Texte aus dem Messbuch „Auf dein Wort“ Mai-Juni 2022
Himmelfahrt des Herrn (H) (C)
eigene
Tagesmesse
ERSTE LESUNG
Aus der Apostelgeschichte (Apg 1,1-11)
In meinem ersten Bericht, lieber Theophilus, habe ich über alles geschrieben, was Jesus getan und gelehrt hat, von Anfang an bis zu dem Tag, an dem er in den Himmel aufgenommen wurde, nachdem er den Aposteln, die er erwählt hatte, durch den Heiligen Geist Anweisungen gegeben hatte. Ihnen hat er nach seinem Leiden durch viele Beweise gezeigt, dass er lebt; vierzig Tage hindurch ist er ihnen erschienen und hat vom Reich Gottes gesprochen. Beim gemeinsamen Mahl gebot er ihnen: Geht nicht weg von Jerusalem, sondern wartet auf die Verheißung des Vaters, die ihr von mir vernommen habt! Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber werdet schon in wenigen Tagen mit dem Heiligen Geist getauft. Als sie beisammen waren, fragten sie ihn: Herr, stellst du in dieser Zeit das Reich für Israel wieder her? Er antwortete ihnen: Euch steht es nicht zu, Zeiten und Fristen zu kennen, die der Vater in seiner Macht festgesetzt hat. Aber ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch herabkommen wird; und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an die Grenzen der Erde. Als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben und eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken. Während sie unverwandt ihm nach zum Himmel emporschauten, standen plötzlich zwei Männer in weißen Gewändern bei ihnen und sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor? Dieser Jesus, der von euch ging und in den Himmel aufgenommen wurde, wird ebenso wiederkommen, wie ihr ihn habt zum Himmel hingehen sehen. Wort des lebendigen Gottes.
Kommentar zur ersten Lesung
Es ist offensichtlich, dass die Apostel trotz seiner Auferstehung noch nicht viel von der Person und der Sendung des Herrn verstanden haben. Sie träumen weiterhin von einer politischen Befreiung Israels und sind vielleicht noch überzeugter davon, nachdem sie Jesu Sieg über den Tod gesehen haben. Doch der Herr sagt ihnen, sie sollen ihre Vorstellungen beiseitelegen und auf die Gabe des Geistes warten. Er allein wird ihnen nämlich den wahren Sinn des Geschehens Jesu und ihrer Beteiligung daran erschließen. Inzwischen sehen sie zum letzten Mal den zum Himmel aufsteigenden Christus, bevor er ihren Blicken entzogen wird. Die Himmelfahrt ist der letzte Akt im irdischen Leben Jesu, aber zugleich seine endgültige Offenbarung als einziggezeugter Sohn des Vaters: Von ihm kam er und zu ihm kehrt er nun zurück. Mit der Himmelfahrt Jesu beginnt die Sendung der Kirche. Das bedeutet, dass auch wir wie die Apostel und die ersten Gemeinden eingeladen sind, die Fortsetzung der Sendung Jesu bewusst und aktiv zu übernehmen: gemeinsam mit ihm und in der Kraft des Heiligen Geistes das Evangelium bis an die Grenzen der Welt und bis ans Ende der Geschichte zu tragen.
ZWEITE LESUNG
Aus dem Brief an die Hebräer (Hebr 9,24-28; 10,19-23)
Christus ist nicht in ein von Menschenhand gemachtes Heiligtum hineingegangen, ein Abbild des wirklichen, sondern in den Himmel selbst, um jetzt vor dem Angesicht Gottes für uns zu erscheinen. Auch soll er sich nicht viele Male opfern, wie der Hohepriester, der jedes Jahr mit fremdem Blut in das Heiligtum hineingeht; sonst hätte er seit der Erschaffung der Welt viele Male leiden müssen. Doch jetzt ist er am Ende der Zeiten ein einziges Mal erschienen, um die Sünde durch sein eigenes Opfer aufzuheben. Und wie es den Menschen bestimmt ist, ein einziges Mal zu sterben, worauf das Gericht folgt, so wird auch Christus, nachdem er sich ein einziges Mal geopfert hat, um die Sünden vieler hinwegzunehmen, zum zweiten Mal erscheinen, nicht wegen der Sünde, sondern um die zu retten, die ihn erwarten. Brüder und Schwestern, wir haben also die Zuversicht, durch das Blut Jesu in das Heiligtum einzutreten. Er hat uns den neuen und lebendigen Weg erschlossen durch den Vorhang hindurch, das heißt durch sein Fleisch. Und wir haben einen Hohenpriester über das Haus Gottes. Darum lasst uns mit aufrichtigem Herzen und in voller Gewissheit des Glaubens hinzutreten, die Herzen besprengt und damit vom bösen Gewissen gereinigt und den Leib gewaschen mit reinem Wasser. Lasst uns an dem unverrückbaren Bekenntnis der Hoffnung festhalten; denn er, der die Verheißung gegeben hat, ist treu. Wort des lebendigen Gottes.
Kommentar zur zweiten Lesung
Der Abschnitt aus dem Hebräerbrief sagt ausdrücklich, dass Jesus, der wahre und endgültige Hohepriester, in den Himmel aufgefahren ist, um vor Gott zu erscheinen und für uns Fürsprache einzulegen. Niemand ist jemals in das Heiligtum des Himmels vor das Angesicht Gottes eingetreten außer Jesus Christus. Sein Opfer hat bleibenden Wert und muss nicht jedes Jahr wiederholt werden, wie es die Priester in Jerusalem tun mussten. Außerdem hat Jesus nicht das Blut anderer dargebracht, das Blut der Opfertiere. Er selbst hat sich als wahres Paschalamm geopfert. Dank des Opfers Christi haben nun auch wir die Möglichkeit, in das himmlische Heiligtum einzutreten. Als er zum Vater aufstieg, nahm er unsere Menschlichkeit und unser Fleisch in den Himmel mit. Es ist schön zu bedenken, dass etwas von uns in Jesus nun vor dem himmlischen Vater ist: In gewisser Weise sind auch wir bereits eingeladen, im Bewusstsein unserer ewigen Bestimmung zu leben. Was wir auf unserer irdischen Pilgerschaft tun müssen, ist, die Quelle unserer Hoffnung lebendig zu halten: Das bedeutet, weiterzugehen und dabei den Blick stets auf das Herz Gottes zu richten.
EVANGELIUM DES TAGES
Aus dem Evangelium nach Lukas (Lk 24,46-53)
In jener Zeit sagte Jesus zu seinen Jüngern: So steht es geschrieben: Der Christus wird leiden und am dritten Tag von den Toten auferstehen, und in seinem Namen wird man allen Völkern Umkehr zur Vergebung der Sünden verkünden, angefangen in Jerusalem. Ihr seid Zeugen dafür. Und seht, ich werde die Verheißung meines Vaters auf euch herabsenden. Ihr aber bleibt in der Stadt, bis ihr mit der Kraft aus der Höhe erfüllt werdet. Dann führte er sie hinaus in die Nähe von Betanien. Dort erhob er seine Hände und segnete sie. Und während er sie segnete, verließ er sie und wurde zum Himmel emporgehoben. Sie aber fielen vor ihm nieder. Dann kehrten sie in großer Freude nach Jerusalem zurück. Und sie waren immer im Tempel und priesen Gott. Evangelium unseres Herrn Jesus Christus.
Kommentar zum Evangelium des Tages
Jesus sagt seinen Jüngern, dass sie, wenn er fortgeht, zur Fortsetzung seines Heilswerks mit Kraft erfüllt werden, das heißt, dass sie den Heiligen Geist als Feuer, als Energie, als Licht, als Beistand, als Inspirator und als dauerhaften Offenbarer der Geheimnisse des Herrn empfangen werden. Das Schöne ist, dass der Bericht des Evangelisten Lukas mit einem Bild des Lobes und der Freude der Jünger endet, die nach der Himmelfahrt Jesu die Erfüllung seiner Verheißung erwarten. Sie sind aber noch aus einem anderen Grund glücklich: Sie haben verstanden, dass seine geistige Gegenwart trotz seiner Himmelfahrt immer bei ihnen sein wird. Schon bald werden sie eine Sendung beginnen, die sie bis an die äußersten Grenzen der Erde führen wird. Das wäre für zwölf einfache und unvorbereitete Männer nicht möglich gewesen, wenn er nicht bei ihnen gewesen wäre. Auch du bist daher eingeladen, zum Himmel aufzuschauen, aber zugleich auf den Wegen deiner persönlichen Geschichte weiterzugehen - im Bewusstsein, dass der Meister dir nahe ist, so wie er denen nahe war, die dir im Zeichen des Glaubens vorausgegangen sind. Gib dich nicht mit einem mittelmäßigen Leben zufrieden.

