Texte aus dem Messbuch „Auf dein Wort“ November-Dezember
Unser Herr Jesus Christus, König des Weltalls (H) (B)
eigene Texte
ERSTE LESUNG
Aus dem Buch des Propheten Daniel (Dan 7,13-14)
Als ich in den nächtlichen Visionen schaute, siehe, da kam mit den Wolken des Himmels einer, der wie ein Menschensohn war. Er gelangte bis zu dem Hochbetagten und wurde vor ihn geführt. Ihm wurden Herrschaft, Ehre und Königtum gegeben. Alle Völker, Nationen und Sprachen dienten ihm. Seine Herrschaft ist eine ewige Herrschaft, die nicht vergeht, und sein Königtum wird niemals untergehen. – Wort des lebendigen Gottes.
Kommentar zur ersten Lesung
„Menschensohn“ ist der Titel, den Jesus am häufigsten verwendet, wenn er von sich selbst spricht. Auch im entscheidenden Moment des Verhörs vor dem Hohen Rat, vor seiner Verurteilung zum Tod, ruft Jesus aus: «Ich sage euch: Von nun an werdet ihr den Menschensohn zur Rechten der Macht sitzen und auf den Wolken des Himmels kommen sehen» (Mt 26,64) und erfüllt damit die Prophezeiung Daniels vollständig. In der prophetischen Vision vom Menschensohn haben die Christen seit jeher eine Prophezeiung des Königtums Jesu erkannt, das sich über die gesamte Geschichte erstreckt und alle Völker der Erde umfasst. Mit der Vision des Menschensohnes, der «auf den Wolken des Himmels» kommt, wird ein völlig neues Reich angekündigt, das von Gott selbst kommt. Das Echo dieser Worte werden wir in den Worten wiederfinden, die der Erzengel Gabriel zu Maria bei der Verkündigung sprechen wird: «Siehe, du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären und du sollst ihm den Namen Jesus geben. Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben. Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen und seine Herrschaft wird kein Ende haben» (Lk 1,31-33).
ZWEITE LESUNG
Aus der Offenbarung des heiligen Apostels Johannes (Offb 1,5-8)
Jesus Christus ist der treue Zeuge, der Erstgeborene der Toten, der Herrscher über die Könige der Erde. Ihm, der uns liebt und uns durch sein Blut von unseren Sünden erlöst hat, der uns zu einem Königreich gemacht hat, zu Priestern vor seinem Gott und Vater: ihm gebührt die Herrlichkeit und die Macht in alle Ewigkeit. Amen. Siehe, er kommt mit den Wolken und jedes Auge wird ihn sehen, auch die, welche ihn durchbohrt haben, und alle Völker der Erde werden seinetwegen an die Brust schlagen. Ja, Amen! Spricht der Herr, Gott: Ich bin das Alpha und das Omega, der ist und der war und der kommt, der Allmächtige! – Wort des lebendigen Gottes.
Kommentar zur zweiten Lesung
Jesus - so lehrt uns der Katechismus - «ist derjenige, den der Vater mit dem Heiligen Geist gesalbt und zum „Priester, Propheten und König“ gemacht hat». Kraft unserer Taufe nehmen auch wir an diesen drei Ämtern Christi teil. Kraft des gemeinsamen Priestertums können wir uns dem Opfer anschließen, das Christus dem Vater für das Heil der Welt darbringt. Das bedeutet, dass unser ganzes Leben, der Tag, unsere Gebete, die Werke, die Arbeit, das Familienleben, das geduldige Ertragen von Leid und Widrigkeiten - all dies wird, wenn es im Geist gelebt wird, zu einem Gott wohlgefälligen Opfer, das wir in der Feier der Eucharistie gemeinsam mit der Darbringung des Leibes des Herrn darbringen können. Als Teilhaber am prophetischen Amt Christi können wir das Evangelium im Glauben aufnehmen und es durch Wort und Tat verkünden, sodass die Neuheit und Kraft des Evangeliums im Alltag sichtbar wird. An der Königsherrschaft Christi teilzuhaben bedeutet hingegen, sich ständig darum zu bemühen, die Herrschaft der Sünde zu überwinden und durch die Hingabe unserer selbst immer mehr in der Liebe zu Gott und zu den Brüdern und Schwestern zu wachsen.
EVANGELIUM DES TAGES
Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes (Joh 18,33b-37)
In jener Zeit sagte Pilatus zu Jesus: «Bist du der König der Juden?» Jesus antwortete: «Sagst du das aus dir selbst, oder haben dir andere über mich erzählt?» Pilatus sagte: «Bin ich etwa ein Jude? Dein eigenes Volk und die Hohepriester haben dich mir ausgeliefert. Was hast du getan?» Jesus antwortete: «Mein Königtum ist nicht von dieser Welt. Wenn mein Königtum von dieser Welt wäre, würden meine Diener kämpfen, damit ich den Juden nicht ausgeliefert würde; aber mein Königtum ist nicht von hier.» Da sagte Pilatus zu ihm: «Also bist du doch ein König?» Jesus antwortete: «Du sagst es: Ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme.» – Evangelium unseres Herrn Jesus Christus.
Kommentar zum Evangelium des Tages
Das Königtum Christi darf weder nach der Art noch nach den Maßstäben des Königtums dieser Welt gedacht oder verstanden werden. Die königliche Macht Christi besteht darin, ewiges Leben zu schenken, uns aus der schrecklichen Knechtschaft der Sünde und des Satans zu befreien und den Tod zu beseitigen, der eine lähmende Macht über unser Leben ausübt. Das Königtum Christi ist das Königtum der Liebe, die Herzen zu berühren vermag, besonders die am stärksten verhärteten. Nach der Brot- und Fischvermehrung ging Jesus vor der Menge, die ihn zum König machen wollte, in Deckung. Nun aber, angesichts von Pilatus, kurz vor seinem Leiden, bekennt er offen nicht nur sein Königtum, sondern wird wenig später auch sein Reich eröffnen und dem guten Schächer, der ihn bat, sich an ihn zu erinnern, einen Platz zusichern. Vor Pilatus erklärt Jesus feierlich: «Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme.» Viele bezweifeln heute, dass es eine Wahrheit gibt, und ziehen ihr den Jahrmarkt der persönlichen Meinungen vor. Jeden Tag sind wir aufgerufen, zwischen der Wahrheit, die Christus ist, und der Lüge zu wählen, die ständig versucht, sich in uns einzuschleichen. Es gibt einen Kampf und es gibt den Sieg: Christus, der König.

