Texte aus dem Messbuch „Auf dein Wort“ Juli-August 2024
16. Sonntag im Jahreskreis (B)
4. Woche im Psalter
ERSTE LESUNG
Aus dem Buch des Propheten Jeremia (Jer 23,1-6)
So spricht der Herr: Wehe den Hirten, die die Schafe meiner Weide zugrunde richten und zerstreuen - Spruch des Herrn. Darum - so spricht der Herr, der Gott Israels, über die Hirten, die mein Volk weiden: Ihr habt meine Schafe zerstreut und sie vertrieben und euch nicht um sie gekümmert; darum ziehe ich euch zur Rechenschaft wegen eurer bösen Taten - Spruch des Herrn. Ich selbst aber sammle den Rest meiner Schafe aus allen Ländern, wohin ich sie versprengt habe, und bringe sie zurück auf ihre Weide; sie werden fruchtbar sein und sich vermehren. Ich werde für sie Hirten einsetzen, die sie weiden; sie werden sich nicht mehr fürchten und ängstigen und nicht mehr verloren gehen - Spruch des Herrn. Siehe, es kommen Tage - Spruch des Herrn -, da werde ich für David einen gerechten Spross erwecken. Er wird als König herrschen und weise handeln und Recht und Gerechtigkeit üben im Land. In seinen Tagen wird Juda gerettet werden, Israel in Sicherheit wohnen. Man wird ihm den Namen geben: Der Herr ist unsere Gerechtigkeit. - Wort des lebendigen Gottes.
Kommentar zur ersten Lesung
Oft ist man überrascht, wenn man die Propheten hört, denn manchmal sprechen sie harte und scharfe Worte, sogar Worte der Verurteilung, die für unsere gutmenschliche Mentalität schwer anzunehmen sind; ein anderes Mal schlagen sie sanfte Worte der Ermutigung und des Trostes an. Wie kommt es dazu? Man muss wissen, dass die Propheten zu Vermittlern zwischen Gott und den Menschen werden. Sie verkünden nicht nur Worte über das menschliche Handeln, das von Gott mehr oder weniger angenommen wird, sondern auch über das göttliche Handeln, das nicht nur seinen Willen offenbart, sondern auch vollbringt, was er will. Deshalb hören wir oft Worte, die sich gewiss nicht angenehm auf das Handeln der Menschen beziehen, und umgekehrt hoffnungsvolle Botschaften über das Wirken Gottes, wie in der Stelle aus Jeremia über die Hirten. Diejenigen, die die Aufgabe haben, das Volk zu führen, erfüllen ihre Pflicht oft nicht. Bei Gott ist es anders: Er sorgt sich um das Geschick seines Volkes, das er erwählt und geliebt hat. Doch gerade weil Gott ein großer Herrscher ist, bedient er sich der Vermittler, die ihn unter uns vertreten, besonders des Messias, des Nachkommen Davids. Er ist Jesus, „Der Herr ist unsere Gerechtigkeit“.
ZWEITE LESUNG
Aus dem Brief des Apostels Paulus an die Epheser (Eph 2,13-18)
Brüder und Schwestern! Jetzt seid ihr, die ihr einst fern wart, in Christus Jesus, durch sein Blut zu Nahestehenden geworden. Denn er ist unser Friede. Er vereinigte die beiden Teile und riss durch sein Fleisch die trennende Wand der Feindschaft nieder. Er hob das Gesetz mit seinen Geboten und Forderungen auf, um die zwei in seiner Person zu dem einen neuen Menschen zu machen. Er stiftete Frieden und versöhnte die beiden durch das Kreuz mit Gott in einem einzigen Leib. Er hat in seiner Person die Feindschaft getötet. Er kam und verkündete den Fernen den Frieden und den Nahen den Frieden. Denn durch ihn haben wir beide in dem einen Geist Zugang zum Vater. - Wort des lebendigen Gottes.
Kommentar zur zweiten Lesung
Der göttliche Plan besteht darin, alles durch Christus, das einzige Haupt, wieder zu vereinen. Doch wie lässt sich das verwirklichen, wenn wir durch Spannungen aller Art gespalten sind und vor allem nicht mit Gott im Einklang stehen, weil unsere Lebensweisen seinem Willen widersprechen? Es gibt auch eine Form der Trennung, die immer wieder auftritt: zwischen denen, die „fern“ sind, weil sie die Gesetze Gottes nicht befolgen, und denen, die ihm „nahe“ sind. Wie kann Eintracht entstehen, wie können Spaltungen überwunden und Spannungen eingedämmt werden? Es ist ein falscher Weg, um jeden Preis auf Frieden zu setzen und jede Wahrheit und jedes Dogma zu beseitigen, das uns trennt. Dies ist nicht der von Paulus vorgeschlagene Weg. Gewiss lassen uns die göttlichen Gebote erkennen, inwieweit unser Leben Gott gefällt; sie schenken uns jedoch nicht das Heil, das uns Christus durch seinen heilbringenden Tod und sein vergossenes Blut schenkt. Nur wenn wir mit Christus vereint und in ihn eingepfropft sind und zu neuen Geschöpfen gemacht wurden, können wir uns als Brüder und Schwestern fühlen, von ihm geliebt, auf dem Weg des Lebens begleitet und bei der Entdeckung des einen himmlischen Vaters, den Christus, sein einziger Sohn, uns offenbart hat.
EVANGELIUM DES TAGES
Aus dem heiligen Evangelium nach Markus (Mk 6,30-34)
In jener Zeit versammelten sich die Apostel, die Jesus ausgesandt hatte, wieder bei ihm und berichteten ihm alles, was sie getan und gelehrt hatten. Da sagte er zu ihnen: „Kommt mit an einen einsamen Ort, ihr allein, und ruht ein wenig aus!“ Denn sie fanden nicht einmal Zeit zum Essen, so zahlreich waren die Leute, die kamen und gingen. Sie fuhren also mit dem Boot in eine einsame Gegend, um allein zu sein. Aber man sah sie abfahren, und viele erfuhren davon; sie liefen zu Fuß aus allen Städten dorthin und kamen noch vor ihnen an. Als Jesus ausstieg, sah er die vielen Menschen und hatte Mitleid mit ihnen; denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben. Und er lehrte sie lange. - Evangelium unseres Herrn Jesus Christus.
Kommentar zum Evangelium des Tages
Die Zwölf sind auch dann Apostel, wenn sie zu ihrem Meister zurückkehren. Theophylakt, ein alter Autor, schreibt: „Auch wir sollen lernen, wenn wir zum Dienst ausgesandt werden, uns nicht lange aufzuhalten und nicht über den uns anvertrauten Auftrag hinauszugehen, sondern zu dem zurückzukehren, der uns gesandt hat, um ihm zu berichten, was wir getan und gelehrt haben.“ Jesus kümmert sich nun um seine Helfer, damit sie sich ausruhen können, denn ihre Mission war anstrengend, aber zugleich fruchtbar gewesen. Doch Jesu Vorhaben wird durch die Menschenmengen vereitelt, die niemanden haben, der sie führt. Jesus übernimmt diese Aufgabe des Hirten, und als erste Handlung bietet er ihnen die Nahrung seiner weisen und wahren Worte an. Seine Unterweisung gilt allen, denn das Volk braucht klare Maßstäbe, Werte und gemeinsame Ziele, damit eine Gemeinschaft sich orientieren kann, ohne durch die Vielzahl von Meinungen und Auslegungen in eine Krise zu geraten. Die Lehre, die von Jesus, dem einzigen göttlichen Meister, kommt, bewirkt, dass die vielen in der einen Wahrheit Christi vereint bleiben, ohne vom Weg abzukommen, indem sie den zahlreichen subjektiven Sichtweisen folgen. Das Wort Jesu macht aus dieser Menschenmenge ein einziges Volk und nicht bloß eine Ansammlung von Personen.


