4. Sonntag der Osterzeit (A)
4. Wo. Psalter
Texte aus dem Messbuch „Auf dein Wort“ März-April 2021
Der vierte Sonntag der Osterzeit wird traditionell Sonntag des Guten Hirten genannt, da an diesem Tag das 10. Kapitel des Johannesevangeliums betrachtet wird, in dem Jesus von sich als dem «guten Hirten» spricht. Seine Liebe ist zärtlich und stark, denn er kennt uns jeden Einzelnen, kennt den Klang unserer Stimme, die Farbe und die Anzahl unserer Haare, kennt unsere Sünden und unsere Talente, kennt unseren Namen. Gleichzeitig müssen wir uns jedoch fragen, ob wir wirklich Schafe seiner Herde sind, ob wir seine Stimme hören und ihm jeden Tag folgen.
Heute feiern wir auch den Weltgebetstag für geistliche Berufungen. Beten wir besonders darum, dass viele Jungen und Mädchen von Christus angezogen werden, dem Einzigen, der die Welt retten kann.
ERSTE LESUNG
Aus der Apostelgeschichte (Apg 4,8-12)
In jenen Tagen sagte Petrus, vom Heiligen Geist erfüllt, zu ihnen: «Oberhäupter des Volkes und ihr Ältesten! Wenn wir heute wegen einer Wohltat an einem kranken Menschen verhört werden und wenn wir gefragt werden, durch wen er geheilt worden ist, dann sollt ihr alle und das ganze Volk Israel wissen: im Namen Jesu Christi, des Nazoräers, den ihr gekreuzigt habt und den Gott von den Toten auferweckt hat. Durch ihn steht dieser Mann gesund vor euch. Dieser Jesus ist der Stein, der von euch Bauleuten verworfen wurde, der aber zum Eckstein geworden ist. Und in keinem anderen ist das Heil zu finden. Denn es gibt keinen anderen Namen unter dem Himmel, der den Menschen gegeben ist, in dem wir gerettet werden sollen».
Kommentar zur ersten Lesung
«Dieser Jesus ist der Stein, der von euch Bauleuten verworfen wurde, der aber zum Eckstein geworden ist. Und in keinem anderen ist das Heil zu finden». Wenn einer als Stein bezeichnet wurde, dann war es gerade Petrus, und der Herr selbst hat es ihm gesagt: «Du bist Kephas, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen». Es scheint, als wolle Petrus nun mit diesen Worten aus der Apostelgeschichte das Geschenk Jesu erwidern, indem er ihn als „Eckstein“ bezeichnet, der für die Rettung des Gebäudes - der Gemeinschaft - und für uns alle unerlässlich ist. Doch es bestehen auch Risiken, wenn tragende Steine verworfen, als nutzlos betrachtet, zum Martyrium geführt, ins Exil geschickt oder eingesperrt werden; man läuft Gefahr, eine unbedeutende Gemeinschaft zu sein, die nicht vom Heiligen Geist, sondern von Eitelkeit erfüllt ist; nicht auf Gott, sondern auf dem „Ich“ aufgebaut. Und wie viele Gruppen, die sich selbst als „die wahre Kirche“ bezeichneten, sind aus dem Horizont der Geschichte verschwunden, weil sie an ihr eigenes Ich geklammert und Gott ... in den Keller verbannt haben: der vom eigenen „Geretteten“ ausgegrenzte Erlöser. Zum Glück, Jesus, ziehst du dich niemals zurück und bleibst immer unser Fels des Heils.
ZWEITE LESUNG
Aus dem ersten Brief des Apostels Johannes (1 Joh 3,1-2)
Geliebte, seht, welche große Liebe der Vater uns geschenkt hat: Wir heißen Kinder Gottes und wir sind es. Deshalb erkennt die Welt uns nicht, weil sie ihn nicht erkannt hat. Geliebte, jetzt sind wir Kinder Gottes. Doch was wir sein werden, ist noch nicht offenbar geworden. Wir wissen, dass wir ihm ähnlich sein werden, wenn er offenbar wird; denn wir werden ihn sehen, wie er ist.
Kommentar zur zweiten Lesung
«Geliebte, seht, welche große Liebe der Vater uns geschenkt hat: Wir heißen Kinder Gottes und wir sind es». Zum Glück sind wir in Jesus für immer Kinder. Es besteht keine Gefahr, verwaist zu bleiben. Der Herr gibt uns die Gewissheit, dass er bis zum Ende der Zeiten bei uns ist: eine ewige Kindschaft! Nur eine ewige Liebe kann Kinder für die Ewigkeit hervorbringen. Gottes Fantasie ist großartig und kennt keine zeitlichen Grenzen, denn sie gründet auf Gottes einzigartiger Liebe zu jedem von uns, zu mir und zu dir, der du liest. Gott liebt uns, wie ein Vater seine Kinder liebt. Und so, Vater, schau uns weiterhin liebevoll an, lass uns im Licht deines liebevollen Wortes wachsen, öffne unseren Verstand und unser Herz, damit wir die anderen verstehen. Lass uns weiterhin begreifen, dass jeder Mensch dein Kind ist und deshalb angenommen und nicht verworfen, aufgenommen und nicht in sein Land ... des Todes zurückgeschickt, versorgt und nicht im Stich gelassen, ernährt und nicht als Mittel zu meiner Bereicherung benutzt, ein Freund und nicht getötet, weil er ein Feind ist, arm und deshalb nicht ausgebeutet, bedürftig, aber nicht dazu da, unsere schändlichen und egoistischen Bedürfnisse zu befriedigen. Guter Vater, hilf du uns!
EVANGELIUM DES TAGES
Aus dem Evangelium nach Johannes (Joh 10,11-18)
In jener Zeit sagte Jesus: «Ich bin der gute Hirt. Der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe. Der bezahlte Knecht, der nicht Hirt ist und dem die Schafe nicht gehören, sieht den Wolf kommen, lässt die Schafe im Stich und flieht; und der Wolf reißt sie und zerstreut sie. Er ist ein bezahlter Knecht und kümmert sich nicht um die Schafe. Ich bin der gute Hirt; ich kenne die Meinen und die Meinen kennen mich, wie mich der Vater kennt und ich den Vater kenne; und ich gebe mein Leben hin für die Schafe. Ich habe noch andere Schafe, die nicht aus diesem Stall sind; auch sie muss ich führen und sie werden auf meine Stimme hören; dann wird es nur eine Herde geben und einen Hirten. Deshalb liebt mich der Vater, weil ich mein Leben hingebe, um es wieder zu nehmen. Niemand entreißt es mir, sondern ich gebe es aus freiem Willen hin. Ich habe Macht, es hinzugeben, und ich habe Macht, es wieder zu nehmen. Diesen Auftrag habe ich von meinem Vater empfangen».
Kommentar zum Evangelium des Tages
«Ich bin der gute Hirt. Der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe». Dann bin ich also nicht das einsame Schäfchen in der Wüste, der hungrigen Bestie ausgeliefert. Es gibt einen Hirten, der mich liebt. Ist es vielleicht der, der mir letzte Woche mitten in der Nacht, von meinem verzweifelten Blöken geleitet, gegenüberstand? Er hat mich nicht geschlagen, weil ich davongelaufen war, sondern - hört gut zu - er hob mich behutsam hoch und legte mich auf seine Schultern, fern von den Bissen der Bösen. Ich habe verstanden, dass ich ihm völlig vertrauen konnte, weil er aus Liebe sein Leben den Gefahren der Nacht ausgesetzt hatte. Wenn es nicht so wäre, würde ich noch immer dort verzweifelt blöken und vielleicht vom Bösen, vom Teufel, den erklärten Feinden des Guten Hirten, zerrissen worden sein. Und am Morgen nach meiner Rettung führte er uns alle auf besonders schmackhafte Weiden, würdig geliebter Schäfchen. Nicht aufgrund unseres Verdienstes, sondern wegen des Hirten, der uns führt, eines Menschen, der sogar bereit ist, für uns zu sterben. Wir haben an einem Donnerstagabend gelauscht, während wir im Schafstall waren, nahe dem Ort, an dem er mit seinen engsten Freunden zu Abend aß: «Ich gebe mein Leben für euch, für meine Schafe. Nehmt und esst»: Was für ein wunderbarer Hirte!

