Texte aus dem Messbuch „Auf dein Wort“ November-Dezember 2021
4. Adventssonntag (C)
4. Woche im Psalter
ERSTE LESUNG
Aus dem Buch des Propheten Micha (Mi 5,1-4a)
So spricht der Herr: „Und du, Betlehem-Efrata, bist zwar klein unter den Sippen Judas, aus dir wird mir einer hervorgehen, der über Israel herrschen soll. Seine Ursprünge liegen in ferner Vorzeit, in längst vergangenen Tagen. Darum gibt er sie preis, bis die Gebärende einen Sohn geboren hat. Dann wird der Rest seiner Brüder zurückkehren zu den Söhnen Israels. Er wird auftreten und ihr Hirt sein in der Kraft des Herrn, in der Hoheit des Namens des Herrn, seines Gottes. Sie werden in Sicherheit leben; denn nun reicht seine Macht bis an die Grenzen der Erde. Und er wird der Friede sein.“ – Wort des lebendigen Gottes.
Kommentar zur ersten Lesung
Hier finden wir einen weiteren starken Hinweis, der Jesus als den wahren Messias identifiziert. Micha prophezeite siebenhundert Jahre vor der Geburt Jesu, dass der Messias in Betlehem geboren werden müsse, einem kleinen Dorf wenige Kilometer von Jerusalem entfernt. In der Zwischenzeit wird dieses Gebiet Israels feindlichen Mächten unterworfen sein, bis der festgelegte Zeitpunkt eintritt, der durch eine Geburt gekennzeichnet sein wird („bis die Gebärende einen Sohn geboren hat“). Und was wird dieser große Hirte tun, der in Betlehem geboren wird? Er wird in der Kraft Gottes und in der Hoheit, die ihm von oben verliehen wird, weiden. All das ist ziemlich klar, und als Jesus tatsächlich in Betlehem geboren wird, bestätigt er damit nur die Prophezeiungen. Es stimmt, dass sie manchmal ziemlich dunkel sind, aber hier werden genaue Namen genannt und von einer Geburt gesprochen, die in dieser Stadt stattfinden wird. Diese Zeichen nicht zu erkennen bedeutet, die Augen zu verschließen und nicht sehen zu wollen. Der Herr fordert uns im Evangelium mehrfach auf, die Zeichen der Zeit zu sehen und sie zu erkennen, ebenso wie an die offensichtlichen Dinge zu glauben. Dazu braucht es nichts anderes als Fügsamkeit und ein einfaches Herz. Deshalb wird Jesus später auch sagen: „Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen“ (Mt 5,8).
ZWEITE LESUNG
Aus dem Brief an die Hebräer (Hebr 10,5-10)
Brüder, als Christus in die Welt kam, sprach er: „Schlacht- und Speiseopfer hast du nicht gefordert, doch einen Leib hast du mir bereitet. An Brand- und Sündopfern hast du kein Gefallen. Da sagte ich: Siehe, ich komme - denn in der Schriftrolle steht über mich geschrieben -, um deinen Willen, mein Gott, zu tun.“ Zunächst sagt er: „Schlacht- und Speiseopfer, Brand- und Sündopfer hast du nicht gefordert und daran keinen Gefallen gefunden“; sie werden nach dem Gesetz dargebracht. Dann aber sagt er: „Siehe, ich komme, um deinen Willen zu tun.“ So hebt er das Erste auf, um das Zweite in Kraft zu setzen. Aufgrund dieses Willens sind wir durch die Hingabe des Leibes Jesu Christi ein für alle Mal geheiligt. – Wort des lebendigen Gottes.
Kommentar zur zweiten Lesung
Zweimal ist in diesem Abschnitt aus dem Brief an die Hebräer vom „Leib“ die Rede. Dieser Begriff ist grundlegend für die katholische Lehre: „Das ist mein Leib“, sagt der Herr und weist auf das Sakrament der Eucharistie hin. Die Opfer des Alten Testaments finden ein Ende, weil Jesus das wahre Opfer mit seinem Leib vollbringen wird, indem er ihn dem Tod am Kreuz übergibt, damit die Sünde der Menschen getilgt und die Tore des Himmels geöffnet werden. In jeder Messe wird Jesus mit seinem wahren Leib gegenwärtig und bringt sich dem Vater dar, um unsere Sünden hinwegzunehmen. Welche Anbetung, welcher Respekt und welche Ehrfurcht gebühren wir also diesem heiligsten Leib! Er ist kein Symbol, denn „mein Leib ist wirklich eine Speise und mein Blut ist wirklich ein Trank“ (vgl. Joh 6,55). Und wie viele Märtyrer der Eucharistie hat es in der Geschichte der Kirche gegeben, die diese Wahrheit verteidigt haben! Kardinal Van Thuan konnte sich in den kommunistischen Gefängnissen Chinas einige Brotkrumen und ein kleines Fläschchen Wein beschaffen und feierte allein und heimlich die heilige Messe, indem er die Formeln auswendig aufsagte. Danach bewahrte er das konsekrierte Brot in einer versteckten kleinen Schachtel auf und hielt nachts Anbetung.
EVANGELIUM DES TAGES
Aus dem Evangelium nach Lukas (Lk 1,39-45)
In jenen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa. Sie ging in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabet. Und es geschah: Als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt und rief mit lauter Stimme: „Gesegnet bist du unter den Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes! Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? Siehe, in dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib. Und selig, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ.“ – Evangelium unseres Herrn Jesus Christus.
Kommentar zum Evangelium des Tages
Elisabet ist die Erste, die erfährt, dass das Kind, das ihre Cousine Maria im Leib trägt, Gott ist. Ohne jeden Zweifel nennt sie Maria „Mutter meines Herrn“. Die heiligste Maria ist von ihrer Empfängnis an voll der Gnade, während Elisabet aus diesem Anlass „vom Heiligen Geist erfüllt“ wird. Und wenn zwei Menschen, die im Geist Gottes leben, einander begegnen, bricht Freude hervor: Elisabet betrachtet das Geheimnis Gottes in Maria, und Maria jubelt als Antwort. Johannes erkennt im Leib seiner Mutter Jesus, der sich im Leib der Jungfrau befindet, und jubelt seinerseits auf seine Weise. Dieses Bild ist von Freude durchdrungen, denn wenn der Heilige Geist in reinen Herzen wohnt, zeigt sich reine Freude. Das ist eine große Lehre für uns, die wir in einer von Problemen erfüllten Welt leben (aber auch zu Marias Zeiten war die Welt davon erfüllt): Wenn wir den Geist Gottes in uns tragen, also in der Gnade leben, und wir Christen einander begegnen, warum bleiben wir dann kalt, verschlossen oder misstrauisch? Auch wir sollten von reiner geistlicher Freude überwältigt sein. Lassen wir uns also von dieser Seite mitreißen, die zu den leuchtendsten des Evangeliums gehört. Heute sind Prüfungen und Traurigkeit fern: Es gibt nur den Trost der Reinheit und der göttlichen Gnade.

