Texte aus dem Messbuch „Auf dein Wort“ Januar-Februar 2023
1. Fastensonntag (A)
1. Woche im Jahreskreis.
ERSTE LESUNG
Aus dem Buch Genesis (Gen 2,7-9; 3,1-7)
Gott, der Herr, formte den Menschen aus Erde vom Ackerboden und blies in seine Nase den Lebensatem. So wurde der Mensch zu einem lebendigen Wesen. Dann pflanzte Gott, der Herr, in Eden, im Osten, einen Garten und setzte dorthin den Menschen, den er geformt hatte. Gott, der Herr, ließ aus dem Ackerboden allerlei Bäume wachsen, begehrenswert anzusehen und gut zum Essen, in der Mitte des Gartens aber den Baum des Lebens und den Baum der Erkenntnis von Gut und Böse. Die Schlange war listiger als alle Tiere des Feldes, die Gott, der Herr, gemacht hatte, und sie sagte zur Frau: „Hat Gott wirklich gesagt: Ihr dürft von keinem Baum des Gartens essen?“ Die Frau entgegnete der Schlange: „Von den Früchten der Bäume im Garten dürfen wir essen; nur von den Früchten des Baumes, der in der Mitte des Gartens steht, hat Gott gesagt: Davon dürft ihr nicht essen und daran dürft ihr nicht rühren, sonst werdet ihr sterben.“ Darauf sagte die Schlange zur Frau: „Nein, ihr werdet nicht sterben. Gott weiß vielmehr: Sobald ihr davon esst, gehen euch die Augen auf; ihr werdet wie Gott und erkennt Gut und Böse.“ Da sah die Frau, dass es gut wäre, von dem Baum zu essen, dass er eine Augenweide war und begehrenswert, um klug zu werden. Sie nahm von seinen Früchten und aß; sie gab auch ihrem Mann, der bei ihr war, und auch er aß. Da gingen beiden die Augen auf und sie erkannten, dass sie nackt waren. Sie hefteten Feigenblätter zusammen und machten sich einen Schurz. - Wort des lebendigen Gottes.
Betrachtung zur ersten Lesung
Die Erbsünde besteht in der Auflehnung des Menschen gegen den Plan Gottes. Gott hätte Adam und Eva den Unterschied zwischen Gut und Böse offenbart, ebenso hätte er ihnen alle Geheimnisse des Lebens mitgeteilt - dafür steht der Baum des Lebens. Die beiden mussten nur Gottes Wege abwarten und sie dankbar annehmen, wie sie bis dahin alles andere in der Schöpfung angenommen hatten. Die Erbsünde ist der Mensch, der „es allein schaffen“ will, nicht abhängig sein möchte und wie der verlorene Sohn in die Ferne zieht, um sich sein Leben selbst aufzubauen, ohne Gott und vielmehr in offener Rebellion gegen seine Gebote. Die Erbsünde ist Stolz; die Schlange, Satan, ist der Fürst des Stolzes, da er sich aus diesem Grund schon vor Adam gegen Gott erhoben hatte. Die Täuschung besteht darin, den Baum als „gut, erfreulich und begehrenswert“ erscheinen zu lassen - alles göttliche Eigenschaften. Nur Gott ist nämlich gut, erfreulich und begehrenswert. Der Demütige nimmt an, was der Herr ihm schenkt, und weiß das zu erfassen, was er für sein ewiges Heil braucht, ohne mehr zu verlangen oder zu wünschen, denn wenn er Gott hat, hat er bereits alles.
ZWEITE LESUNG
Aus dem Brief des Apostels Paulus an die Römer (Röm 5,12-19)
Brüder und Schwestern, durch einen einzigen Menschen kam die Sünde in die Welt und durch die Sünde der Tod, und auf diese Weise gelangte der Tod zu allen Menschen, weil alle sündigten. Sünde war schon vor dem Gesetz in der Welt, aber Sünde wird nicht angerechnet, wenn es kein Gesetz gibt. Dennoch herrschte der Tod von Adam bis Mose auch über die, welche nicht durch Übertretung eines Gebots gesündigt hatten wie Adam, der ein Urbild dessen ist, der kommen soll. Anders als mit dem Sündenfall verhält es sich mit der Gnadengabe: Sind durch die Übertretung des einen die vielen dem Tod anheimgefallen, so ist erst recht die Gnade Gottes und die Gnadengabe des einen Menschen Jesus Christus den vielen reichlich zuteilgeworden. Anders als mit dem, was durch den einen Sünder verursacht wurde, verhält es sich mit dieser Gabe: Denn das Gericht führte von einem einzigen zur Verurteilung, die Gnadengabe aber führt von vielen Übertretungen zur Gerechtsprechung. Denn ist durch die Übertretung des einen der Tod zur Herrschaft gekommen durch den einen, so werden erst recht jene, die den Reichtum der Gnade und die Gabe der Gerechtigkeit empfangen, im Leben herrschen durch den einen, Jesus Christus. Wie es also durch die Übertretung eines Einzigen für alle Menschen zur Verurteilung kam, so führt es auch durch die gerechte Tat eines Einzigen für alle Menschen zur Gerechtsprechung, die Leben gibt. Wie durch den Ungehorsam des einen Menschen die vielen zu Sündern gemacht worden sind, so werden auch durch den Gehorsam des einen die vielen zu Gerechten gemacht werden. - Wort des lebendigen Gottes.
Betrachtung zur zweiten Lesung
Die ausführliche Darlegung des Apostels Paulus über die Erbsünde lässt sich treffend im letzten Satz des heutigen Abschnitts zusammenfassen: „Wie durch den Ungehorsam des einen Menschen die vielen zu Sündern gemacht worden sind, so werden durch den Gehorsam des einen Menschen die vielen zu Gerechten gemacht werden.“ Dieser Gedanke stellt das einzigartige und unverzichtbare Wirken Jesu in den Mittelpunkt: Ohne ihn ist es nicht möglich, vom Bösen gerettet zu werden. Diese Nachricht erfüllt uns mit unaussprechlicher Freude und lässt uns den Herrn Jesus noch mehr lieben, denn es stimmt, dass alles im Hinblick auf ihn geschaffen wurde, aber ebenso stimmt, dass alles durch ihn gerettet wurde. Die Sünde Adams hat uns von der göttlichen Gnade entfernt (Adam wird aus Eden vertrieben), doch die Wiederherstellung übertrifft den Zustand vor der Sünde bei Weitem, denn nun pulsiert im Menschen in der Gnade wahrhaft das göttliche Leben: „Nehmt und esst, das ist mein Leib.“ Gott hat dies nicht zu Adam gesagt, sondern zu uns. Das Leben des erlösten Menschen ist wahrhaft überströmend. Wie sehr sollten wir die Tugend des Gehorsams lieben, wenn wir sie in Christus betrachten! Es gelte daher der Grundsatz: Jesus gehorcht dem Vater, ich gehorche Jesus.
EVANGELIUM DES TAGES
Aus dem Evangelium nach Matthäus (Mt 4,1-11)
In jener Zeit wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt; dort sollte er vom Teufel in Versuchung geführt werden. Nachdem er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn. Da trat der Versucher an ihn heran und sagte: „Wenn du Gottes Sohn bist, so befiehl, dass aus diesen Steinen Brot wird.“ Jesus aber antwortete: „In der Schrift steht: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt.“ Darauf nahm ihn der Teufel mit in die Heilige Stadt, stellte ihn oben auf den Tempel und sagte zu ihm: „Wenn du Gottes Sohn bist, so stürz dich hinab; denn es steht in der Schrift: Seinen Engeln befiehlt er, dich auf ihren Händen zu tragen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt.“ Jesus antwortete ihm: „In der Schrift steht auch: Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen.“ Wieder nahm ihn der Teufel mit sich und führte ihn auf einen sehr hohen Berg; er zeigte ihm alle Reiche der Welt mit ihrer Pracht und sagte zu ihm: „Das alles will ich dir geben, wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest.“ Da sagte Jesus zu ihm: „Weg mit dir, Satan! Denn es steht in der Schrift: Den Herrn, deinen Gott, sollst du anbeten und ihm allein dienen.“ Darauf ließ der Teufel von ihm ab und siehe, es kamen Engel und dienten ihm. - Wort des Herrn.
Betrachtung zum Evangelium des Tages
In den berühmten drei Versuchungen des Herrn sind gewissermaßen alle anderen dargestellt; deshalb ist es wichtig zu sehen, wie Jesus sie zurückgewiesen hat, damit wir es ebenso tun können. Die erste ist die Versuchung des Sinnlichen: der Hunger - nach Nahrung, aber auch nach allem Materiellen. Jesus antwortet, dass es wichtigere Dinge als materielle Güter gibt: das Wort Gottes und seine göttlichen Lehren. Die zweite ist das menschliche Ansehen, also eitler Ruhm: bewundert werden und die Zustimmung der Massen erhalten. Das ist die Versuchung der Macht. Die dritte ist die des Besitzes und des Reichtums: Der Dämon ist bereit, Jesus den ganzen Reichtum der Welt zu geben - denn er gehört ihm, wie er selbst sagt -, wenn er dafür seine Anbetung erhält, also selbst als „Gott“ anstelle des Vaters anerkannt wird. Jesus bekräftigt, dass die Anbetung allein Gott gebührt und keineswegs anderen Geschöpfen. Auf diese drei Versuchungen antwortet man also mit kurzen, klaren und sicheren Aussagen: Alles kommt von Gott, und von ihm nehme ich das Brot; von ihm nehme ich die mögliche Anerkennung durch die Menschen, aber nur zur Ehre Gottes; und von ihm nehme ich alles Übrige und erkenne ihn als den einzigen Herrn an. Sehr einfach. Wenn alle immer so antworten würden, wie viel weniger Unheil gäbe es in der Welt!

