Texte aus dem Messalino „Auf dein Wort“ Januar-Februar 2024
2. Fastensonntag (B)
2. Woche im Psalter
ERSTE LESUNG
Aus dem Buch Genesis (Gen 22,1-2.9a.10-13.15-18)
In jenen Tagen stellte Gott Abraham auf die Probe und sagte zu ihm: „Abraham!“ Er antwortete: „Hier bin ich!“ Er sprach weiter: „Nimm deinen Sohn, deinen einzigen, den du liebst, Isaak, geh in das Land Morija und bringe ihn dort als Brandopfer dar auf einem der Berge, den ich dir nenne.“ Als sie an den Ort kamen, den Gott ihm genannt hatte, baute Abraham dort den Altar und schichtete das Holz auf. Dann streckte Abraham seine Hand aus und nahm das Messer, um seinen Sohn zu schlachten. Da rief ihm der Engel des Herrn vom Himmel her zu: „Abraham, Abraham!“ Er antwortete: „Hier bin ich!“ Jener sprach: „Streck deine Hand nicht gegen den Knaben aus und tu ihm nichts an! Denn jetzt weiß ich, dass du Gott fürchtest; du hast mir deinen Sohn, deinen einzigen, nicht vorenthalten.“ Abraham erhob seine Augen und sah: Ein Widder hatte sich mit seinen Hörnern im Gestrüpp verfangen. Abraham ging hin, nahm den Widder und brachte ihn statt seines Sohnes als Brandopfer dar. Der Engel des Herrn rief Abraham vom Himmel her zum zweiten Mal zu und sprach: „Ich schwöre bei mir selbst - Spruch des Herrn: Weil du das getan hast und deinen Sohn, deinen einzigen, nicht vorenthalten hast, will ich dir Segen schenken in Fülle und deine Nachkommen überaus zahlreich machen wie die Sterne am Himmel und wie den Sand am Meeresufer. Deine Nachkommen sollen das Tor ihrer Feinde einnehmen. Gesegnet sollen alle Völker der Erde durch deine Nachkommen sein, weil du auf meine Stimme gehört hast.“ - Wort des Herrn.
Auslegung zur ersten Lesung
Auf dem Berg Morija ein Vater und ein Sohn. Auf dem Berg Tabor der ewige Vater und der göttliche Sohn, ebenfalls sein Einziger. Der Vater und der Sohn bereiten sich auf dem ersten Berg auf das rituelle Opfer vor, auf dem zweiten spricht Jesus mit Elija und Mose über sein Leiden. Die beiden Szenen verweisen aufeinander. Abrahams Treue bringt ihm den Segen Gottes ein, die Treue Christi bringt ihm den Segen des Vaters ein, der ihn „auserwählten Sohn“, also Gesegneten, nennt. Jesus vollendet, was in Abraham vorgebildet worden war. Der Unterschied besteht darin, dass Jesus sein Opfer bis zum Ende vollbringt und das Messer der Menschen in sein Fleisch eindringen und seinen Tod am Kreuz verursachen wird. Dann wird die Erlösung vollbracht sein zum Nutzen aller Menschen, die von der alten Schuld Adams befreit werden. Der Glaube des Patriarchen Abraham ist unmittelbar, absolut und bedingungslos. Dies lehrt uns, dass gerade diese Fügsamkeit die Heilsgeschichte ihrer Vollendung entgegenführt. Abraham ist nicht deshalb groß, weil er der Vater ganz Israels ist, sondern weil er der erste Sohn Gottes ist, der die Werke des Allerhöchsten in völligem Vertrauen vollbringt.
ZWEITE LESUNG
Aus dem Brief des Apostels Paulus an die Römer (Röm 8,31b-34)
Brüder, ist Gott für uns, wer ist dann gegen uns? Er hat seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle hingegeben. Wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken? Wer kann die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist es, der gerecht macht. Wer kann sie verurteilen? Christus Jesus ist gestorben, mehr noch: Er ist auferstanden, er sitzt zur Rechten Gottes und tritt für uns ein! - Wort des Herrn.
Auslegung zur zweiten Lesung
Wir sind dazu aufgerufen, über die Liebe des Vaters nachzudenken, sie zu verstehen und anzubeten. Er ist gut, ja, er ist die vollkommene Güte, und er offenbart seine Größe, indem er die göttlichste Tat vollbringt, die man sich vorstellen kann: den geliebten Sohn den Händen der Menschen zu übergeben, damit die Menschheit erlöst und in den Schoß der heiligsten Dreifaltigkeit zurückgeführt wird, wo die Liebe vollkommen ist. Ohne diesen Willen könnten wir niemals daran denken, mit Gott vereint zu sein; doch sobald wir die göttliche Gnade angenommen haben, können wir in der Dreifaltigkeit bleiben, in Christus, wo es keine Verurteilung gibt. Das Urteil ist bereits vor zweitausend Jahren gesprochen worden, und es lautet auf Freispruch. Unter dem Kreuz empfangen wir, wenn wir glauben und die Gebote befolgen, die Vergebung der Sünden; der Teufel verstummt, und der Vater findet in Christus seine Kinder wieder, die sich sonst niemals wieder mit ihm hätten vereinen können. Der Vater richtet also nicht. Derjenige, der richtet, ist Jesus, denn er ist für uns am Kreuz gestorben. Der Vater aber spricht uns gerecht, indem er den Sohn auferweckt und ihn zum Fürsprecher eingesetzt hat. Hier schließt sich der Kreis. Alles ist getan, alles ist vollbracht: Es genügt, zu glauben, anzubeten und zu lieben.
EVANGELIUM DES TAGES
Aus dem heiligen Evangelium nach Markus (Mk 9,2-10)
In jener Zeit nahm Jesus Petrus, Jakobus und Johannes beiseite und führte sie auf einen hohen Berg, aber nur sie allein. Dort wurde er vor ihnen verwandelt; seine Kleider wurden strahlend weiß, so weiß, wie sie auf Erden kein Bleicher machen kann. Da erschien vor ihnen Elija mit Mose und sie redeten mit Jesus. Petrus sagte zu Jesus: „Rabbi, es ist gut, dass wir hier sind. Wir wollen drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija.“ Er wusste nämlich nicht, was er sagen sollte; denn sie waren vor Furcht ganz benommen. Da kam eine Wolke und überschattete sie, und aus der Wolke rief eine Stimme: „Dieser ist mein geliebter Sohn; auf ihn sollt ihr hören!“ Als sie dann um sich blickten, sahen sie auf einmal niemanden mehr bei sich außer Jesus. Während sie den Berg hinabstiegen, gebot er ihnen, niemandem zu erzählen, was sie gesehen hatten, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden sei. Diese Worte beschäftigten sie und sie fragten einander, was das sei: von den Toten auferstehen. - Evangelium unseres Herrn.
Auslegung zum Evangelium des Tages
Warum bittet Jesus die drei Jünger um Geheimhaltung, obwohl er sie doch als Zeugen seiner Verklärung ausgewählt hatte? War dies nicht etwas Schönes, das man allen mitteilen oder allen zeigen konnte, indem man die anderen Jünger einbezog? Die drei müssen schweigen, weil die Verklärung erst nach der Auferstehung Christi vollständig verstanden werden kann. Sie sollte zeigen, dass jener Jesus, der am Kreuz gestorben war, derselbe war, den sie einige Monate zuvor in Herrlichkeit gesehen hatten, wie er mit Mose und Elija sprach. Die ganz göttliche Szene auf dem Tabor verbindet sich mit der ganz menschlichen Szene am Kreuz, denn Jesus ist auch dann Gott, wenn er auf Golgota stirbt, und er ist auch dann Mensch, wenn er sich in der Herrlichkeit des Berges Tabor strahlend verklärt. Wir brauchen diese Gewissheit, damit wir die Menschlichkeit des Wortes angesichts der Größe seiner Göttlichkeit nicht schmälern und niemals die Göttlichkeit Christi vergessen, indem wir ihn lediglich als einen leidensfähigen, leidenden und schwachen Menschen betrachten. Unser ganzes Leben wird dann nichts anderes sein als dieser langsame, schrittweise, aber unaufhörliche Übergang von unserer menschlichen, mühsamen und hinkenden Wirklichkeit zur göttlichen Wirklichkeit - ein Übergang, der für uns an dem Tag beginnt, an dem wir die Taufe empfangen haben.


