Texte aus dem Messbuch „Auf dein Wort“ Mai-Juni 2022
5. Sonntag der Osterzeit (C)
1. Woche im Psalter
ERSTE LESUNG
Aus der Apostelgeschichte (Apg 14,21b-27)
In jenen Tagen kehrten Paulus und Barnabas nach Lystra, Ikonion und Antiochia zurück, stärkten die Jünger und ermahnten sie, treu am Glauben festzuhalten, «denn – so sagten sie – durch viele Drangsale müssen wir in das Reich Gottes gelangen». Sie setzten für sie in jeder Gemeinde Älteste ein und beteten und fasteten, bevor sie sie dem Herrn anbefahlen, an den sie glaubten. Nachdem sie Pisidien durchquert hatten, gelangten sie nach Pamphylien und verkündeten in Perge das Wort; dann stiegen sie nach Attalia hinab. Von dort segelten sie nach Antiochia, wo man sie der Gnade Gottes für das Werk anvertraut hatte, das sie nun vollbracht hatten. Als sie dort angekommen waren, versammelten sie die Gemeinde und berichteten alles, was Gott durch sie getan und wie er den Heiden die Tür zum Glauben geöffnet hatte. Wort des lebendigen Gottes.
Kommentar zur ersten Lesung
Auch an diesem Sonntag sind wir eingeladen, über das zentrale Ereignis unseres Glaubens nachzudenken: die Auferstehung Christi und ihre Folgen. In der Apostelgeschichte erzählt uns Lukas vom Abschluss der ersten Missionsreise, die Paulus und Barnabas unternommen haben. Ihr Evangelisierungswerk bewirkt, dass sich das Evangelium unter den Heiden immer weiter verbreitet und ihnen «die Tür zum Glauben» öffnet. Die beiden Apostel verkünden nicht nur dort das Evangelium, wo es noch nicht bekannt ist, sondern kehren auch in die allerersten christlichen Gemeinden zurück, um den Glauben zu stärken und zu festigen. Paulus und Barnabas ernennen Verantwortliche, die in ihrer Abwesenheit die Gemeinde leiten, und laden die Gläubigen ein, fest im Glauben zu bleiben. Einer der Gründe für die Schwächung des Glaubens kann im Druck der Außenwelt liegen. Daher die Mahnung: «Durch viele Drangsale müssen wir in das Reich Gottes gelangen». Das christliche Leben nimmt uns die Prüfung nicht ab; vielmehr ist sie eine Erfahrung, die früher oder später auf uns zukommt. Das Vertrauen in den Herrn lässt uns vorangehen und öffnet neue Türen und Wege. Von uns verlangt dies eine mutige und freie Bereitschaft.
ZWEITE LESUNG
Aus dem Buch der Offenbarung des heiligen Apostels Johannes (Offb 21,1-5a )
Ich, Johannes, sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen und das Meer ist nicht mehr. Ich sah auch die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen; sie war bereit wie eine Braut, die sich für ihren Mann geschmückt hat. Da hörte ich eine laute Stimme vom Thron her rufen: «Seht, die Wohnung Gottes unter den Menschen! Er wird in ihrer Mitte wohnen und sie werden sein Volk sein; und er, Gott, wird bei ihnen sein. Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen: Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal. Denn was früher war, ist vergangen». Er, der auf dem Thron saß, sprach: «Seht, ich mache alles neu». Wort des lebendigen Gottes.
Kommentar zur zweiten Lesung
Es ist wirklich tröstlich, dass im letzten Buch der Bibel, der Offenbarung, gleich zweimal bekräftigt wird, dass Gott in der kommenden Welt alle Tränen abwischen wird. Die Erde und der Himmel, die wir heute kennen, werden vergehen und einem neuen Himmel und einer neuen Erde Platz machen, die frei von Bösem und Sünde sind. Besonders wird die Beseitigung des Meeres hervorgehoben, weil es häufig als Symbol der bösen Mächte betrachtet wird, die Gott feindlich gegenüberstehen. Oft wünschen wir uns, dass Gott Drangsal, Leid, Ungerechtigkeit, Krankheit und Tod verhindern möge, doch das Leben auf dieser Erde besteht unter anderem auch aus Tränen. Wir wissen, dass Christus die Umarmung Gottes ist, die uns am Ende erwartet, uns aber schon jetzt auf unserem Weg begleitet und tröstet. Gott weiß, dass das Leben sehr schwierig sein kann. Gott kennt alle Tränen, die du vergossen hast, und er hat dir auch versprochen, dass er sie eines Tages von deinen Augen abwischen wird. Warten wir gemeinsam auf den Tag, an dem dies geschehen wird, und trösten wir uns in der Zwischenzeit auf unserem Weg gegenseitig. Es wird schön sein, in jenem Augenblick zu entdecken, dass nichts verloren gegangen ist, nichts, nicht einmal eine Träne.
EVANGELIUM DES TAGES
Aus dem Evangelium nach Johannes (Joh 13,31-33a.34-35)
Als Judas hinausgegangen war [aus dem Abendmahlssaal], sagte Jesus: «Jetzt ist der Menschensohn verherrlicht und Gott ist in ihm verherrlicht. Wenn Gott in ihm verherrlicht ist, wird auch Gott ihn in sich verherrlichen, und er wird ihn bald verherrlichen. Meine Kinder, ich bin nur noch kurze Zeit bei euch. Ich gebe euch ein neues Gebot: Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben. Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt». – Evangelium unseres Herrn Jesus Christus.
Kommentar zum Evangelium des Tages
Im Abendmahlssaal verstehen die Apostel nicht das Drama, das sich bald an ihrem Meister vollziehen wird. Jesus will sie vorbereiten und schützen; er kennt ihre Zerbrechlichkeit und hinterlässt ihnen daher sein Vermächtnis. Ein neues Gebot, das Zeit und Raum überwindet und auch uns heute erreicht: «Liebt einander, wie ich euch geliebt habe». Jesus stellt keine Bedingungen; er verlangt, dass jeder, der sein Freund ist, zu lieben weiß, wie er liebt. Das „wie“ ist nicht nur ein Vergleich, sondern wir können es auch so verstehen: Weil ich euch geliebt habe, sollt auch ihr lieben. Ja, denn unsere Liebe entspringt nicht einfach einem guten Willen, sondern der Erkenntnis, dass Jesus uns liebt und sich selbst ganz für uns hingegeben hat. Seine unentgeltliche Liebe fordert von uns, dass wir fähig sind, mit den anderen dieselbe Uneigennützigkeit zu leben. Jeder Bruder und jede Schwester wird so zum Abbild Christi. Jesus, der Auferstandene, sagt den Gläubigen mit diesen Worten, dass er in Erwartung seines endgültigen Kommens in der Person seiner Brüder und Schwestern geliebt und gedient werden möchte, vor allem in den Ärmsten und Schwächsten und in denen, die in Not sind. Ich war hungrig, ich war durstig, ich war nackt, ich war fremd, ich war krank, ich war im Gefängnis: Niemand von uns ist so klein oder so arm, dass er sich nicht um seinen Bruder oder seine Schwester kümmern könnte.

