Texte aus dem Messbuch „Nach deinem Wort“ November-Dezember 2021
2. Adventssonntag (C)
2. Woche im Jahreskreis
ERSTE LESUNG
Aus dem Buch des Propheten Baruch (Bar 5,1-9)
Leg ab, Jerusalem, das Gewand der Trauer und des Elends, und kleide dich in den Glanz der Herrlichkeit, die dir von Gott für immer verliehen wird. Hüll dich in den Mantel der Gerechtigkeit Gottes, setz dir die Krone der Herrlichkeit des Ewigen aufs Haupt! Denn Gott wird deinen Glanz jedem Geschöpf unter dem Himmel zeigen. Gott nennt dich für immer: „Friede der Gerechtigkeit“ und „Herrlichkeit der Gottesfurcht“. Steh auf, Jerusalem, stell dich auf die Höhe und schau nach Osten! Sieh deine Kinder versammelt vom Untergang der Sonne bis zu ihrem Aufgang, auf das Wort des Heiligen hin jubelnd über die Erinnerung an Gott. Zu Fuß gingen sie fort von dir, von Feinden bedrängt; Gott aber führt sie dir heim, getragen wie in königlichem Triumph. Denn Gott hat beschlossen, jeden hohen Berg und die uralten Felsen abzutragen und die Täler aufzufüllen, sodass das Land eingeebnet wird, damit Israel sicher unter der Herrlichkeit Gottes voranschreiten kann. Auch die Wälder und jeder duftende Baum spenden Israel auf Gottes Geheiß Schatten. Denn Gott führt Israel voll Freude heim im Licht seiner Herrlichkeit, mit Erbarmen und Gerechtigkeit, die von ihm kommen. – Wort des lebendigen Gottes.
Kommentar zur ersten Lesung
Der Prophet Baruch stellt sich die Stadt Jerusalem als eine Person vor, die erleben musste, wie ihre Kinder von ihr fortgingen, vor der feindlichen Invasion flohen und nun bereit sind, triumphierend zurückzukehren, ihren Platz wieder einzunehmen und Licht für die ganze Welt zu sein, „Glanz für jedes Geschöpf unter dem Himmel“. Die Geschichte Jerusalems ist ebenso wie unser persönliches Leben eine ständige Geschichte von Entfernung und Rückkehr: Gott fordert uns auf, immer in seiner Gnade zu sein und vor ihm gereinigt zu leben; Untreue hingegen führt zu Zeiten der Dunkelheit, Traurigkeit und Verbannung. Dann wird Gottes Ruf noch machtvoller: Er wird jeden Berg abtragen und jedes Tal auffüllen, damit die Rückkehr zu ihm leichter und freudiger wird. Wir sind diese Kinder, und der Herr Jesus ruft uns in dieser Adventszeit, zu ihm zurückzukehren, zum wahren Licht der Welt. Der Komet ist ein kraftvolles Symbol dieser Zeit: Ihn anzuschauen und ihm zu folgen bedeutet, sich wieder auf den Weg zu machen, unsere falschen Gewohnheiten hinter uns zu lassen und jenes Kind zu suchen, vor dem wir das Geschenk unseres Willens und unseres Lebens niederlegen.
ZWEITE LESUNG
Aus dem Brief des Apostels Paulus an die Philipper (Phil 1,4-6.8-11)
Brüder und Schwestern, immer wenn ich für euch alle bete, tue ich es mit Freude, weil ihr euch vom ersten Tag an bis heute für das Evangelium eingesetzt habt. Ich bin davon überzeugt, dass derjenige, der in euch das gute Werk begonnen hat, es auch vollenden wird bis zum Tag Christi Jesu. Denn Gott ist mein Zeuge, wie sehr ich mich nach euch allen sehne aus der Liebe zu Christus Jesus. Und ich bete darum, dass eure Liebe immer noch reicher an Erkenntnis und umfassender Einsicht wird, damit ihr zu prüfen vermögt, worauf es ankommt, und rein und ohne Tadel seid für den Tag Christi, erfüllt von der Frucht der Gerechtigkeit, die durch Jesus Christus entsteht, zur Ehre und zum Lob Gottes. – Wort des lebendigen Gottes.
Kommentar zur zweiten Lesung
Der heilige Paulus spricht zu uns von einer Reise, von einem Weg der Umkehr. Baruch und danach der Täufer (im Evangelium) laden dazu ein, aufzustehen und weiterzugehen, von einem Zustand der Ferne (Sünde) in einen Zustand der Nähe (Gnade) überzugehen. Auch der heilige Paulus bildet keine Ausnahme. An die Christen in Philippi gewandt, ermahnt er sie, auf dem eingeschlagenen Weg weiterzugehen, denn der Herr wird das begonnene Werk vollenden. Diese Reise der Umkehr legt man nämlich immer zu zweit zurück: Der Mensch wird von Jesus begleitet; allein kommt er nirgendwohin. Der Gläubige bringt den guten Willen ein, den Wunsch, Gott zu gefallen, das Gute zu wollen und für die Erlösung der Welt mitzuarbeiten, indem er sich selbst erhebt, und Jesus bringt die ganze Kraft seiner Gnade, seine Liebe und sein unendliches Erbarmen ein. So wird die Reise wunderbar und tröstlich, auch in den unvermeidlichen Prüfungen und Schwierigkeiten des Lebens. Es ist die Pilgerschaft des Herzens: von der Oberfläche zum Innersten, von der Äußerlichkeit zum Wesentlichen, von der Einsamkeit zur Gemeinschaft, von der Dunkelheit zum Licht. Der Advent ist eine Zeit der Gnade und des Aufbruchs. Wer stehen bleibt, ist verloren, sagt man. Und es stimmt.
EVANGELIUM DES TAGES
Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas (Lk 3,1-6)
Im fünfzehnten Jahr der Regierung des Kaisers Tiberius, als Pontius Pilatus Statthalter von Judäa war, Herodes Tetrarch von Galiläa, sein Bruder Philippus Tetrarch von Ituräa und der Trachonitis und Lysanias Tetrarch von Abilene, unter den Hohenpriestern Hannas und Kajaphas, erging das Wort Gottes an Johannes, den Sohn des Zacharias, in der Wüste. Er zog in die Gegend am Jordan hinaus und verkündete eine Taufe der Umkehr zur Vergebung der Sünden, wie im Buch der Reden des Propheten Jesaja geschrieben steht: „Stimme eines Rufers in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn! Macht gerade seine Straßen! Jede Schlucht soll aufgefüllt und jeder Berg und Hügel abgetragen werden. Was krumm ist, soll gerade, was uneben ist, soll zum ebenen Weg werden. Und alle Menschen werden das Heil Gottes schauen.“ – Evangelium unseres Herrn Jesus Christus.
Kommentar zum Evangelium des Tages
Die Lesung des Evangeliums rüttelt uns auf und lädt uns ein, unser Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen und uns erneut auf den wahren Weg zu machen, den Weg der Umkehr. Johannes der Täufer spricht heute zu uns, die wir den Herrn bereits kennengelernt haben, dessen Antlitz wir aber vielleicht vergessen haben, abgelenkt von den vielen Sorgen des Lebens und den falschen Lehren der Welt. Für den Täufer bedeutet Umkehr vor allem, den Weg zu bereiten, das Herz freizuräumen, alles wegzuwerfen, was das Kommen Jesu behindert, und die alten Dinge aus dem Fenster zu schleudern. Umkehr bedeutet, das Antlitz Christi anzuschauen und in ihm das Heil, den einzigen Weg und die einzige Wirklichkeit zu erkennen. Wir müssen nicht in die Wüste gehen, sondern in unseren Aufgaben bleiben und mit ganzem Herzen zu ihm zurückkehren, ein Leben in der Gnade neu beginnen, denn die Sünde schenkt niemals Freude, sondern vielmehr Unruhe und Traurigkeit. Umkehr ist keine vergangene Handlung, die ein für alle Mal gilt, sondern ein tägliches Ereignis, ein Geschehen von heute, denn wir sind niemals genug bekehrt. „Schweig, meine Seele, schweig“, schreibt Silesius, „wenn du schweigen würdest, würde Gott unaufhörlich in dir sprechen.“ Heute hören wir wieder seine Stimme, die uns in seine göttliche Nähe ruft!

