Texte aus dem Messale „Auf dein Wort“ Januar-Februar 2025
6. Sonntag im Jahreskreis (C)
2. Woche im Jahreskreis
ERSTE LESUNG
Aus dem Buch des Propheten Jeremia (Jer 17,5-8)
So spricht der Herr: „Verflucht ist der Mann, der auf Menschen vertraut und Fleisch zu seiner Stütze macht, während sein Herz sich vom Herrn abwendet. Er ist wie ein Tamariskenstrauch in der Steppe; er wird nicht sehen, dass Gutes kommt, er wohnt auf dürrem Land in der Wüste, in einem salzigen Land, wo niemand leben kann. Gesegnet ist der Mann, der auf den Herrn vertraut und dessen Vertrauen der Herr ist. Er ist wie ein Baum, der am Wasser gepflanzt ist und zum Strom hin seine Wurzeln ausstreckt; er fürchtet sich nicht, wenn die Hitze kommt, seine Blätter bleiben grün, im Jahr der Dürre sorgt er sich nicht und hört nicht auf, Frucht zu tragen.“ – Wort des lebendigen Gottes.
Kommentar zur ersten Lesung
Der Prophet Jeremia legt uns eine Reihe weisheitlicher Sprüche vor und stellt die Gegensätze einander gegenüber: „Verflucht ist der Mann, der auf Menschen vertraut“ und „Gesegnet ist der Mann, der auf den Herrn vertraut“. Der Frevler ist also nicht so sehr derjenige, der Böses tut, sondern derjenige, der auf sich selbst vertraut, denn das wird ihn dazu bringen, Böses zu tun! Der Autor erklärt diesen Gedanken durch die Bilder und die Sprache seiner Lebenswelt: Der Mensch, der auf sich selbst vertraut, ist „wie ein Tamariskenstrauch in der Steppe; er wird nicht sehen, dass Gutes kommt, er wohnt auf dürrem Land in der Wüste, in einem salzigen Land, wo niemand leben kann“. Der weise Mensch dagegen ist wie „ein Baum, der am Wasser gepflanzt ist … er fürchtet sich nicht, wenn die Hitze kommt … er hört nicht auf, Frucht zu tragen“. Diese Erfahrung wird im folgenden Psalm zum Lobgebet: „Selig der Mann, der nicht im Rat der Frevler sitzt … Er ist wie ein Baum, der an Wasserläufen gepflanzt ist.“ Es gibt keine Alternativen, keinen Mittelweg: Jeder muss entscheiden, auf welcher Seite er stehen, auf Wen er schauen und auf Wen er sein Leben gründen will, um nicht „lau“ zu werden.
ZWEITE LESUNG
Aus dem ersten Brief des heiligen Apostels Paulus an die Korinther (1 Kor 15,12.16-20)
Brüder und Schwestern, wenn verkündet wird, dass Christus von den Toten auferstanden ist, wie können einige unter euch sagen, es gebe keine Auferstehung der Toten? Wenn nämlich die Toten nicht auferstehen, ist auch Christus nicht auferstanden; wenn aber Christus nicht auferstanden ist, ist euer Glaube nutzlos und ihr seid noch in euren Sünden. Also sind auch die in Christus Entschlafenen verloren. Wenn wir unsere Hoffnung allein für dieses Leben auf Christus gesetzt haben, sind wir erbärmlicher daran als alle anderen Menschen. Nun aber ist Christus von den Toten auferstanden als der Erste der Entschlafenen. – Wort Gottes.
Kommentar zur zweiten Lesung
Die Struktur der Liturgie des Wortes hat den Evangeliumstext im Mittelpunkt, der durch die erste Lesung und den Psalm vorbereitet wird (so in der Zeit im Jahreskreis). Die zweite Lesung folgt hingegen einem eigenen Weg, der thematisch nicht mit dem Evangelium übereinstimmt. Deshalb gibt es jeden Sonntag zwei parallele Botschaften. Heute setzen wir die Lesung des Ersten Briefes an die Korinther fort und greifen damit das Thema des vergangenen Sonntags wieder auf: Paulus erinnert daran, dass der Glaube an Jesus auf seinem Tod und seiner Auferstehung gründet: „Wenn verkündet wird, dass Christus von den Toten auferstanden ist, wie können einige unter euch sagen, es gebe keine Auferstehung der Toten?“ Paulus sucht keine weiteren Strategien, um seine Zuhörer zu überzeugen; er versucht nicht, Zahlen zu machen, sondern Leidenschaft für Jesus Christus, den gestorbenen und auferstandenen, zu wecken. Vielleicht müssen auch wir uns fragen, ob wir versuchen, andere durch attraktive Veranstaltungen und durch die Kraft der „Werke“ anzuziehen und dabei Gefahr laufen, zu bloßen NGOs zu werden, oder ob wir stattdessen das Evangelium Jesu verkünden und es ihm überlassen, diejenigen anzuziehen, die sich von seiner Liebe verführen lassen.
EVANGELIUM
Aus dem Evangelium nach Lukas (Lk 6,17.20-26)
In jener Zeit stieg Jesus mit den Zwölf hinab und blieb an einem ebenen Ort stehen. Dort war eine große Schar seiner Jünger und eine große Menge von Menschen aus ganz Judäa und Jerusalem sowie aus dem Küstengebiet von Tyrus und Sidon. Er richtete seine Augen auf seine Jünger und sagte: „Selig, ihr Armen, denn euch gehört das Reich Gottes. Selig, die ihr jetzt hungert, denn ihr werdet satt werden. Selig, die ihr jetzt weint, denn ihr werdet lachen. Selig seid ihr, wenn euch die Menschen hassen und wenn sie euch ausstoßen und euch beschimpfen und euren Namen als Schandnamen verachten um des Menschensohnes willen. Freut euch an jenem Tag und jubelt, denn siehe, euer Lohn wird groß sein im Himmel. Denn ebenso haben es ihre Väter mit den Propheten gemacht. Doch wehe euch, ihr Reichen, denn ihr habt euren Trost schon empfangen. Wehe euch, die ihr jetzt satt seid, denn ihr werdet hungern. Wehe euch, die ihr jetzt lacht, denn ihr werdet trauern und weinen. Wehe, wenn euch alle Menschen loben. Denn ebenso haben es ihre Väter mit den falschen Propheten gemacht.“ – Wort des Herrn.
Kommentar zum Evangelium
Das Evangelium von den Seligpreisungen könnten wir als das Evangelium im Evangelium beschreiben. Ein Lebensideal, der Ausweis des Christen. Die Seligkeit liegt nicht so sehr darin, arm, hungrig, weinend, gehasst und beleidigt zu sein … Nein, darum geht es nicht. Denn Jesus ist gerade gekommen, um uns von diesen Zuständen zu befreien. Die Seligkeit liegt darin, dass Jesus auf der Seite der Armen, der Weinenden und der Hungrigen steht … Jesus bevorzugt alle, nimmt sich aller an, angefangen bei denen, die unter diesen Lebensbedingungen leben. Im Licht der Seligpreisungen zu leben ist also möglich, weil Jesus bei mir, bei uns ist; weil der Augenblick kommen wird, in dem ich von diesen inneren und äußeren prekären Zuständen „befreit“ werde. Wann dies jedoch geschehen wird, hängt nicht von der menschlichen Uhr ab, denn Gottes Zeiten sind nicht unsere Zeiten. Die Seligkeit liegt also in der Gewissheit, dass Gott sich um alle und jeden Einzelnen kümmert, dass er die Kleinen und die Armen bevorzugt … Und dass er am Ende des Lebens alle belohnen wird, wenn er diejenigen unter den Seinen aufnimmt, die ihn im Hungrigen, im Durstigen und im Armen zu erkennen wussten …
