Die Kommentare zur Liturgie des Tages aus dem Messbuch „Sulla Tua Parola“ von Juli/August 2020.
22. Sonntag im Jahreskreis (A)
2. Woche im Psalter
ERSTE LESUNG
Aus dem Buch des Propheten Jeremia (Jer 20,7-9)
Du hast mich betört, Herr, und ich ließ mich betören; du hast mich gepackt und überwältigt. Zum Gespött bin ich geworden den ganzen Tag, jeder verlacht mich. Ja, sooft ich rede, muss ich schreien, „Gewalt und Unterdrückung!“ muss ich rufen. Denn das Wort des Herrn bringt mir den ganzen Tag nur Spott und Hohn. Sagte ich aber: „Ich will nicht mehr an ihn denken und nicht mehr in seinem Namen sprechen!“, so war es mir, als brenne in meinem Herzen ein Feuer, eingeschlossen in meinen Gebeinen. Ich quälte mich, es auszuhalten, und konnte nicht. Wort des lebendigen Gottes.
Kommentar zur ersten Lesung
Alles beginnt mit einer göttlichen Verführung. Gott beruft den Propheten, indem er ihn mit Banden der Güte und Zärtlichkeit an sich zieht, auch wenn der Inhalt der Botschaft hart und unbequem sein kann und sein muss. Es gibt eine kurze Komposition von Pater David Maria Turoldo mit dem Titel „Nicht einmal der Tod“: „Sicher kann das Feuer sterben / im Schoß der Erde / und das Meer sich beruhigen; / der Frühling kann ausbleiben, / doch dieses Herz kann unmöglich / nicht wieder hoffen.“ Die Hoffnung, dass die Welt sich verändern wird, ist kein magisches Feuer und kein einfaches, oberflächliches Gefühl eines wohlmeinenden Gutmenschentums, sagt uns der Dichter in einer konzentrierten Verbindung christlichen Glaubens, christlicher Hoffnung und christlicher Liebe. Eben: Nicht einmal der Tod, das letzte Hindernis, kann den heiligen Eifer des Propheten löschen. Ein sehr schönes und ausführliches Gebet trägt den Titel: „Herr, erinnere dich an die Priester.“ Heute würde ich es abwandeln und bitten: „Herr, erinnere dich an die Propheten.“ Besonders an jene unbequemen, die vielleicht auf schonungslose Weise die Wahrheit über Christus verkünden, der Mensch geworden, gestorben und auferstanden ist, vor allem in den Aspekten, die wir gern verdrängen oder vergessen würden, in allem, was uns aus unserer Mittelmäßigkeit und Widersprüchlichkeit aufrüttelt.
ZWEITE LESUNG
Aus dem Brief des Apostels Paulus an die Römer (Röm 12,1-2)
Brüder und Schwestern, ich ermahne euch angesichts des Erbarmens Gottes, eure Leiber als lebendiges, heiliges und Gott wohlgefälliges Opfer darzubringen - als euren geistigen Gottesdienst. Gleicht euch nicht dieser Welt an, sondern lasst euch durch die Erneuerung eures Denkens verwandeln, damit ihr prüfen und erkennen könnt, was der Wille Gottes ist: das Gute, Gott Wohlgefällige und Vollkommene. Wort des lebendigen Gottes.
Kommentar zur zweiten Lesung
„Gleicht euch nicht dieser Welt an, sondern lasst euch durch die Erneuerung eures Denkens verwandeln, damit ihr prüfen und erkennen könnt, was der Wille Gottes ist: das Gute, Gott Wohlgefällige und Vollkommene.“ „Gleicht euch nicht an.“ Schluss mit dem Schlafen! Schluss mit dem Satz: „Das machen doch alle so!“ Bist du Christ? Bist du katholisch? Dann lebe auch so und jage keinen Ehrungen nach, sondern denke an das wahre Leuchten deiner Augen (hast du morgens, auch wenn du halb schläfrig bist, noch den Mut, ihnen im Spiegel zu begegnen?) und trenne dein Leben klar durch, bis du dich zum Beispiel fragst: Wie gehe ich mit meinem Geld und dem Geld meiner Familie um, ganz gleich, ob es viel oder sehr wenig ist? „Lasst euch verwandeln.“ Wie viel Geld, aber vor allem wie viel Energie wird verschwendet, nur weil ich mich damit zufriedengebe, „mich so anzunehmen, wie ich bin“. Das reicht nicht. Und nur der Geist Gottes verwandelt, verändert dich und schenkt dir die ursprüngliche Schönheit zurück, die „am Anfang“ da war. „Erneuert euch“ zuerst in eurer Denkweise, dann in euren Gefühlen und Handlungen. „Prüfen und erkennen.“ Bin ich fähig dazu, und lasse ich mir helfen, das Gute vom Bösen zu unterscheiden? Das Gute im allgemeinen Sinn vom Besseren? Wünsche zu einem neuen Leben!
EVANGELIUM DES TAGES
Aus dem Evangelium nach Matthäus (Mt 16,21-27)
In jener Zeit begann Jesus, seinen Jüngern zu erklären, er müsse nach Jerusalem gehen und von den Ältesten, den Hohepriestern und den Schriftgelehrten vieles erleiden; er werde getötet werden und am dritten Tag auferstehen. Da nahm ihn Petrus beiseite und machte ihm Vorwürfe; er sagte: „Das soll Gott verhüten, Herr! Das darf nicht mit dir geschehen!“ Jesus aber wandte sich um und sagte zu Petrus: „Tritt hinter mich, du Satan! Du bist mir ein Ärgernis; denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.“ Darauf sagte Jesus zu seinen Jüngern: „Wenn jemand hinter mir hergehen will, verleugne er sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, wird es finden. Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sein Leben einbüßt? Um welchen Preis kann ein Mensch sein Leben zurückkaufen? Der Menschensohn wird mit seinen Engeln in der Herrlichkeit seines Vaters kommen und dann wird er jedem vergelten, wie es seine Taten verdienen.“ Evangelium unseres Herrn Jesus Christus.
Kommentar zum Evangelium des Tages
„Da nahm ihn Petrus beiseite und machte ihm Vorwürfe; er sagte: ‚Das soll Gott verhüten, Herr! Das darf nicht mit dir geschehen!‘“ Petrus, der Impulsive, Petrus, der Jünger, der seinen Meister zurechtweist. Ich hoffe, dass auch im heutigen Denken der Widerspruch, dem er sich aussetzt, wirklich klar ist: Der Meister lehrt, der Jünger lernt. Petrus, der Feind des Kreuzes, bietet Jesus die Gelegenheit, die Weisheit des Kreuzes noch tiefer zu bekräftigen. Eine ganz und gar göttliche Weisheit, auf die der Jünger antwortet: „Das soll Gott verhüten.“ In Jesu Antwort wurde das alte „Vade retro“ („Geh zurück“) durch ein tieferes und bedeutungsvolleres „Tritt hinter mich“ ersetzt: ein dramatisches „Folge mir“, komm und folge mir. Petrus scheint seinen Herrn und Meister zu lieben und versucht, ihn vor einem abscheulichen Tod zu bewahren, doch das ist nicht Gottes Wille. Petrus ist bereit, Jesus als Messias anzuerkennen, aber nur nach den Vorstellungen, die er selbst von ihm hat. Vielleicht habe auch ich mir ein Bild von Gott gemacht, von dem ich nicht möchte, dass man es aus den Angeln hebt? Was ist der erste Schritt, der heutige, um dem Meister wieder in Geist und Wahrheit zu folgen?

