Texte aus dem Messbuch „Auf dein Wort hin“ November-Dezember 2022
4. Adventssonntag (A)
4. Woche im Jahreskreis
ERSTE LESUNG
Aus dem Buch des Propheten Jesaja (Jes 7,10-14)
In jenen Tagen sprach der Herr zu Ahas: „Erbitte dir ein Zeichen vom Herrn, deinem Gott, aus der Tiefe der Unterwelt oder aus der Höhe!“ Ahas aber antwortete: „Ich werde um nichts bitten und den Herrn nicht versuchen.“ Da sagte Jesaja: „Hört her, Haus Davids! Genügt es euch nicht, Menschen zu belästigen, dass ihr auch noch meinen Gott belästigt? Darum wird der Herr selbst euch ein Zeichen geben: Siehe, die Jungfrau wird empfangen und einen Sohn gebären und sie wird ihm den Namen Immanuel geben.“ - Wort des lebendigen Gottes.
Kommentar zur ersten Lesung
Ahas ist das Sinnbild all jener, die glauben, sie könnten die Wahrheit vor Gott verbergen. Vom Propheten Jesaja aufgefordert, um ein Zeichen zu bitten, um die Gewissheit zu haben, dass der Herr sich seiner Sache und damit auch der Sache des unterdrückten Volkes angenommen hatte, versucht der König, sich aus der Affäre zu ziehen, indem er behauptet, er wolle den Herrn nicht auf die Probe stellen. Würde unsere Lesung hier enden, ginge Ahas als Held daraus hervor. In Wirklichkeit hat der König seine Strategie bereits in die Tat umgesetzt und politische und militärische Bündnisse geschlossen. Auf diese Weise zeigt er seine Unaufrichtigkeit. Deshalb muss er den scharfen Tadel des Propheten hinnehmen. Gott lässt sich jedoch in seinem Werk der Erlösung und Befreiung nicht durch die List des Menschen aufhalten. Mehr als sich von Ahas beleidigt zu fühlen, liegt Gott daran, das Volk zu retten und ihm einmal mehr seine leidenschaftliche Liebe zu zeigen. Wie oft verbergen auch wir unseren tiefen Unglauben hinter einem falschen Glaubensakt? Wie oft sagen wir, dass wir an Gott glauben und auf seine Vorsehung vertrauen, obwohl wir bereits alles geplant haben, als wäre er nicht da?
ZWEITE LESUNG
Aus dem Brief des Apostels Paulus an die Römer (Röm 1,1-7)
Paulus, Knecht Christi Jesu, berufen zum Apostel, auserwählt, das Evangelium Gottes zu verkünden - das er durch seine Propheten in den heiligen Schriften zuvor verheißen hat, das Evangelium von seinem Sohn, der dem Fleisch nach geboren ist als Nachkomme Davids, der dem Geist der Heiligkeit nach eingesetzt ist als Sohn Gottes in Macht seit der Auferstehung von den Toten, das Evangelium von Jesus Christus, unserem Herrn. Durch ihn haben wir Gnade und Apostelamt empfangen, um unter allen Heiden den Gehorsam des Glaubens aufzurichten, zu seinem Namen und zu dessen Ehre; unter ihnen seid auch ihr, die ihr von Jesus Christus berufen seid. An alle in Rom, die von Gott geliebt und zur Heiligkeit berufen sind: Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus! - Wort des lebendigen Gottes.
Kommentar zur zweiten Lesung
Der Beginn des Römerbriefs verbirgt hinter dem scheinbar einfachen Gruß alles, was einen Menschen zum Jünger des Herrn macht. Paulus stellt seinen Identitätsausweis vor, der nicht mehr der amtliche ist, der ihm durch seine Geburt gegeben wurde und den wir im dritten Kapitel des Philipperbriefs lesen können. Nun ist seine Identität völlig neu; sie wurde ihm nicht durch Abstammung, sondern durch Erlösung geschenkt. Jene stammte aus der Geschichte, diese allein aus der Gnade. Knecht Jesu Christi, wie Maria, die Mutter des Herrn, zum Apostel gemacht nicht aufgrund eigener Verdienste, sondern allein aus Gnade, aus Liebe erwählt. Welche Kraft enthalten diese wenigen Worte! Sie beschreiben die große Würde, die der Vater durch Jesus schenkt, und eröffnen zugleich das Leben für den unermesslichen Horizont der Liebe. Wir sollten diese Eigenschaften, die nicht nur Paulus, sondern auch jedem von uns am Tag unserer Taufe geschenkt wurden, stets in unserem Geist und Herzen bewahren. Ohne auf unsere Verdienste zu schauen, hat Gott uns berufen, aktiv an der Geschichte der Erlösung mitzuwirken. Gerettet, um zu retten.
EVANGELIUM DES TAGES
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus (Mt 1,18-24)
Mit der Geburt Jesu Christi war es so: Maria, seine Mutter, war mit Josef verlobt; noch bevor sie zusammengekommen waren, zeigte sich, dass sie ein Kind erwartete - durch das Wirken des Heiligen Geistes. Josef, ihr Mann, der gerecht war und sie nicht bloßstellen wollte, beschloss, sich in aller Stille von ihr zu trennen. Während er noch darüber nachdachte, erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sagte: „Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria, deine Frau, zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist. Sie wird einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Jesus geben; denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen.“ Dies alles ist geschehen, damit sich erfüllte, was der Herr durch den Propheten gesagt hat: „Siehe, die Jungfrau wird empfangen und einen Sohn gebären, und sie wird ihm den Namen Immanuel geben“, das heißt übersetzt: Gott mit uns. Als Josef erwachte, tat er, was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich. - Evangelium unseres Herrn Jesus Christus.
Kommentar zum Evangelium des Tages
Da die Geburt des Herrn nun unmittelbar bevorsteht, legt uns die Liturgie Josefs inneren Kampf vor, der zum inneren Kampf jedes Mannes und jeder Frau angesichts des erschütternden Plans Gottes wird. Es ist eine wunderbare Seite des Matthäusevangeliums, die wir leider oft oberflächlich lesen, weil wir daran gewöhnt sind, sie im Laufe des Kirchenjahres mehrfach vorgetragen zu hören. Daher ist sorgfältige Arbeit nötig, um die Ablagerungen der Zeit zu entfernen, damit das ganze Licht erstrahlen kann, das diese Schriftstelle in sich trägt. Josef, ein gerechter Mann, also einer, dem das gesamte Gesetz des Herrn am Herzen lag, steht vor einer dramatischen Entscheidung: dem zu gehorchen, was das Buch Levitikus vorschrieb, und Maria deshalb anzuzeigen, sie der öffentlichen Schande und der Steinigung auszusetzen, oder der Liebe zu diesem Mädchen zu gehorchen, das bereit gewesen war, sogar ihr eigenes Leben aufs Spiel zu setzen, um dem Willen Gottes zu gehorchen? Wer konnte Josef schließlich garantieren, dass Maria die Wahrheit sagte? Er überlässt sich dem Schlaf, und dort, als er sich dem Unvorhergesehenen hingibt, wird er vom Engel besucht, der Marias Aussage bestätigt und Josef ermutigt, den Weg der Liebe zu wählen und den des Gesetzes zu verlassen.

