Texte aus dem Messale „Dein Wort“ März-April 2023
3. Fastensonntag (A)
3. Woche im Jahreskreis
ERSTE LESUNG
Aus dem Buch Exodus (Ex 17,3-7)
In jenen Tagen dürstete das Volk dort nach Wasser. Es murrte gegen Mose und sagte: „Warum hast du uns aus Ägypten heraufgeführt, um uns, unsere Kinder und unser Vieh vor Durst sterben zu lassen?“ Da schrie Mose zum HERRN und sagte: „Was soll ich mit diesem Volk anfangen? Es fehlt nur wenig und sie steinigen mich!“ Der HERR sprach zu Mose: „Geh am Volk vorbei und nimm einige von den Ältesten Israels mit! Nimm auch den Stab in deine Hand, mit dem du auf den Nil geschlagen hast, und geh! Siehe, dort drüben werde ich vor dir auf dem Felsen am Horeb stehen. Dann schlag auf den Felsen! Es wird Wasser herauskommen und das Volk kann trinken.“ Das tat Mose vor den Augen der Ältesten Israels. Den Ort nannte er Massa und Meríba, wegen des Streits der Israeliten und weil sie den HERRN auf die Probe gestellt hatten, indem sie sagten: „Ist der HERR in unserer Mitte oder nicht?“ - Wort des lebendigen Gottes.
Kommentar zur ersten Lesung
Auf seinem Weg durch die Wüste in das verheißene Land leidet das Volk immer wieder Hunger und Durst. Hunger und Durst gehören zum Weg durch die Wüste, dem Ort der Prüfung und Reinigung, auf dem man nur im Glauben vorankommen kann. Die Begebenheit von Massa und Meríba ist sinnbildlich. Zunächst haben die Namen eine sprechende Bedeutung: Der eine bedeutet Versuchung und der andere Murren. Nach dem ersten Wegstück misstraut das vom Durst erschöpfte Volk Gott und befürchtet, Mose sei nicht der von ihm gesandte Mann, um es zu retten. Daraus ergibt sich die Frage, die den Skeptizismus des auserwählten Volkes und des Menschen aller Zeiten kennzeichnet, der Schwierigkeiten durchlebt: „Ist der HERR in unserer Mitte oder nicht?“ Mose lässt sich nicht entmutigen und ruft erneut den HERRN an, der seine Hilfe nicht versagt: Wasser wird aus dem vom Stab des Mose geschlagenen Felsen hervorquellen. So wird dem ungläubigen Volk die ständige Gegenwart Gottes sichtbar, der sich in der Fülle der Zeit gerade als Immanuel, als Gott mit uns, offenbaren wird. Dies aber kann geschehen, weil Mose glaubt und dem gehorcht, was der HERR von ihm verlangt. Erinnern wir uns daran.
ZWEITE LESUNG
Aus dem Brief des Apostels Paulus an die Römer (Röm 5,1-2.5-8)
Schwestern und Brüder, da wir aus Glauben gerechtfertigt sind, haben wir Frieden mit Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn. Durch ihn haben wir auch im Glauben den Zugang zu der Gnade erhalten, in der wir stehen, und rühmen uns der Hoffnung auf die Herrlichkeit Gottes. Die Hoffnung aber lässt nicht zugrunde gehen; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist. Denn Christus ist, als wir noch schwach waren, zur festgesetzten Zeit für die Gottlosen gestorben. Nun wird wohl kaum jemand für einen Gerechten sterben; vielleicht wird er jedoch für einen guten Menschen sein Leben wagen. Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren. - Wort des lebendigen Gottes.
Kommentar zur zweiten Lesung
Der Apostel Paulus beschreibt die Lage des Christen in der gegenwärtigen Zeit: Durch das Vertrauen, das er in den Inhalt der „Botschaft vom Heil“ (Kerygma) setzt, wird er dem Plan Gottes gleichgestaltet. Dies lässt ihn den Frieden mit Gott erfahren, weil er von der Liebe Christi überzeugt ist. Nur er, der durch seinen Tod der Mittler unserer Rechtfertigung und Versöhnung ist, kann uns schon jetzt den Zugang zur Gnade, zur Lebensgemeinschaft mit Gott, gewähren. Dies weckt eine neue Freude, ein Unterpfand der künftigen Herrlichkeit. Die Bedrängnisse werden die Hoffnung in uns nur tiefer verwurzeln. Sie enttäuscht nämlich nicht, weil der Geist Gottes als göttliche Kraft neuen und großzügigen Lebens in unsere Herzen ausgegossen wurde, als Angeld unseres Erbes. Der Geist bezeugt unserem Geist die grenzenlose Liebe, die Gott in Christus zu uns hat: Er hat uns das Heil gebracht, das uns gerecht macht, indem er uns in der äußersten Ferne von Sünde und Feindschaft erreicht. Wer könnte uns also in Zeit und Ewigkeit von seiner Liebe trennen?
EVANGELIUM DES TAGES
Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes (Joh 4,5-42)
In jener Zeit kam Jesus zu einer Stadt in Samarien, die Sichar hieß und nahe bei dem Grundstück lag, das Jakob seinem Sohn Josef vermacht hatte. Dort befand sich der Jakobsbrunnen. Jesus war müde von der Reise und setzte sich daher an den Brunnen; es war um die sechste Stunde. Da kam eine Frau aus Samarien, um Wasser zu schöpfen. Jesus sagte zu ihr: „Gib mir zu trinken!“ Seine Jünger waren nämlich in die Stadt gegangen, um Lebensmittel zu kaufen. Da sagte die Samariterin zu ihm: „Wie kannst du als Jude mich, eine Samariterin, um etwas zu trinken bitten?“ Die Juden verkehren nämlich nicht mit den Samaritern. Jesus antwortete ihr: „Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht und wer es ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken!, dann hättest du ihn gebeten und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben.“ Sie sagte zu ihm: „Herr, du hast kein Schöpfgefäß und der Brunnen ist tief; woher hast du also das lebendige Wasser? Bist du etwa größer als unser Vater Jakob, der uns den Brunnen gegeben und selbst daraus getrunken hat, wie seine Söhne und seine Herden?“ Jesus antwortete ihr: „Wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen; wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zu einer Quelle werden, deren Wasser ins ewige Leben sprudelt.“ Da sagte die Frau zu ihm: „Herr, gib mir dieses Wasser, damit ich keinen Durst mehr habe und nicht mehr hierherkommen muss, um Wasser zu schöpfen!“ Er sagte zu ihr: „Geh, ruf deinen Mann und komm wieder her!“ Die Frau antwortete: „Ich habe keinen Mann.“ Jesus sagte zu ihr: „Du hast richtig gesagt: Ich habe keinen Mann. Denn fünf Männer hast du gehabt und der, den du jetzt hast, ist nicht dein Mann. Damit hast du die Wahrheit gesagt.“ Die Frau sagte zu ihm: „Herr, ich sehe, dass du ein Prophet bist. Unsere Väter haben auf diesem Berg Gott angebetet; ihr aber sagt, in Jerusalem sei die Stätte, wo man anbeten muss.“ Jesus sprach zu ihr: „Glaube mir, Frau, die Stunde kommt, zu der ihr weder auf diesem Berg noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet. Ihr betet an, was ihr nicht kennt, wir beten an, was wir kennen; denn das Heil kommt von den Juden. Aber die Stunde kommt und sie ist schon da, zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit; denn so will es der Vater, dass man ihn anbetet. Gott ist Geist und alle, die ihn anbeten, müssen im Geist und in der Wahrheit anbeten.“ Die Frau sagte zu ihm: „Ich weiß, dass der Messias kommt, der Christus heißt. Wenn er kommt, wird er uns alles verkünden.“ Da sagte Jesus zu ihr: „Ich bin es, der mit dir spricht.“ Inzwischen kamen seine Jünger zurück. Sie staunten, dass er mit einer Frau sprach, aber keiner sagte: „Was willst du?“ oder: „Was redest du mit ihr?“ Die Frau ließ ihren Wasserkrug stehen, kehrte zurück in die Stadt und sagte zu den Leuten: „Kommt her, seht, da ist ein Mann, der mir alles gesagt hat, was ich getan habe: Ist er vielleicht der Christus?“ Da gingen sie aus der Stadt heraus und kamen zu Jesus. Währenddessen baten ihn seine Jünger: „Rabbi, iss!“ Er aber sagte zu ihnen: „Ich habe eine Speise zu essen, die ihr nicht kennt.“ Da sagten die Jünger zueinander: „Hat ihm vielleicht jemand etwas zu essen gebracht?“ Jesus sagte zu ihnen: „Meine Speise ist es, den Willen dessen zu tun, der mich gesandt hat, und sein Werk zu vollenden. Sagt ihr nicht: Noch vier Monate dauert es bis zur Ernte? Siehe, ich sage euch: Hebt eure Augen und seht, dass die Felder schon weiß sind zur Ernte. Schon empfängt der Schnitter seinen Lohn und sammelt Frucht für das ewige Leben, damit sich Sämann und Schnitter gemeinsam freuen. Denn hier hat das Sprichwort recht: Einer sät und ein anderer erntet. Ich habe euch gesandt zu ernten, wofür ihr nicht gearbeitet habt; andere haben gearbeitet und ihr seid in ihre Arbeit eingetreten.“ Viele Samariter aus jener Stadt kamen zum Glauben an Jesus aufgrund des Wortes der Frau, die bezeugt hatte: „Er hat mir alles gesagt, was ich getan habe.“ Als die Samariter zu Jesus kamen, baten sie ihn, bei ihnen zu bleiben; und er blieb dort zwei Tage. Und noch viel mehr Menschen kamen zum Glauben aufgrund seines eigenen Wortes. Zu der Frau aber sagten sie: „Nicht mehr aufgrund deiner Rede glauben wir, sondern weil wir selbst gehört haben und nun wissen: Er ist wirklich der Retter der Welt.“ - Evangelium unseres Herrn Jesus Christus.
Kommentar zum Evangelium des Tages
Die Begegnung zwischen Jesus und der Samariterin am Brunnen ist eine der schönsten und sinnbildlichsten Begegnungen überhaupt. Es ist kein Zufall, dass sie genau zur Stunde der Passion stattfindet - zur sechsten Stunde - und dass der Dialog zwischen den beiden mit Worten beginnt, die auf die letzten Worte Jesu am Kreuz verweisen. Einerseits ist es wunderbar zu bedenken, dass wir mit unseren Schwächen das Wasser sind, nach dem sich Jesus sehnt. Andererseits wartet Jesus auf uns - wenn wir es am wenigsten erwarten - bereit, uns jenes Wasser zu schenken, das wir brauchen und das unseren Durst für immer stillen wird; ein Wasser, das uns die Kraft gibt, den Weg fortzusetzen; ein Wasser, das niemals versiegt. Der Geist ist die Gabe, die Jesus der Samariterin schenkt: In ihm hat die Frau ihren wahren Bräutigam, ihren Lebensgrund, gefunden. Wie die Samariterin wollen auch wir, nachdem wir die große Gabe erkannt haben, die Jesus ihr gemacht hat, unsere Krüge zurücklassen - ein Zeichen der Knechtschaft, immer etwas zu haben, das man füllen muss und das sich regelmäßig wieder leert. Lassen wir uns von Jesus am Brunnen unserer Fehler begegnen, in der Tiefe unseres Herzens, wo der Wunsch nach Glück stagniert. Er soll die Wasser in Bewegung bringen, damit in uns alles wieder einen Sinn erhält und sein Wasser uns das Leben zurückschenken kann.

