Texte aus dem Messbuch „Auf dein Wort“ September-Oktober 2021
27. Sonntag im Jahreskreis (B)
3. Woche des Psalters
ERSTE LESUNG
Aus dem Buch Genesis (Gen 2,18-24)
Gott, der Herr, sprach: „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist. Ich will ihm eine Hilfe machen, die ihm entspricht.“ Dann formte Gott, der Herr, aus dem Ackerboden alle Tiere des Feldes und alle Vögel des Himmels und führte sie dem Menschen zu, um zu sehen, wie er sie benennen würde. Und wie der Mensch jedes lebendige Wesen benannte, so sollte es heißen. Der Mensch gab Namen allem Vieh, den Vögeln des Himmels und allen Tieren des Feldes. Aber eine Hilfe, die dem Menschen entsprach, fand sich nicht. Da ließ Gott, der Herr, einen tiefen Schlaf auf den Menschen fallen, sodass er einschlief, nahm eine seiner Rippen und verschloss ihre Stelle mit Fleisch. Gott, der Herr, baute aus der Rippe, die er vom Menschen genommen hatte, eine Frau und führte sie dem Menschen zu. Und der Mensch sprach: „Das endlich ist Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch. Frau soll sie genannt werden; denn vom Mann ist sie genommen.“ Darum verlässt der Mann seinen Vater und seine Mutter und bindet sich an seine Frau, und sie werden ein Fleisch. – Wort des lebendigen Gottes.
Auslegung zur ersten Lesung
„Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist“: Diese Aussage offenbart die tiefe Wahrheit des Menschen, der geschaffen ist, aus sich selbst herauszutreten, um dem anderen zu begegnen. Der Mensch ist dazu berufen, in Beziehung zu den anderen Geschöpfen zu treten, in einer Beziehung des Austauschs, der Hilfe und des Respekts. Hüter des Gartens mit all seinem Reichtum und seiner Schönheit zu sein, genügt ihm nicht. Auch die Aufgabe, den Tieren Namen zu geben – Ausdruck der überaus hohen Würde, zu der Gott ihn beruft – genügt ihm nicht. Materielle Dinge, Aufgaben und persönliche Anerkennung erfüllen ihn nicht. Der Mensch braucht etwas anderes. Erst als Gott Mann und Frau erschafft, finden sie im jeweils anderen ein Geschöpf von gleicher Würde, das fähig ist, auf Augenhöhe in Beziehung zu treten, zur gegenseitigen Ergänzung und zu einem tiefen und lebensspendenden Austausch. Sie sind aus demselben Fleisch und denselben Knochen; deshalb können sie einander nahe sein, sich verstehen, einander stützen und zu Lebensgefährten werden, die berufen sind, fruchtbar zu sein und sich zu vermehren. Die Vereinigung von Mann und Frau dient der Fortsetzung der Schöpfung. Die grundlegende Berufung ist ein Leben der Liebe, der Beziehung und der Gegenseitigkeit.
ZWEITE LESUNG
Aus dem Brief an die Hebräer (Hebr 2,9-11)
Brüder, Jesus, der für kurze Zeit unter die Engel erniedrigt war, sehen wir um seines Todesleidens willen mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt; durch Gottes Gnade sollte er für alle den Tod kosten. Denn es war angemessen, dass Gott, für den und durch den das All ist und der viele Söhne zur Herrlichkeit führen will, den Urheber ihrer Rettung durch Leiden vollendete. Denn er, der heiligt, und sie, die geheiligt werden, stammen alle aus dem Einen; deshalb scheut er sich nicht, sie Brüder zu nennen. – Wort des lebendigen Gottes.
Auslegung zur zweiten Lesung
Der Verfasser des Hebräerbriefes betrachtet das Geheimnis Christi. Er ist wegen des Todes, den er erlitten hat, mit Herrlichkeit gekrönt, damit er ihn zum Heil aller koste. Der Sohn wählt den Gehorsam gegenüber Gott und schenkt sein Leben für die Menschen, die er kraft der Menschwerdung Brüder nennen kann. Jesus hat sich als Mensch dem Willen des Vaters überlassen und jeden möglichen Zweifel an seiner Liebe zu den Menschen beseitigt. So ist der Weg des Meisters neu: Als wahrer Mensch liebt und vertraut er Gott ohne Brüche, ohne Zögern; als wahrer Gott ist er der Hohepriester, der sich selbst als „Opfer“ darbringen kann, unendlich kostbarer und dem Vater wohlgefälliger. Die Vollkommenheit, die der Mensch aus eigener Kraft nicht erreichen konnte, hat Christus erreicht. Deshalb können wir uns aufmachen, ihm nachzufolgen und unseren persönlichen Gehorsam gegenüber dem Vater zu leben. Wir bringen unsere Tage und zugleich unsere Ängste dar; wir bringen unseren Einsatz und unser Zeugnis dar; wir bringen auch unsere Sünde dar und lassen zu, dass Gottes Gnade sie in eine Gelegenheit zur Umkehr verwandelt.
EVANGELIUM DES TAGES
Aus dem Evangelium nach Markus (Mk 10,2-16)
In jener Zeit kamen einige Pharisäer zu Jesus und fragten ihn, ob es einem Mann erlaubt sei, seine Frau aus der Ehe zu entlassen; damit wollten sie ihn auf die Probe stellen. Er antwortete ihnen: „Was hat euch Mose vorgeschrieben?“ Sie sagten: „Mose hat gestattet, eine Scheidungsurkunde auszustellen und die Frau aus der Ehe zu entlassen.“ Jesus entgegnete ihnen: „Nur weil ihr so hartherzig seid, hat er euch dieses Gebot gegeben. Am Anfang der Schöpfung aber hat [Dio] sie als Mann und Frau erschaffen. Darum wird der Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und sich an seine Frau binden, und die zwei werden ein Fleisch sein. Sie sind also nicht mehr zwei, sondern ein Fleisch. Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen.“ Zu Hause befragten ihn die Jünger noch einmal darüber. Er antwortete ihnen: „Wer seine Frau aus der Ehe entlässt und eine andere heiratet, begeht ihr gegenüber Ehebruch. Und wenn sie ihren Mann aus der Ehe entlässt und einen anderen heiratet, begeht sie Ehebruch.“ Da brachte man Kinder zu ihm, damit er sie berühre. Die Jünger aber wiesen die Leute zurecht. Als Jesus das sah, wurde er unwillig und sagte zu ihnen: „Lasst die Kinder zu mir kommen; hindert sie nicht daran! Denn Menschen wie ihnen gehört das Reich Gottes. Amen, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht so annimmt, wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen.“ Und er nahm die Kinder in seine Arme; dann legte er ihnen die Hände auf und segnete sie. – Evangelium unseres Herrn Jesus Christus.
Auslegung zum Evangelium des Tages
Jesus will den ursprünglichen Plan Gottes für die Ehe wieder vor Augen führen, wie er im Buch Genesis zum Ausdruck kommt. Die Pharisäer stellen ihn auf die Probe, indem sie ihn zum Thema der Entlassung aus der Ehe befragen; doch er weist sie zurecht und sagt, dass Mose dieses Gesetz wegen ihrer Hartherzigkeit erlassen habe. Die Entlassung aus der Ehe ist eine Form der Scheidung. Diese von Mose erlaubte Regelung sollte die Frau der Willkür des Mannes entziehen; im damaligen jüdischen Recht gab es jedoch keine Gleichheit zwischen Ehemann und Ehefrau: Die Frau war Eigentum des Mannes wie seine übrigen Besitztümer und hatte keinerlei Anspruch auf die Treue des Ehemanns, der rechtlich nicht wegen Ehebruchs an ihr angeklagt werden konnte. Indem der Herr diesen Brauch als Ungerechtigkeit gegenüber den Frauen anprangert, sorgt er sich um die Schwächeren; doch das genügt nicht! Wenn er von Ehebruch spricht, stellt er die rechtliche Gleichheit von Ehemann und Ehefrau fest – damals völlig undenkbar! Mit seinen Worten erstaunt und fordert Jesus bis heute zutiefst heraus. Um Gottes Gesetz, auch das über die Ehe, zu verstehen und in die Tat umzusetzen, muss man seinem Wort vertrauen.

