Texte aus dem Messalino „Auf dein Wort“ September-Oktober 2021
29. Sonntag im Jahreskreis (B)
1. Woche im Psalter
ERSTE LESUNG
Aus dem Buch des Propheten Jesaja (Jes 53,10-11)
Es gefiel dem Herrn, ihn mit Schmerzen zu zerschlagen. Wenn er sein Leben als Sühneopfer hingibt, wird er Nachkommen sehen und lange leben. Was dem Herrn gefällt, wird durch ihn gelingen. Nachdem er vieles ertrug, erblickt er das Licht. Er sättigt sich an Erkenntnis. Mein Knecht, der Gerechte, macht die Vielen gerecht; er lädt ihre Schuld auf sich. Wort des lebendigen Gottes.
Kommentar zur ersten Lesung
Wer ist dieser Knecht? Bevor wir den Abschnitt betrachten, ist es sinnvoll, den Text zu berücksichtigen, in den die Stelle aus Jesaja eingebettet ist. In den vorhergehenden Kapiteln bezieht sich der „Knecht“ auf das Volk Israel. Im Alten Testament ist der Knecht des Herrn also mit dem Volk Israel gleichzusetzen, das wie ein einziger Mensch personifiziert wird. Der Knecht, von dem Jesaja in diesem Abschnitt spricht, ist als der zukünftige König, also als der Messias, zu verstehen. Gott sendet in seinem Heilsplan seinen Sohn Jesus, um alles Böse der Welt auf sich zu nehmen. Jesus ist der Knecht, der unsere Leiden getragen und unsere Schmerzen auf sich genommen hat, derjenige, der sich selbst als Sühneopfer für unsere Sünden dargebracht hat. Heute wird von allen, die Jesus folgen wollen, ein Weg verlangt, auf dem sie Knechte des Herrn und zu seinem Dienst berufen sind. Wir sind dazu berufen, das Böse mit dem Guten zu bekämpfen; wir sind berufen, wie Jesus Fürsprache einzulegen, weil er für uns Fürsprache eingelegt hat; wir sind berufen, unser Leben hinzugeben, ohne eine Gegenleistung zu erwarten; wir sind berufen, ihn nachzuahmen, unsere Brüder und Schwestern zu lieben und ihnen zu dienen und dabei „persönlich den Preis zu zahlen“, wie er es getan hat.
ZWEITE LESUNG
Aus dem Hebräerbrief (Hebr 4,14-16)
Brüder und Schwestern, da wir einen erhabenen Hohenpriester haben, der die Himmel durchschritten hat, Jesus, den Sohn Gottes, lasst uns am Bekenntnis des Glaubens festhalten. Wir haben ja nicht einen Hohenpriester, der nicht mit unseren Schwächen mitfühlen könnte, sondern einen, der in allem wie wir versucht worden ist, aber nicht gesündigt hat. Lasst uns also voll Zuversicht zum Thron der Gnade hintreten, damit wir Erbarmen empfangen und Gnade finden und so Hilfe erlangen zur rechten Zeit. Wort des lebendigen Gottes.
Kommentar zur zweiten Lesung
Wir haben einen Hohenpriester, der mit unseren Schwächen mitfühlt. Das Leben ist nicht immer leicht; wir müssen Kämpfe bestehen, von denen einige uns Leid und schmerzhafte Erfahrungen bereiten werden. Wir müssen uns bewusst machen, dass wir einen Erlöser haben, dem wir uns anvertrauen und an den wir uns in Zeiten der Not wenden können. Öffnen wir also unser Herz für Jesus, denn nur er kann uns helfen, alles zu lösen; nur er lässt uns bestimmte schwierige Wegabschnitte überwinden; er versteht unsere Verzweiflung, unsere Krankheiten und unsere Schwächen, weil er als Mensch in allem versucht worden ist, ohne je zu sündigen; er hat uns den Weg vorgezeichnet und sagt uns, welche Richtung wir einschlagen sollen. All das muss uns ermutigen, denn wenn wir ihm folgen, gehen wir einen bereits beschrittenen Weg und haben es daher weniger schwer. Jesus, stärke unseren Glauben und vergib uns, wenn wir in manchen Momenten Angst vor deinem Blick und deinem Wort haben, weil sie die Krankheiten unseres Herzens und unseres Verstandes sichtbar machen. Jesus, du, der du mit unseren Schwächen mitfühlst, heile uns, damit wir wieder mit dir und auf dich zugehen können.
EVANGELIUM DES TAGES
Aus dem heiligen Evangelium nach Markus (Mk 10,35-45)
In jener Zeit traten Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, zu Jesus und sagten zu ihm: „Meister, wir möchten, dass du uns eine Bitte erfüllst.“ Er antwortete ihnen: „Was soll ich für euch tun?“ Sie sagten zu ihm: „Lass in deiner Herrlichkeit den einen von uns rechts und den anderen links neben dir sitzen!“ Jesus erwiderte: „Ihr wisst nicht, um was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, oder die Taufe auf euch nehmen, mit der ich getauft werde?“ Sie sagten zu ihm: „Wir können es.“ Jesus sagte zu ihnen: „Ihr werdet den Kelch trinken, den ich trinke, und die Taufe empfangen, mit der ich getauft werde. Doch den Platz zu meiner Rechten oder zu meiner Linken habe nicht ich zu vergeben; dort werden die sitzen, für die es bestimmt ist.“ Als die zehn anderen Jünger das hörten, wurden sie sehr ärgerlich über Jakobus und Johannes. Da rief Jesus sie zu sich und sagte: „Ihr wisst, dass die, die als Herrscher der Völker gelten, ihre Völker unterdrücken und die Großen ihre Macht gegen sie gebrauchen. Bei euch aber soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein, und wer bei euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein. Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.“ Evangelium unseres Herrn Jesus Christus.
Kommentar zum Evangelium des Tages
Um die Bedeutung dieses Abschnitts zu verstehen, muss man ihn in seinen Zusammenhang einordnen. Jesus geht mit seinen Jüngern auf dem Weg nach Jerusalem. Während des Weges kündigt er ihnen das schmerzhafte Schicksal an, das ihm bevorsteht, und mit ihm auch denen, die ihm folgen. Angesichts dieser Ankündigung brechen Angst und Unbesonnenheit hervor. „Meister, wir möchten, dass du uns eine Bitte erfüllst“: Jakobus und Johannes bitten um die Ehrenplätze, wenn sie im Reich Gottes sein werden. Ist es nicht auch heute noch so? Sind auch wir nicht unbesonnen? Wie oft begegnen wir Gott auf dieselbe Weise wie die beiden Jünger? Wir beten, aber meistens folgt auf das Gebet eine Bitte: „Gott, ich bitte dich, tu, worum ich dich gebeten habe.“ Kurz gesagt: Wir wollen einen „gehorsamen“ Gott, einen Gott, der unverzüglich unseren Willen erfüllt. Genau das Gegenteil des Gebets des Vaterunsers: nicht „dein Wille geschehe“, sondern „mein Wille geschehe“. Und dann fügen wir insgeheim noch eine kleine Erpressung hinzu: „Wenn du mich wirklich liebst.“ Jesus erklärt uns, dass wir, wenn wir „groß“ sein wollen, demütig sein und einander dienen müssen, denn er ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben für alle hinzugeben.

