Texte aus dem Messbuch „Auf dein Wort“ Juli-August 2023
22. Sonntag im Jahreskreis (C)
2. Woche im Psalter
ERSTE LESUNG
Aus dem Buch Jesus Sirach (Sir 3,19-21.30-31)
Mein Sohn, verrichte deine Werke mit Sanftmut, und du wirst mehr geliebt werden als ein freigebiger Mensch. Je größer du bist, umso mehr sollst du dich demütigen, und du wirst Gnade finden beim Herrn. Viele sind hochmütig und stolz, doch den Demütigen enthüllt Gott seine Geheimnisse. Denn groß ist die Macht des Herrn, und von den Demütigen wird er verherrlicht. Für das Unglück des Hochmütigen gibt es keine Heilung, denn in ihm hat die Pflanze des Bösen Wurzeln geschlagen. Ein weises Herz sinnt über Sprichwörter nach, ein aufmerksames Ohr ist das Verlangen des Weisen. – Wort des lebendigen Gottes.
Kommentar zur ersten Lesung
In diesem Abschnitt aus dem Buch Jesus Sirach wird der Wert von Sanftmut, Demut und Bescheidenheit hervorgehoben, um beim Nächsten und vor allem bei Gott Wohlwollen zu finden. Diese Tugenden öffnen das Herz für Gottes Gaben und verwandeln uns in seine Zeugen. Besonders die Sanftmut scheint heutzutage keine geschätzte Eigenschaft zu sein. Im allgemeinen Denken bedeutet sanft zu sein, Schwäche zu zeigen und im Allgemeinen eine verzichtende Haltung gegenüber dem Leben einzunehmen. Der Sanftmütige schreit nämlich nicht, um sich selbst Recht zu verschaffen, und tut auch nicht alles, um sich in den Vordergrund zu stellen. Wie kann man sich dann einen solchen Zustand wünschen? Und doch sagt die Heilige Schrift genau das Gegenteil: Die Menschen, die wirklich Geschichte geschrieben haben und von denen man auch nach vielen Jahrhunderten noch spricht, waren sanftmütig und fähig, ihr Vertrauen auf Gott zu setzen. Diese Tugend zu pflegen bedeutet, verstanden zu haben, was wirklich wichtig ist, ohne sich von der Denkweise der Welt täuschen zu lassen. Der Sanftmütige ist jemand, der die Wirklichkeit mit den Augen Gottes und seiner Liebe zu beurteilen weiß.
ZWEITE LESUNG
Aus dem Brief an die Hebräer (Hebr 12,18-19.22-24a)
Brüder und Schwestern, ihr seid nicht zu etwas Greifbarem hingetreten, zu einem lodernden Feuer, zu Dunkelheit, Finsternis und Sturm, zum Schall einer Posaune und zum Klang von Worten, bei denen die Hörer Gott anflehten, er möge ihnen kein weiteres Wort mehr sagen. Ihr seid vielmehr zum Berg Zion hingetreten, zur Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem, zu Tausenden von Engeln, zu einer festlichen Versammlung und zur Gemeinschaft der Erstgeborenen, die im Himmel verzeichnet sind, zu Gott, dem Richter aller, zu den Geistern der vollendeten Gerechten und zu Jesus, dem Mittler eines neuen Bundes. – Wort des lebendigen Gottes.
Kommentar zur zweiten Lesung
Im Alten Testament war die Annäherung an Gott eine Quelle der Furcht: Wie kann man seine Stimme hören, ohne zu sterben? Deshalb schildern so viele alttestamentliche Darstellungen die Offenbarungen des Allerhöchsten als Ereignisse, die von großen Erschütterungen der Natur begleitet werden. Doch der Verfasser des Hebräerbriefs sagt uns, dass all dies vorbei ist: Jetzt offenbart sich Gott in der Person Jesu von Nazaret. Deshalb haben wir keinen Grund mehr, Angst vor ihm zu haben, denn unser Los ist wie das der Engel und Heiligen im Himmel. Im Glauben und in der Liebe nehmen wir an derselben seligen Schau teil. Daher kann man keine Angst mehr vor dem haben, der uns mehr liebt als jeder andere auf der Welt. Unsere Haltung soll von Vertrauen zu ihm geprägt sein, so wie Kinder gegenüber dem liebevollsten aller Väter. Unser Herr flüstert Liebe, und wir schöpfen aus jedem Wort, das aus seinem Mund hervorgeht, Leben; er sieht uns an, und unser Leben wird vom Guten erhellt; er kommt uns nahe, und wir werden auf unserem Weg getröstet und begleitet. Die Zeit der Angst ist vorbei.
EVANGELIUM DES TAGES
Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas (Lk 14,1.7-14)
Es geschah, dass Jesus an einem Sabbat zum Essen in das Haus eines führenden Pharisäers kam; da beobachtete man ihn. Als er bemerkte, wie sich die Gäste die ersten Plätze aussuchten, erzählte er ihnen ein Gleichnis: «Wenn du von jemandem zu einer Hochzeit eingeladen bist, nimm nicht den ersten Platz ein, damit nicht ein anderer Gast eingeladen ist, der angesehener ist als du, und der Gastgeber, der dich und ihn eingeladen hat, zu dir kommt und sagt: „Mach diesem Platz!“. Du aber müsstest beschämt den untersten Platz einnehmen. Vielmehr, wenn du eingeladen bist, geh und nimm den untersten Platz ein, damit dein Gastgeber zu dir kommt und sagt: „Mein Freund, rück weiter hinauf!“. Dann wirst du vor allen anderen Gästen geehrt werden. Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden». Dann sagte er zu seinem Gastgeber: «Wenn du ein Mittag- oder Abendessen gibst, lade nicht deine Freunde, deine Brüder, deine Verwandten oder reiche Nachbarn ein, damit auch sie dich nicht wieder einladen und dir vergolten wird. Nein, wenn du ein Festmahl gibst, dann lade Arme, Krüppel, Lahme und Blinde ein; und du wirst selig sein, denn sie können es dir nicht vergelten. Du wirst es bei der Auferstehung der Gerechten vergolten bekommen». – Evangelium unseres Herrn Jesus Christus
Kommentar zum Evangelium des Tages
Die Rede Jesu ist wirklich aktuell: Es scheint, dass Uneigennützigkeit, das Geben, ohne etwas zu erwarten, in unseren Beziehungen sehr schwierig ist. Denn so sehr wir uns auch vom Gegenteil überzeugen können, unsere Handlungsweisen und Beziehungen leiden immer unter jenen schlechten Motiven, die persönliches Interesse, eigener Vorteil und die Erwartung einer Gegenleistung sind. Es ist offensichtlich, dass es sich dabei nicht nur um eine materielle Gegenleistung handelt: Auch die Forderung nach Aufmerksamkeit und der Anspruch, um jeden Preis beachtet zu werden, sind eine ähnliche Form der Suche nach Belohnung. Deshalb lädt Jesus, der unsere Herzen kennt, uns ein, unsere Aufmerksamkeit vor allem auf jene zu richten, die uns nichts vergelten können. Das ist die beste Übung, durch die wir das Unkraut des Interesses aus unserem Herzen entfernen können, nach dem wir auf die eine oder andere Weise immer suchen. Wir müssen die Logik des Dienens in unseren Alltag tragen und den Wunsch und Impuls überwinden, am ersten Platz zu sitzen. Wahre Größe besteht nicht darin, sich durchzusetzen, sondern sich mit Demut und Liebe bis zu den Kleinsten hinabzubeugen; darin, sich nach dem Vorbild Christi den anderen unentgeltlich zu schenken, der sich selbst ganz für das Heil und das Glück jedes Einzelnen hingegeben hat.

