Texte aus dem Messbuch „Auf dein Wort“ März-April 2023
2. Sonntag der Osterzeit oder Sonntag der Göttlichen Barmherzigkeit (A)
Eigenfeier
ERSTE LESUNG
Aus der Apostelgeschichte (Apg 2,42-47)
[Die Getauften] hielten fest an der Lehre der Apostel, an der Gemeinschaft, am Brechen des Brotes und an den Gebeten. Alle wurden von Furcht ergriffen; und durch die Apostel geschahen viele Wunder und Zeichen. Und alle, die gläubig geworden waren, bildeten eine Gemeinschaft und hatten alles gemeinsam. Sie verkauften Hab und Gut und gaben davon allen, jedem so viel, wie er nötig hatte. Tag für Tag verharrten sie einmütig im Tempel, brachen in ihren Häusern das Brot und hielten miteinander Mahl in Freude und Lauterkeit des Herzens. Sie lobten Gott und waren beim ganzen Volk beliebt. Und der Herr fügte täglich ihrer Gemeinschaft die hinzu, die gerettet werden sollten. – Wort des lebendigen Gottes.
Kommentar zur ersten Lesung
Seiner Verheißung gemäß bleibt der auferstandene und zum Himmel aufgefahrene Christus dennoch bis zum Ende der Zeiten bei den Menschen. Seine Gegenwart in der Zeit der Kirche unterscheidet sich jedoch von der Zeit seines irdischen Lebens. Nun ist es der Heilige Geist, die erste Gabe des Auferstandenen an die Gläubigen, der sein Wirken auf Erden fortsetzt und die Macht seiner Auferstehung in der Geschichte sichtbar macht. Deshalb überliefert Lukas in der Apostelgeschichte als wesentlichen Bestandteil der „guten Nachricht“ den Bericht von den ersten Schritten der christlichen Gemeinde, die vom Geist Jesu beseelt und vorangetrieben wird. In der ersten der sogenannten „Zusammenfassungen“, die die entstehende Kirche schildern, treten die tragenden Linien des kirchlichen Lebens hervor. Deshalb ist diese Seite für alle christlichen Gemeinden beispielhaft geworden. Vier Merkmale kennzeichnen die Gläubigen: die Beständigkeit in der Lehre der Apostel, die Gemeinschaft, das Brechen des Brotes und schließlich das Gebet. So ist die erste christliche Gemeinde ganz offen für die Gabe des Geistes, der in ihr «durch das Wirken» der Apostel Wunder vollbringen kann. Die Lebensweise der Gemeinde ist ein Zeugnis für die Welt.
ZWEITE LESUNG
Aus dem ersten Brief des heiligen Apostels Petrus (1 Petr 1,3-9)
Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus: Er hat uns in seinem großen Erbarmen neu gezeugt durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten, damit wir eine lebendige Hoffnung haben und das unvergängliche, makellose und unversehrte Erbe empfangen. Es ist im Himmel für euch aufbewahrt, die ihr aus Gottes Macht durch den Glauben bewahrt werdet bis zur Rettung, die in der letzten Zeit offenbart werden soll. Deshalb seid ihr voll Freude, wenn ihr auch jetzt, falls es sein muss, kurze Zeit unter mancherlei Prüfungen leiden müsst. Dadurch soll sich euer Glaube, der wertvoller ist als Gold, das vergänglich ist und doch im Feuer geprüft wird, als echt erweisen, damit er euch Lob, Herrlichkeit und Ehre bringt, wenn Jesus Christus sich offenbart. Ihn habt ihr nicht gesehen und dennoch liebt ihr ihn; ihr seht ihn auch jetzt nicht, aber ihr glaubt an ihn. Daher jubelt ihr in unaussprechlicher und von Herrlichkeit erfüllter Freude, da ihr das Ziel eures Glaubens erreichen werdet: die Rettung eurer Seelen. – Wort des lebendigen Gottes.
Kommentar zur zweiten Lesung
In seiner unermesslichen Liebe hat der Vater uns durch den Tod und die Auferstehung seines eingeborenen Sohnes neu geboren und zu seinen Kindern gemacht. Diese neue Geburt hat nicht den Tod vor Augen, sondern «eine lebendige Hoffnung», eine Verheißung, die nicht von der Vergänglichkeit der Dinge dieser Welt abhängt. Ihr voller Besitz wird für uns «im Himmel» aufbewahrt, doch schon jetzt haben wir einen „Vorgeschmack“, einen „Anteil“ daran, insofern wir uns innerlich verwandeln, von Menschen, die dem Fleisch verhaftet sind, zu geistlichen Menschen, durch ein Leben, das dem im Glauben empfangenen Sakrament der Taufe entspricht. Petrus wendet sich an christliche Gemeinden, die durch Verfolgung geprüft werden, und schenkt ihnen Trost und Licht, um in den schmerzlichen Situationen die Erfüllung des Heilsplans zu erkennen. Die Leiden dürfen kein Anlass zum Anstoß und kein Stolperstein werden, sondern ein Läuterungstiegel, in dem der Glaube gereinigt und immer fester gemacht wird. Er wird nämlich am letzten Tag das Zeugnis sein, mit dem wir unsere Liebe zu Christus bekunden, während er schon jetzt dem Herzen unaussprechliche Freude schenkt und uns zum Ziel führt: zum ewigen Heil.
EVANGELIUM DES TAGES
Aus dem Evangelium nach Johannes (Joh 20,19-31)
Am Abend dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden bei verschlossenen Türen beisammen waren, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: «Friede sei mit euch!» Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, dass sie den Herrn sahen. Jesus sagte noch einmal zu ihnen: «Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.» Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sagte zu ihnen: «Empfangt den Heiligen Geist! Denen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; denen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten.» Thomas, der Didymus genannt wurde, einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. Die anderen Jünger sagten zu ihm: «Wir haben den Herrn gesehen!» Er entgegnete ihnen: «Wenn ich nicht das Mal der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in das Mal der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht.» Acht Tage darauf waren seine Jünger wieder drinnen versammelt und Thomas war dabei. Da kam Jesus bei verschlossenen Türen, trat in ihre Mitte und sagte: «Friede sei mit euch!» Dann sagte er zu Thomas: «Streck deinen Finger hierher aus und sieh meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!» Thomas antwortete ihm: «Mein Herr und mein Gott!» Jesus sagte zu ihm: «Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.» Noch viele andere Zeichen hat Jesus vor den Augen seiner Jünger getan, die in diesem Buch nicht aufgeschrieben sind. Diese aber sind aufgeschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben Leben habt in seinem Namen. – Evangelium unseres Herrn Jesus Christus.
Kommentar zum Evangelium des Tages
Im Johannesevangelium ist die Gabe des Geistes mit der Gabe des Friedens verbunden; beide sind österliche Symbole und beide stehen in Zusammenhang mit der Vergebung. Der Friede entsteht aus der Erkenntnis, dass Gott durch den Tod und die Auferstehung Jesu unsere Sünden vergeben hat und weiterhin vergibt. Der Geist, der unaufhörlich in uns haucht, zeigt uns nicht nur diese Liebe Gottes, sondern drängt uns auch, sie nachzuahmen. Deshalb wird dieser Sonntag auch Sonntag der „Göttlichen Barmherzigkeit“ genannt: Ein neues Leben erwartet uns außerhalb der Angst, nicht geliebt zu werden. Doch draußen ist auch Thomas: Derjenige, an den wir uns immer als den ungläubigen Apostel erinnern, ist in Wirklichkeit der mutige Apostel. Thomas wagt es, draußen zu bleiben, selbst unter Lebensgefahr, um sich nicht mit dem Offensichtlichen abzufinden und seinen Meister zu suchen. Jesus respektiert Thomas’ Zeit und drängt sich ihm nicht auf, sondern bietet sich ihm an: Leg ihn hinein, schau, berühre. Dank des Mutes von Thomas haben wir von Jesus die neunte Seligpreisung empfangen: «Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.» Im Gegensatz zu den anderen acht, die anspruchsvoller sind, ist diese Seligpreisung für alle erreichbar: für die, denen es schwerfällt, für die, die tastend suchen, für die, die nicht sehen, für die, die neu anfangen; jedes Mal.


