Texte aus dem Messbuch „Auf dein Wort“ Januar-Februar 2025
7. Sonntag im Jahreskreis (C)
3. Woche, Stundenbuch
ERSTE LESUNG
Aus dem ersten Buch Samuel (1 Sam 26,2.7-9.12-13.22-23)
In jenen Tagen machte sich Saul auf und zog in die Wüste von Zif hinab. Er führte dreitausend auserlesene Männer Israels mit sich, um David in der Wüste von Zif zu suchen. David und Abischai gingen nachts zu den Leuten hinab, und siehe, Saul schlief tief und fest zwischen den Wagen. Sein Speer steckte neben seinem Kopf im Boden, während Abner und die Truppe ringsum schliefen. Abischai sagte zu David: »Heute hat Gott deinen Feind in deine Hand gegeben. Lass mich ihn also mit dem Speer mit einem einzigen Stoß an den Boden heften; einen zweiten werde ich nicht brauchen.« Doch David sagte zu Abischai: »Bring ihn nicht um! Wer hat je seine Hand gegen den Gesalbten des Herrn erhoben und ist ungestraft davongekommen?« David nahm den Speer und den Wasserkrug, die neben Sauls Kopf standen, und beide gingen weg. Niemand sah etwas, niemand bemerkte etwas, niemand wachte auf; alle schliefen, denn ein vom Herrn gesandter tiefer Schlaf war über sie gekommen. David ging auf die andere Seite und blieb weit entfernt auf dem Gipfel des Berges stehen; ein großer Abstand lag zwischen ihnen. David rief: »Seht her, der Speer des Königs! Einer der Diener soll herüberkommen und ihn holen! Der Herr wird jedem nach seiner Gerechtigkeit und seiner Treue vergelten; denn heute hatte der Herr dich in meine Hand gegeben, doch ich wollte meine Hand nicht gegen den Gesalbten des Herrn erheben.« –
Wort Gottes.
Kommentar zur ersten Lesung
Der Text berichtet von der Suche des Königs Saul nach David, den er töten will. Er hatte es bereits versucht, doch Sauls Sohn Jonatan warnte David, mit dem ihn eine tiefe Freundschaft verband, und das brachte Saul zur Weißglut. Eines Nachts nun, während „Saul tief zwischen den Wagen schlief ...“, nahm David ihm den Speer und den Wasserkrug weg: „Hier ist der Speer des Königs: Einer der Diener soll herüberkommen und ihn holen“, rief David. Die Soldaten rieten David, ihn zu töten, doch er tat es nicht, weil er „seine Vergeltung“ in Gottes Hände legte: „Der Herr wird jedem nach seiner Gerechtigkeit vergelten ...“. Gefühle wie Wut und Angst zu hegen ist normal und menschlich: Wir dürfen uns darüber nicht wundern, denn Gott wollte diese Gefühle in uns, sonst hätte er sie gar nicht erst geschaffen! Davids Erfahrung lehrt uns jedoch, wie wir mit ihnen umgehen sollen: Rache hat keinen Sinn. Sagen wir Gott, auch im Gebet, ruhig, was wir empfinden, und überlassen wir es ihm, denn letztlich wird Hass durch Liebe besiegt.
ZWEITE LESUNG
Aus dem ersten Brief des heiligen Apostels Paulus an die Korinther (1 Kor 15,45-49)
Brüder, der erste Mensch, Adam, wurde zu einem lebendigen Wesen, der letzte Adam zu einem Geist, der Leben schenkt. Nicht zuerst war der geistliche Leib da, sondern der irdische, und dann der geistliche. Der erste Mensch, aus der Erde genommen, ist aus Erde gemacht; der zweite Mensch kommt vom Himmel. Wie der irdische Mensch ist, so sind auch die Irdischen; und wie der himmlische Mensch ist, so sind auch die Himmlischen. Und wie wir dem irdischen Menschen ähnlich waren, so werden wir dem himmlischen Menschen ähnlich sein. - Wort Gottes.
Kommentar zur zweiten Lesung
Paulus verteidigt und erklärt den Korinthern weiterhin die Neuheit Jesu, der gestorben und auferstanden ist. In diesem Abschnitt stellt er den alten Menschen, Adam, dem neuen Menschen, Jesus, gegenüber. Adam - sagt der Apostel - „ist aus der Erde genommen, er ist aus Erde gemacht“, wie es der Text der Genesis in Erinnerung ruft. Aber der zweite Mensch, also Jesus, „kommt vom Himmel“, von Gott. Er ist der Sohn Gottes! Wenn also „der irdische Mensch“ zur Erde zurückkehrt, ist „der himmlische Mensch“ für den Himmel geschaffen. Auf diese Weise versucht Paulus, die Schönheit und Größe Jesu, seine Einzigartigkeit, hervortreten und zur Geltung kommen zu lassen: Sie betrifft nicht nur ihn, sondern in ihm jeden von uns! Wie für die Korinther ist Jesus auch für uns die Wurzel unserer Freude, unserer Hoffnung und unseres Glaubens. Hier nimmt die Leidenschaft für unser Zeugnis ihren Anfang.
EVANGELIUM
Aus dem Evangelium nach Lukas (Lk 6,27-38)
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: „Euch, die ihr zuhört, sage ich: Liebt eure Feinde, tut denen Gutes, die euch hassen, segnet die, die euch verfluchen, betet für die, die euch schlecht behandeln. Dem, der dich auf die eine Wange schlägt, halte auch die andere hin; dem, der dir den Mantel wegnimmt, verweigere auch das Untergewand nicht. Gib jedem, der dich bittet; und wenn dir jemand etwas wegnimmt, dann fordere es nicht zurück. Und wie ihr wollt, dass euch die Menschen tun, so tut auch ihnen. Wenn ihr nur die liebt, die euch lieben, welchen Dank könnt ihr dafür erwarten? Auch die Sünder lieben die, von denen sie geliebt werden. Und wenn ihr denen Gutes tut, die euch Gutes tun, welchen Dank könnt ihr dafür erwarten? Auch die Sünder tun dasselbe. Und wenn ihr denen leiht, von denen ihr hofft, etwas zurückzubekommen, welchen Dank könnt ihr dafür erwarten? Auch die Sünder leihen Sündern, um dafür ebenso viel zurückzubekommen. Im Gegenteil: Liebt eure Feinde, tut Gutes und leiht, ohne etwas zurückzuerhoffen; dann wird euer Lohn groß sein, und ihr werdet Söhne des Höchsten sein, denn er ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen. Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. Richtet nicht, dann werdet auch ihr nicht gerichtet werden; verurteilt nicht, dann werdet auch ihr nicht verurteilt werden; sprecht frei, dann werdet auch ihr freigesprochen werden. Gebt, dann wird auch euch gegeben werden: Ein gutes, volles, gehäuftes und überfließendes Maß wird man euch in den Schoß legen; denn nach dem Maß, mit dem ihr messt, wird auch euch zugemessen werden.“ – Wort des Herrn.
Kommentar zum Evangelium
Am vergangenen Sonntag (16. Februar) haben wir über die Seligpreisungen nachgedacht (Lk 6,17.20-26). Heute zeigt uns der Text die Folgen, die sich daraus ergeben, diesen Vorschlag ganz und gar anzunehmen: „Liebt eure Feinde, tut denen Gutes, die euch hassen …“, denn „wenn ihr nur die liebt, die euch lieben, welchen Dank könnt ihr dafür erwarten? Auch die Sünder lieben die, von denen sie geliebt werden“. Das Profil des Gläubigen, des Christen, erkennt man gerade an der Liebe – aber nicht an irgendeiner Liebe, sondern an der Liebe Gottes. Jesus durchbricht unsere Logik; es ist, als würde er die Karten neu mischen. Natürlich ist das alles nicht leicht: Es widerspricht unserer Denkweise, und Jesus weiß das. Deshalb fügt er sofort hinzu, worauf wir als Vergleich blicken sollen: „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist“. Das ist der Maßstab: die Barmherzigkeit, mit der Gott selbst mir Barmherzigkeit erwiesen hat! Denn am Ende gilt: „Mit dem Maß, mit dem ihr messt, wird auch euch zugemessen werden“. Wenn wir lernen würden zu vertrauen und die Netze unseres Lebens wirklich nach ihm auszuwerfen, dann würden auch wir jene überströmende Freude erfahren, von der Jesus selbst zu uns spricht.
