Texte aus dem Messbuch „Sulla Tua Parola“ November-Dezember 2023
33. Sonntag im Jahreskreis (A)
1. Woche im Psalter
ERSTE LESUNG
Aus dem Buch der Sprichwörter (Spr 31,10-13.19-20.30-31)
Eine tüchtige Frau, wer findet sie? Sie übertrifft alle Perlen an Wert. Das Herz ihres Mannes vertraut auf sie und ihm fehlt es nicht an Gewinn. Sie tut ihm Gutes und nichts Böses alle Tage ihres Lebens. Sie besorgt Wolle und Flachs und arbeitet voll Vergnügen mit ihren Händen. Nach der Spindel greift ihre Hand, ihre Finger halten die Spindel. Sie öffnet ihre Hand für den Bedürftigen und reicht sie dem Armen. Trügerisch ist Anmut und vergänglich die Schönheit, doch eine Frau, die den Herrn fürchtet, soll man loben. Preist sie für den Ertrag ihrer Hände und ihre Werke sollen sie loben an den Toren der Stadt! - Wort des Herrn.
Kommentar zur ersten Lesung
Bei dieser vollkommenen und idealen Frau werden ihre praktischen, häuslichen und beruflichen Tugenden gepriesen. „Ihre Werke sollen sie loben“, heißt es von ihr, die ihrem Mann wahrer Trost und Stütze des Familienlebens ist. Doch ihre Hände sind nicht nur im häuslichen Bereich tätig; sie sind für den Bedürftigen geöffnet und dem Armen entgegengestreckt. Einerseits bewahren sie (für das Haus), andererseits geben sie (für die Bedürftigen). Im Grunde denkt die Frau niemals an sich, sondern immer an die anderen. Sie, die wirklich liebt, hat den Mittelpunkt ihres Daseins nicht in sich selbst, sondern verwirklicht sich gerade in diesen Beziehungen der Liebe, mit den Familienangehörigen und mit den Bedürftigen, die an die Tür klopfen. So ist auch Gott, der kein riesiger Narziss ist, der sich selbstgefällig im Spiegel betrachtet, sondern ein lebendiges Feuer, das sich unaufhörlich hingibt: der Vater dem Sohn und der Sohn dem Vater; im Heiligen Geist ist Gott die vollkommene Selbsthingabe an den armen und sündigen Menschen. Daraus folgt, dass die Frau aus dem Buch der Sprichwörter vor uns als Beispiel des wahren Christen steht, der seine Erfüllung darin findet, sich den anderen hinzugeben.
ZWEITE LESUNG
Aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Thessalonicher (1 Thess 5,1-6)
Was aber die Zeiten und Fristen betrifft, Brüder und Schwestern, brauche ich euch nicht zu schreiben. Ihr wisst ja genau, dass der Tag des Herrn kommt wie ein Dieb in der Nacht. Während die Menschen sagen: „Friede und Sicherheit!“, kommt plötzlich Verderben über sie wie die Wehen über eine schwangere Frau, und es gibt kein Entrinnen. Ihr aber, Brüder und Schwestern, lebt nicht im Dunkeln, sodass euch der Tag nicht wie ein Dieb überraschen kann. Ihr alle seid Söhne und Töchter des Lichts und Söhne und Töchter des Tages; wir gehören nicht der Nacht und nicht der Finsternis. Darum wollen wir nicht schlafen wie die anderen, sondern wach und nüchtern sein. - Wort des Herrn.
Kommentar zur zweiten Lesung
Jesus hat im Evangelium niemals versprochen, dass die Völker hier auf Erden Frieden erreichen werden. Leider wird es immer Kriege und Gewalt geben, so wie es immer Arme geben wird. Das ist keine Prophezeiung, sondern eine Tatsache, denn solange es die Sünde in der Welt gibt, gibt es auch ihre Folge: den Bruch, die Auflehnung gegen Gott, das Leben in der Finsternis. Wir müssen für den Frieden in der Welt beten, aber selbst wenn eines Tages dieses vollkommene Gleichgewicht erreicht werden sollte, wird es niemals die endgültige Wirklichkeit sein, denn wenn man sagen wird: „Friede und Sicherheit“, wird plötzlich das Verderben kommen. Der wahre Friede ist daher die Abwesenheit der Sünde, das Leben in der Gnade, die Gegenwart Gottes im Herzen des Menschen. Und diesen Frieden kann man leicht haben, weil Jesus ihn durch seinen Geist geschenkt hat: „Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht einen Frieden, wie die Welt ihn gibt, gebe ich euch.“ Lassen wir uns also nicht durch ungünstige äußere Ereignisse beunruhigen, sondern bitten wir den Herrn um die Gnade, heilig zu leben; dann wird sich der wahre Friede um uns herum ausbreiten und in die Herzen unserer Mitmenschen strömen.
EVANGELIUM DES TAGES
Aus dem Evangelium nach Matthäus (Mt 25,14-15.19-21)
In jener Zeit erzählte Jesus seinen Jüngern dieses Gleichnis: „Es ist wie mit einem Mann, der auf Reisen ging. Er rief seine Diener und übergab ihnen sein Vermögen. Dem einen gab er fünf Talente, einem anderen zwei, wieder einem anderen eines, jedem nach seinen Fähigkeiten. Dann reiste er ab. Sofort ging der Diener, der die fünf Talente erhalten hatte, hin, setzte sie ein und gewann weitere fünf dazu. Ebenso gewann der, der zwei erhalten hatte, weitere zwei dazu. Der aber, der das eine Talent erhalten hatte, ging und grub ein Loch in die Erde und versteckte das Geld seines Herrn. Nach langer Zeit kehrte der Herr dieser Diener zurück und hielt Abrechnung mit ihnen. Da kam der, der die fünf Talente erhalten hatte, brachte fünf weitere und sagte: „Herr, fünf Talente hast du mir gegeben; sieh her, ich habe noch fünf dazugewonnen.“ Sein Herr sagte zu ihm: „Sehr gut, du guter und treuer Diener. Du bist im Kleinen ein treuer Verwalter gewesen; ich will dir eine große Aufgabe übertragen. Komm, nimm teil an der Freude deines Herrn!“ Dann kam der, der die zwei Talente erhalten hatte, und sagte: „Herr, zwei Talente hast du mir gegeben; sieh her, ich habe noch zwei dazugewonnen.“ Sein Herr sagte zu ihm: „Sehr gut, du guter und treuer Diener. Du bist im Kleinen ein treuer Verwalter gewesen; ich will dir eine große Aufgabe übertragen. Komm, nimm teil an der Freude deines Herrn!“ Schließlich kam auch der, der das eine Talent erhalten hatte, und sagte: „Herr, ich wusste, dass du ein harter Mann bist; du erntest, wo du nicht gesät hast, und sammelst ein, wo du nicht ausgestreut hast. Aus Furcht habe ich dein Talent in der Erde versteckt. Hier hast du das Deine.“ Sein Herr antwortete ihm: „Du bist ein schlechter und fauler Diener! Du wusstest also, dass ich ernte, wo ich nicht gesät habe, und einsammle, wo ich nicht ausgestreut habe? Dann hättest du mein Geld wenigstens zur Bank bringen müssen; dann hätte ich es bei meiner Rückkehr mit Zinsen zurückbekommen. Nehmt ihm also das Talent weg und gebt es dem, der die zehn Talente hat! Denn wer hat, dem wird gegeben werden und er wird im Überfluss haben; wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat. Werft den unnützen Diener hinaus in die äußerste Finsternis! Dort wird Heulen und Zähneknirschen sein.“ - Wort des Herrn.
Kommentar zum Evangelium des Tages
Zu Recht spricht man oft von der ungeschuldeten Liebe Gottes, der nichts geschuldet ist und bei dem alles Gnade ist. Doch dürfen wir dies nicht überbetonen und vergessen, dass es in Wirklichkeit auch das Verdienst des Menschen gibt, sein Engagement und sein Bemühen, die Gesetze Gottes zu leben, um ein wahrer Christ zu sein und als solcher zu leben. So ist es auch im menschlichen Leben: Um eine Prüfung zu bestehen, muss man lernen; um einen Wettbewerb zu gewinnen, muss man sich anstrengen; um einen Berg zu erklimmen, braucht man kontinuierliches Training. So ist es auch mit dem Paradies: Niemand gelangt zufällig dorthin, ohne es zu wollen, als wäre es ein unvermeidlicher Graben, in den man nach dem Tod fällt. Auch Eltern belohnen ihre Kinder, wenn sie sie erziehen, für ihre guten Anstrengungen. Das Paradies wird also zugleich verdient und unentgeltlich empfangen. Das mag paradox erscheinen, ist es aber nicht: Der Mensch muss sich bemühen, weil es richtig ist. Zugleich empfängt er das ewige Leben in Christus als Zeichen seiner höchsten Barmherzigkeit, wie uns der Tod des guten Schächers lehrt, dem nach einem ganzen Leben voller böser Taten aufgrund eines letzten Aktes des Glaubens und der Reue die Pforten des Himmels geöffnet wurden. Die „Vermessenheit, ohne Verdienst gerettet zu werden“ ist eine der sechs Sünden gegen den Heiligen Geist.


