Texte aus dem Messalino „Auf dein Wort“ November-Dezember 2023
32. Sonntag im Jahreskreis (A)
4. Woche im Psalter
ERSTE LESUNG
Aus dem Buch der Weisheit (Weish 6,12-16)
Die Weisheit ist strahlend und unvergänglich; leicht lässt sie sich von denen schauen, die sie lieben, und von denen finden, die sie suchen. Denen, die nach ihr verlangen, kommt sie zuvor und gibt sich zu erkennen. Wer sie am frühen Morgen sucht, braucht sich nicht abzumühen, er findet sie vor seiner Tür sitzen. Über sie nachzudenken ist vollkommene Klugheit; wer ihretwegen wacht, wird bald ohne Sorge sein. Denn sie geht umher und sucht die, die ihrer würdig sind; freundlich erscheint sie ihnen auf allen Wegen und kommt ihnen in jedem Gedanken entgegen. - Wort des Herrn.
Gedanken zur ersten Lesung
Die Weisheit Gottes ist sein Denken, sein Wille, sein eigener Geist. Im Alten Testament waren die Gläubigen eingeladen, sich von der göttlichen Weisheit durchdringen zu lassen, während im Neuen Testament Jesus selbst seine Getreuen am Pfingsttag mit dem Geist erfüllt und diese Gabe in der Kirche durch das Sakrament der Taufe fortführt. Doch der Heilige Geist kann auch fortgehen, wenn der Mensch es später vorzieht, sich mit anderen Gedanken oder schlechten Lehrern zu verbünden. Deshalb lädt Jesus die Gläubigen im Evangelium ein, immer wieder um diese Gabe zu bitten. „Der Vater wird den Heiligen Geist denen geben, die ihn darum bitten“ (Lk 11,13), sagt der Herr ausdrücklich. Wenn wir schwach sind, bitten wir um den Heiligen Geist: Er wird uns Kraft geben; wenn wir entmutigt sind, bitten wir um den Heiligen Geist: Er wird uns Mut geben; wenn wir Angst haben, bitten wir um den Heiligen Geist: Er wird uns seine Stärke geben. Wir haben einen so mächtigen Verbündeten, einen so verlässlichen Freund ... Wenden wir uns in jeder Situation ohne Furcht an ihn. Das Buch der Weisheit erinnert uns daran, dass die Weisheit vor unserer Tür sitzt und auf uns wartet; wir müssen uns nicht anstrengen, um sie zu finden.
ZWEITE LESUNG
Aus dem ersten Brief des heiligen Apostels Paulus an die Thessalonicher (1 Thess 4,13-14)
Wir wollen euch, Brüder und Schwestern, nicht in Unkenntnis lassen über die Verstorbenen, damit ihr nicht traurig seid wie die anderen, die keine Hoffnung haben. Denn wenn wir glauben, dass Jesus gestorben und auferstanden ist, so wird Gott durch Jesus auch die Verstorbenen zusammen mit ihm zur Herrlichkeit führen. Denn dies sagen wir euch nach einem Wort des Herrn: Wir, die Lebenden, die bei der Ankunft des Herrn noch am Leben sind, werden den Verstorbenen nichts voraushaben. Denn der Herr selbst wird vom Himmel herabkommen, wenn der Befehl ergeht, der Erzengel ruft und die Posaune Gottes erschallt. Zuerst werden die Toten auferstehen, die in Christus gestorben sind; dann werden wir, die Lebenden, die noch übrig sind, zugleich mit ihnen auf den Wolken in die Luft entrückt, dem Herrn entgegen. Dann werden wir immer beim Herrn sein. Tröstet also einander mit diesen Worten. - Wort des Herrn.
Gedanken zur zweiten Lesung
Der heilige Paulus stellt sich die Frage, was am Ende der Welt geschehen wird, sowohl für diejenigen, die bereits gestorben sind - die große Mehrheit der Menschen -, als auch für diejenigen, die in jenem Augenblick noch auf der Erde leben werden. Unabhängig von der Form und dem, was technisch geschehen wird, richtet der Apostel den Blick auf das ewige Leben und die Erlösung. Unser Leben wird in der Auferstehung des Fleisches verwandelt und in Christus vollkommen sein. Das gilt natürlich für diejenigen, die zu Lebzeiten die Freundschaft mit dem Herrn angenommen oder ihn auf andere Weise geliebt haben. Wir müssen uns mit dieser Wirklichkeit zweifellos, wie der Apostel es verlangt, „trösten“ und stets auf den Platz schauen, den Christus uns durch sein heilbringendes Opfer am Kreuz erworben hat. Christus ist auferstanden, und das ist unsere ganze Freude, denn wir werden bei ihm oben sein. „Sursum corda“, sagt der Priester während der Messe: „Erhebet die Herzen.“ So sollen wir im Laufe des Tages, wie grau oder anstrengend er auch sein mag, unsere Herzen nach oben richten. Der Tod ist nicht das letzte Wort, sondern das vorletzte.
EVANGELIUM DES TAGES
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus (Mt 25,1-13)
In jener Zeit sagte Jesus zu seinen Jüngern dieses Gleichnis: „Dann wird es mit dem Himmelreich sein wie mit zehn Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen und dem Bräutigam entgegengingen. Fünf von ihnen waren töricht und fünf klug. Die törichten nahmen ihre Lampen mit, aber kein Öl, die klugen aber nahmen außer ihren Lampen noch Öl in kleinen Gefäßen mit. Als der Bräutigam lange nicht kam, wurden sie alle müde und schliefen ein. Mitten in der Nacht aber erscholl der Ruf: Siehe, der Bräutigam! Geht ihm entgegen! Da standen die Jungfrauen alle auf und machten ihre Lampen zurecht. Die törichten aber sagten zu den klugen: Gebt uns von eurem Öl, sonst gehen unsere Lampen aus. Die klugen erwiderten ihnen: Dann reicht es weder für uns noch für euch; geht lieber zu den Händlern und kauft, was ihr braucht. Während sie noch unterwegs waren, um es zu kaufen, kam der Bräutigam; die Jungfrauen, die bereit waren, gingen mit ihm in den Hochzeitssaal und die Tür wurde zugeschlossen. Später kamen auch die anderen Jungfrauen und riefen: Herr, Herr, mach uns auf! Er aber antwortete ihnen: Amen, ich sage euch: Ich kenne euch nicht. Seid also wachsam! Denn ihr wisst weder den Tag noch die Stunde.“ - Wort des Herrn.
Gedanken zum Evangelium des Tages
Die törichten Jungfrauen symbolisieren die unachtsame und zerstreute Menschheit. Viele Menschen leben, ohne zu wissen, warum sie existieren, ohne sich Fragen zu stellen und ohne nach Antworten zu suchen. Wenn der Bräutigam kommt, sind sie unvorbereitet, weil sie ihn nicht einmal erwartet haben. Sie geben sich mit der Gegenwart zufrieden, mit dem, was sie haben, und verspotten vielleicht sogar diejenigen, die sich darum bemühen, ihre Pflicht im Hinblick auf das ewige Leben gut zu erfüllen. Die törichten Seelen denken: „Wichtig ist, was ich jetzt habe und jetzt tue; ich will aus dem gegenwärtigen Leben das Bestmögliche herausholen; wenn ich dann sterbe und es etwas nach diesem Leben gibt, werde ich mich darum kümmern.“ Das ist wahrhaft töricht, denn das ewige Leben hat bereits begonnen, und schon jetzt sind wir im Geheimnis entweder im Paradies oder in der Hölle. Gnade und Sünde ringen ständig um unsere Seele, und wir können entscheiden, auf welcher Seite wir stehen wollen. Weisheit bedeutet daher, so zu leben, dass die Lampe des Glaubens stets brennt und bereit ist. Wir wissen nicht, wann wir sterben werden, aber im Grunde sollte uns das nicht allzu sehr kümmern, denn der Apostel Paulus sagt, dass wir bereits gestorben sind: „Denn ihr seid gestorben und euer Leben ist verborgen mit Christus in Gott“ (Kol 3,3). Der Welt gestorben, also lebendig in Gott.


