Texte aus dem Messbuch „Auf dein Wort“ März-April 2022
4. Fastensonntag (C) „Laetare“
4. Woche im Jahreskreis
ERSTE LESUNG
Aus dem Buch Josua (Jos 5,9a.10-12)
In jenen Tagen sagte der Herr zu Josua: „Heute habe ich die Schande Ägyptens von euch abgewälzt.“ Die Israeliten schlugen ihr Lager in Gilgal auf und feierten das Pascha am vierzehnten Tag des Monats, am Abend, in der Steppe von Jericho. Am Tag nach dem Pascha aßen sie von den Erträgen des Landes, ungesäuertes Brot und geröstetes Getreide, noch an jenem Tag. Vom folgenden Tag an, nachdem sie von den Erträgen des Landes gegessen hatten, hörte das Manna auf. Die Israeliten hatten von da an kein Manna mehr; in jenem Jahr aßen sie von den Erträgen des Landes Kanaan. - Wort des lebendigen Gottes.
Kommentar zur ersten Lesung
Was der Abschnitt aus dem Buch Josua beschreibt, ist ein Moment größter Freude für das Volk Israel: Endlich, nach Jahren und Jahren mühsamer Wanderung durch die Wüste und nachdem sie den Jordan auf wunderbare Weise durchquert hatten, waren alle Israeliten in das Gelobte Land eingezogen. Der Traum war Wirklichkeit geworden! Die Verheißungen waren also wahr: Sie befanden sich tatsächlich an dem Ort, den Gott seit jeher für sie vorbereitet hatte. Und was tun sie als erste offizielle Handlung? Sie feiern das Pascha, das heißt, sie vollziehen den Ritus des „Übergangs“, den sie Jahrzehnte zuvor beim Auszug aus der Sklaverei Ägyptens erlebt hatten und den sie nun endlich vor ihren Augen verwirklicht sehen können. Es handelt sich also nicht um irgendein Fest oder um reine menschliche Freude: Es ist die Anerkennung, dass Gott seine Verheißungen erfüllt hat, und gewissermaßen eine „liturgische Freude“. So sollte es auch bei uns jedes Mal sein, wenn wir zur Messe gehen. Wir sind nicht dazu berufen, Gesten der Begeisterung zu vollziehen, sondern uns zutiefst über das zu freuen, was wir gleich erleben werden: Der wahre Übergang von der Sünde zur Gnade hat sich in Christus Jesus, der für uns gekreuzigt wurde und auferstanden ist, verwirklicht.
ZWEITE LESUNG
Aus dem zweiten Brief des Apostels Paulus an die Korinther (2 Kor 5,17-21)
Brüder und Schwestern, wenn jemand in Christus ist, dann ist er eine neue Schöpfung: Das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. Aber das alles kommt von Gott, der uns durch Christus mit sich versöhnt und uns den Dienst der Versöhnung anvertraut hat. Ja, Gott war es, der in Christus die Welt mit sich versöhnt hat, indem er den Menschen ihre Verfehlungen nicht anrechnete und uns das Wort von der Versöhnung anvertraute. Wir sind also Gesandte an Christi statt, und Gott ist es, der durch uns mahnt. Wir bitten an Christi statt: Lasst euch mit Gott versöhnen! Er hat den, der keine Sünde kannte, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm Gerechtigkeit Gottes würden. - Wort des lebendigen Gottes.
Kommentar zur zweiten Lesung
Der Sinn christlicher Freude - heute ist der Sonntag „Laetare“, also der Freude - liegt darin, dass wir in Christus ein wirklich anderes Leben führen. Wenn es wahr ist, dass „jetzt keine Verurteilung mehr für die gibt, die in Christus Jesus sind“ (Röm 8,1), haben wir allen Grund, innerlich voller Staunen aufzujubeln. Das alles kommt nicht von uns, betont der Apostel, sondern von Gott, der uns in Christus versöhnt hat. Lassen wir also jede andere Betrachtung und Sichtweise beiseite: Heute richten wir unseren Blick auf das Geheimnis des schmerzvollen Leidens des Herrn wegen der Früchte, die daraus hervorgehen. Wir richten unsere Augen auf „den, den sie durchbohrt haben“ (Joh 19,37), und singen den Hymnus des Sieges. Wir können und dürfen nicht traurig sein, denn die Traurigkeit, so sagte der heilige Franz von Assisi, ist das Übel Satans. Jesus will, dass wir uns „mit Gott versöhnen lassen“, um uns sein eigenes Leben zu schenken. Wer hat gesagt, dass Gott uns nur im anderen Leben glücklich sehen will? Er will es auch in diesem, und wie! Natürlich wird es immer Gründe zum Leiden geben, weil die Sünde noch in der Welt ist; aber heute betrachten wir den vollkommenen und endgültigen Sieg des Kreuzes, das ein Akt der Liebe ist.
EVANGELIUM DES TAGES
Aus dem Evangelium nach Lukas (Lk 15,1-3.11-32)
In jener Zeit kamen alle Zöllner und Sünder zu Jesus, um ihn zu hören. Die Pharisäer und Schriftgelehrten empörten sich darüber und sagten: „Dieser nimmt Sünder auf und isst mit ihnen.“ Da erzählte er ihnen dieses Gleichnis: „Ein Mann hatte zwei Söhne. Der jüngere von ihnen sagte zu seinem Vater: ,Vater, gib mir den Anteil des Vermögens, der mir zusteht.‘ Da teilte der Vater das Vermögen unter ihnen auf. Nach wenigen Tagen packte der jüngere Sohn alles zusammen und zog in ein fernes Land. Dort führte er ein zügelloses Leben und verschleuderte sein Vermögen. Als er alles durchgebracht hatte, kam eine große Hungersnot über jenes Land und er begann Not zu leiden. Da ging er zu einem Bürger des Landes und drängte sich ihm auf; der schickte ihn auf die Felder, um Schweine zu hüten. Er hätte gern seinen Hunger mit den Schoten gestillt, die die Schweine fraßen; aber niemand gab ihm davon. Da ging er in sich und sagte: ,Wie viele Tagelöhner meines Vaters haben mehr als genug zu essen und ich komme hier vor Hunger um. Ich will aufbrechen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt. Ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein. Mach mich zu einem deiner Tagelöhner.‘ Dann brach er auf und ging zu seinem Vater. Der Vater sah ihn schon von Weitem kommen und er hatte Mitleid mit ihm. Er lief dem Sohn entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn. Da sagte der Sohn zu ihm: ,Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt; ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein.‘ Der Vater aber sagte zu seinen Knechten: ,Holt schnell das beste Gewand und zieht es ihm an, steckt ihm einen Ring an die Hand und zieht ihm Sandalen an die Füße! Bringt das Mastkalb her und schlachtet es; wir wollen essen und fröhlich sein. Denn dieser, mein Sohn, war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wiedergefunden worden.‘ Und sie begannen zu feiern. Sein älterer Sohn war unterdessen auf dem Feld. Als er heimkam und in die Nähe des Hauses kam, hörte er Musik und Tanz. Da rief er einen der Knechte und fragte, was das bedeuten solle. Der Knecht antwortete ihm: ,Dein Bruder ist gekommen und dein Vater hat das Mastkalb schlachten lassen, weil er ihn gesund und sicher wiederhat.‘ Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen. Sein Vater aber kam heraus und redete ihm gut zu. Doch er erwiderte seinem Vater: ,Siehe, so viele Jahre schon diene ich dir und noch nie habe ich gegen deinen Willen gehandelt; mir aber hast du nie auch nur einen Ziegenbock geschenkt, damit ich mit meinen Freunden ein Fest feiern konnte. Kaum aber ist der hier gekommen, dein Sohn, der dein Vermögen mit Dirnen durchgebracht hat, da hast du für ihn das Mastkalb geschlachtet.‘ Der Vater antwortete ihm: ,Mein Kind, du bist immer bei mir und alles, was mein ist, ist auch dein. Aber jetzt müssen wir uns doch freuen und ein Fest feiern; denn dein Bruder war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wiedergefunden worden.‘“ - Evangelium unseres Herrn Jesus Christus.
Kommentar zum Evangelium des Tages
Was den verlorenen Sohn erstaunt und zur Umkehr bewegt, ist nicht so sehr das Erbarmen des Vaters, der ihn wieder aufnimmt, sondern das Fest, das er zu seinen Ehren veranstaltet. Der Junge hatte sich bereits seine „Rückkehrrede“ zurechtgelegt: Er hatte es schlimm getrieben, den Vater um sein Erbe gebeten und ihn auf jede erdenkliche Weise beleidigt; nun kehrte er zurück und musste mit eingezogenem Schwanz, kleinlaut und gedemütigt auftreten, um hoffen zu können, wieder aufgenommen zu werden. Doch der Vater lässt ihn nicht einmal ausreden und - wohlgemerkt - richtet nicht einmal ein Wort an ihn. Er umarmt ihn und wendet sich dann an die Knechte mit dem Befehl, sofort das außergewöhnlichste Fest vorzubereiten, das jemals auf dem Hof gefeiert worden war. Diese Güte und dieses Fest hatte der Junge nicht erwartet. Wir können uns vorstellen, wie verlegen er war … Er kannte seinen Vater wirklich nicht. Vielleicht hätte er einige Monate Buße vorgezogen, stattdessen wird er mit neuen Sandalen und einem Ring am Finger mitten in das Fest hineingedrängt und muss köstliche Speisen essen und zum Klang der Zithern tanzen. Und dieses Fest bringt den älteren Sohn zur Weißglut! Nicht dass der jüngere zurückgekehrt ist, sondern dass er auf diese Weise aufgenommen wird! Im Himmel wird also gefeiert, wenn ein Sünder zur Herde zurückkehrt. Wird es vielleicht bei jedem Einzug ins Paradies so sein?

