Texte aus dem Messbuch „Auf dein Wort“ Juli-August 2021
17. Sonntag im Jahreskreis (B)
1. Woche im Psalter
ERSTE LESUNG
Aus dem zweiten Buch der Könige (2 Kön 4,42-44)
In jenen Tagen kam ein Mann aus Baal-Schalischa und brachte dem Gottesmann Erstlingsbrot: zwanzig Gerstenbrote und frisches Getreide in seinem Beutel. Elischa sagte: „Gib es den Leuten zu essen!“ Doch sein Diener sagte: „Wie soll ich das hundert Menschen vorsetzen?“ Er erwiderte: „Gib es den Leuten zu essen! Denn so spricht der Herr: Man wird essen und noch übrig lassen.“ Nun setzte er es ihnen vor; und sie aßen und ließen noch übrig, nach dem Wort des Herrn. Wort des lebendigen Gottes.
Gedanken zur ersten Lesung
Versuchen wir, das Wort Gottes zu lesen, indem wir das Subjekt ändern und uns selbst an die Stelle des Mannes setzen, der die Brote bringt. Heute sagt Gott also zu mir, ich soll sie den „Leuten“ zu essen geben, die mich umgeben. Sofort merke ich, dass sie nicht ausreichen können. Was stellen diese zwanzig Brote in meinem Leben dar? Es können die wenigen Kräfte sein, die am Ende eines Tages übrig bleiben, der von den Mühen der Arbeit, von Unverständnis in der Familie, von finanziellen Problemen oder von fehlender Zuneigung belastet ist: Viele Probleme können uns täglich bedrücken. Und so merke ich, dass ich mit meinen knappen täglichen Bilanzen nicht „ausreichen kann“. Doch ich muss in mich hinein- und zurückblicken: Wie oft ist der Höchste trotz meiner armseligen Brote eingegriffen und hat das Wenige, das ich hatte, „ausreichen lassen“? Unbedingtes Vertrauen ist eine Übung, die man nicht ein für alle Mal lernt, sondern Tag für Tag praktizieren muss. Das praktizierte, erbetene und erlernte Vertrauen wird uns sagen lassen: „Man wird essen und noch übrig lassen“, denn „der Herr ist allen nahe, die ihn anrufen, allen, die zu ihm aufrichtig rufen“.
ZWEITE LESUNG
Aus dem Brief des heiligen Apostels Paulus an die Epheser (Eph 4,1-6)
Brüder und Schwestern, ich, der ich um des Herrn willen im Gefängnis bin, ermahne euch: Lebt ein Leben, das des Rufes würdig ist, der an euch erging, in aller Demut, Milde und Geduld. Ertragt einander in Liebe und bemüht euch, die Einheit des Geistes zu wahren durch das Band des Friedens! Ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid zu einer Hoffnung, der Hoffnung, die ihr eurer Berufung verdankt: ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater aller, der über allen und durch alle und in allen ist. Wort des lebendigen Gottes.
Gedanken zur zweiten Lesung
Paulus ist um des Evangeliums willen gefangen. Wir haben diese Situation nie selbst erlebt und tun uns auch schwer, sie zu verstehen, obwohl sie noch heute vorkommt. Konkreter machen sie uns all jene Menschen, die wegen ihres christlichen Glaubens aus ihrem Land fliehen mussten, um mühsam in Europa Zuflucht zu suchen. Ich sehe sie voller Bewunderung an: entwurzelt von ihrem Land und ihren Familien, oft in einem Flüchtlingszentrum ohne Intimität und Privatsphäre untergebracht, bemühen sie sich, unsere Sprache zu lernen und irgendeine Arbeit zu finden, die ihnen wegen der Farbe ihrer Haut oft verweigert wird. Neben ihnen gibt es viele andere arme und entrechtete Menschen, die uns jeden Tag zu den Entscheidungen befragen, die wir treffen. Auch in unseren Pfarreien begegnen wir ihnen mit Misstrauen. Sind also ich, sind wir wirklich Christen, wie der heilige Paulus uns auffordert zu sein? Sind wir tatsächlich ein Leib und ein Geist? Und doch bekennen wir gemeinsam mit ihm einen Herrn, einen Glauben, eine Taufe, „einen Gott und Vater aller“. Darüber müssen wir nachdenken.
EVANGELIUM DES TAGES
Aus dem Evangelium nach Johannes (Joh 6,1-15)
In jener Zeit ging Jesus an das andere Ufer des Sees von Galiläa, der auch See von Tiberias heißt. Eine große Menschenmenge folgte ihm, weil sie die Zeichen sah, die er an den Kranken tat. Jesus stieg auf den Berg und setzte sich dort mit seinen Jüngern nieder. Das Pascha, das Fest der Juden, war nahe. Als Jesus aufblickte und sah, dass so viele Menschen zu ihm kamen, fragte er Philippus: „Wo sollen wir Brot kaufen, damit diese Leute zu essen haben?“ Das sagte er, um ihn auf die Probe zu stellen; denn er selbst wusste, was er tun wollte. Philippus antwortete ihm: „Brot für zweihundert Denare reicht nicht aus, wenn jeder von ihnen auch nur ein kleines Stück bekommen soll.“ Einer seiner Jünger, Andreas, der Bruder des Simon Petrus, sagte zu ihm: „Hier ist ein kleiner Junge, der hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische; doch was ist das für so viele?“ Jesus sagte: „Lasst die Leute sich setzen!“ Dort gab es viel Gras. Sie setzten sich; es waren etwa fünftausend Männer. Dann nahm Jesus die Brote, sprach das Dankgebet und gab sie den Menschen, die sich gesetzt hatten; ebenso machte er es mit den Fischen, so viel sie wollten. Als die Menge satt war, sagte er zu seinen Jüngern: „Sammelt die übrig gebliebenen Brotstücke, damit nichts verdirbt!“ Sie sammelten und füllten zwölf Körbe mit den Stücken der fünf Gerstenbrote, die von denen übrig geblieben waren, die gegessen hatten. Als die Menschen das Zeichen sahen, das er getan hatte, sagten sie: „Das ist wahrhaftig der Prophet, der in die Welt kommen soll.“ Da erkannte Jesus, dass sie kommen würden, um ihn zum König zu machen. Deshalb zog er sich wieder auf den Berg zurück, er allein. Wort des Herrn.
Gedanken zum Evangelium des Tages
Johannes stellt die Erzählung von der Brotvermehrung in die Nähe des Paschafestes: eine klare Anspielung auf die Handlung beim Letzten Abendmahl. Es handelt sich um ein besonders bedeutendes Ereignis, denn es wird von allen vier Evangelisten überliefert. Viele folgen Jesus; von seinen Wundertaten angezogen, hoffen sie, von all ihren Leiden geheilt zu werden. Mit fünf Broten und zwei Fischen stillt Jesus ihren Hunger. Alle sind begeistert und wollen ihn zum König machen, zu einem König, der sie von der Mühsal befreien wird, sich Tag für Tag das Brot zu beschaffen. Sie meinen, ein neuer Mose sei gekommen, der sein Volk ernähren werde. Sie haben nichts verstanden! Ihre Herzen sind unfähig, den Schritt zu tun, der sie vom wahren Leben trennt. Sie folgen Jesus aus Eigennutz und suchen nur eine bequeme Lösung. Der Mensch täuscht sich, wenn er in seiner Beziehung zu Gott sich selbst in den Mittelpunkt stellt; dadurch wird er unfähig, ein neues Leben zu erkennen, jenes Leben, das Jesus anbietet und das nicht aufblühen kann, wenn die Ziele materieller Natur sind. Jesus weist jene zurück, die ihn aus Eigennutz suchen, und lehnt ein irdisches Königtum ab, weil er gekommen ist, etwas anderes anzubieten: Du allein, Herr, bist das gebrochene Brot für das Leben der Welt.

