Texte aus dem Messbuch „Auf dein Wort“ Januar-Februar 2023
4. Sonntag im Jahreskreis (A)
4. Woche im Jahreskreis
ERSTE LESUNG
Aus dem Buch des Propheten Zefanja (Zef 2,3;3,12-13)
Sucht den Herrn, ihr Demütigen im Land, die ihr nach seinen Geboten handelt; sucht die Gerechtigkeit, sucht die Demut! Vielleicht bleibt ihr geborgen am Tag des Zornes des Herrn. „Ich lasse in deiner Mitte übrig ein demütiges und armes Volk.“ Der Rest Israels wird auf den Namen des Herrn vertrauen. Sie werden kein Unrecht mehr tun und keine Lüge mehr reden; in ihrem Mund wird sich keine betrügerische Zunge mehr finden. Sie werden weiden und lagern, und niemand wird sie aufschrecken. – Wort des Herrn.
Kommentar zur ersten Lesung
Der Prophet Zefanja beklagt die mangelnde Treue des ganzen Volkes gegenüber Gott. Die große assyrisch-babylonische Macht steht vor den Toren und wird bald Israel überfallen; der Tempel wird zerstört und das ganze Volk in die Ferne verschleppt werden. Wir stehen am Vorabend dieser Ereignisse, doch der Prophet verkündet, dass nicht alles dem Untergang geweiht sein wird und ein kleiner Teil der Gott Getreuen übrig bleiben wird. Die Strafe wird also eine Art Aussiebung oder besser eine allgemeine Reinigung sein. Ein kleiner treuer Rest wird am Leben bleiben: die Demütigen und die Armen. So ist es in der Geschichte immer, wenn nach Zeiten der Untreue ein Neuanfang nötig ist; nicht die Großen und Mächtigen bringen die Dinge wieder in Ordnung, sondern die Letzten, jene, die außer auf Gott keine andere Hoffnung haben und deren einzige Kraft ihr Glaube ist. Das Thema des „kleinen treuen Restes“ ist immer aktuell. In den Augenblicken, in denen es scheint, als verliere die ganze Menschheit Vernunft, Glauben und damit auch den Frieden, müssen wir wissen, dass Gottes Heil durch die Herzensreinen verwirklicht wird, durch Menschen, die den Augen der Welt verborgen, aber reich an großem Glauben sind.
ZWEITE LESUNG
Aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Korinther (1 Kor 1,26-31)
Seht doch auf eure Berufung, Brüder: Da sind unter euch nicht viele, die nach menschlichem Maßstab weise sind, nicht viele Mächtige, nicht viele Vornehme. Im Gegenteil: Was der Welt töricht erscheint, hat Gott erwählt, um die Weisen zuschanden zu machen; was der Welt schwach erscheint, hat Gott erwählt, um das Starke zuschanden zu machen; was der Welt unedel und verachtet erscheint, hat Gott erwählt: das, was nichts ist, um das, was etwas ist, zunichtezumachen, damit kein Mensch sich vor Gott rühmen kann. Durch ihn seid ihr in Christus Jesus, den Gott für uns zur Weisheit gemacht hat, zur Gerechtigkeit, Heiligung und Erlösung. Wer sich also rühmen will, der rühme sich des Herrn, wie es in der Schrift heißt. – Wort des Herrn.
Kommentar zur zweiten Lesung
Im Reich Gottes und in der Welt, deren Fürst Satan ist, funktionieren die Dinge genau entgegengesetzt. In der Welt sucht man Ruhm, Macht, Ehre und menschlichen Reichtum, um es möglichst gut zu haben; und wenn es den anderen schlecht geht oder sie leiden, spielt das keine Rolle. Im Reich Gottes dagegen sucht man seine Herrlichkeit, lebt für ihn, verwirklicht unser wahres Gut, indem wir uns den anderen schenken, und findet den Sinn des Daseins darin, die anderen glücklich zu machen. Dennoch müssen auch wir in der Welt leben, die den Dingen Gottes feindlich gesinnt ist. Was sollen wir tun? Wie können wir das Herz der Brüder „erobern“? Der heilige Paulus gibt uns das Rezept: indem wir klein, demütig und arm bleiben, denn nicht wir berühren die Herzen, sondern der Heilige Geist; nicht wir überzeugen, sondern die Macht Gottes; nicht wir wirken, sondern die göttliche Gnade. Wir sind gleichsam Kommunikationskanäle, Brücken zwischen zwei Ufern, und wenn der Geist Gottes in uns ist, dann wird er gerade durch unsere Kleinheit wirken. „Finde den Frieden des Herzens - sagte der heilige Seraphim von Sarow - und tausend Menschen um dich herum werden gerettet werden.“
EVANGELIUM DES TAGES
Aus dem Evangelium nach Matthäus (Mt 5,1-12a)
In jener Zeit, als Jesus die Menschenmenge sah, stieg er auf den Berg. Er setzte sich, und seine Jünger traten zu ihm. Und er öffnete seinen Mund, er lehrte sie und sprach: „Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich. Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden. Selig die Sanftmütigen; denn sie werden das Land erben. Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden gesättigt werden. Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden. Selig, die rein sind im Herzen; denn sie werden Gott schauen. Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Kinder Gottes genannt werden. Selig, die verfolgt werden um der Gerechtigkeit willen; denn ihnen gehört das Himmelreich. Selig seid ihr, wenn man euch schmäht und verfolgt und alles Böse über euch redet um meinetwillen, indem man dabei lügt. Freut euch und jubelt: Denn euer Lohn wird groß sein im Himmel.“ – Evangelium unseres Herrn Jesus Christus.
Kommentar zum Evangelium des Tages
Gott ist Vater und möchte, dass seine Kinder glücklich sind. Das gehört auch zum menschlichen Wesen: Welcher Vater wünscht sich nicht, sein Kind glücklich zu sehen? Der Herr will nicht unsere Traurigkeit, sondern unsere Freude, nicht nur im Paradies nach dem Tod, sondern auch auf dieser Erde, denn zwischen Gnade und Herrlichkeit besteht Kontinuität. Doch worin besteht das Glück des Menschen hier in der irdischen Wirklichkeit? Vielleicht im Besitz, im Anhäufen, im Ansehen? Nein, es besteht darin, neue Geschöpfe zu sein, ganz auf die Herrlichkeit Gottes ausgerichtet, in Armut und Sanftmut; einfach für Gott und die anderen zu leben, auch wenn wir von der Welt Verfolgung erfahren werden. Diese Seite des Evangeliums ist gewissermaßen der Ausweis des Christen. Ich kenne einen Menschen, der sich jeden Morgen vor dem Verlassen des Hauses laut nacheinander alle diese Seligpreisungen vorsagt, um seinen Tag mit dem Bemühen zu beginnen, arm, sanftmütig, ein Friedensstifter und reinen Herzens zu sein … Und tatsächlich: Dieser Mann ist ein glücklicher Mensch! Und wenn man ihn fragt, warum, weiß er es selbst nicht. Doch die Antwort steht auf dieser Seite des Evangeliums: Auch wenn er wie alle Menschen Schwierigkeiten oder die verschiedenen Leiden des Lebens hat, ist er selig, weil er Frieden im Herzen hat und Christ ist.

