Texte aus dem Messbuch „Auf dein Wort“ Mai-Juni 2023
Allerheiligste Dreifaltigkeit (S) (A)
eigene
ERSTE LESUNG
Aus dem Buch Exodus (Ex 34,4b-6.8-9)
In jenen Tagen stand Mose früh am Morgen auf und stieg auf den Berg Sinai, wie der Herr es ihm geboten hatte, mit den beiden steinernen Tafeln in der Hand. Da kam der Herr in der Wolke herab, trat dort zu ihm und rief den Namen des Herrn aus. Der Herr ging vor seinem Angesicht vorüber und rief: «Der Herr, der Herr, der barmherzige und gnädige Gott, langmütig und reich an Liebe und Treue». Mose neigte sich sogleich bis zur Erde und warf sich nieder. Er sagte: «Wenn ich Gnade gefunden habe in deinen Augen, Herr, dann ziehe doch der Herr in unserer Mitte mit. Ja, es ist ein halsstarriges Volk; doch vergib uns unsere Schuld und unsere Sünde und nimm uns als dein Eigentum an». – Wort des lebendigen Gottes.
Kommentar zur ersten Lesung
In diesem außergewöhnlichen Abschnitt aus dem Buch Exodus offenbart Gott Mose, wer er ist, den Namen, der ihn kennzeichnet. Es ist ein langer Name: «Der Herr, der barmherzige und gnädige Gott, langmütig und reich an Liebe und Treue». Bis jetzt war Gott nicht so ausführlich und mitteilsam gewesen … Mit Noach und Abraham hatte er kurze Ausdrücke verwendet und nicht viel über sich selbst gesagt. Nun wird die Offenbarung umfassender, weil das Volk Israel seine Sendung erfüllen muss: Gott immer mehr kennenzulernen und sich ihm anzuvertrauen, bis der Erlöser Jesus kommt. Sobald Mose den Namen hört, freut er sich nicht und beginnt auch kein Gespräch, sondern wirft sich zur Erde nieder und bittet um Vergebung. Die absolute Transzendenz Gottes löst eine Art Schrecken und den Wunsch aus, zu verschwinden. Nach einem Wunder wird Petrus zu Jesus sagen: «Herr, geh weg von mir; ich bin ein Sünder!» In Wahrheit: Wehe, wenn der Herr sich entfernte! Wie sollten wir gerettet werden? Wie könnten wir ohne Vergebung, ohne Liebe leben? Deshalb offenbart sich Gott nach und nach: Wir gewöhnen uns daran, die Last seiner Herrlichkeit zu tragen, indem wir Schritt für Schritt vorangehen, bis zur endgültigen Begegnung mit ihm.
ZWEITE LESUNG
Aus dem zweiten Brief des heiligen Apostels Paulus an die Korinther (2 Kor 13,11-13)
Brüder, freut euch, strebt nach Vollkommenheit, macht euch gegenseitig Mut, seid eines Sinnes, lebt in Frieden, und der Gott der Liebe und des Friedens wird mit euch sein. Grüßt einander mit dem heiligen Kuss. Alle Heiligen lassen euch grüßen. Die Gnade des Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. – Wort des lebendigen Gottes.
Kommentar zur zweiten Lesung
Die heutige Lesung wurde ausgewählt, weil der Gruß des Paulus an die Gemeinde von Korinth außergewöhnlich ist: Er erbittet für die Gläubigen die ganze Macht des dreifaltigen Gottes, die Gnade, die Liebe und die Gemeinschaft, die jeweils von Jesus, dem Vater und dem Heiligen Geist kommen. Doch vor dem Gruß hatte Paulus dazu ermahnt, dass in der Kirche von Korinth gegenseitige Liebe herrsche und man in Frieden lebe. Diese Beziehung zwischen der irdischen Gemeinschaft aus Menschen und der göttlichen „Gemeinschaft“ im Inneren der heiligsten Dreifaltigkeit ist grundlegend: Die erste muss ein Spiegelbild der zweiten sein. In Gott herrschen vollkommene Einheit und absolute Liebe; ebenso muss die menschliche Familie, die in Korinth zusammenkommt, jene Vollkommenheit widerspiegeln, die sie in Gott betrachtet. Aus diesem Grund ist der Segen mehr als ein Wunsch: Er ist eine wirkliche Übertragung von Gnade. Nicht ohne Grund betrachten wir den Segen heute als Sakramentale, umso mehr, wenn er vom Papst oder einem Bischof kommt (in diesem Fall ist Paulus ein Bischof): Der heilige Amtsträger erbittet für die Gemeinschaft der Gläubigen dieselbe Wirklichkeit der Liebe, die in Gott ist, und diese Gnade wird über die Menschen ausgegossen.
EVANGELIUM DES TAGES
Aus dem Evangelium nach Johannes (Joh 3,16-18)
In jener Zeit sagte Jesus zu Nikodemus: „Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird. Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er nicht an den Namen des einzigen Sohnes Gottes geglaubt hat.“ - Wort des lebendigen Gottes.
Kommentar zum Evangelium des Tages
Jesus spricht zu Nikodemus (der, wie Jesus selbst später im Gespräch anerkennt, ein „Lehrer in Israel“ ist) über die Beziehung zwischen dem Vater und dem Sohn. Und es ist der Sohn selbst, der davon spricht; wir können wirklich sagen, dass hier Gott über sich selbst spricht. Jesus sagt uns, dass der Vater die Menschen so sehr liebt, dass er das „Hinaustreten“ seines geliebten Wortes aus der geistigen Reinheit der göttlichen Dreifaltigkeit zulässt, um es in die irdische Wirklichkeit zu senden und so die Welt zu retten, das heißt, sie aus dem Fluch herauszuführen, in den sie durch die Sünde von Adam und Eva geraten war. Die Menschwerdung ist also in erster Linie ein Akt der Liebe des Vaters; das dürfen wir niemals vergessen. Dann sagt er uns, dass man, um in diese Erlösung einzutreten, an Jesus glauben muss, daran, dass er Gott und der vom Vater Gesandte ist, um diese Sendung zu erfüllen. Nicht zu glauben bedeutet, im Fluch, das heißt in der Verurteilung, zu bleiben. Von sich aus ist es nicht Gott, der verurteilt, sondern der Mensch, der, wenn er sich weigert zu glauben, im Zustand der Verlassenheit und Verurteilung bleibt, weil es unmöglich ist, sich selbst zu retten. „Das Christentum ist - schreibt Kierkegaard - keine Lehre. Das Christentum ist ein Glaube und eine entsprechende Form der Existenz.“


