Texte aus dem Messalino „Auf dein Wort“ September-Oktober 2024
24. Sonntag im Jahreskreis (B)
4. Woche im Psalter
ERSTE LESUNG
Aus dem Buch des Propheten Jesaja (Jes 50,5-9a)
Gott, der Herr, hat mir das Ohr geöffnet. Ich aber wehrte mich nicht und wich nicht zurück. Ich hielt meinen Rücken denen hin, die mich schlugen, und denen, die mir den Bart ausrissen, meine Wangen. Mein Gesicht verbarg ich nicht vor Schmähungen und Speichel. Und Gott, der Herr, wird mir helfen; darum werde ich nicht in Schande enden. Deshalb mache ich mein Gesicht hart wie einen Kiesel; ich weiß, dass ich nicht in Schande gerate. Er ist nahe, der mich freispricht. Wer wagt es, mit mir zu streiten? Wir wollen gemeinsam vortreten. Wer will mein Recht bestreiten? Er trete hier vor! Siehe, Gott, der Herr, wird mir helfen. Wer kann mich für schuldig erklären? – Wort des Herrn.
Kommentar zur ersten Lesung
Im Alten Testament ist von einem geheimnisvollen „Knecht Jahwes“ die Rede, der sehr viel leidet, von einem Unschuldigen, der für alle bezahlt. Die wirklich Weisen und diejenigen, die die Schriften mit reinem Herzen lasen, wussten, dass diese Gestalt für eine große Sache leiden würde, während andere seine Schmerzen symbolisch deuteten. In der Bibel hatte Gott sich als Befreier des Volkes (im Buch Exodus), dann als Schöpfer der Welt (im Buch Genesis) und anschließend als Gesetzgeber eines vollkommenen Gesetzes (in den verschiedenen Weisheitsbüchern) zu erkennen gegeben, um schließlich als Höhepunkt die Gestalt des unschuldigen leidenden Knechtes zu offenbaren. Als Jesus kam, erkannten nur wenige in ihm die vollkommene Verwirklichung dieser Gestalt; leider waren auch die Apostel im Augenblick der Passion daran Anstoß genommen. Das kann auch heute geschehen. Fragen wir den einfachen Menschen auf der Straße: „Wozu dient die Kirche? Welchen Sinn hat die Messe?“ Die Antworten werden unterschiedlich ausfallen. Vielleicht werden nicht alle sagen, dass die Bedeutung der Kirche und der Wert der Messe in der Erlösung der Welt und der Seelen liegen, die durch das Opfer Christi, des demütigen „Knechtes Jahwes“, bewirkt wird.
ZWEITE LESUNG
Aus dem Brief des heiligen Apostels Jakobus (Jak 2,14-18)
Was nützt es, meine Brüder und Schwestern, wenn einer sagt, er habe Glauben, aber keine Werke vorzuweisen hat? Kann etwa der Glaube ihn retten? Wenn ein Bruder oder eine Schwester ohne Kleidung ist und ohne das tägliche Brot und einer von euch zu ihnen sagt: „Geht in Frieden, wärmt und sättigt euch!“, ihr aber nicht gebt, was sie zum Leben brauchen - was nützt das? So ist auch der Glaube: Wenn er nicht in die Tat umgesetzt wird, ist er in sich selbst tot. Aber es könnte jemand sagen: „Du hast Glauben, ich kann Werke vorweisen; zeige mir deinen Glauben ohne die Werke und ich zeige dir aus meinen Werken den Glauben.“ – Wort des Herrn.
Kommentar zur zweiten Lesung
Die Aufforderung des Apostels Jakobus ist wesentlich: Der Glaube drängt zur Tat. Man glaubt an den allmächtigen Gott und handelt dann diesem Glauben entsprechend. Andererseits bezeichnet der Herr selbst den Glauben als ein Werk: „Was müssen wir tun, um die Werke Gottes zu vollbringen?“, fragten ihn eines Tages die Juden. Jesus antwortete: „Das ist das Werk Gottes, dass ihr an den glaubt, den er gesandt hat“ (Joh 6,28-29). Wer Glauben hat, öffnet die Türen für die Nächstenliebe, denn Gott ist Liebe, und vollbringt daher Werke der Nächstenliebe. Wer Glauben hat, bittet den Heiligen Geist, in sein Herz zu kommen und sein Leben zu verwandeln: Er wird gesandt, der Wille wird gestärkt, der Wunsch, die anderen glücklich zu sehen, wird zu unserem inneren Antrieb, und das Bedürfnis, uns selbst zu schenken, wird drängend. Das ist das Werk Gottes in uns: eine Nächstenliebe, die drängt und antreibt. Wenn wir uns kalt und lieblos fühlen, wollen wir uns dem Feuer nähern, um uns zu wärmen, das heißt, wir wollen den Heiligen Geist, das lebendige Feuer, anflehen; und er wird sofort kommen, um unsere Schwäche in unablässiges Wirken zu verwandeln. Geben wir uns niemals mit einem ruhigen Leben zufrieden, denn das ist mit dem christlichen Leben unvereinbar.
EVANGELIUM DES TAGES
Aus dem heiligen Evangelium nach Markus (Mk 8,27-35)
In jener Zeit ging Jesus mit seinen Jüngern in die Dörfer bei Cäsarea des Philippus. Auf dem Weg fragte er die Jünger: „Für wen halten mich die Menschen?“ Sie sagten zu ihm: „Einige für Johannes den Täufer, andere für Elija, wieder andere für sonst einen von den Propheten.“ Da fragte er sie: „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“ Simon Petrus antwortete ihm: „Du bist der Christus!“ Doch er verbot ihnen streng, mit jemandem über ihn zu sprechen. Dann begann er, sie darüber zu belehren: Der Menschensohn müsse vieles leiden und von den Ältesten, den Hohepriestern und den Schriftgelehrten verworfen werden; er werde getötet, aber nach drei Tagen werde er auferstehen. Und er redete ganz offen darüber. Da nahm ihn Petrus beiseite und begann, ihn zurechtzuweisen. Jesus aber wandte sich um, sah seine Jünger an und wies Petrus mit den Worten zurecht: „Tritt hinter mich, du Satan! Denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.“ Er rief die Volksmenge und seine Jünger zu sich und sagte: „Wenn jemand hinter mir hergehen will, verleugne er sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen und um des Evangeliums willen verliert, wird es retten.“ – Evangelium des Herrn.
Kommentar zum Evangelium des Tages
Die Identität Christi ist von lebenswichtiger Bedeutung. Wir alle müssen wissen, wer er wirklich ist, und dürfen uns nicht irren oder täuschen lassen, denn von dieser Entscheidung hängt unser ganzes Leben ab, nicht nur unser Leben auf dieser Erde, sondern das ewige Leben und auch das Leben aller Menschen aller Zeiten. Wenn Jesus Gott und Erlöser ist, hat das eine große Bedeutung; wenn er nur ein Mensch ist, verändert sich alles. Jesus zeigt sich und gibt sich als Messias und göttlicher Herr zu erkennen, aber wir müssen ihm die Zustimmung unseres Glaubens geben, sonst bleibt er ein Fremder. Sobald wir ihn in seiner Wahrheit erkannt und angenommen haben („Du bist der Christus!“), bittet er uns, voll und ganz an seinem Leben teilzunehmen, das nicht unsere menschliche Herrlichkeit verwirklicht, sondern das Leben des Himmels offenbart. Um in das Reich Gottes einzutreten, muss man leiden, wird der Herr ausdrücklich und wiederholt sagen; doch danach ist uns die Krone der Herrlichkeit verheißen. Das Kreuz ist nicht um seiner selbst willen gewollt, sondern wird durch die Sünde des Menschen „verursacht“, und Gott zeigt uns seine Größe, indem er für uns jedes Leiden auf sich nimmt, um seine Sendung als Erlöser zu erfüllen. An Jesus zu glauben bedeutet daher, sein Leben zu leben, unser eigenes zu verlieren und ohne Angst in das Evangelium und das lebendige Feuer der Liebe einzutauchen.


