Palmsonntag und Passion des Herrn (B)
2. Woche im Psalter
Texte aus dem Messbuch „Sulla Tua Parola“ März-April 2021.
Der Palmsonntag oder Sonntag der Passion des Herrn markiert den feierlichen Beginn der Karwoche, in der wir die letzten Tage des irdischen Lebens Jesu bis zu seiner Auferstehung feiern werden. Zwei Symbole kennzeichnen diesen Sonntag: die Palmzweige und das Kreuz. Sie sind eng miteinander verbunden, denn sie weisen auf dasselbe hin: das geschenkte Leben, das Heil und die Auferstehung. Das Evangelium vom Palmsonntag legt uns die dialogische Lesung des Berichts über die Passion unseres Herrn Jesus Christus nach Markus vor; die Erinnerung an dieses für unseren Glauben zentrale Ereignis verdient unsere ganze Aufmerksamkeit und bietet eine günstige Gelegenheit, den Vorsatz und das Bemühen zu erneuern, dieselbe Gesinnung wie Christus Jesus zu haben.
ERSTE LESUNG
Aus dem Buch des Propheten Jesaja (Jes 50,4-7)
Gott, der Herr, gab mir die Zunge eines Jüngers, damit ich verstehe, den Müden durch ein aufmunterndes Wort aufzurichten. Jeden Morgen weckt er mein Ohr, damit ich höre, wie Jünger hören. Gott, der Herr, hat mir das Ohr geöffnet. Ich aber habe mich nicht geweigert und bin nicht zurückgewichen. Ich hielt meinen Rücken denen hin, die mich schlugen, und denen, die mir den Bart ausrissen, meine Wangen. Mein Gesicht verbarg ich nicht vor Schmähungen und Speichel. Doch Gott, der Herr, wird mir helfen; darum werde ich nicht in Schande enden. Deshalb mache ich mein Gesicht hart wie einen Kiesel; ich weiß, dass ich nicht in Schande gerate. – Wort des lebendigen Gottes.
Kommentar zur ersten Lesung
Das Wort Gottes am heutigen Palmsonntag führt uns in einen scheinbaren Widerspruch: Wie ist es möglich, dem Mutlosen ein Wort zuzusprechen, wenn wir selbst zuerst geschlagen werden? Der Schlüssel liegt in dem wunderschönen Ausdruck: «Gott, der Herr, wird mir helfen». Der heilige Paulus wird sagen: «Ist Gott für uns, wer ist dann gegen uns?». Wenn wir wirklich sicher sind, dass Gott an unserer Seite ist, und wenn wir ihm erlauben, dort zu bleiben, verwandelt sich unser Leben vollständig. Unnötige Ängste verschwinden, und die einzige Sorge besteht darin, dem Willen Gottes treu zu sein – bis zum Kreuz … und bis zur Auferstehung. Es ist außerdem interessant zu betonen, dass die wahre Sprache, die bekehrt und die Gott zu seiner eigenen machen kann, nicht die des Lehrers oder des Weisen ist, sondern die des Jüngers, der sich in eine tiefe Haltung des Empfangens und Hörens begibt. In einem weiteren Schritt der Vertiefung sagte der heilige Franz von Sales: «Der Mund spricht nur zu den Ohren, aber das Herz spricht zum Herzen».
ZWEITE LESUNG
Aus dem Brief des Apostels Paulus an die Philipper (Phil 2,6-11)
Christus Jesus war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein, sondern entäußerte sich und nahm die Gestalt eines Sklaven an, wurde den Menschen gleich und in seiner äußeren Erscheinung als Mensch erkannt. Er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz. Darum hat ihn Gott über alle erhöht und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen, damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde ihr Knie beugen vor dem Namen Jesu und jeder Mund bekennt: «Jesus Christus ist der Herr» – zur Ehre Gottes, des Vaters. – Wort des lebendigen Gottes.
Kommentar zur zweiten Lesung
Wir alle verspüren zutiefst das Bedürfnis nach Anerkennung; doch gründen wir unsere Entscheidungen auf vergängliche, flüchtige Anerkennungen (sie dauern nur einen Tag und verschwinden dann), oder versuchen wir, uns sowohl in den entscheidenden Augenblicken unseres Lebens als auch bei den kleinen Entscheidungen, die wir täglich treffen, zu fragen: «Jesus, was hältst du von dieser meiner Entscheidung? Was würde Jesus tun, wenn er an meiner Stelle wäre?». Der Palmsonntag erinnert uns daran, dass die Kenosis (Erniedrigung) Gottes keine Niederlage ist, sondern seine Art zu lieben und sich in den Dienst zu stellen. Zuerst innerhalb der Dreifaltigkeit selbst, dann gegenüber uns Menschen. Was uns ermöglicht, auf dieselbe Wellenlänge wie Jesus zu gelangen, in Resonanz mit Gott, ist gerade der Gehorsam: Er ist kein Vorrecht der Ordensleute, sondern gehört zu jedem Jünger Christi. Was bedeutet es für einen Ehemann, seiner Frau zu gehorchen? Und was bedeutet für eine Ehefrau die Fügsamkeit gegenüber Gott durch das Hören auf ihren Mann? Kann man gehorsame Eltern sein? Und fügsame und hilfsbereite Kinder (jenseits von Banalitäten und Gemeinplätzen)? Darüber hinaus bringen die Gaben, die wir haben, gerade weil es unentgeltliche Geschenke sind, zu denen wir lediglich beigetragen haben, eine Dimension des Dienstes mit sich.
EVANGELIUM DES TAGES
(Hinweise für die dialogische Lesung: ✠ = Jesus; C = Chronist; D = Jünger und Freunde; F = Volk; A = Andere Personen).
Die Passion unseres Herrn Jesus Christus nach Markus (Mk 14,1 – 15,47)
Sie suchten nach einer Möglichkeit, ihn zu töten
C Es waren noch zwei Tage bis zum Paschafest und dem Fest der ungesäuerten Brote. Die Hohepriester und die Schriftgelehrten suchten nach einer Möglichkeit, Jesus mit List zu ergreifen und zu töten. Sie sagten nämlich: A «Nicht am Fest, damit es im Volk keinen Aufruhr gibt».
Sie hat meinen Leib im Voraus für das Begräbnis gesalbt
C Jesus war in Betanien im Haus Simons des Aussätzigen. Während er bei Tisch war, kam eine Frau mit einem Alabastergefäß voll echtem, kostbarem Nardenöl. Sie zerbrach das Gefäß und goss das Öl über sein Haupt. Einige aber wurden unwillig und sagten: A «Wozu diese Verschwendung des Öls? Man hätte es für mehr als dreihundert Denare verkaufen und das Geld den Armen geben können». C Und sie machten ihr heftige Vorwürfe. Jesus sagte: ✠ «Lasst sie! Warum lasst ihr sie nicht in Ruhe? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. Denn die Armen habt ihr immer bei euch und ihr könnt ihnen Gutes tun, sooft ihr wollt; mich aber habt ihr nicht immer. Sie hat getan, was sie konnte. Sie hat meinen Leib im Voraus für das Begräbnis gesalbt. Amen, ich sage euch: Überall auf der Welt, wo das Evangelium verkündet wird, wird man sich an sie erinnern und erzählen, was sie getan hat».
Sie versprachen Judas Iskariot Geld zu geben
C Da ging Judas Iskariot, einer der Zwölf, zu den Hohepriestern, um Jesus an sie auszuliefern. Als sie das hörten, freuten sie sich und versprachen ihm, Geld zu geben. Und er suchte nach einer günstigen Gelegenheit, ihn auszuliefern.
Wo ist der Raum, in dem ich mit meinen Jüngern das Pascha essen kann?
C Am ersten Tag des Festes der ungesäuerten Brote, an dem man das Paschalamm schlachtete, sagten seine Jünger zu ihm: D «Wo sollen wir hingehen und das Paschamahl für dich vorbereiten?». C Da schickte er zwei seiner Jünger aus und sagte zu ihnen: ✠ «Geht in die Stadt; dort wird euch ein Mann begegnen, der einen Wasserkrug trägt. Folgt ihm, und wo er hineingeht, da sagt zu dem Hausherrn: “Der Meister lässt dir sagen: Wo ist der Raum, in dem ich mit meinen Jüngern das Pascha essen kann?”. Und der Hausherr wird euch einen großen Raum im Obergeschoss zeigen, der schon hergerichtet und bereit ist. Dort bereitet alles für uns vor!». C Die Jünger machten sich auf den Weg und kamen in die Stadt. Sie fanden alles so, wie er es ihnen gesagt hatte, und bereiteten das Paschamahl vor.
Einer von euch wird mich ausliefern, einer, der mit mir isst
C Als es Abend wurde, kam Jesus mit den Zwölf. Während sie nun bei Tisch waren und aßen, sagte Jesus: ✠ «Amen, ich sage euch: Einer von euch wird mich ausliefern, einer, der mit mir isst». C Da wurden sie traurig und einer nach dem andern fragte ihn: D «Doch nicht etwa ich?». C Er sagte zu ihnen: ✠ «Einer von euch Zwölf, der mit mir aus derselben Schüssel isst. Der Menschensohn muss zwar seinen Weg gehen, wie die Schrift über ihn sagt. Doch weh dem Menschen, durch den der Menschensohn ausgeliefert wird. Für ihn wäre es besser, wenn er nie geboren wäre».
Das ist mein Leib. Das ist mein Blut des Bundes
C Während des Mahls nahm Jesus das Brot und sprach den Lobpreis; dann brach er das Brot, reichte es ihnen und sagte: ✠ «Nehmt, das ist mein Leib». C Danach nahm er den Kelch, sprach das Dankgebet, gab ihn den Jüngern und sie tranken alle daraus. Und er sagte zu ihnen: ✠ «Das ist mein Blut des Bundes, das für viele vergossen wird. Amen, ich sage euch: Ich werde nicht mehr von der Frucht des Weinstocks trinken bis zu dem Tag, an dem ich von Neuem davon trinke im Reich Gottes».
Bevor der Hahn zweimal kräht, wirst du mich dreimal verleugnen
C Nach dem Lobgesang gingen sie zum Ölberg hinaus. Jesus sagte zu ihnen: ✠ «Ihr werdet alle Anstoß nehmen, denn in der Schrift steht: “Ich werde den Hirten schlagen, dann werden sich die Schafe zerstreuen”. Aber nach meiner Auferstehung werde ich euch nach Galiläa vorausgehen». C Da sagte Petrus zu ihm: D «Auch wenn alle Anstoß nehmen - ich nicht!». C Jesus sagte zu ihm: ✠ «Amen, ich sage dir: Noch heute Nacht, ehe der Hahn zweimal kräht, wirst du mich dreimal verleugnen». C Petrus aber beteuerte: D «Und wenn ich mit dir sterben müsste - ich werde dich nie verleugnen». C Das Gleiche sagten auch die anderen.
Er begann zu zittern und in Angst zu geraten
C Sie kamen zu einem Grundstück, das Getsemani hieß. Und Jesus sagte zu seinen Jüngern: ✠ «Setzt euch hier, während ich bete». C Er nahm Petrus, Jakobus und Johannes mit sich. Da ergriff ihn Furcht und Angst, und er sagte zu ihnen: ✠ «Meine Seele ist zu Tode betrübt. Bleibt hier und wacht!». C Und er ging ein Stück weiter, warf sich zur Erde nieder und betete, dass die Stunde, wenn möglich, an ihm vorübergehe. Er sprach: ✠ «Abba, Vater, alles ist dir möglich. Nimm diesen Kelch von mir! Aber nicht, was ich will, sondern was du willst». C Dann ging er zurück und fand sie schlafend. Da sagte er zu Petrus: ✠ «Simon, du schläfst? Konntest du nicht einmal eine Stunde wach bleiben? Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet. Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach». C Und er ging wieder weg und betete mit den gleichen Worten. Als er zurückkam, fand er sie wieder schlafend, denn ihre Augen waren schwer geworden und sie konnten ihm nicht antworten. Und als er zum dritten Mal kam, sagte er zu ihnen: ✠ «Schlaft ihr immer noch und ruht euch aus? Es ist genug. Die Stunde ist gekommen; siehe, jetzt wird der Menschensohn den Sündern ausgeliefert. Steht auf, wir wollen gehen! Seht, der Verräter, der mich ausliefert, ist da!».
Nehmt ihn fest und führt ihn in sicherem Gewahrsam ab
C Noch während Jesus redete, kam Judas, einer der Zwölf, mit einer Schar Männer, die mit Schwertern und Knüppeln bewaffnet waren. Sie waren von den Hohepriestern, den Schriftgelehrten und den Ältesten geschickt worden. Der Verräter hatte mit ihnen ein Zeichen verabredet und gesagt: D «Der, den ich küssen werde, der ist es. Nehmt ihn fest, und führt ihn in sicherem Gewahrsam ab». C Und als er kam, ging er sogleich auf Jesus zu und sagte: D «Rabbi!». C Dann küsste er ihn. Da ergriffen sie ihn und nahmen ihn fest. Einer von den Umstehenden zog das Schwert, schlug auf den Diener des Hohepriesters ein und hieb ihm ein Ohr ab. Da sagte Jesus zu ihnen: ✠ «Wie gegen einen Räuber seid ihr mit Schwertern und Knüppeln ausgezogen, um mich festzunehmen. Tag für Tag war ich bei euch im Tempel und lehrte, und ihr habt mich nicht verhaftet. Aber so müssen sich die Schriften erfüllen». C Da verließen ihn alle und flohen. Ein junger Mann aber, der nur mit einem Leinentuch bekleidet war, folgte ihm. Da wollten sie ihn festnehmen; er aber ließ das Tuch fallen und floh nackt davon.
Bist du der Messias, der Sohn des Hochgelobten?
C Sie führten Jesus zum Hohepriester; dort versammelten sich die Hohepriester, die Ältesten und die Schriftgelehrten. Petrus folgte ihm von weitem bis in den Hof des Hohepriesters. Dort saß er bei den Dienern und wärmte sich am Feuer. Die Hohepriester und der ganze Hohe Rat bemühten sich um Zeugenaussagen gegen Jesus, um ihn zum Tod zu verurteilen; doch sie fanden nichts. Viele machten falsche Aussagen gegen ihn, aber die Aussagen stimmten nicht überein. Einige traten auf und behaupteten: A «Wir haben ihn sagen hören: “Ich werde diesen von Menschenhand gemachten Tempel niederreißen und in drei Tagen einen anderen errichten, der nicht von Menschenhand gemacht ist”». C Aber auch ihre Aussagen stimmten nicht überein. Da stand der Hohepriester auf, trat in die Mitte und fragte Jesus: A «Willst du denn zu den Vorwürfen dieser Leute nichts sagen?». C Jesus aber schwieg und gab keine Antwort. Da wandte sich der Hohepriester ein zweites Mal an ihn und fragte: A «Bist du der Messias, der Sohn des Hochgelobten?». C Jesus sagte: ✠ «Ich bin es. Und ihr werdet den Menschensohn zur Rechten der Macht sitzen und mit den Wolken des Himmels kommen sehen». C Da zerriss der Hohepriester sein Gewand und rief: A «Wozu brauchen wir noch Zeugen? Ihr habt die Gotteslästerung gehört. Wie lautet euer Urteil?». C Und sie fällten einstimmig das Urteil: Er ist schuldig und muss sterben. Einige spuckten ihn an, verhüllten sein Gesicht, schlugen ihn und riefen: F «Weissage uns!». C Und die Diener schlugen ihm ins Gesicht.
Ich kenne diesen Menschen nicht, von dem ihr redet
C Während Petrus unten im Hof war, kam eine von den Mägden des Hohepriesters. Sie sah Petrus, der sich wärmte, blickte ihn an und sagte: A «Auch du gehörtest zu diesem Jesus aus Nazaret». C Doch er leugnete und sagte: D «Ich verstehe überhaupt nicht, wovon du redest». C Dann ging er bis zum Tor hinaus. In diesem Augenblick krähte der Hahn. Als die Magd ihn dort stehen sah, sagte sie zu den Umstehenden: A «Der gehört doch zu ihnen». C Er aber leugnete es wieder ab. Nach einer Weile sagten die Umstehenden noch einmal zu Petrus: A «Natürlich gehörst du zu ihnen. Du bist doch auch ein Galiläer». C Da fing er an zu fluchen und schwor: D «Ich kenne diesen Menschen nicht, von dem ihr redet». C Gleich darauf krähte der Hahn zum zweiten Mal. Da erinnerte sich Petrus, dass Jesus zu ihm gesagt hatte: «Ehe der Hahn zweimal kräht, wirst du mich dreimal verleugnen». Und er begann zu weinen.
Wollt ihr, dass ich euch den König der Juden freilasse?
C Gleich in der Frühe fassten die Hohepriester mit den Ältesten und den Schriftgelehrten, also der gesamte Hohe Rat, gemeinsam einen Beschluss. Sie ließen Jesus fesseln und abführen und lieferten ihn Pilatus aus. Pilatus fragte ihn: A «Bist du der König der Juden?». C Jesus antwortete: ✠ «Du sagst es». C Die Hohepriester brachten viele Anklagen gegen ihn vor. Pilatus fragte ihn von neuem: A «Willst du denn nichts dazu sagen? Du siehst doch, wie schwer sie dich beschuldigen». C Jesus gab keine Antwort mehr, sodass Pilatus sich sehr wunderte. Jeweils zum Fest ließ Pilatus einen Gefangenen frei, den sie sich ausbitten durften. Damals saß gerade ein Mann namens Barabbas mit anderen Aufrührern im Gefängnis. Sie hatten bei einem Aufstand einen Mord begangen. Die Volksmenge zog zu Pilatus hinauf und bat ihn, ihnen die gleiche Vergünstigung zu gewähren. Pilatus fragte sie: A «Wollt ihr, dass ich euch den König der Juden freilasse?». C Er wusste nämlich, dass die Hohepriester Jesus nur aus Neid ausgeliefert hatten. Die Hohepriester aber wiegelten die Volksmenge auf, lieber die Freilassung des Barabbas zu fordern. Pilatus wandte sich noch einmal an sie und fragte: A «Was soll ich dann mit dem machen, den ihr den König der Juden nennt?». C Da schrien sie: F «Kreuzige ihn!». C Pilatus entgegnete: A «Was hat er denn verbrochen?». C Aber sie schrien noch viel lauter: F «Kreuzige ihn!». C Darauf ließ Pilatus, um die Menge zufriedenzustellen, Barabbas frei und gab den Befehl, Jesus zu geißeln und zu kreuzigen.
Sie flochten einen Dornenkranz und setzten ihn ihm auf
C Die Soldaten führten Jesus in den Innenhof des Palastes, also in das Prätorium, und riefen die ganze Kohorte zusammen. Dann legten sie ihm einen purpurroten Mantel um und flochten einen Kranz aus Dornen. Diesen setzten sie ihm auf und begrüßten ihn: F «Heil dir, König der Juden!». C Sie schlugen ihm mit einem Stock auf den Kopf, spuckten ihn an, knieten vor ihm nieder und huldigten ihm. Nachdem sie so ihren Spott mit ihm getrieben hatten, nahmen sie ihm den purpurroten Mantel ab und zogen ihm wieder seine eigenen Kleider an. Dann führten sie ihn hinaus, um ihn zu kreuzigen.
Sie brachten Jesus an den Ort Golgota
C Einen Mann, der gerade vom Feld kam, zwangen sie, das Kreuz Jesu zu tragen. Es war Simon von Zyrene, der Vater des Alexander und des Rufus. Sie brachten Jesus an den Ort Golgota, das heißt übersetzt «Schädelhöhe». Dort wollten sie ihm Wein mit Myrrhe geben; aber er nahm ihn nicht.
Zusammen mit ihm kreuzigten sie zwei Räuber
C Dann kreuzigten sie ihn. Sie verteilten seine Kleider und losten, wer was bekommen sollte. Es war neun Uhr morgens, als sie ihn kreuzigten. Eine Aufschrift auf einem Schild gab den Grund für seine Verurteilung an: «Der König der Juden». Zusammen mit ihm kreuzigten sie zwei Räuber, den einen rechts von ihm, den andern links.
Andere hat er gerettet, sich selbst kann er nicht retten!
C Die Leute, die vorbeikamen, verhöhnten ihn, schüttelten den Kopf und riefen: F «Du wolltest doch den Tempel abreißen und in drei Tagen wieder aufbauen. Wenn du wirklich der Sohn Gottes bist, steig herab vom Kreuz und hilf dir selbst!». C Auch die Hohepriester und Schriftgelehrten verhöhnten ihn und sagten untereinander: A «Andere hat er gerettet, sich selbst kann er nicht retten. Er ist doch der Messias, der König von Israel. Er soll jetzt vom Kreuz herabsteigen, damit wir es sehen und glauben». C Auch die beiden Männer, die mit ihm gekreuzigt worden waren, beschimpften ihn.
Jesus schrie laut auf und starb
C Um zwölf Uhr mittags wurde es im ganzen Land dunkel. Die Finsternis dauerte bis drei Uhr. In der neunten Stunde rief Jesus laut: ✠ «Eloï, Eloï, lema sabachtani?», C das heißt übersetzt: ✠ «Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?». C Einige der Umstehenden sagten, als sie es hörten: A «Hört, er ruft nach Elija!». C Einer lief hin, tauchte einen Schwamm in Essig, steckte ihn auf einen Stock und hielt ihn Jesus zum Trinken hin. Dabei sagte er: A «Lasst mich nur machen! Wir wollen sehen, ob Elija kommt und ihn herabnimmt». C Jesus aber schrie laut auf. Dann starb er.
(Hier kniet man nieder und hält kurz inne)
C Da riss der Vorhang im Tempel von oben bis unten entzwei. Als der Hauptmann, der Jesus gegenüberstand, ihn auf diese Weise sterben sah, sagte er: A «Wahrhaftig, dieser Mensch war Gottes Sohn».] C Auch einige Frauen sahen von weitem zu, unter ihnen Maria aus Magdala, Maria, die Mutter von Jakobus dem Kleinen und Joses, sowie Salome. Sie hatten Jesus schon in Galiläa begleitet und ihm gedient. Außerdem waren dort noch viele andere Frauen, die mit ihm nach Jerusalem hinaufgezogen waren.
Josef ließ einen Stein vor den Eingang des Grabes wälzen
C Es war inzwischen Abend geworden. Der Tag vor dem Sabbat, der Rüsttag, war schon angebrochen. Josef aus Arimathäa, ein angesehenes Mitglied des Hohen Rates, der ebenfalls auf das Reich Gottes wartete, ging mutig zu Pilatus und bat um den Leichnam Jesu. Pilatus war erstaunt, dass Jesus schon tot war. Er ließ den Hauptmann rufen und fragte ihn, ob Jesus schon lange tot sei. Als er von dem Hauptmann erfahren hatte, dass Jesus tot war, überließ er Josef den Leichnam. Josef kaufte ein Leinentuch, nahm Jesus vom Kreuz ab, wickelte ihn in das Tuch und legte ihn in ein Grab, das in einen Felsen gehauen war. Dann wälzte er einen Stein vor den Eingang des Grabes. Maria aus Magdala und Maria, die Mutter des Joses, beobachteten, wohin der Leichnam gelegt wurde. – Evangelium unseres Herrn Jesus Christus.
Kommentar zum Evangelium des Tages
«Die Hohepriester und Schriftgelehrten suchten nach einer Möglichkeit, Jesus mit List zu ergreifen und zu töten». Schriftgelehrte und Pharisäer suchen den Tod Jesu. Was suche ich wirklich, zutiefst, bewusst …? Wen suche ich? «Dein Angesicht, Herr, will ich suchen»: Wie oft mögen jene Menschen zu Gott gebetet und sich mit diesen Worten an ihn gewandt haben; wenn sie jedoch dem wahren Menschen und wahren Gott gegenüberstehen, suchen sie sein tragisches Ende, weil er nicht ihren Vorstellungen entspricht. Wünschen wir uns eine Karwoche, in der wir Gott aufrichtig suchen. Besser noch: Lassen wir uns von Gott suchen und finden; er wird nie müde, sich auf den Weg zu machen, wirklich hinauszugehen … zu unseren Gunsten. Seine Suche ist das Gegenteil der Suche seiner Verfolger; Gott möchte, dass wir ihn frei lieben, nicht unter Zwang. Deshalb nimmt er auch das Drama und das Risiko des Kreuzes an. Wir wissen, dass das Kreuz nicht das letzte Wort sein wird, sondern ein schreckliches und schmerzvolles Werkzeug zu unserem Heil. Am Karsamstag werden die Leidenswerkzeuge, wie auf den alten byzantinischen Ikonen, zu Schlüsseln werden, die die Tore der Unterwelt öffnen: zum Heil jedes Menschen, der sich dem Heil öffnet. Vom Palmsonntag bis zum Ostersonntag: von einer Verherrlichung zum wahren Sieg Jesu über das Böse und den Tod.

