Texte aus dem Messbuch „Auf dein Wort“ Juli-August 2022
18. Sonntag im Jahreskreis (C)
2. Woche des Psalters
ERSTE LESUNG
Aus dem Buch Kohelet (Koh 1,2;2,21-23)
Nichtigkeit der Nichtigkeiten, sagt Kohelet, Nichtigkeit der Nichtigkeiten: Alles ist nichtig. Wer mit Weisheit, Erkenntnis und Erfolg gearbeitet hat, muss seinen Anteil anschließend einem anderen überlassen, der sich überhaupt nicht darum bemüht hat. Auch das ist nichtig und ein großes Übel. Denn welchen Gewinn hat der Mensch von all seiner Mühe und von den Sorgen seines Herzens, mit denen er sich unter der Sonne abmüht? All seine Tage sind nichts als Schmerzen und quälende Unruhe; nicht einmal nachts findet sein Herz Ruhe. Auch das ist nichtig! - Wort des lebendigen Gottes.
Kommentar zur ersten Lesung
Die Betrachtung der Wirklichkeit des menschlichen Lebens, die Kohelet anstellt, scheint wirklich trostlos. Im Hebräischen bezeichnet der Begriff Nichtigkeit eigentlich „Rauch“ oder Dampf. Man sieht ihn einen Augenblick lang, dann verflüchtigt er sich sofort; er ist eine vergängliche und substanzlose Wirklichkeit. Alles ist nichtig: Auch die schönsten Pläne sind dazu bestimmt, zu enden, ohne dass sich noch jemand an sie erinnert. Die Arbeit des Menschen ist nutzlos, denn auch wer kompetent und erfolgreich gearbeitet hat, muss seine Güter einem anderen überlassen, der sich vielleicht überhaupt nicht darum bemüht hat. Selbst die Liebe und der Schmerz, von denen unser Leben erfüllt ist, werden vom heiligen Verfasser als nichtig betrachtet. Wenn wir den Text jedoch eingehender lesen, können wir darin eine Einladung zur Unterscheidung erkennen, worauf sich das eigene Leben und sein Sinn solide und nicht vergeblich gründen lassen. Kohelets Haltung ist weniger Pessimismus als vielmehr ein gesunder Realismus, der die richtige Werteordnung wiederherstellt: Er mahnt, die Lebensqualität nicht der Täuschung eines zwiespältigen Wohlstands zu opfern, das Vergängliche nicht als ewig zu betrachten und die kleinen Freuden des Alltags als Geschenk anzunehmen.
ZWEITE LESUNG
Aus dem Brief des Apostels Paulus an die Kolosser (Kol 3,1-5.9-11 )
Brüder und Schwestern, seid ihr nun mit Christus auferweckt, so strebt nach dem, was oben ist, wo Christus zur Rechten Gottes sitzt. Richtet euren Sinn auf das, was oben ist, nicht auf das Irdische! Denn ihr seid gestorben und euer Leben ist mit Christus verborgen in Gott. Wenn Christus, unser Leben, offenbar wird, dann werdet auch ihr mit ihm offenbar werden in Herrlichkeit. Darum tötet, was irdisch an euch ist: Unzucht, Unreinheit, Leidenschaft, böse Begierde und die Habsucht, die Götzendienst ist. Belügt einander nicht; denn ihr habt den alten Menschen mit seinen Taten ausgezogen und den neuen Menschen angezogen, der nach dem Bild seines Schöpfers erneuert wird, um ihn zu erkennen. Hier gibt es nicht mehr Griechen und Juden, Beschnittene und Unbeschnittene, Barbaren, Skythen, Sklaven, Freie, sondern Christus ist alles und in allen. - Wort des lebendigen Gottes.
Kommentar zur zweiten Lesung
Der heilige Paulus sagt uns nicht nur, dass wir nach dem streben müssen, was oben ist, sondern dass dies der wichtigste Gegenstand unserer Gedanken sein soll. Nicht mehr das Irdische, diese vergängliche Welt, sondern das, was den Himmel betrifft, der das Ziel sein muss, nach dem wir mit all unseren Kräften streben. Durch die Taufe sind wir dem Irdischen gestorben und als neue Geschöpfe wiedergeboren, auferstanden, die sich nach dem sehnen, was oben ist, also nach einem Leben in Christus. Das bedeutet jedoch nicht, dass wir vor der Sünde geschützt sind; daher wäre es töricht, diese Wahrheit zu unterschätzen. Deshalb müssen wir das absterben lassen, was uns noch daran hindert, als wahrhaft Auferstandene zu leben. Es liegt auf der Hand, dass der Apostel nicht dazu auffordert, vor unseren Aufgaben zu fliehen oder ihnen auszuweichen. Vielmehr ruft er dazu auf, den Dingen ihr wahres, stabiles und dauerhaftes Fundament zu geben, sodass Jesus zum Maßstab unserer Entscheidungen wird. Zweifellos erfordert dies Einsatz und Opfer, doch die Belohnung, die uns erwartet, ist jede Anstrengung wert.
EVANGELIUM DES TAGES
Aus dem Evangelium nach Lukas (Lk 12,13-21)
In jener Zeit sagte einer aus der Volksmenge zu Jesus: „Meister, sag meinem Bruder, er soll das Erbe mit mir teilen!“ Er erwiderte ihm: „Mensch, wer hat mich zum Richter oder Schlichter bei euch gemacht?“ Dann sagte er zu ihnen: „Gebt Acht und hütet euch vor jeder Habsucht! Denn das Leben eines Menschen besteht nicht darin, dass er im Überfluss seines Besitzes lebt.“ Und er erzählte ihnen ein Gleichnis: „Das Land eines reichen Mannes hatte reichen Ertrag gebracht. Da überlegte er bei sich selbst: ‚Was soll ich tun? Ich habe keinen Platz, um meine Ernte unterzubringen.‘ Schließlich sagte er: ‚So will ich es machen: Ich werde meine Scheunen abreißen und größere bauen; dort werde ich mein ganzes Getreide und meine Vorräte sammeln. Dann werde ich zu meiner Seele sagen: Meine Seele, du hast viele Vorräte, die für viele Jahre reichen. Ruh dich aus, iss und trink und freue dich des Lebens!‘ Da sprach Gott zu ihm: ‚Du Narr! Noch in dieser Nacht wird man dein Leben von dir zurückfordern. Wem wird dann das gehören, was du vorbereitet hast?‘ So geht es einem, der für sich selbst Schätze sammelt, aber bei Gott nicht reich ist.“ - Evangelium unseres Herrn Jesus Christus.
Kommentar zum Evangelium des Tages
Mit dem Gleichnis hilft Jesus uns zu verstehen, was es bedeutet, vor Gott reich zu sein, ohne Schätze für sich selbst anzuhäufen. Nach Jesu Wort gibt es mindestens zwei Arten von Reichtum. Die eine, die gewöhnlich von allen Menschen - niemand ausgenommen - begehrt wird, hat jedoch nicht die Macht, uns glücklich zu machen. Der materielle Reichtum gibt uns nämlich die Illusion jener Befriedigung, nach der wir vielleicht ein ganzes Leben lang gesucht haben; dann genügt ein Augenblick, und alles bricht kläglich zusammen. Es gibt aber noch einen anderen Reichtum, weniger auffällig, der zumindest aus menschlicher Sicht kein großes Ansehen verleiht und den deshalb nur sehr wenige suchen und begehren. Wer jedoch seinen Wert versteht, setzt alle Kräfte ein, um ihn zu erlangen. Hat man ihn einmal erlangt, verliert man ihn nicht mehr: Seine Frucht erwartet uns, und sein Genuss ist ewig. Vor Gott reich zu werden ist allen möglich, erfordert aber eine völlig andere Haltung: zu erkennen, dass das eigene Leben von seiner Gabe abhängt und nicht von unserem Besitz. Mit anderen Worten: Das Leben hängt nicht von mir und meinem Vertrauen auf mich selbst ab. Es hängt nicht davon ab, was ich besitze oder mit Habsucht begehre, sondern davon, was ich empfange und dankbar annehme.

