Texte aus dem Messalino „Auf dein Wort“ Juli-August 2024
18. Sonntag im Jahreskreis (B)
2. Woche im Psalterium
ERSTE LESUNG
Aus dem Buch Exodus (Ex 16,2-4.12-15)
In jenen Tagen murrte die ganze Gemeinde der Israeliten in der Wüste gegen Mose und Aaron. Die Israeliten sagten zu ihnen: «Wären wir doch im Land Ägypten durch die Hand des Herrn gestorben, als wir an den Fleischtöpfen saßen und Brot genug zu essen hatten! Stattdessen habt ihr uns in diese Wüste geführt, um die ganze Gemeinde an Hunger sterben zu lassen.» Da sprach der Herr zu Mose: «Ich will euch Brot vom Himmel regnen lassen. Das Volk soll hinausgehen, um seinen täglichen Bedarf für den jeweiligen Tag zu sammeln. Ich will es prüfen, ob es nach meiner Weisung lebt oder nicht. Ich habe das Murren der Israeliten gehört. Sag ihnen: Am Abend werdet ihr Fleisch zu essen haben, am Morgen werdet ihr satt sein von Brot; dann werdet ihr erkennen, dass ich der Herr, euer Gott, bin.» Am Abend kamen die Wachteln und bedeckten das Lager. Am Morgen lag eine Schicht Tau rings um das Lager. Als sich die Tauschicht aufgelöst hatte, lag auf der Oberfläche der Wüste etwas Feines, Knuspriges, fein wie Reif auf der Erde. Die Israeliten sahen es und sagten zueinander: «Was ist das?», denn sie wussten nicht, was es war. Da sagte Mose zu ihnen: «Das ist das Brot, das der Herr euch zu essen gibt.» – Wort des lebendigen Gottes.
Kommentar zur ersten Lesung
Die Wüste darf nicht als ein einsamer Ort verstanden werden, an dem jeder von uns einige Tage verbringen möchte, um ein wenig Frieden und Ruhe zu finden. Im Gegenteil: Sie ist ein Ort, an dem das Leben schwerfällt und man leicht sterben kann. Angesichts des Leidens reagieren die Hebräer mit Misstrauen, Protest und dem Versuch, das Vorhaben aufzugeben. Sie bereuen, sich auf den Weg gemacht zu haben, akzeptieren die gewonnene Freiheit nicht und sehnen sich nach dem Ägypten der Sicherheiten zurück, wobei sie die Sklaverei des Pharao und die vom Herrn gewirkte Befreiung vergessen, der sie prüfen will, um ihren Glauben zu erproben. Es handelt sich gewiss um ein schmerzvolles und todbringendes Handeln, das jedoch vonseiten des Herrn den pädagogischen Zweck hat, das Volk zu erziehen, das als Kind Gottes bezeichnet wird. So kann die Wüste zum Ort der machtvollen Offenbarung des Herrn werden. Man denke nur an die wunderbaren Hilfen wie das Manna, die Wachteln, das aus dem Felsen hervorsprudelnde Wasser und die Heilungen nach den Bissen giftiger Schlangen. Die glaubende Gemeinschaft wird dazu aufgerufen, sich für das Leben zu entscheiden: den Herrn zu lieben und auf seinen Wegen zu gehen.
ZWEITE LESUNG
Aus dem Brief des Apostels Paulus an die Epheser (Eph 4,17.20-24)
Brüder und Schwestern, ich sage und beschwöre euch im Herrn: Lebt nicht mehr wie die Heiden in ihrem nichtigen Denken! Das aber habt ihr bei Christus nicht gelernt, wenn ihr wirklich auf ihn gehört habt und in ihm unterwiesen worden seid, wie es der Wahrheit in Jesus entspricht: Legt den alten Menschen ab, der sich durch die trügerischen Begierden zugrunde richtet, erneuert euer Denken und zieht den neuen Menschen an, der nach dem Bild Gottes geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit. – Wort des lebendigen Gottes.
Kommentar zur zweiten Lesung
Paulus ist ein Bekehrter, und die Gemeinden, an die er sich wendet, bestehen aus Menschen, die erst vor Kurzem das Evangelium angenommen haben, den Götzendienst aufgegeben haben, um dem Herrn Jesus zu dienen, und nun ein völlig anderes moralisches Verhalten leben als zu der Zeit, als sie Heiden waren. Durch den Glauben, also durch die Aufnahme des Evangeliums, stirbt der Neubekehrte seinem vergangenen Leben als alter Mensch und steht mit Christus auf, indem er zu einer neuen Schöpfung wird. Auch in der Taufe, dem Sakrament des Glaubens, taucht man in den Tod ein, um als von Heiligen Geist geführtes Kind Gottes aufzuerstehen. Dies wird an den Zeichen des Sakraments sichtbar: Der Täufling wird in das Wasser des Taufbeckens eingetaucht, was den Tod bezeichnet, und steigt als neue, vom Licht Christi erleuchtete Schöpfung aus dem Wasser hervor; er wird mit dem heiligen Chrisam gesalbt und mit dem weißen Gewand bekleidet, der Farbe der Auferstehung. Die Bekehrung, die sich im gegenwärtigen Leben fortsetzt, macht dieses grundlegende und ursprüngliche Ereignis immer wieder gegenwärtig. Deshalb kreuzigt der Mensch, der zum Glauben findet, seinen Egoismus und macht die Erfahrung eines neuen Lebens, das entsteht und von allen schlechten Neigungen befreit ist.
EVANGELIUM DES TAGES
Aus dem Evangelium nach Johannes (Joh 6,24-35)
In jener Zeit sah die Volksmenge, dass Jesus nicht mehr dort war und auch seine Jünger nicht. Da stiegen sie in die Boote, fuhren nach Kafarnaum und suchten Jesus. Als sie ihn auf der anderen Seite des Sees fanden, fragten sie ihn: «Rabbi, wann bist du hierhergekommen?» Jesus antwortete ihnen: «Amen, amen, ich sage euch: Ihr sucht mich nicht, weil ihr Zeichen gesehen habt, sondern weil ihr von den Broten gegessen habt und satt geworden seid. Bemüht euch nicht um die Speise, die verdirbt, sondern um die Speise, die für das ewige Leben bleibt und die der Menschensohn euch geben wird. Denn ihn hat der Vater, Gott, mit seinem Siegel beglaubigt.» Da fragten sie ihn: «Was müssen wir tun, um die Werke Gottes zu vollbringen?» Jesus antwortete ihnen: «Das ist das Werk Gottes, dass ihr an den glaubt, den er gesandt hat.» Da sagten sie zu ihm: «Welches Zeichen tust du denn, damit wir es sehen und dir glauben? Was für ein Werk tust du? Unsere Väter haben das Manna in der Wüste gegessen, wie es in der Schrift heißt: “Brot vom Himmel gab er ihnen zu essen.”» Jesus sagte zu ihnen: «Amen, amen, ich sage euch: Nicht Mose hat euch das Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel. Denn das Brot, das Gott gibt, kommt vom Himmel herab und gibt der Welt das Leben.» Da baten sie ihn: «Herr, gib uns immer dieses Brot!» Jesus antwortete ihnen: «Ich bin das Brot des Lebens; wer zu mir kommt, wird nicht mehr hungern, und wer an mich glaubt, wird nie mehr dürsten.» – Evangelium unseres Herrn Jesus Christus.
Kommentar zum Evangelium des Tages
Jesus beginnt die Rede über den Glauben als notwendiges «Werk», das darin besteht, den aufzunehmen, den der Vater gesandt hat. So wie man darauf bedacht ist, sich mit körperlicher Nahrung zu ernähren, muss man sich umso mehr darum bemühen, die wahre Speise zu finden. Ausgehend von der Freude über die reichlich angebotenen Brote muss daher jeder Jünger sein Interesse auf den richten, der diese Nahrung gegeben hat: Jesus ist das wahre Brot. Was Gott zur Zeit des Exodus gegeben hat, ist nur etwas Vorübergehendes und weist auf das hin, was dauerhaft und wahr ist. Das Brot, das der Vater den Menschen nun anbietet, besitzt folgende Eigenschaften: Zunächst ist es «das Brot Gottes» und wird nicht von Menschen geknetet und gebacken; es «kommt vom Himmel herab» und stammt nicht vom Getreide der Ernte; schließlich «gibt es der Welt» der Menschen «das Leben» – ein Leben, das nicht auf die wenigen Tage des irdischen Daseins beschränkt ist, sondern «ewig» ist, weil es Anteil am Leben Gottes selbst schenkt. Das Versprechen ist verlockend, und die Anwesenden bitten Jesus, dieses Brot zu empfangen, dessen Eigenschaften sie noch nicht kennen, und es ständig zu haben. Nun fasst Jesus diesen ersten Teil der Rede zusammen: «Ich bin das Brot des Lebens.» Es geht darum, endgültig zu ihm zu kommen, um wirklich satt zu werden.


