles mit Herrlichkeit erfüllt, und er legt dem Vater die durch sein Opfer erneuerte Schöpfung dar. Vor dieser Tat jubelt die ganze Welt: Die Knie beugen sich und die Zungen bekennen. Jesus hat dies vollbracht, aber damit sein Wirken an uns nicht vergeblich bleibt, müssen auch wir denselben Weg gehen: uns selbst entleeren und uns mit ihm erfüllen.
EVANGELIUM DES TAGES
Passion unseres Herrn Jesus Christus nach Lukas (Lk 22,14 – 23,56)
(Hinweise für die dialogische Lesung: ✠ = Jesus; C = Chronist; D = Jünger und Freunde; F = Menge; A = Andere Personen)
Ich habe mich sehr danach gesehnt, dieses Paschamahl mit euch zu essen, bevor ich leide
C Als die Stunde gekommen war, nahm [Gesù] am Tisch Platz und die Apostel mit ihm. Und er sagte zu ihnen: ✠ «Ich habe mich sehr danach gesehnt, dieses Paschamahl mit euch zu essen, bevor ich leide. Denn ich sage euch: Ich werde es nicht mehr essen, bis es im Reich Gottes erfüllt sein wird.» C Und er nahm einen Kelch, sprach das Dankgebet und sagte: ✠ «Nehmt diesen und teilt ihn untereinander! Denn ich sage euch: Von nun an werde ich nicht mehr von der Frucht des Weinstocks trinken, bis das Reich Gottes kommt.»
Tut dies zu meinem Gedächtnis
C Dann nahm er das Brot, sprach das Dankgebet, brach es und reichte es ihnen mit den Worten: ✠ «Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird. Tut dies zu meinem Gedächtnis!» C Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch und sagte: ✠ «Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird.»
Wehe dem Menschen, durch den der Menschensohn verraten wird!
«Doch seht, die Hand dessen, der mich verrät, liegt mit mir auf dem Tisch. Der Menschensohn geht zwar den Weg, der nach Gottes Willen für ihn bestimmt ist. Aber wehe dem Menschen, durch den er verraten wird!» C Da begannen sie, untereinander zu fragen, wer von ihnen das wohl tun werde.
Ich bin in eurer Mitte wie der, der dient
Es entstand unter ihnen ein Streit darüber, wer von ihnen als der Größte gelten könne. Da sagte er: ✠ «Die Könige der Völker herrschen über sie; und die Macht über sie haben, lassen sich Wohltäter nennen. Bei euch aber soll es nicht so sein, sondern der Größte unter euch soll werden wie der Jüngste und der Führende soll werden wie der Dienende. Denn wer ist größer: Wer bei Tisch sitzt oder wer bedient? Nicht der, der bei Tisch sitzt? Ich aber bin in eurer Mitte wie der, der dient. Ihr aber habt in meinen Prüfungen bei mir ausgeharrt. Darum vermache ich euch das Reich, wie es mein Vater mir vermacht hat: Ihr sollt in meinem Reich an meinem Tisch essen und trinken und auf Thronen sitzen und die zwölf Stämme Israels richten.
Wenn du dich wieder bekehrt hast, dann stärke deine Brüder
Simon, Simon, siehe, der Satan hat verlangt, dass er euch wie Weizen sieben darf. Ich aber habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht erlischt. Und wenn du dich wieder bekehrt hast, dann stärke deine Brüder!» C Er sagte zu ihm: D «Herr, ich bin bereit, mit dir sogar ins Gefängnis und in den Tod zu gehen.» C Jesus erwiderte: ✠ «Ich sage dir, Petrus: Noch heute, ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.»
An mir muss sich dieses Wort der Schrift erfüllen
C Dann sagte er zu ihnen: ✠ «Als ich euch ohne Geldbeutel, ohne Tasche und ohne Schuhe aussandte, habt ihr da etwas vermisst?» C Sie antworteten: D «Nein, nichts.» C Da sagte er zu ihnen: ✠ «Jetzt aber soll der, der einen Geldbeutel hat, ihn mitnehmen und ebenso die Tasche. Und wer kein Schwert hat, soll seinen Mantel verkaufen und sich dafür eines kaufen. Denn ich sage euch: An mir muss sich dieses Wort der Schrift erfüllen: “Er wurde zu den Gesetzlosen gerechnet.” Denn was mich betrifft, geht jetzt in Erfüllung.» C Sie sagten: D «Herr, siehe, hier sind zwei Schwerter.» C Er erwiderte: ✠ «Genug!»
Er rang mit dem Tod und betete noch inständiger
C Dann verließ Jesus die Stadt und ging, wie er es gewohnt war, zum Ölberg; seine Jünger begleiteten ihn. Als er dort war, sagte er zu ihnen: ✠ «Betet, dass ihr nicht in Versuchung geratet!» C Dann entfernte er sich von ihnen ungefähr einen Steinwurf weit, kniete nieder und betete: ✠ «Vater, wenn du willst, nimm diesen Kelch von mir! Aber nicht mein, sondern dein Wille soll geschehen.» C Da erschien ihm ein Engel vom Himmel und stärkte ihn. Und er betete in seiner Angst noch inständiger, und sein Schweiß wurde wie Blut, das auf die Erde tropfte. Nach dem Gebet stand er auf, ging zu den Jüngern zurück und fand sie schlafend, denn sie waren vor Trauer erschöpft. Da sagte er zu ihnen: ✠ «Wie könnt ihr schlafen? Steht auf und betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet!»
Judas, mit einem Kuss verrätst du den Menschensohn?
C Während er noch redete, kam eine Schar Männer; Judas, einer der Zwölf, ging ihnen voran. Er trat auf Jesus zu, um ihn zu küssen. Jesus sagte zu ihm: ✠ «Judas, mit einem Kuss verrätst du den Menschensohn?» C Als seine Begleiter merkten, was geschehen würde, fragten sie: D «Herr, sollen wir mit dem Schwert dreinschlagen?» C Und einer von ihnen schlug auf den Diener des Hohenpriesters ein und hieb ihm das rechte Ohr ab. Jesus aber sagte: ✠ «Lasst es! Nicht weiter!» C Und er heilte das Ohr. Dann sagte Jesus zu den Hohenpriestern, den Hauptleuten der Tempelwache und den Ältesten, die gegen ihn ausgezogen waren: ✠ «Wie gegen einen Räuber seid ihr mit Schwertern und Knüppeln ausgezogen. Tag für Tag war ich bei euch im Tempel, und ihr habt nicht gewagt, Hand an mich zu legen. Aber das ist eure Stunde und die Macht der Finsternis.»
Da ging Petrus hinaus und weinte bitterlich
C Darauf nahmen sie ihn fest, führten ihn ab und brachten ihn in das Haus des Hohenpriesters. Petrus folgte von Weitem. Mitten im Hof hatten sie ein Feuer angezündet und sich dort niedergesetzt; Petrus setzte sich zu ihnen. Eine Magd sah ihn am Feuer sitzen, schaute ihn genau an und sagte: A «Der war auch mit ihm zusammen.» C Petrus aber leugnete es und sagte: D «Frau, ich kenne ihn nicht.» C Kurz darauf bemerkte ihn ein anderer und sagte: A «Du gehörst auch zu ihnen.» C Petrus aber entgegnete: D «Nein, Mann, ich gehöre nicht dazu.» C Etwa eine Stunde später behauptete wieder einer: A «Wahrhaftig, der war auch mit ihm zusammen; er ist doch auch ein Galiläer.» C Petrus aber sagte: D «Mensch, ich weiß nicht, wovon du redest.» C Im selben Augenblick, noch während er redete, krähte ein Hahn. Da wandte sich der Herr um und blickte Petrus an. Und Petrus erinnerte sich an das Wort, das der Herr zu ihm gesagt hatte: «Ehe heute der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.» Und er ging hinaus und weinte bitterlich.
Weissage! Wer hat dich geschlagen?
Die Männer, die Jesus bewachten, trieben ihren Spott mit ihm und schlugen ihn. Sie verhüllten sein Gesicht und fragten: A «Weissage! Wer hat dich geschlagen?» C Und noch viele andere Lästerungen stießen sie gegen ihn aus.
Sie führten ihn vor ihren Hohen Rat
Als es Tag wurde, versammelten sich die Ältesten des Volkes sowie die Hohenpriester und die Schriftgelehrten. Sie ließen Jesus vor ihren Hohen Rat führen und sagten: A «Wenn du der Messias bist, dann sag es uns!» C Er antwortete ihnen: ✠ «Wenn ich es euch sage, glaubt ihr mir nicht; und wenn ich euch etwas frage, antwortet ihr nicht. Aber von nun an wird der Menschensohn zur Rechten der Macht Gottes sitzen.» C Da sagten sie alle: A «Du bist also der Sohn Gottes?» C Er antwortete ihnen: ✠ «Ihr selbst sagt es, dass ich es bin.» C Da riefen sie: A «Wozu brauchen wir noch eine Zeugenaussage? Wir haben es selbst aus seinem Mund gehört.»
Ich finde keinen Grund, diesen Menschen zu verurteilen
C [Die ganze Versammlung erhob sich; man führte Jesus zu Pilatus und begann ihn anzuklagen: A «Wir haben festgestellt, dass dieser Mensch unser Volk aufwiegelt, es davon abhält, dem Kaiser Steuern zu zahlen, und behauptet, er sei der Christus, der König.» C Pilatus fragte ihn: A «Bist du der König der Juden?» C Er antwortete: ✠ «Du sagst es.» C Pilatus sagte zu den Hohenpriestern und zur Menge: A «Ich finde keinen Grund, diesen Menschen zu verurteilen.» C Doch sie beharrten darauf: A «Er bringt das ganze Volk auf, indem er in ganz Judäa lehrt, angefangen in Galiläa bis hierher.» C Als Pilatus das hörte, fragte er, ob der Mann ein Galiläer sei. Und als er erfuhr, dass Jesus aus dem Herrschaftsbereich des Herodes stammte, schickte er ihn zu Herodes, der in jenen Tagen ebenfalls in Jerusalem war.
Herodes verspottet Jesus mit seinen Soldaten
Als Herodes Jesus sah, freute er sich sehr. Schon seit langer Zeit wollte er ihn sehen, weil er von ihm gehört hatte, und er hoffte, ein Wunder von ihm zu sehen. Er stellte ihm viele Fragen, doch Jesus gab ihm keine Antwort. Die Hohenpriester und die Schriftgelehrten waren ebenfalls anwesend und beschuldigten ihn heftig. Herodes und seine Soldaten behandelten ihn nun verächtlich und verspotteten ihn. Er legte ihm ein prächtiges Gewand an und schickte ihn zu Pilatus zurück. An diesem Tag wurden Herodes und Pilatus Freunde; zuvor waren sie Feinde gewesen.
Pilatus überlässt Jesus ihrem Willen
Pilatus rief die Hohenpriester, die führenden Männer und das Volk zusammen und sagte zu ihnen: A «Ihr habt diesen Menschen zu mir gebracht, weil er das Volk aufwiegelt. Und siehe, ich habe ihn in eurer Gegenwart verhört, aber keine der Anklagen gefunden, die ihr gegen ihn vorbringt; auch Herodes nicht, denn er hat ihn zu uns zurückgeschickt. Seht, er hat nichts getan, was den Tod verdient. Daher will ich ihn auspeitschen lassen und freilassen.» [ ] C Doch da schrien sie alle miteinander: F «Weg mit diesem Menschen! Gib Barabbas frei!» C Dieser war wegen eines Aufruhrs in der Stadt und wegen Mordes ins Gefängnis geworfen worden. Pilatus aber redete wieder auf sie ein, denn er wollte Jesus freilassen. Doch sie schrien: F «Kreuzige ihn! Kreuzige ihn!» C Zum dritten Mal sagte er zu ihnen: A «Was für ein Verbrechen hat er denn begangen? Ich habe nichts an ihm gefunden, was den Tod verdient. Daher will ich ihn auspeitschen lassen und freilassen.» C Sie aber schrien mit lauter Stimme und forderten, dass er gekreuzigt werde. Und ihr Geschrei wurde immer lauter. Da entschied Pilatus, dass ihre Forderung erfüllt werden solle. Er ließ den Mann frei, der wegen Aufruhrs und Mordes im Gefängnis saß und den sie gefordert hatten. Jesus aber lieferte er ihrem Willen aus.
Töchter von Jerusalem, weint nicht über mich
Auf dem Weg zur Hinrichtung ergriffen die Soldaten einen Mann namens Simon aus Kyrene, der gerade vom Feld kam. Ihm luden sie das Kreuz auf, damit er es hinter Jesus hertrage. Es folgte eine große Menschenmenge, darunter auch Frauen, die um ihn klagten und sich an die Brust schlugen. Jesus aber wandte sich nach ihnen um und sagte: ✠ «Ihr Töchter von Jerusalem, weint nicht über mich; weint vielmehr über euch und eure Kinder! Denn siehe, es werden Tage kommen, an denen man sagen wird: “Selig die Frauen, die unfruchtbar sind, die nicht geboren und nicht gestillt haben.” Dann wird man zu den Bergen sagen: “Fallt über uns!”, und zu den Hügeln: “Deckt uns zu!” Denn wenn das schon mit dem grünen Holz geschieht, was wird dann erst mit dem dürren werden?» C Zusammen mit Jesus wurden auch zwei Verbrecher zur Hinrichtung geführt.
Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun
Als sie an den Ort kamen, der Schädelhöhe genannt wird, kreuzigten sie Jesus und die Verbrecher, den einen rechts von ihm, den anderen links. Jesus sagte: ✠ «Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.» C Dann verteilten sie seine Kleider und losten sie untereinander aus.
Das ist der König der Juden
Das Volk stand dabei und sah zu; die führenden Männer aber verhöhnten Jesus und sagten: A «Andere hat er gerettet, nun soll er sich selbst retten, wenn er der Christus Gottes ist, der Erwählte.» C Auch die Soldaten verspotteten ihn. Sie traten heran, reichten ihm Essig und sagten: A «Wenn du der König der Juden bist, dann rette dich selbst!» C Über ihm war eine Aufschrift angebracht: «Das ist der König der Juden.»
Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein
Einer der Verbrecher, die neben ihm hingen, verhöhnte ihn: A «Bist du nicht der Christus? Dann rette dich selbst und auch uns!» C Der andere aber wies ihn zurecht und sagte: A «Nicht einmal du fürchtest Gott? Dich hat doch das gleiche Urteil getroffen. Uns geschieht recht, wir erhalten den Lohn für unsere Taten; dieser aber hat nichts Unrechtes getan.» C Dann sagte er: A «Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst!» C Jesus antwortete ihm: ✠ «Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.»
Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist
C Es war etwa um die sechste Stunde, da brach eine Finsternis über das ganze Land herein. Sie dauerte bis zur neunten Stunde. Die Sonne verdunkelte sich. Der Vorhang im Tempel riss mitten entzwei. Und Jesus rief mit lauter Stimme: ✠ «Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist.» Mit diesen Worten hauchte er den Geist aus. C
Hier kniet man nieder und verharrt kurz in Stille
C Als der Hauptmann sah, was geschehen war, pries er Gott und sagte: A «Dieser Mensch war wirklich ein Gerechter.» C Und alle, die zu diesem Schauspiel herbeigeströmt waren und sahen, was sich ereignet hatte, schlugen sich an die Brust und gingen nach Hause. Alle seine Bekannten aber standen in einiger Entfernung, auch die Frauen, die ihm seit der Zeit in Galiläa nachgefolgt waren, und sahen alles mit an.]
Josef legt den Leichnam Jesu in ein Felsengrab
Und siehe, da war ein Mann namens Josef, ein Mitglied des Hohen Rates, ein guter und gerechter Mann. Er hatte dem Beschluss und Vorgehen der anderen nicht zugestimmt. Er stammte aus Arimathäa, einer Stadt in Judäa, und wartete auf das Reich Gottes. Er ging zu Pilatus und bat um den Leichnam Jesu. Dann nahm er ihn vom Kreuz, wickelte ihn in ein Leinentuch und legte ihn in ein Felsengrab, in dem noch niemand bestattet worden war. Es war der Rüsttag, und der Sabbat brach bereits an. Die Frauen, die mit Jesus aus Galiläa gekommen waren, gaben Josef das Geleit. Sie sahen das Grab und wie der Leichnam Jesu hineingelegt wurde. Dann kehrten sie heim und bereiteten wohlriechende Öle und Salben zu. Am Sabbat hielten sie die vom Gesetz vorgeschriebene Ruhe ein. – Evangelium unseres Herrn Jesus Christus.
Kommentar zum Evangelium des Tages
Der Bericht von der Passion wird im liturgischen Jahr zweimal gelesen: am Karfreitag (immer das Evangelium nach Johannes) und am Palmsonntag (eines der drei anderen Evangelien; in diesem Jahr wird das nach Lukas verkündet). Wichtig ist, dass dieser Bericht niemals „zerstückelt“ wird (abgesehen von wenigen seltenen Ausnahmen) und im Laufe des Jahres nicht einmal hier und ein anderes Mal dort in Teilen gelesen wird: Seinem Wesen nach muss diese Erzählung immer vollständig vorgetragen werden. Und so ist es auch: Das dramatische Geschehen des Todes Jesu ist zu heilig, als dass es aufgeteilt werden könnte. Daher sollte auch die heutige Verkündigung mit großer Sammlung angehört und am Ende nicht einmal durch die weiseste Predigt kommentiert werden. Was könnte man angesichts des leidenden, sich hingebenden und gefolterten Christus, der inmitten der Qualen aus Liebe stirbt, noch darüber hinaus und zusätzlich sagen? Kein menschliches Wort, außer der inneren Anbetung, kann den Bericht von der Passion bereichern. Treten wir daher in das Heilswirken des Herrn Jesus ein und erkennen wir, dass wir allein dadurch alle gerettet werden. Und denken wir stets daran, dass der Beweggrund, der Grund, warum Jesus, unser Gott, dies getan hat, die Liebe zu uns ist.

