Texte aus dem Messbüchlein „Auf dein Wort“ September-Oktober 2022
29. Sonntag im Jahreskreis (C)
1. Woche im Psalter
ERSTE LESUNG
Aus dem Buch Exodus (Ex 17,8-13)
In jenen Tagen kam Amalek und kämpfte gegen Israel in Refidim. Mose sagte zu Josua: „Wähle Männer für uns aus und zieh gegen Amalek in den Kampf! Morgen werde ich auf dem Gipfel des Hügels stehen und den Gottesstab in meiner Hand halten.“ Josua tat, was ihm Mose aufgetragen hatte, und kämpfte gegen Amalek, während Mose, Aaron und Hur auf den Gipfel des Hügels stiegen. Solange Mose seine Hand erhob, war Israel stärker; sobald er aber die Hand sinken ließ, war Amalek stärker. Als dem Mose die Hände schwer wurden, holten sie einen Stein und schoben ihn unter ihn, sodass er sich darauf setzen konnte. Aaron und Hur stützten seine Hände, der eine auf der einen, der andere auf der anderen Seite. So blieben seine Hände fest erhoben bis zum Untergang der Sonne. Josua besiegte Amalek und sein Volk mit scharfem Schwert. – Wort des lebendigen Gottes.
Kommentar zur ersten Lesung
Während das Volk Israel, von Josua geführt, im Kampf gegen Amalek steht, ruft Mose die Hilfe des Herrn an. Jeder von uns, ob Frau oder Mann, jung oder alt, muss sich täglich einem Kampf stellen. Wenn von Problemen die Rede ist, werden die Menschen von zwei extremen und gegensätzlichen, beide falschen Ansätzen beeinflusst: Manche denken, das Leben sei ein ununterbrochenes Leiden, für das es sich nicht zu kämpfen lohnt; andere denken, alles sei einfach und vor allem selbstverständlich, sodass es nicht nötig sei, für das zu kämpfen, was man will. Es gibt nichts Falscheres! Das gilt vor allem im Leben eines Christen. Wie oft haben wir uns gefragt: „Herr, warum passiert alles mir?“ oder: „Gott, wo bist du?“ Die Kinder Gottes müssen Mut haben, gegen die Sünde und gegen die Widrigkeiten des Lebens zu kämpfen. Deshalb wollen auch wir wie Mose unermüdlich unsere Arme zum Himmel erheben, um unsere Gebete mit dem Vertrauen emporzusenden, dass Er uns niemals verlassen wird. Fürchten wir uns nicht und verlieren wir nicht den Mut, denn der Herr selbst geht vor uns her; er ist mit uns, er wird uns nicht verlassen und uns nicht im Stich lassen.
ZWEITE LESUNG
Aus dem zweiten Brief des Apostels Paulus an Timotheus (2 Tim 3,14 – 4,2)
Mein Sohn, bleibe fest bei dem, was du gelernt hast und wovon du dich überzeugt hast. Du weißt, von wem du es gelernt hast; denn du kennst von Kindheit an die heiligen Schriften, die dir Weisheit vermitteln können zum Heil durch den Glauben an Christus Jesus. Jede von Gott eingegebene Schrift ist auch nützlich zur Belehrung, zur Widerlegung, zur Besserung und zur Erziehung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes gerüstet ist, ausgerüstet zu jedem guten Werk. Ich beschwöre dich bei Gott und bei Christus Jesus, dem kommenden Richter der Lebenden und der Toten, bei seinem Erscheinen und seinem Reich: Verkünde das Wort, tritt dafür ein, ob gelegen oder ungelegen, weise zurecht, tadle, ermahne, in aller Geduld und Belehrung. – Wort des lebendigen Gottes.
Kommentar zur zweiten Lesung
Der heilige Paulus sagt, dass die ganze Schrift „von Gott eingegeben“ ist, das heißt, dass sie unter der Eingebung des Heiligen Geistes und aus der Kraft des Geistes heraus verfasst wurde. Die Heilige Schrift ist nützlich zur Unterweisung: Sie offenbart Gottes Gedanken zu Themen wie der Dreifaltigkeit, den Engeln, dem Menschen, der Sünde, dem Heil, der Heiligung, der Kirche und den zukünftigen Ereignissen. Sie hilft zu erkennen, was Gott in unserem Leben gutheißt. Außerdem dient sie dazu, Irrtümer zu widerlegen und dem Versucher zu antworten. Sie ist nützlich zur Besserung: Sie stellt nicht einfach fest, was falsch ist, sondern zeigt, wie es richtig gemacht werden kann. Sie ist nützlich zur Erziehung in der Gerechtigkeit. Die Gnade Gottes lehrt uns, heilig zu leben, doch das Wort Gottes beschreibt im Einzelnen, was für ein geheiligtes Leben notwendig ist. Die Heilige Schrift ist daher absolut unvergleichlich; kein Buch, keine Bibliothek und keine andere Lehre der Welt ist in der Lage, einen verlorenen Sünder auf das Heil vorzubereiten. Lesen wir täglich einige Verse aus der Bibel, werden wir entdecken, dass Gott uns nahe ist und unser Leben erleuchtet.
EVANGELIUM DES TAGES
Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas (Lk 18,1-8)
In jener Zeit sagte Jesus seinen Jüngern durch ein Gleichnis, dass sie allezeit beten und darin nicht nachlassen sollten: „In einer Stadt lebte ein Richter, der Gott nicht fürchtete und auf keinen Menschen Rücksicht nahm. In der gleichen Stadt lebte auch eine Witwe, die immer wieder zu ihm ging und sagte: ,Verschaff mir Recht gegen meinen Widersacher!‘ Und er wollte lange Zeit nicht. Dann aber sagte er sich: ,Ich fürchte zwar Gott nicht und nehme auf keinen Menschen Rücksicht; weil mich diese Witwe aber nicht in Ruhe lässt, will ich ihr Recht verschaffen. Sonst kommt sie am Ende noch und schlägt mir ins Gesicht.‘“ Und der Herr fügte hinzu: „Bedenkt, was der ungerechte Richter sagt! Sollte Gott seinen Auserwählten, die Tag und Nacht zu ihm schreien, nicht zu ihrem Recht verhelfen, sondern bei ihnen lange zögern? Ich sage euch: Er wird ihnen unverzüglich ihr Recht verschaffen. Wird jedoch der Menschensohn, wenn er kommt, den Glauben auf der Erde finden?“ – Evangelium unseres Herrn Jesus Christus.
Kommentar zum Evangelium des Tages
Der Richter im Gleichnis erfüllt „lange Zeit“ die Bitte der Witwe nicht. Dies ist die gemeinsame Erfahrung derer, die beten und denken, nicht erhört zu werden. Gott widersteht unseren Gebeten und Bitten, er verbirgt sich sogar, wenn wir ihn in Leiden und Angst anrufen, bis zu dem Punkt, an dem es scheint, als habe er uns völlig vergessen. Ist er etwa taub? Er erfüllt unsere Bitten nicht sofort, vor allem nicht Bitten um „Dinge“, weil er möchte, dass in uns die Sehnsucht nach ihm entsteht. Er will, dass wir die Augen erheben und unseren Blick auf den richten, der uns begegnen will. Deshalb erhört er uns nicht sofort. Er will uns nicht irgendeine Sache schenken, sondern sich selbst. Das braucht die Witwe, und das brauchen wir alle. Deshalb muss das Gebet unaufhörlich sein. Sein Ziel besteht nicht darin, Gott uns gegenüber zu verändern, sondern uns ihm gegenüber: Wir müssen von der Sehnsucht, Geschenke zu erhalten, die wir nicht brauchen, zur Sehnsucht übergehen, ihn zu empfangen, der das Geschenk ist. Und der Schlüssel des Gebets ist der Glaube. Wird der Menschensohn, wenn er kommt, in uns den Glauben oder die Forderung finden? Wird er uns nur dazu fähig finden, darauf zu „bestehen“, erhört zu werden, als hätten wir einen Zauberstab zur Verfügung? Beten wir beständig im Glauben, im Vertrauen darauf, dass Gott antworten wird.

