Texte aus dem Messbuch „Auf dein Wort“ September-Oktober 2021
25. Sonntag im Jahreskreis (B)
1. Woche im Psalter
ERSTE LESUNG
Aus dem Buch der Weisheit (Weish 2,12.17-20)
[Die Gottlosen sagten:] „Wir wollen dem Gerechten auflauern, denn er ist uns lästig und stellt sich unserem Tun entgegen; er hält uns unsere Verfehlungen gegen das Gesetz vor und wirft uns die Sünden gegen die Erziehung vor, die wir erhalten haben. Wir wollen sehen, ob seine Worte wahr sind, und prüfen, wie es mit ihm ausgeht. Ist der Gerechte wirklich ein Sohn Gottes, dann wird Gott sich seiner annehmen und ihn aus der Hand seiner Gegner retten. Wir wollen ihn durch Schmach und Qual auf die Probe stellen, damit wir seine Sanftmut kennenlernen und seine Geduld prüfen. Zu einem ehrlosen Tod wollen wir ihn verurteilen; er behauptet ja, es werde ihm Hilfe gewährt.“ – Wort des lebendigen Gottes.
Kommentar zur ersten Lesung
In dieser ersten Lesung wird uns die Botschaft vermittelt, dass der Gerechte in einer ungerechten Welt mit Unverständnis und Verfolgung rechnen muss. Wie viele Menschen belächeln unseren Glauben? Wie oft wird unsere Geduld auf eine harte Probe gestellt? Wer sich jedoch hartnäckig weigert zu sehen und an Gott zu glauben, kann nicht verstehen, wie sehr er uns hingegen helfen kann. Wir dürfen nicht denken, dass das Leiden eine Prüfung Gottes sei: Er kennt uns und braucht keinerlei Prüfung! Wir sind aufgefordert, den Weg des Guten und der Liebe Gottes zu gehen; deshalb müssen wir uns immer fragen, aus welchen Gründen wir unsere Entscheidungen treffen, auch wenn wir Gutes tun. Warum tun wir es? Dem Glaubenden gibt der Herr viel mehr: Er weiß, was wir brauchen, und wenn er uns nicht sofort erhört, bedeutet das, dass er Besseres für uns will; er lässt uns warten, weil ein unerwartetes oder lange erwartetes Geschenk viel mehr Freude bereitet. Wir können sagen, dass wir in schwierigen Zeiten gleichsam Jesus am Kreuz nahe sind und in gewisser Weise an seinen Leiden teilhaben, ohne davonzulaufen. Er allein ist das große Vorbild der „Geduld“.
ZWEITE LESUNG
Aus dem Brief des heiligen Apostels Jakobus (Jak 3,16 – 4,3)
Meine Brüder und Schwestern, wo Eifersucht und Streit herrschen, gibt es Unordnung und allerlei böse Taten. Die Weisheit von oben aber ist vor allem rein, dann friedfertig, gütig, nachgiebig, reich an Erbarmen und guten Früchten, sie ist unparteiisch und aufrichtig. Die Frucht der Gerechtigkeit wird für die gesät, die Frieden schaffen, und zwar in Frieden. Woher kommen die Kriege bei euch, woher die Streitigkeiten? Etwa nicht aus euren Leidenschaften, die in euren Gliedern Krieg führen? Ihr seid voll von Begierden und erlangt doch nichts; ihr mordet und seid eifersüchtig und könnt trotzdem nichts erreichen; ihr streitet und führt Krieg! Ihr habt nichts, weil ihr nicht bittet; ihr bittet und empfangt nichts, weil ihr in böser Absicht bittet, um es in euren Leidenschaften zu vergeuden. – Wort des lebendigen Gottes.
Kommentar zur zweiten Lesung
In diesem Brief hebt Jakobus hervor, was im Herzen eines Christen vorhanden sein muss: Wer „weise und verständig“ ist, begreift, dass es nicht genügt, die Werke zu tun, sondern dass man sie gut tun muss. Es sind die gut vollbrachten Werke, die die Sanftmut eines Herzens und die Weisheit, die darin wohnt, sichtbar machen. In unseren christlichen Gemeinschaften kann es, da sie aus Menschen bestehen, Eifersucht, Spannungen und Streit geben. Diese führen zu Unordnung, unangenehmen Zwischenfällen und bösen Taten – zu Dingen, die es nicht geben sollte, die aber unser Zusammenleben oft vergiften. Diese Kriege und Spannungen entstehen daraus, dass wir den Leidenschaften und unkontrollierten Wünschen, die Kämpfe entfachen, um das Gewünschte zu erlangen, zu viel Macht überlassen haben. Es braucht freie Menschen, die sich nicht dem Willen derer unterwerfen, die sie umgeben; Menschen mit Macht, die in Demut dienen; Menschen, die inmitten so vieler Ungerechtigkeiten Gerechtigkeit säen und dort Barmherzigkeit schenken, wo die Liebe fehlt; Menschen, die stark auf Gottes Macht und wenig auf die eigenen Kräfte vertrauen. Es wäre schön, wenn wir in unseren Urteilen und in unserer Lebensweise gerechtere Männer und Frauen wären.
EVANGELIUM DES TAGES
Aus dem heiligen Evangelium nach Markus (Mk 9,30-37)
In jener Zeit zogen Jesus und seine Jünger durch Galiläa. Er wollte aber nicht, dass jemand davon erfuhr; denn er belehrte seine Jünger und sagte zu ihnen: „Der Menschensohn wird in die Hände der Menschen ausgeliefert und sie werden ihn töten; doch drei Tage nach seinem Tod wird er auferstehen.“ Sie aber verstanden das Wort nicht und fürchteten sich, ihn zu fragen. Sie kamen nach Kafarnaum. Als er dann im Haus war, fragte er sie: „Worüber habt ihr auf dem Weg gesprochen?“ Sie schwiegen, denn sie hatten auf dem Weg miteinander darüber gesprochen, wer der Größte sei. Da setzte er sich, rief die Zwölf und sagte zu ihnen: „Wenn jemand der Erste sein will, soll er der Letzte von allen und der Diener aller sein.“ Und er nahm ein Kind, stellte es in ihre Mitte, nahm es in seine Arme und sagte zu ihnen: „Wer ein solches Kind in meinem Namen aufnimmt, der nimmt mich auf; und wer mich aufnimmt, der nimmt nicht nur mich auf, sondern den, der mich gesandt hat.“ – Evangelium unseres Herrn Jesus Christus.
Kommentar zum Evangelium des Tages
Das Evangelium erzählt uns von Jesus, der durch Galiläa zieht, aber nicht will, dass die Menschen davon erfahren, weil er mit der Ausbildung der Jünger und der Verkündigung des Kreuzes beschäftigt ist. Die Jünger verstehen jedoch die Worte über das Kreuz nicht, weil sie nicht fähig sind, einen Messias anzunehmen, der zum Diener seiner Brüder wird. Jesus ist ein guter Pädagoge und wartet auf den geeigneten Augenblick, um sie zum Nachdenken zu bringen – eben jene Männer, die unterwegs darüber gestritten hatten, wer der Größte sei. Darauf beharrt Jesus: Macht darf nicht dazu genutzt werden, aufzusteigen und zu herrschen, sondern um hinabzusteigen und zu dienen. Oft entdecken Menschen, wenn sie bestimmte Dinge nach ihrem Gewissen tun und dabei meinen, sie für Gott zu tun, dass sie vom Anspruch erfüllt sind, Anerkennung zu finden, Verdienst zu erwerben und eine Belohnung zu gewinnen: Das ist Weltlichkeit, das ist der Geist der Welt. Im Evangelium gibt es keine Kompromisse; und wenn man es mit Kompromissen leben will, endet man schließlich beim weltlichen Geist, der aufsteigen möchte, um zu herrschen und größer zu sein. Deshalb darf man nicht mit dem Geist der Welt verhandeln, sondern muss auf das weise und ermutigende Wort Jesu hören: Seid die Letzten von allen und wisst, wie man allen dient.

