Texte aus dem Messbuch „Auf dein Wort“ Mai-Juni 2024
Allerheiligste Dreifaltigkeit (H) (B)
eigene Texte
ERSTE LESUNG
Aus dem Buch Deuteronomium (Dtn 4,32-34.39-40)
Mose sprach zum Volk: «Befrage doch die früheren Zeiten, die vor dir waren: vom Tag an, an dem Gott den Menschen auf der Erde erschuf, und von einem Ende des Himmels bis zum anderen: Hat es je etwas so Großes gegeben wie dieses, und hat man je von etwas Derartigem gehört? Hat je ein Volk die Stimme des lebendigen Gottes mitten aus dem Feuer gehört, wie du sie gehört hast, und ist am Leben geblieben? Oder hat je ein Gott versucht, zu kommen und sich ein Volk aus einer anderen Nation herauszunehmen, durch Prüfungen, Zeichen, Wunder und Krieg, mit starker Hand und ausgestrecktem Arm und unter großen Schrecken, wie es der Herr, euer Gott, in Ägypten vor deinen Augen für euch getan hat? Heute sollst du erkennen und dir zu Herzen nehmen: Der Herr ist Gott oben im Himmel und unten auf der Erde, und sonst niemand. Daher sollst du seine Satzungen und Gebote beachten, die ich dir heute gebe, damit es dir und deinen Kindern nach dir gut geht und du lange in dem Land bleibst, das der Herr, dein Gott, dir für immer gibt.» – Wort des lebendigen Gottes.
Kommentar zur ersten Lesung
Der Stimme Gottes zu gehorchen bedeutet, an ihn zu glauben, an den «einzigen und wahren» Gott, außer dem «kein anderer» ist. Durch Mose hat er Israel aus der Sklaverei Ägyptens befreit und am Berg Sinai einen Bund mit ihm geschlossen, durch den Israel zu seinem Volk wurde. Der Bund bedeutet für Gott die Verpflichtung, Israel zu helfen und zu retten; für Israel bedeutet er die Treue, auf das Wort des Herrn zu hören und sich nicht gegen ihn aufzulehnen. Das Schicksal Israels - und das gilt auch für uns - ist mit seinem Glauben verbunden, das heißt mit seiner Treue, auf die Stimme des Herrn zu hören, sein Gesetz zu befolgen, und mit dem Vertrauen auf seinen Schutz, der nicht versagen wird. Der Mangel an Glauben wird daher Israels Untergang sein. Deshalb werden die Propheten gerade den Glaubensmangel anprangern: einen Mangel, der sich vor allem im Götzendienst und in der Suche nach fremden Bündnissen ausdrückt. Dies ist die Verneinung des Vertrauens, das Israel in Gott setzen muss, in den Einzigen, der es vor seinen Feinden retten kann.
ZWEITE LESUNG
Aus dem Brief des heiligen Apostels Paulus an die Römer (Röm 8,14-17)
Brüder und Schwestern, alle, die sich vom Geist Gottes leiten lassen, sind Kinder Gottes. Denn ihr habt nicht einen Geist der Knechtschaft empfangen, sodass ihr weiterhin Furcht haben müsstet, sondern ihr habt den Geist empfangen, in dem wir als Kinder angenommen sind. In diesem Geist rufen wir: «Abba, Vater!» Der Geist selber bezeugt unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind. Sind wir aber Kinder, dann auch Erben: Erben Gottes und Miterben Christi, wenn wir nämlich mit ihm leiden, um auch mit ihm verherrlicht zu werden. – Wort des lebendigen Gottes.
Kommentar zur zweiten Lesung
Durch die Kraft des Heiligen Geistes steht der Christ in derselben kindlichen Beziehung zu Gott wie Christus zum Vater: Christus als einziger Sohn, dem Vater von Ewigkeit her gleich, der Christ als angenommenes Kind und Erbe. Wir stehen im Herzen der trinitarischen Gemeinschaft: in Gemeinschaft mit Christus, dessen Geist uns ihm gleichgestaltet und uns unsere Würde als Kinder bezeugt; in Gemeinschaft mit dem Vater, der uns mit dem Geist seiner Liebe erfüllt, uns zu derselben Antwort der Liebe befähigt und dazu beruft wie der Sohn. Der Heilige Geist, der vom Vater und vom Sohn ausgeht, wird in uns zum Ursprung und Band der trinitarischen Gemeinschaft: Wirklich werden wir an einer lebendigen Beziehung beteiligt, die echtes Leben in Gemeinschaft mit den drei göttlichen Personen in ihrer Unterscheidung und Einheit ist. Als Kinder im Sohn sind wir berufen, das Geheimnis des einen und dreifaltigen Gottes durch unser ganzes Leben zu offenbaren. Wie konkret? Indem wir das Leben aller Menschen leben, aber als vom Vater geliebte Kinder, ohne Lebensbedingungen abzuwarten, die Gott uns keineswegs versprochen hat, sondern indem wir hier und jetzt auf den göttlichen Ruf antworten und die Gnade des gegenwärtigen Augenblicks leben.
EVANGELIUM DES TAGES
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus (Mt 28,16-20)
In jener Zeit gingen die elf Jünger nach Galiläa auf den Berg, den Jesus ihnen genannt hatte. Als sie Jesus sahen, fielen sie vor ihm nieder. Einige aber hatten Zweifel. Da trat Jesus auf sie zu und sagte zu ihnen: «Mir ist alle Vollmacht gegeben im Himmel und auf der Erde. Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.» – Evangelium unseres Herrn Jesus Christus.
Kommentar zum Evangelium des Tages
Die ganze Kirche ist ihrem Wesen nach missionarisch, und das Werk der Evangelisierung ist die grundlegende Pflicht des gesamten Volkes Gottes. Jeder von uns ist berufen, seinen Teil am missionarischen Wirken zu übernehmen und nach seinen Möglichkeiten dem Auftrag Christi zu entsprechen, das Evangelium jedem Geschöpf zu verkünden: «Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe.» Der Codex des Kanonischen Rechts, dieser wertvolle Text, der oft vernachlässigt, wenn nicht gar geschmäht wird, erklärt bei der Aufzählung der Pflichten und Rechte aller Gläubigen: «Alle Gläubigen haben die Pflicht und das Recht, sich dafür einzusetzen, dass die göttliche Heilsbotschaft immer mehr unter den Menschen aller Zeiten und an allen Orten verbreitet wird.» Für die Verkündigung des Evangeliums im gewöhnlichen Leben bedarf es keiner besonderen Beauftragung, die über das Sakrament der Taufe hinausgeht, keiner besonderen Delegation und keiner speziellen Kompetenz: Das Engagement für die Evangelisierung ist nicht einigen Fachleuten vorbehalten, sondern Aufgabe der gesamten Gemeinschaft. Wichtig ist, zu glauben und sich des Evangeliums nicht zu schämen.


